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Pitypoints – eine Warnung vor Gemeinheit

[GMG, 04.06.2019] Sehr gelungene Eigenproduktion der Theatergruppe „Die Oscars“ vom Gregor-Mendel-Gymnasium

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Die Schultheateraufführung „Pitypoints“ gehen die 17 Schülerinnen und Schüler aus der Mittelstufe des GMG in aller Aggressivität an: Von allen siebzehn ist zum Start ein verächtlicher Spruch zu hören, wie er wohl manchmal als schlechter Witz erzählt wird, und immer ist eine bestimmte Gruppe Zielscheibe der Verachtung. Während bei den ersten Sprüchen noch vereinzelte Lacher im Publikum zu hören sind, wirkt die geballte Ladung doch mit der Zeit bedrückend – erst recht, als den Zuschauern klar wird: Aus dieser Negativität kommen wir so leicht nicht mehr heraus, das müssen wir durchstehen. Denn es wird der Start einer neuen Game-Show angekündigt, in der es ausschließlich darum gehen soll, wer die anderen am besten und effektivsten fertigmachen kann: „Pitypoints“.

In einer bis ins Detail geglückten Persiflage auf tatsächlich existierende Shows (vom Dschungel-Camp bis hin zu „Deutschland sucht den Superstar“ und Konsorten) bereiten die Moderatoren (Vivian Gier und Richard Römmich) das Publikum auf die zu erwartende Show vor und erklären, dass jeder Kandidat unempfindlich und kaltherzig bleiben müsse. Jeder, der eine Schwäche zeigt, fliegt raus – und wer Mitleid mit einem der Angegriffenen zeigt, bekommt einen „Pitypoint“ (Mitleidspunkt); drei davon sind ebenfalls ein Grund, die Show verlassen zu müssen. Die drei Mitglieder der Jury (Natalia Matula, Mabel Kigadye und Leonel Lopez Schmidt) nicken mit gut gespielter Expertenmiene und lassen ihre Platitüden ab über Durchhaltevermögen, Authentisch-Sein und Sich-Präsentieren-Können – was man eben in solchen Shows so hört. Strukturell ist das zwischendurch immer wieder auftretende Gespann aus Moderatoren und Jury einerseits eine Zeit zum Durchschnaufen für das Publikum, denn hier wird so getan, als sei das Geschehen in der Show irgendwie normal und irgendwie unter Kontrolle. Gleichzeitig wird aber deutlich, wie menschenverachtend dieses Format ist, da es auf die einzelnen Teilnehmer natürlich nicht die geringste Rücksicht nimmt. Um Emotionen geht es, um Zoff – nicht darum, wie die Einzelnen darunter leiden.

In der Show selbst, also in der Interaktion der Kandidatinnen und Kandidaten untereinander, stellt sich schnell heraus, wer sich als besonders harter Hund fühlt – z. B. der daueraggressive „Assi“ (passend derb dargestellt von Simon Böller) – und wer in dieser Runde eher fehl am Platz ist und sich nur selbst beweisen wollte, dass sie oder er es schafft, wie das Hippie-Mädchen (gut in der sensibel-schüchternen Rolle: Sophie Waal).

Auch Allianzen werden geschmiedet, und die (vermeintlichen) Freundinnen teilen private Geheimnisse miteinander, die dann später erbarmungslos genutzt werden, um die vertrauensselige Person bloßzustellen, so beispielsweise die ansonsten so selbstbewusste Vanessa (Alina Dotzler), die dem Blondchen (nur scheinbar naiv, aber eigentlich ziemlich clever: Ayana Bauer) und der Zicke Naomi (treffend verkörpert von Katharina Filimonov) anvertraut, dass sie aus einem Bauernhof stammt und einer früheren Schule deswegen gemobbt wurde.

