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Shakespeare im Comedy-Format

 

[GMG, 28.06.2017] „Schöne gegen Weiber – Coole gegen Tussen“ – so klang der Refrain des Raps, den sich die beiden „feindlichen Lager“ verbal, optisch und auch bildhaft um die Ohren hauten in dem temporeichen und frechen Stück „Zehn Dinge, die ich an dir hasse“ von Claudia Ried, aufgeführt von der Theatergruppe „Die Oscars“ des Gregor-Mendel-Gymnasiums am letzten Mittwoch in deren Mensa.

In Anlehnung an Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ und die amerikanische Aktualisierung „Zehn Dinge, die ich an dir hasse“ drehte sich alles  um die zwei sehr unterschiedlichen Töchter der gestressten Gynäkologin Fr. Liebermann (herrlich authentisch gespielt von Marion Hopfenzitz). Die eine, Katharina (Katharina Filimonov)  will offensichtlich nichts mit Jungs und Zickenkram zu tun haben, was der anderen, Bianca (Ayana Bauer) zum Verhängnis wird, da sie ihrerseits ausgesprochen großes Interesse an Jungs hat, aber erst ein Date haben darf, wenn auch die „widerspenstige“ Kathi an den Mann gebracht worden ist. So hat es Frau Doktor beschlossen, Shakespeare lässt grüßen! Nicht zu vergessen war die dritte im Bunde, die kleine Schwester Elisabeth (Julia Depperschmidt, klein, aber oho!), die durch ihre vorlaute und immer hungrige Art gehörig an den Nerven ihrer Familie sägte.

Gleich zu Beginn kündigt die coole Mel (Alicia Schroers Gómez) die „Schönen“  an und steigt auch unmittelbar in die coole Gang um Katharina und Tine (Lucy Riß, abgefahrenes Styling) und somit in die Handlung ein. Im Verlauf des Stücks wechselt sie immer wieder von der Erzählerin zur Darstellerin, was der rasanten Szenenabfolge sehr gut tut. Zu den Tönen von „Barbie Girl“ stolzieren Bianca (Ayana Bauer – „Barbie Girl“ in Vollendung!), Lisa (Ida Hanft), Vroni (Jessica Urbanovic), Hanna (Laura Tschursin) und Lara (Natalia Matula) ins Bild, sichtlich um ihr aufgeputztes, sehr blondes Äußeres bemüht. Köstlich vermitteln sie durch ihre tiefen Schmachtseufzer ihre große Bewunderung für den „Ober-Macker“ der Schule, KJ (Niko Tadin), der eher materiell als intellektuell bestückt ist und  kurze Zeit später zu den Klängen von „Shaggy – Mr.Boombastic“ einen dementsprechenden  Auftritt hinlegt. Grandios! Zu toppen ist seine Coolness nur noch durch das Auftreten des neuen Schülers Jojo (Paula Schißlbauer), dessen breitbeiniger Macho-Gang selbst einen John Wayne in den Schatten gestellt hätte.

Dann taucht noch das Trio Max (Richard Römmich), Frederike (Violetta Kaiser) und Lukas (Celina Fink) am Ort des Geschehens auf und punktet mit smartem Verstand und „Organisationstalent“. Sie beschließen, gesponsert von KJ, der sich seinerseits Chancen bei Bianca ausrechnet, Jojo als Date für Kathi anzuwerben, um dem verliebten Lukas den Weg zu Bianca frei zu machen. Jojo lässt sich auf den zweifelhaften Deal ein und stellt schnell fest, dass er wirklich Gefallen an Kathi findet. Nicht nur durch sein Gitarrespiel macht er Eindruck bei ihr und sie nimmt zur großen Überraschung aller seine Einladung zu einer Party an, was damit endet, dass sie sich in ihn verliebt.

Bianca allerdings kommen Zweifel an KJ. Entsprechend ernüchtert gestaltet sich die Frühstücksszene am nächsten Morgen, in der nur die genervte Mutter spricht und die Töchter nebst Freundin Vicky (Mabel Kigadye, anrührend) durch überdimensional groß bedruckte Textblätter, an ihren Sitzkisten heftend und von den einzelnen Protagonisten aufgeblättert, für den nonverbalen Dialog sorgen. Selbst in dieser Szene hat übrigens Vicky, die Freundin der kleinen Schwester Elli nichts zu melden, außer leere Blätter, was beim Publikum einmal mehr für Lacher sorgte.