Eine Überraschung für die bald recht geübten Mobber ist die Widerstandskraft eines offensichtlichen Opfers: die Übergewichtige (souverän gespielt von Paula Schißlbauer) zeigt es allen, dass sie nichts mehr umwirft: „Ich habe schon JEDEN blöden Spruch über Dicke gehört – mich könnt ihr damit nicht beeindrucken!“

Die Handlung spitzt sich schließlich zu, als der Schwule (sehr geschickt, teilweise mit einem Augenzwinkern dargestellt von Niko Tadin) mit einem persönlichen Brief seines Vaters konfrontiert wird, in dem dieser ihm seine Enttäuschung und auch seine Verachtung für den Sohn ausdrückt. Das ist zuviel für ihn, und er bricht zusammen. An dieser Stelle – das Publikum fragt sich schon, worin die nächste Demütigung, der nächste Zusammenbruch bestehen könnte – verlassen die Spielerinnen und Spieler ihre Rollen und fragen die Zuschauer: „Wollen Sie das wirklich sehen?“

Und obwohl die Frage in ihrer Provokation etwas ungerecht ist, denn natürlich sind die Zuschauer gekommen, um die Theatergruppe zu sehen – wird ganz deutlich, dass die Frage weiter zielt: Auf die Sensationsgier und Schaulust, die wohl in jedem mehr oder weniger stecken, und auf die Lust am „Gag“, auch wenn er auf Kosten einer Gruppe geht, die sich gerade nicht wehren kann, seien es nun Hippies, Übergewichtige oder sonst irgendwie von einer Norm Abweichende.

Begeisterten Applaus erntete die Theatergruppe „Die Oscars“ für ihr engagiertes und nachdenklich machendes Stück, bei dem Oberstudienrätin Claudia Ried nicht nur Regie führte, sondern zu dem sie auch den Text geschrieben hatte – ein weiterer Erfolg aus ihrer produktiven Feder.

Die bisher nicht genannten Schauspielerinnen und Schauspieler überzeugten ebenfalls in ihren Rollen: Marion Hopfenzitz, Ida Hanft, Violetta Kaiser, Julia Depperschmidt, Laurin Wiedenbauer.

Peter Ringeisen, Spielleiter am Dr.-Johanna-Decker-Gymnasium

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Knüller: Stripper ist ein adeliger Jurist

[GMG/Ehemalige, 11.05.2019] Wenn man seine Jungfräulichkeit für einen guten Zweck versteigert, ist das nun Prostitution im Robin-Hood-Kleid oder wahrlich selbstlos?

Die Theatergruppe „Obstsalat“, die aus ehemaligen Schülern des Gregor-Mendel-Gymnasiums besteht, hat auch in diesem Jahr eine äußerst unterhaltsame Produktion auf die Beine gestellt! Die am 11. Mai im Club LaVida präsentierte Komödie „Wahrheit oder Pflicht“ wurde von der Gruppe unter der Leitung von Claudia Ried selbst konzipiert und in Eigenregie mit Unterstützung von Elke Leibig erarbeitet.

Ein zunächst harmloser und von der Trauzeugin Evelyn (Lena Härteis) perfekt organisierter Junggesellinnenabschied läuft im Verlauf des Abends langsam aus dem Ruder. Werden zunächst noch Polaroids mit den Zuschauern geschossen, gibt es eine erste Konfrontation mit der Trauzeugin und der eigentlich älteren Freundin Katta (Barbara Winkler). Es stellt sich heraus, dass Trauzeugin Evelyn die Braut Emma (Antonia Schmidt) buchstäblich um diesen Job angebettelt hat, was der unbeschwerten Stimmung zwar einen ersten Dämpfer verpasst, aber von allen anwesenden Damen sensationslustig verfolgt wird: „Also ich find`s grad spannend!“

Im eigentlich romantischen Teil des Abends soll Emma erzählen, wie sie ihren Ehemann kennengelernt hat. Die Mitbewohnerin der Braut Ronja (Constanze Gierl) spielte dabei eine nicht unwesentliche Rolle: Sie war zuvor mit dem zukünftigen Ehemann Chris zusammen, hatte diesen aber bereitwillig „abgegeben“, da sie es „im Bett etwas aufregender“ mag. Chris sei süß, aber eben etwas konservativ in der Horizontalen, so Ronja, aber: „Dann passt er ja zu dir!“

Obwohl striktes Handyverbot herrscht, will Maria (Meike Pfeiffer) just an diesem Abend etwas auf Ebay versteigern, „was sie früher oder später eh verloren hätte“ – ihre Jungfräulichkeit! Diese soll mindestens 10.000 Euro einbringen, die an Waisenkinder in Bolivien gehen, so die Idealistin. Sie würde wenigstens etwas tun und nicht immer nur reden, postuliert sie, woraufhin trocken argumentiert wird, dass das eigentlich „Prostitution ist, aber mit einem echt guten Stundenlohn!“

Als der Stripper Turn-On-Toby auf die Bühne kommt (Jonathan Grothaus) und sich aufreizend den Damen darbietet, wundert er sich, warum die Anwesenden nicht wirklich empfänglich für seine Reize sind. „Richtige Party, falsches Timing“ wird er aufgeklärt. Schnell reiht er sich in die sensationslustige Damenrunde ein, die schon die nächste moralische Verfehlung zielsicher aufgespürt hat: Die im 6. Monat schwangere Bernadette (Martina Mikuta) hatte just vor 6 Monaten ihren Mann betrogen – mit sichtbarem Ergebnis!

Als nun auch die Vorbildehefrau Ida (Johanna Mehringer) zugeben muss, dass die Scheidung bevorsteht, packt die Schwester der Braut Paula (Alexandra Jehlicka) eiskalt aus, dass die gemeinsamen Eltern dem zukünftigen Bräutigam persönlich gesagt hätten, dass sie sich für die Tochter etwas Besseres als einen DJ ohne Führerschein gewünscht hätten. Während die Braut noch im Schockzustand verharrt und sich Evelyn permanent bemüht, dem Abend wieder eine Struktur zu verleihen, taucht unversehens der Bräutigam auf (David Pickel), der nachschauen will, ob der Prosecco ausgeht. „Hier geht nichts aus – am allerwenigsten der Gesprächsstoff“, konstatiert Stripper Toby trocken, der sich zudem als adliger Jurist entpuppt!

Als auch noch die feierwütige Giulia (Anna-Liri Shalsi) zugibt ohne Arbeit zu sein, die Romantikerin Helena (Katharina Waal) Pornodrehbücher schreibt und Ehemann Chris durchblicken lässt, dass er sich ein Heimchen am Herd wünscht, kommt Emma ins Grübeln.

Nachdem Chris und Maria die Party kurzzeitig verlassen, wird der Plan geschmiedet, gemeinsam Marias Jungfräulichkeit zu ersteigern, denn Mitternacht naht („Süß – ist ja wie bei Cinderella!“). Doch nicht Stripper Toby erhält mit der finanziellen Unterstützung der Freundinnen den Zuschlag, sondern ein anderer Bieter: „Loverboy“. Als die Braut dessen Emailadresse sieht, reagiert sie ungehalten: „Loverboy wird sich ganz sicher nicht bei dir melden – und mich ganz sicher nicht heiraten!“

So ging für die Zuschauer eine sehr unterhaltsame Aufführung zu Ende, die Sprachwitz und Dramatik zu vereinen wusste. Technisch gut inszeniert und Akzente mit Standbildern und Liedern zeigten die großartige Regiearbeit von Claudia Ried, deren Schauspieler jedes Mal aus ganz Deutschland anreisen, um hier zu brillieren!

Elisa Romfeld, Spielleiterin am Max-Reger-Gymnasium

Die Schlagzeile ist dem Abdruck der Besprechung in der Amberger Zeitung entliehen. Danke!

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GMG: „19 – 20“

Aus dem zu erwartenden Erwachsenenleben

GMG-Oberstufe begeistert mit selbst geschriebenen Szenen

von Peter Ringeisen

[GMG, 30.01.2019] „19 – 20: 19 Spieler mit den Themen jenseits der 20“ – so war’s auf dem Programmblatt der Oberstufentheatergruppe des Gregor-Mendel-Gymnasiums zu lesen, und Spielleiter Christoph Schulz erläuterte die Entstehung der flotten, intensiv gespielten, teils witzigen, teils tiefgründigen Szenenfolge.

Am Anfang trugen die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 10 bis 12 die großen Themen zusammen, die sie alle demnächst betreffen würden, wenn sie 20 Jahre überschritten hätten. Von den ursprünglich 19 Themen blieben dann 14 übrig (z. B. Tod, Reisen, Kinder, Erfolg), die in einem Zuordnungsspiel mit Adjektiven (z. B. dramatisch, lustig, beängstigend, spannend) kombiniert wurden, und dann kamen noch Stichwörter hinzu, die dem Ganzen einen zusätzlichen Reiz geben sollten. So fand sich die Gruppe mit dem Stichwort „Kinder“ mit der Aufgabe konfrontiert, die Stichwörter „Pilot, Verband, Ring“ in einer selbst geschriebenen Szene unterzubringen, und das Ganze dann „trist“ wirken zu lassen – eine nicht kleine Herausforderung (die sie bravourös meisterte).