Bald nach der Sause fliegt der vermeintliche Gefühlsschwindel durch die ebenfalls an Jojo interessierte, aber abgeblitzte Sophia (Vivian Gier, herrlich naiv) auf. Liebeskummer macht sich breit, sowohl bei Kathi als auch bei Jojo. Hilfe kommt ausgerechnet von Bianca, als ihr Kathi gesteht, dass sie einmal was mit KJ hatte. So nähern sich die beiden Schwestern wieder an, was letztendlich auch auf ihre „Gangs“ abfärbt, und Bianca wird klar, dass sie sich doch für den aufrichtigen Lukas entscheiden sollte, der nur ihretwegen Französisch gelernt hat.

Szenenwechsel: Es wird ein Gedicht für die nächste Deutschstunde von Frau Rudolf (Julia Groß, überzeugend gespielt) eingefordert. Viele krasse Sprüche sind zu vernehmen und der coole Norbert (Alina Dotzler) reimt mit Mel sogar im Duett. Als letzte tritt Kathi vor die Klasse und verkündet an Jojo gerichtet „zehn Dinge, die ich an dir hasse“ mit dem Schlusssatz  „mein Herz, das kann nicht von dir lassen“. So geht es auch Jojo, und als „Wiedergutmachung“ ersteht er eine Gitarre von dem Geld, das er für die Verabredung mit Kathi von KJ erhalten hat, und kann somit Kathis Herz zurück gewinnen. Auch Lukas verzeiht Bianca ihren „Fehlgriff KJ“ und erwärmt sich erneut für sie.

Während des gesamten Stückes war der Jugendlichen liebstes Spielzeug, das Handy, sehr präsent, welches einmal mehr die Veränderung in unserer heutigen Kommunikation deutlich machte.

Abschließend ist die einfallsreiche, minimalistische Bühnenausstattung, bestehend aus einem Podest und mehreren Holzkisten, welche gekonnt Szene für Szene neu ein- und umgesetzt wurden, zu erwähnen.

Insgesamt bewiesen die einzelnen Akteure großes schauspielerisches Talent, auch durch ihr gekonntes Mienenspiel, was in den abwechselnd eingesetzten Pantomime-Szenen hervorragend zur Geltung kam. Musikalisch treffend und mit vielen Mitteln des modernen Theaters gespickt, gelang es der witzig-frechen Truppe um die leidenschaftliche Theatermacherin Claudia Ried, den vielen Besuchern zwei kurzweilige und amüsante Stunden Unterhaltung zu bescheren.

Susanna Rosemann, EG

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„Wie sieht das Gespenst denn aus?“ – „Na, tot!“

[MRG, 01.06.2017] Am 01. Juni 2017 präsentierte die Theatergruppe der Unterstufe des Max-Reger-Gymnasiums unter der Leitung von Diana Schneider und Gabi Biehler  ihr Stück „Das Gespenst von Canterville“.

Bei einer Schlossführung (frech: Paula Keppler und Samara Stamper, aufmerksam und selbstbewusst als ältere Lady: Nadja Rein) entschließt sich der amerikanische Botschafter Harold Otis (geschäftstüchtig: Lilly Zolling), dieses Schmuckstück -inklusive Geist, das gehört zum Vertrag- zu erwerben.

Die abgeklärte Familie von Mr. Otis zieht also in das neu erworbene, altehrwürdige, englische Haus- „Schloss!“- „Bunker!!“- „Gruft!!!“- wobei die Begeisterung bei den unterschiedlichen Familienmitgliedern unterschiedlich ausfällt.

Eins aber ist klar: Amerikaner lassen sich nicht so schnell einschüchtern, schon gar nicht von den schaurigen Geschichten des alternden Lord Canterville (durchweg überzeugend: Max Daller). Abgebrüht und unerschröcklich inspizieren die an Frechheit nicht zu überbietenden, selbsternannten „Ghostbusters“ Jerry und Tom (Maximilian Hüttner und Adrian Wiens) den alten Kasten, um es den angeblich hier hausenden Gespenstern so richtig zu zeigen.

Tochter Virginia (einfühlsam und  anspruchsvoll: Hanna Schallmaier), ohne WLAN und Einkaufsmöglichkeiten, sieht schon die Schlagzeilen der Boulevardpresse vor sich: „Amerikaner verblöden in Einöde!“, während Washington, kurz „Wash“ (supersicher und obercool:  Phillipp Schötz) angesichts des sich erneuernden Blutflecks gelassen bleibt und die Lage zu jeder Zeit überblickt: „Keine Sorge- Mum kriegt alles sauber“.