Und so nahm der Reigen der 14 Szenen seinen Lauf – und das Publikum mit. Die gebannt, amüsiert und berührt das Geschehen verfolgenden Zuschauer saßen in einem durch einen Vorhang abgetrennten Teil des Kunst-Bereichs und waren in dem bewusst reduzierten Raum beinahe auf Tuchfühlung mit den Akteurinnen und Akteuren. Dies ermöglichte die Wahrnehmung feiner Regungen in Mimik und Gestik, und die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler nutzten diese Wirkkraft geschickt aus.

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Eva Blank und Cedric Traub in der Szene „Der Lottogewinn“

Aus den 14 – voneinander unabhängigen, nur durch die Vorgabe „Themen jenseits der 20“ verbundenen – Handlungen seien drei exemplarisch herausgegriffen. In der Szene zum Thema „Erfolg“, die den Titel „Der Lottogewinn“ trägt, wird das Treffen zweier Verliebter dargestellt, atmosphärisch stimmig von Live-Musik untermalt (Maria Gruber mit coolem Gesangsstil, sich selbst routiniert auf der E-Gitarre begleitend). Ein aufgespannter roter Regenschirm hebt das Paar auch farblich von der Umgebung ab, vor lauter Überschwang der Gefühle wirft die junge Frau Süßigkeiten ins Publikum. Und schließlich zieht der junge Mann ein Etui mit einem Verlobungsring aus der Tasche, sinkt auf die Knie und macht ihr einen formvollendeten Antrag (Eva Blank, Cedric Traub in Harmonie). In dem Moment stürzt ihr Ex-Mann auf das Paar zu, wedelt mit einem Stück Papier und verkündet aufgeregt seinen Millionengewinn im Lotto. Die junge Frau erkennt entsetzt, dass sie (anscheinend) die falsche Wahl getroffen hat. Die Situationskomik bricht die rosarot-romantische Stimmung rabiat – und amüsant.

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Isabella Graf in der Szene „Sieben mal sie“

In „Sieben mal sie“ wird das Thema „Auszug“ in sieben Variationen bespielt – mit einer Darstellerin im Mittelpunkt, deren Wandlungsfähigkeit und Ausdrucksstärke das Publikum beeindruckt. Ob die Auszugs-/Umzugs- oder Einzugssituation nun melancholisch, schüchtern-freudig, überschwänglich, ängstlich oder verbittert ist – Isabella Graf hat die passenden Blicke, Gesten und Schritte parat.

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In der Szene „Archäologen der Zukunft“ spielen (von links): Lea Braun, Aurelia Ziegler, Tamara Lindner, Cedric Traub, Eva Blank, Isabella Graf, Matthias Mahal, Peter Netta

Das Thema „Arbeitsalltag“ erhält in der Szene „Archäologen der Zukunft“ einen ganz eigenen Blickwinkel, denn die fünf sehr überzeugend wirkenden Büroangestellten, die die Szene mit typischem Smalltalk am Arbeitsplatz eröffnen, treten bald in den Hintergrund, da sich eine andere Zeitebene über die Büroszene legt: Als Wissenschaftler in Schutzkleidung betreten Archäologen den Raum, nehmen Messungen vor, beobachten die Personen, als seien sie längst gestorben, und unterhalten sich in bedauerndem Tonfall über eine – im Ungewissen belassene – Katastrophe, die das Ende dieser Zivilisation mit sich gebracht habe. Eine recht surreale Szene, die sich durch die Expeditionsausrüstung der Besucher aus der Zukunft auch visuell einprägt und beim Zuschauer die nagende Frage hinterlässt: Welches Unheil könnte uns überfallen und unsere Zivilisation auslöschen?

Doch durch die gute Mischung aus nachdenklichen und ironischen bis amüsanten Szenen wurde der Abend nicht schwermütig, sondern brachte die Zuschauer zu langanhaltendem, dankbarem Applaus für die äußerst gelungene Ensemble-Leistung, an der unter der Leitung von Studiendirektor Schulz diese Schülerinnen und Schüler an drei Abenden auf der Bühne standen: Johannes Altmann, Judith Bäßler, Eva Blank, Lea Braun, Isabella Graf, Maria Gruber, Valeria Lagutina, Tamara Lindner, Johanna Lucks, Valeria Maas, Matthias Mahal, Peter Netta, David Patt, Carolin Spies, Cedric Traub, Lucas Willax, Aurelia Ziegler.

 

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GMG: „Der Schöne und das Biest“ (Eigenproduktion)

Zickenterror am GMG

[GMG, 17.05.2018] Wer das Märchen Die Schöne und das Biest kennt, war bei der Aufführung der Mobbits unter der Leitung von Christine Kleinert wahrscheinlich erst mal überrascht. Aber halt – es war ja Der Schöne und Das Biest Lou, die genau so ist, wie man es sich zeitgemäß vorstellt – gemein, zynisch, ungerecht und immer auf den eigenen Vorteil bedacht (sehr überzeugend gespielt von Jessica Dering). Im Gegensatz dazu symbolisiert Der Schöne Lu (mit viel Spielfreude Lysan Reitemeyer) leider das typische Mobbingopfer. Neu in der Klasse und zufällig und zu seinem Nachteil mit dem fast identischen Spitznamen wie das Biest bestraft, dauert es nicht lange, bis er am eigenen Leib erfährt, was es bedeutet, den Unmut von Lou auf sich zu ziehen. Aber Lou ist nicht alleine, sie wird tatkräftig unterstützt von ihrer Mädchenclique (Michelle Sokolov und Melinda Kohl).

Obwohl Lu von den netten Mädchen der Klasse gewarnt wird (Fadim Yüksel, Amina Hajri, Toreen Rofi), macht ihm Lou bald das Leben zur Hölle. Diese hingegen, die selbst ihre Freundinnen schlecht behandelt, hat ihrerseits ganz andere Probleme, einen karrierebedachten Vater (Silvan Rupp) und eine stylische, aber auch sehr an Statussymbolen interessierte Mutter (Marleen Kollbrand), der die Größe ihres begehbaren Kleiderschranks wahrscheinlich wichtiger ist als das Wohl ihrer Tochter. Doch keiner kennt das wahre Ich von Lou.

Aber je schlechter sie Lu behandelt, ihn in Lebensgefahr bringt und in der Schule bloßstellt, umso mehr rücken ihre Mitschüler zusammen und beschließen, dass sie etwas ändern müssen. Ausschlaggebend ist die Beichte von Lous Freundin Lissi. Diese gibt zu, auf Lous Drängen gemeinsam mit ihr Ladendiebstahl begangen zu haben. Aus Angst, die Verkäuferin (Amelie Kny) könnte sie anzeigen, wenden sich die Schülerinnen schließlich an ihre Lehrerin (Emma Lederer), und schließlich kommt auch Lous Angst, mit ihren Eltern wieder umziehen zu müssen, ans Licht:  Lu ist derjenige, der sie im Wald findet, nachdem sie sich den Kopf angeschlagen hat. Während ihrer Ohnmacht hat sie sich selbst als nette und mitfühlende Prinzessin gesehen und Lu als den sie und das gesamte Königreich rettenden Prinzen. Lu, der allen Grund hätte, Lou seinerseits schlecht zu behandeln, kümmert sich um sie und berichtet den anderen von Lous Problemen. Die Lehrerin erkennt, dass Lou nicht bloßgestellt werden darf und schlägt ein gemeinsames Projekt aller Schüler vor – als Voraussetzung dafür, dass Lou nicht angezeigt wird. Sowohl Lou als auch die Verkäuferin lassen sich darauf ein, und die Tanzaufführung wird ein voller Erfolg.

Das Ende des Stücks bleibt offen, aber Lu, der in der Schlussszene den Arm um Lou legt, zeigt, dass der Plan der Lehrerin aufgegangen ist und es wohl ein Happy End gibt.

Der Schöne und das Biest, eine Eigenproduktion der Mobbits gemeinsam mit ihrer Spielleiterin Christine Kleinert, greift viele aktuelle Themen aus der Lebenswelt der Schüler auf – Mobbing, Diebstahl, Probleme mit den Eltern und in der Schule. Diese Schülernähe erkennt man, die Darsteller haben mit viel Freunde und Elan IHR Stück auf die Bühne gebracht und mit ihrer motivierten Spielweise auch kleine Texthänger gekonnt überspielt. Unterstützt wurden sie dabei vom Technik-Team des GMG. Und die Botschaft war klar erkennbar: nicht Aussehen oder Status sind wichtig, sondern der Zusammenhalt der Schüler.