Mrs. Otis macht sich umgehend ans Putzen (hervorragend in Szene gesetzt von Lotte Greiner), während Mrs. Umney, die Haushälterin dringend davor warnt, dadurch den Geist von Sir Simon (ist er ein echtes Gespenst oder ein brillianter Schauspieler?) zu erzürnen. Nicht nur einmal fällt sie vor Furcht in Ohnmacht (wirklich gekonnt: Steffi Stigler).

Aber die Eindringlinge lassen sich auch nicht beeindrucken, als der Geist in verzweifelter Not, sie wieder loszuwerden alle Register zieht und sich zeigt: „Wie sieht das Gespenst denn aus?“- „Na tot!“

Mr. Otis, pragmatischer Geschäftsmann, bietet nicht nur der Haushälterin eine Gehaltserhöhung zur Nervenberuhigung an, sondern versucht auch Sir Simon mit einer Abfindung zu bewegen, das Schloss zu verlassen, und hat obendrein für die quietschenden Gelenke „Antikal“ parat. Doch das Gespenst hat dafür nichts als gesteigerte Empörung übrig: „Ihr Pack, ihr Zweifler, ihr… Lebenden!“

Das Blatt wendet sich erst, als Virginia (in Nachthemd und Einhorn- Kuschel- Pantoffeln!) des Nachts auf Sir Simon trifft, Mitleid mit ihm und seiner untoten Situation hat und ihm ins Totenreich folgt, um ihn mit Hilfe einer alten Prophezeiung und einem Gebet erlöst.

Derweilen sucht die Familie aufgelöst nach dem Mädchen und muss sich letztendlich überzeugen lassen, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als man begreifen kann: „Echte Gespenster- außenpolitisch eine Katastrophe!!“ stellt Mr. Otis konsterniert fest.

Der Gespenstertanz, dem Virginia im Totenreich beiwohnt, ist in Worte kaum zu fassen- mit Schwarzlicht und Nebel wird eine wahrhaft „geistvolle“ Stimmung erzeugt, die man gesehen haben muss! Einen großen Zwischenapplaus (der nicht der einzige blieb) gab es hier für die Gespenster Michael Braun, Max Daller, Katharina Filin, Lina Lunz, Lia-Maline Müller, Greta Reber, Nina Ringer, Selina Uschold und Jule Berger.

Am Ende führen diese lieben Geister Virginia wieder zurück zu ihrer Familie. Kaum ist der Schock über ihr Verschwinden verwunden und die Erleichterung verflogen, kommt die nüchterne Erkenntnis von Wash:“Meine Schwester ist eine Killerin!“, da sie „den Untoten mit einem Gebet getötet“ hat.

Last but not least sei noch das außergewöhnliche Bühnenbild erwähnt, das mit beleuchteten Scherenschnittkartons (Kerzen-, Bücher-, Uhr-Motive) die Stimmung des Schlosses eindrücklich zur Geltung brachte.

Fazit:  Das Gespenst von Canterville schaffte es, dass sich  am Ende diese „lebendigen“ Amerikaner mächtig gruselten und das „echte“ Publikum spendete anhaltenden Applaus – ein voller Erfolg!

Christine Kleinert, GMG

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„Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“

[GMG, 13.05.2017] Auf der Grundlage von David Leviathans Roman „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ inszenierte die Schulspielleiterin Claudia Ried, die den Text pointiert für eine Theaterproduktion umschrieb, mit ehemaligen Schülern des Gregor-Mendel-Gymnasiums ein ein ebenso kurzweiliges wie witziges Stück in der Mensa der Schule. Das ungewöhnliche Konzept der Handlung zog das begeisterte Publikum gleich von Beginn an in seinen Bann.

Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt: Nicki liebt Daniel. Doch die ersten Begegnungen zwischen den beiden finden nur per E-Mail statt, die die Zuschauer mithilfe zweier Erzählerstimmen aus dem Off (als Daniel David Pickel; als Nicki Dorothea Niller) zu hören bekommen. Das Problem dieser Liebesgeschichte: Nicki wacht jeden Morgen in einem anderen Körper auf. Als sich die Freundschaft mit dem schriftstellerisch talentierten Daniel (auch auf der Bühne David Pickel) vertieft, kommen auch ihre neuen Identitäten aus seiner näheren Umgebung, denn sie erwacht mit Beginn des Stücks in den Körpern seiner Arbeitskollegen. Daniel, Volontär einer Zeitung, weiß davon zunächst nichts und kann sich wie alle anderen nur über das seltsame Verhalten seiner Kollegen wundern.

Je nachdem, in welcher Person Nicki erwacht, ändert sich auch das Tagesmotto, das im ansonsten bewusst einfach gehaltenen Bühnenbild durch einen überdimensionalen Kalender (gestaltet von Michael Kamann) präsentiert wird. Am ersten Montag erwacht Nicki im Körper der mit weiblichen Reizen gut bestückten Narzissa (Anna-Liri Shalsi). Das falsche Zitat dieses ersten Tages: „Heute bin ich nett.“ – Lord Voldemort. Nicki verhält sich im Körper der Chefin Narzissa ganz anders, als der Rest der Redaktion es erwartet, denn sie ist aufmerksam, höflich und umgänglich. Ähnlich setzt sie ihren Weg durch die Körper fort, immer in Daniels Nähe, dessen Aufmerksamkeit sie erlangen möchte.

So flirtet der Sportreporter Andi (Constanze Gierl) auf einmal mit dem Volontär Daniel und macht sich Gedanken um sein eigenes äußeres Erscheinungsbild, sprich Jogginghose, was eben von der schlagfertigen Kim (Antonia Schmidt) mit dem Satz der Überschrift kommentiert wird. Der ansonsten meist angetrunkene Reporter Magnus (Barbara Winkler) interessiert sich für Daniels Arbeit. Hugo, der recht unterwürfige Sekretär (Alexandra Jehlicke), rebelliert gegen die dauernd nörgelnde Chefin. Am Freitag erwacht Nicki in Daniels Körper und gewinnt einen intensiven Einblick in sein liebenswertes Wesen und sein Talent. Da sie durchaus bemerkt hat, dass Daniel Augen für die hübsche, blonde Sophie (Meike Peffer) hat, benimmt sie sich am Folgetag in deren Körper völlig daneben – frei nach dem Tagesmotto: „Heute bin ich von der Rolle“ – Klo Papier.

Es ändert sich alles, als Nicki in Kims Körper Daniel ihre Geschichte erzählt. Denn ab diesem Zeitpunkt verabreden sich beide täglich, aber Nicki eben immer im Körper einer anderen Person. Das führt in der zweiten Hälfte des Stücks zu grotesken, aber auch nachdenklichen Szenen, weil sich damit die Frage stellt, wie viel Anteil das Äußerliche in einer Beziehung einnimmt. Während Daniel mit den weiblichen Körpern der Praktikantin Doro (Martina Mikuta), der Putzfrau Gabi (Lena Härteis) und Bella (Katharina Waal) noch zurechtkommt, ist ihm die Annäherung des spießigen, CSU-begeisterten Politik-Redakteurs Helmut (Jonathan Grothaus) unangenehm.

Als Daniel einen Tag nicht in der Redaktion anwesend ist, muss sich Nicki im Körper des Fotografen Jules (Johanna Mehringer) mit ihrem schlechten Gewissen auseinandersetzen. Auf Initiative von Magnus und Bella hat sie Fotos einer im Koma liegenden Profi-Tennisspielerin gemacht, hat jedoch Skrupel, mit dem Schicksal dieser Frau Geld zu verdienen. Und hier schließt sich der Kreis: Als nämlich am Folgetag Daniel im Büro erscheint, wird klar, dass seine Nicki eben diese Tennisspielerin ist, die wieder aus dem Koma erwacht ist. Der Schluss deutet ein Happy End an, bleibt aber offen.

Schauspielerisch zeigten die ehemaligen Schüler/innen ein hohes Niveau, denn neben der eigentlichen Rolle, musste auch jeder Nicki darstellen können. Der brillante und mit Wortspielereien gespickte Text tat sein Übriges und brachte das Publikum häufig zum Schmunzeln und Lachen. Durch die Thematik der wechselnden Identitäten bekam das Stück gleichzeitig eine Tiefe, die in mancher Szene die Zuschauer zum Grübeln brachte. Das Publikum dankte dem Team den kurzweiligen Abend mit einem lang anhaltenden, tosenden Applaus. Die Gruppe „Obstsalat“ kündigte am Schluss des Stücks an, auch noch weiter machen zu wollen. Damit dürfen die Zuschauer auch im nächsten Jahr wieder auf ein Stück hoffen, das in den Köpfen noch nachwirkt.

Diana Schneider, MRG

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Osterbotschaft ganz neu interpretiert

[EG, 04./05.04.2017] Peter Seidl, bis zum Februar noch Schulleiter des Erasmus-Gymnasiums und nun im Ruhestand, hat gewissermaßen sich selbst und seiner Schule zum Abschied eine Neuauflage eines Theaterstücks geschenkt, das er 1992 am Gymnasium Neubiberg konzipiert hatte. Der Kritiker des Münchner Merkur urteilte damals, es handle sich um ein „himmlisch vergnügliches Höllenszenario“ – und dieses Prädikat verdient auch die Aufführung 25 Jahre später.