Bianca Rauchenberger und Nina Kohl, Spielleiterinnen am MRG

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Shakespeare im Comedy-Format

 

[GMG, 28.06.2017] „Schöne gegen Weiber – Coole gegen Tussen“ – so klang der Refrain des Raps, den sich die beiden „feindlichen Lager“ verbal, optisch und auch bildhaft um die Ohren hauten in dem temporeichen und frechen Stück „Zehn Dinge, die ich an dir hasse“ von Claudia Ried, aufgeführt von der Theatergruppe „Die Oscars“ des Gregor-Mendel-Gymnasiums am letzten Mittwoch in deren Mensa.

In Anlehnung an Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ und die amerikanische Aktualisierung „Zehn Dinge, die ich an dir hasse“ drehte sich alles  um die zwei sehr unterschiedlichen Töchter der gestressten Gynäkologin Fr. Liebermann (herrlich authentisch gespielt von Marion Hopfenzitz). Die eine, Katharina (Katharina Filimonov)  will offensichtlich nichts mit Jungs und Zickenkram zu tun haben, was der anderen, Bianca (Ayana Bauer) zum Verhängnis wird, da sie ihrerseits ausgesprochen großes Interesse an Jungs hat, aber erst ein Date haben darf, wenn auch die „widerspenstige“ Kathi an den Mann gebracht worden ist. So hat es Frau Doktor beschlossen, Shakespeare lässt grüßen! Nicht zu vergessen war die dritte im Bunde, die kleine Schwester Elisabeth (Julia Depperschmidt, klein, aber oho!), die durch ihre vorlaute und immer hungrige Art gehörig an den Nerven ihrer Familie sägte.

Gleich zu Beginn kündigt die coole Mel (Alicia Schroers Gómez) die „Schönen“  an und steigt auch unmittelbar in die coole Gang um Katharina und Tine (Lucy Riß, abgefahrenes Styling) und somit in die Handlung ein. Im Verlauf des Stücks wechselt sie immer wieder von der Erzählerin zur Darstellerin, was der rasanten Szenenabfolge sehr gut tut. Zu den Tönen von „Barbie Girl“ stolzieren Bianca (Ayana Bauer – „Barbie Girl“ in Vollendung!), Lisa (Ida Hanft), Vroni (Jessica Urbanovic), Hanna (Laura Tschursin) und Lara (Natalia Matula) ins Bild, sichtlich um ihr aufgeputztes, sehr blondes Äußeres bemüht. Köstlich vermitteln sie durch ihre tiefen Schmachtseufzer ihre große Bewunderung für den „Ober-Macker“ der Schule, KJ (Niko Tadin), der eher materiell als intellektuell bestückt ist und  kurze Zeit später zu den Klängen von „Shaggy – Mr.Boombastic“ einen dementsprechenden  Auftritt hinlegt. Grandios! Zu toppen ist seine Coolness nur noch durch das Auftreten des neuen Schülers Jojo (Paula Schißlbauer), dessen breitbeiniger Macho-Gang selbst einen John Wayne in den Schatten gestellt hätte.

Dann taucht noch das Trio Max (Richard Römmich), Frederike (Violetta Kaiser) und Lukas (Celina Fink) am Ort des Geschehens auf und punktet mit smartem Verstand und „Organisationstalent“. Sie beschließen, gesponsert von KJ, der sich seinerseits Chancen bei Bianca ausrechnet, Jojo als Date für Kathi anzuwerben, um dem verliebten Lukas den Weg zu Bianca frei zu machen. Jojo lässt sich auf den zweifelhaften Deal ein und stellt schnell fest, dass er wirklich Gefallen an Kathi findet. Nicht nur durch sein Gitarrespiel macht er Eindruck bei ihr und sie nimmt zur großen Überraschung aller seine Einladung zu einer Party an, was damit endet, dass sie sich in ihn verliebt.

Bianca allerdings kommen Zweifel an KJ. Entsprechend ernüchtert gestaltet sich die Frühstücksszene am nächsten Morgen, in der nur die genervte Mutter spricht und die Töchter nebst Freundin Vicky (Mabel Kigadye, anrührend) durch überdimensional groß bedruckte Textblätter, an ihren Sitzkisten heftend und von den einzelnen Protagonisten aufgeblättert, für den nonverbalen Dialog sorgen. Selbst in dieser Szene hat übrigens Vicky, die Freundin der kleinen Schwester Elli nichts zu melden, außer leere Blätter, was beim Publikum einmal mehr für Lacher sorgte.