Seidl hatte sich das „Innsbrucker Osterspiel“, das vor rund 700 Jahren in Thüringen entstand, als Grundlage genommen; es geht darin um teils in der Bibel erwähnte, teils frei erfundene Ereignisse, die sich um die Auferstehung Christi drehen. Dieses ernste Thema wird bereits in dem mittelalterlichen Mysterienspiel kräftig ausgeschmückt und zu Unterhaltungszwecken angepasst. Peter Seidl modernisierte die Sprache, fügte zeitgemäße Anspielungen und slapstickartige Handlungselemente hinzu – und versah das Ganze mit einer Reihe von Songs, die live vorgetragen wurden; unterstützt wurde er bei der Aktualisierung von Mitgliedern der engagierten Theatergruppe. Die musikalische Begleitung kam von einer schwungvoll und präzise aufspielenden Lehrerband: Michael Haberberger (Trompete), Katharina Scharnagl (Flöte), Florian Häusler (Klavier), Christine Uhle (Bass) und Christian Uhle (Schlagzeug).

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Pilatus (Johann Schneider), links, und Kaiphas (Niklas Bauer)

Dem Spiel der Bühnenakteure merkte man an, dass sie mit viel Begeisterung bei der Sache waren – eine ganze Reihe von ihnen gar in mehreren Rollen. Das fängt schon damit an, dass der Hohepriester Kaiphas mit überbordender Beredsamkeit, in der er Unterwürfigkeit und kleine Spitzen geschickt mischt, den römischen Statthalter Pilatus davon zu überzeugen sucht, das Grab müsse bewacht werden, denn die Anhänger des Jesus munkelten von einer Auferstehung. Niklas Bauer (9b) verlieh der Figur des Kaiphas – sowie danach auch der des Salbenhändlers und des Petrus – eine wunderbare komödiantische Präsenz, und Johann Schneider (Q12) war ein prächtig selbstherrlicher Pilatus (und später ein überzeugend zweifelnder Thomas).

EG_3039_actionheroes_Terminator+RamboNatürlich haben die daraufhin als Wachen abgeordneten Actionhelden (Michael Meckl, Q11, Katinka Himmelhuber, Q12, Niklas Bauer, Johann Schneider) keine Chance gegen die himmlischen Mächte, obwohl sie vorher über ihre guten Absichten rappen. Der alsbald tatsächlich Auferstandene (ruhig und würdevoll dargestellt von Randell Sliman, 10b) begibt sich sogleich in die Hölle, um die dort Festgehaltenen aus der teuflischen Gefangenschaft zu befreien, allen voran das rettungslos zerstrittene Paar Adam (Michael Meckl, Q11) und Eva (Lisa Brandel, 8b). Diesen Personalverlust will sich Oberteufel Luzifer (Gizem Göz, Q11, Leyla Hamaloglu, 7a) nicht gefallen lassen, und so schickt er seine Unterteufel auf der ganzen Welt aus, um neue Seelen für die Hölle zu fangen (Victoria Eckroth und Maritta Singer, 7a, Hanna Theiss und Lisa Brandel, 8b, Ceyda Hos, 10b, Andrea Anthofer, 8b).

Leichte Beute für die Teufel findet sich reichlich, unter anderem der Salbenhändler Unguentus Quackus (Niklas Bauer), der kein einziges Fremdwort richtig verwendet, aber jedesmal prompt von seiner Frau (Andrea Anthofer, Ceyda Hos) verbessert wird – zur hörbaren Erheiterung des Publikums, das diese Wortverdrehungen genießt. Quackus stellt einen Gehilfen ein, den verschlagenen Rubin (mit rabiatem Charme: Michael Meckl), der sich sogleich vornimmt, bei erstbester Gelegenheit die Kasse zu plündern und mit der Frau des Chefs durchzubrennen. Doch zunächst muss er sein Verkaufsgeschick unter Beweis stellen, und da kommen die drei Frauen gerade recht, die eine Salbe zum Einbalsamieren erwerben wollen (Sandra Weiß, Q11, Christina Metz, Q12, Viktoria Eckroth, 7a). Rubin führt das Verkaufsgespräch so tölpelhaft, dass Quackus ihn wutentbrannt hinauswerfen will – doch seine Frau hat ihrerseits ein Auge auf den dynamischen Rubin, und so wird Quackus kurzerhand mit seinen eigenen Ingredienzien ins Jenseits befördert.

EG_3156_mariaDie drei Frauen erhalten nun die Nachricht, dass das Grab bereits leer sei – und vor allem Maria Magdalena, „Ex-Sünderin, jetzt fromm“ (wie es im Programmheft heißt), ist enttäuscht darüber, denn sie wäre so gern ihrem Meister noch einmal begegnet. Diese anspruchsvolle Passage gelang Sandra Weiß mit schöner Ernsthaftigkeit. Doch allzulange bleibt es nicht ernst: Schon gibt es eine Live-Übertragung auf RadioTele Galiläa zu verfolgen, eine Radiostation, die den als Sport-Event aufgemachten Wettlauf der Jünger Petrus und Johannes zum Grab kommentiert (Niklas Bauer, Michael Meckl; am Mikrofon: Felicitas Groth, 8b).

Nicht unerwähnt bleiben soll der Engel mit dem Tablet (Marie Siegler, Q11), der teils als wandelndes Auskunftsbüro, teils als Bodyguard für Jesus, für Ordnung sorgt, so auch am Ende, als der Auferstandene rechtzeitig auf die Bühne kommt, um Maria Magdalena zu trösten und dem ungläubigen Thomas zum Glauben zu verhelfen. – Ein Happy End also?

EG_3047_JC+EngelIrgendwie schon, und insgesamt vermittelte dieses sehr bunte, teilweise überdrehte Musikspiel mit seinen ernsten Passagen (z. B. dem Tanz der sieben Todsünden) dem Publikum eine Ahnung davon, wie das mittelalterliche Mysterienspiel damals gewirkt haben mag: Man beschäftigte sich mit den Inhalten der Osterbotschaft und nutzte die Lücken in der Überlieferung, um heiteren Klamauk zu treiben, ohne in Blasphemie zu verfallen. Auch diese Gratwanderung gelang hier.

Mit großem Applaus dankte das Publikum im Erasmus-Gymnasium den Spielerinnen und Spielern, der Band, der Technik und nicht zuletzt den beiden Leitern der Schultheatergruppe, Peter Seidl und Susanna Rosemann.

Peter Ringeisen, DJDG

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Wahrheit – ein kostbares Gut?

[DJD, 14.03.2017] Wenn sogar schon Präsidenten die Wahrheit verbiegen, dann zeigt das umso mehr, wie brandaktuell das Thema Wahrheit – oder vielmehr die Abkehr davon – ist. Daher legten die Schülerinnen des Decker-Gymnasiums mit ihrer Theatercollage „Alles wahr. Echt.“ den Finger beeindruckend genau an den Puls der Zeit.

Zwar waren es weder 70 000 noch 120 000 Zuschauer, wie die Schauspielerin Johanna Hofmann aus der Q11 in einer gekonnten Trump-Parodie versicherte, doch der Gerhardinger-Saal war am Dienstag, den 14. März, dennoch gut gefüllt.

Das Titel-Thema führte als roter Faden durch das kurzweilige Pottpüree aus Gedichtinterpretationen, Ausschnitten aus verschiedenen Theaterstücken und anderen Literaturvorlagen von Größen wie Ernst Jandl, Kathrin Röggla, Friedrich Dürrenmatt und Goethe sowie einigen äußerst gelungenen Eigenproduktionen.

0__web__dsc_2781.jpgSo überzeugte beispielsweise Anne Winter mit ihrem Geständnis, Mord sei ihr Hobby – nur um schließlich eingestehen zu müssen, dass „Schwimmen“ vielleicht doch die passendere Bezeichnung für die von ihr bevorzugte Tätigkeit sei. Zuvor hatte die Schülerin bereits Theresa Flierl als zögerliche Selbstmörderin überredet, ihr vor dem Sprung noch ihre Wertsachen zu überlassen – und sie schließlich mit einem beherzten Schubs vor einem Sinneswandel „bewahrt“.

Auch Clara Dreßler gab eine wirklich gute Figur ab – und zwar sowohl als Gangsterboss als auch als Klatschtante. Aber nicht nur die Oberstufenschülerinnen überzeugten mit ihrer Darbietung. Auch Katja Huber, Emma Buegger, Magdalena Mandl, Lena Gimpl und Annalena Vogel ernteten zurecht reichlich Applaus.

0__web__DSC_8580Ein weiteres Highlight waren die von Julia Eikam und Laura Brugger herzerfrischend gespielten Szenen aus den „Känguru Chroniken“ von Marc-Uwe Kling, die für zahlreiche Lacher sorgten und schon mit viel Vorfreude erwartet wurden. Die musikalische Einlage von Leonie Weigl und Theresa Flierl gab dem Abend noch eine gefühlvolle gesangliche Note.

Beeindruckend gelangen die Einlagen der Gruppe „Wahlfach Tanz“, wenn auch beim zweiten Tanz zunächst gebremst durch ein technisches Problem, das die Mädchen hinter den Kulissen kurzerhand selbst lösten. Die erste Nummer, ein „Mashup“ aus mehreren Musikstücken, begeisterte durch die Vielfalt an choreographischen Einfällen, und der zweite Tanz bildete zu dem bezeichnenden Titel „Who run the world? Girls“ eine wunderbar peppige Abrundung des Abends, der von Peter Ringeisen (Schauspiel) und Sigrid Ringeisen (Tanz) einstudiert worden war.

0__web__DSC_8589Who run the world? An diesem Abend waren dies zweifelsfrei die Girls des Dr.-Johanna-Decker-Gymnasiums.

Claudia Ried, GMG

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MRG begeistert mit einem Stück Zeitgeschichte vor vollem Haus

Leipzig im Jahr 1989: Die Regierung der DDR kämpft mit steigenden Flüchtlingszahlen und hat eine Frauen-WG zu Propagandazwecken ins Leben gerufen, um den jungen Genossinnen und Genossen ein Vorbild zu geben. Freundschaft!

„Wir hatten nischt, aber die DDR hatte uns“ spielt ironisch mit den Slogans und dem Gedankengut des real existierenden Sozialismus der DDR. Die Charaktere jeder einzelnen Rolle wurden bis ins Detail ausgearbeitet. Da ist zunächst einmal Charlotte Kreutz (Marie Hanke, Q 11), Gründerin dieser DEFA-Fernseh-Propaganda-WG, die mit fester Hand die Frauengemeinschaft zusammenhält. Dabei hat sie viel zu tun, denn einige der Bewohnerinnen verhalten sich nicht unbedingt so, wie es das Politbüro gerne gehabt hätte: Isgrid (Alice Kerschbaum, Q 11), von Beruf Gärtnerin, züchtet in der WG ihre Hanfpflanzen, und Bibbi (Anna Sturm, Q 12), die sich durch das Stück berlinert, hat wechselnde Männerbekanntschaften. Das Schicksal von Bibbi ist auch der Dreh- und Angelpunkt des von der Spielleiterin Diana Schneider verfassten und bis in jede Rolle ausgefeilten Theaterstücks.

Bibbi lernt gleich zu Beginn einen Wessi (Alice Grohmann, 9 c) kennen, der die Naivität des Ostmädchens ausnützt und ihr eine große Karriere als Model verspricht. Jeglicher Westkontakt und Westeinfluss muss aber vor der allgegenwärtigen Hausmeisterin und dem Stasi-Spitzel Frau Kolansky (Anna-Maria Horst, 10 c) sowie deren staatstreuen Enkelin (Nicole Dreher, 9 a) geheim gehalten werden. Das Stück strotzt vor ironischen Untertönen, was für Einiges an Situationskomik sorgt und somit zur Erheiterung der Zuschauer beiträgt. Doch als Bibbi erfährt, dass sie sich beim Westfreund mit AIDS – einer Krankheit, die in der DDR offiziell gar nicht existierte – angesteckt hat, folgt der dramatische Wendepunkt. Von da an leidet der Zuschauer mit, genau wie Bibbis Mitbewohnerinnen, die Büchernärrin Conny (Magdalena Schuth, Q 11), die dauerverliebte Floristin Nicole (Melissa Renner, Q 11), die Umweltschützerin Heike (Sophie Reinwald, Q 12), die Krankenschwester Wita (Luise Kerschbaum, 9 a) mit Helfersyndrom oder Melanie (Alexandra Koller, 10 c), Sekretärin und Sprachgenie. Natürlich darf auch in dieser WG eine Ina Saalbach (Ann-Kathrin Brüning, Q 12) nicht fehlen, die als Dressurreiterin von der sozialistischen Sportförderung der DDR profitiert. Zu dieser Truppe gesellt sich dann auch noch Eddie (Mona Sommerer, Q 11), Ingenieurin und verrücktes Genie, die mit ihren imaginären Freunden Karl (Marx) und Friedrich (Engels) im Zwiegespräch lebt.

Nach der Pause kündigen sich Veränderungen an. Die WG erhält durch Telefon und Farbfernsehgerät sozialistischen Luxus. Es ist auch die Zeit der Montagsdemonstrationen. Doch noch einmal droht der WG Gefahr, als die meisten der Bewohnerinnen von Volkspolizisten (Peter Weiser, Q 11 und Daniela Ludwig, Erzieherin im Internat) verhaftet werden. Nach dem Fall der Mauer erkennt dann letztendlich aber auch die Frauenbeauftragte und SED-Mitglied Charlotte: „Das Projekt DDR ist gescheitert.“ Man erfährt, dass Frau Kolansky nach der Verhaftung ihrer Tochter nichts anderes übrig blieb, als die Nachbarn zu bespitzeln. Am Ende wird klar, das Leben wird sich für die WG-Bewohner verändern. Für Bibbi gibt es allerdings kein Happyend, sie stirbt an ihrer Krankheit.

Zwei Stunden lachen und leiden die Zuschauer im vollbesetzten Festsaal mit den Bewohnern mit und sind ein Teil der WG, denn sie werden mit einbezogen, z. B. wenn die Darsteller auch im Zuschauerraum spielen. Das Stück ist liebevoll und engagiert durchrecherchiert und inszeniert bis ins kleinste Detail, angefangen von den Halorenkugeln über den Rotkäppchensekt bis hin zum O-Ton der Aktuellen Kamera und der Tagesschau. Die Darstellerinnen und Darsteller verstanden es, ihre Charaktere glaubhaft mit Leben zu füllen; dazu wurden sie perfekt und professionell von Johanna Samberger (Q 12), Linda Göbl. Dorothee Meyer, Jan-Marco Müllner und der Spielleiterin Diana Schneider in Szene gesetzt. Die Wende 1989, eine Sternstunde der Geschichte, wurde in einer Sternstunde des Schultheaters den Zuschauern kurzweilig vermittelt.

Andreas Hilgart (DJDR)

Aufführung: 25. April 2013

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„Die Probe“ – sehr frei nach Schillers „Die Räuber“

Eine Schultheatergruppe probt Schillers Theaterstück „Die Räuber“. Was da wohl dabei herauskommen wird? Bei der Theatergruppe der 6. bis 8. Jahrgangsstufen der Dr.Johanna-Decker-Schulen ein munteres Bühnenstück, das so manche Erinnerung an nervenaufreibende Proben beim Schultheater aufkommen ließ.

Spielleiter Andreas Hilgart und seine Mädeltruppe führten dem Publikum vor Augen, wie es im Probenraum wirklich zugeht in den Wochen vor dem großen Tag der Aufführung. Das von einem Autorenteam (Tia Stoll, Adriana Stanciu, Veronika Thomann, Andreas Hilgart) selbst erarbeitete Stück „Die Probe“ zeigte neben echtem O-Ton aus Schillers „Die Räuber“ Szenen aus dem Alltag, wie sie jeder Spielleiter, jede Spielleiterin bei jeder Probe jedes Mal wieder erlebt.

Da braucht man auch als Spielleiter auf der Bühne (Jessica Bin) schon starke Nerven, wenn Hermann (Adriana Stanciu) – in den „Räubern“ der Bastard – plötzlich anfängt herumzuzicken: „Immer kriege ich die Männerrollen!“ Oder eine Szene ganz dringend unterbrochen werden muss: „Darf ich mal aufs Klo?“ Und natürlich stolpern die Schauspielerinnen zur rechten Zeit über Schillers altertümliche Sprache. So freut sich der fiese Franz (Tia Stoll), der den alten Moor (Anna Sauerbeck) um die Ecke bringen will: „Dann bin ich der Chef“, bis es ihm endlich schwant: „Nein, Chef haben die damals noch gar nicht gesagt“. Auch die schöne Amalia (Jenny-Lee Piechaczek) muss vom Spielleiter immer wieder ermahnt werden, den Text nicht so zu leiern. Die Szenen mit den Räubern (Laura Porst, Leonie Kellner, Julia Schmidbauer und Lara Schug) und dem Diener Daniel (Anna Donhauser) hätten dagegen fast schon perfekt geklappt, wenn man im Eifer des Gefechts nicht vergessen hätte, die Rolle des Kosinsky zu besetzen. Na toll. Und dass es nicht mehr bis zum bitteren Ende kommt, bei Schiller ersticht Karl (Simone Deinzer) seine geliebte Amalia, ist nur dem – im Vergleich zu einer Schultheaterprobe – weitaus wichtigeren Termin beim Kieferorthopäden geschuldet.

Ja, so ist das halt bei Theaterproben mit Schülern. Die Realität auf witzige Weise als Theaterstück auf die Bühne gebracht zu haben, ist das Verdienst der ganzen Gruppe. Die kurzweilige und von allen Darstellerinnen flott und überzeugend gespielte „Probe“ ließ wohl so manchen Zuschauer zu der Erkenntnis gelangen, dass die Götter vor den Erfolg eines gelungenen Schultheaterabends den Schweiß gesetzt haben.

Uta Löw (EG)

Aufführung: 17. April 2013

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