Bald nach der Sause fliegt der vermeintliche Gefühlsschwindel durch die ebenfalls an Jojo interessierte, aber abgeblitzte Sophia (Vivian Gier, herrlich naiv) auf. Liebeskummer macht sich breit, sowohl bei Kathi als auch bei Jojo. Hilfe kommt ausgerechnet von Bianca, als ihr Kathi gesteht, dass sie einmal was mit KJ hatte. So nähern sich die beiden Schwestern wieder an, was letztendlich auch auf ihre „Gangs“ abfärbt, und Bianca wird klar, dass sie sich doch für den aufrichtigen Lukas entscheiden sollte, der nur ihretwegen Französisch gelernt hat.

Szenenwechsel: Es wird ein Gedicht für die nächste Deutschstunde von Frau Rudolf (Julia Groß, überzeugend gespielt) eingefordert. Viele krasse Sprüche sind zu vernehmen und der coole Norbert (Alina Dotzler) reimt mit Mel sogar im Duett. Als letzte tritt Kathi vor die Klasse und verkündet an Jojo gerichtet „zehn Dinge, die ich an dir hasse“ mit dem Schlusssatz  „mein Herz, das kann nicht von dir lassen“. So geht es auch Jojo, und als „Wiedergutmachung“ ersteht er eine Gitarre von dem Geld, das er für die Verabredung mit Kathi von KJ erhalten hat, und kann somit Kathis Herz zurück gewinnen. Auch Lukas verzeiht Bianca ihren „Fehlgriff KJ“ und erwärmt sich erneut für sie.

Während des gesamten Stückes war der Jugendlichen liebstes Spielzeug, das Handy, sehr präsent, welches einmal mehr die Veränderung in unserer heutigen Kommunikation deutlich machte.

Abschließend ist die einfallsreiche, minimalistische Bühnenausstattung, bestehend aus einem Podest und mehreren Holzkisten, welche gekonnt Szene für Szene neu ein- und umgesetzt wurden, zu erwähnen.

Insgesamt bewiesen die einzelnen Akteure großes schauspielerisches Talent, auch durch ihr gekonntes Mienenspiel, was in den abwechselnd eingesetzten Pantomime-Szenen hervorragend zur Geltung kam. Musikalisch treffend und mit vielen Mitteln des modernen Theaters gespickt, gelang es der witzig-frechen Truppe um die leidenschaftliche Theatermacherin Claudia Ried, den vielen Besuchern zwei kurzweilige und amüsante Stunden Unterhaltung zu bescheren.

Susanna Rosemann, EG

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„Wie sieht das Gespenst denn aus?“ – „Na, tot!“

[MRG, 01.06.2017] Am 01. Juni 2017 präsentierte die Theatergruppe der Unterstufe des Max-Reger-Gymnasiums unter der Leitung von Diana Schneider und Gabi Biehler  ihr Stück „Das Gespenst von Canterville“.

Bei einer Schlossführung (frech: Paula Keppler und Samara Stamper, aufmerksam und selbstbewusst als ältere Lady: Nadja Rein) entschließt sich der amerikanische Botschafter Harold Otis (geschäftstüchtig: Lilly Zolling), dieses Schmuckstück -inklusive Geist, das gehört zum Vertrag- zu erwerben.

Die abgeklärte Familie von Mr. Otis zieht also in das neu erworbene, altehrwürdige, englische Haus- „Schloss!“- „Bunker!!“- „Gruft!!!“- wobei die Begeisterung bei den unterschiedlichen Familienmitgliedern unterschiedlich ausfällt.

Eins aber ist klar: Amerikaner lassen sich nicht so schnell einschüchtern, schon gar nicht von den schaurigen Geschichten des alternden Lord Canterville (durchweg überzeugend: Max Daller). Abgebrüht und unerschröcklich inspizieren die an Frechheit nicht zu überbietenden, selbsternannten „Ghostbusters“ Jerry und Tom (Maximilian Hüttner und Adrian Wiens) den alten Kasten, um es den angeblich hier hausenden Gespenstern so richtig zu zeigen.

Tochter Virginia (einfühlsam und  anspruchsvoll: Hanna Schallmaier), ohne WLAN und Einkaufsmöglichkeiten, sieht schon die Schlagzeilen der Boulevardpresse vor sich: „Amerikaner verblöden in Einöde!“, während Washington, kurz „Wash“ (supersicher und obercool:  Phillipp Schötz) angesichts des sich erneuernden Blutflecks gelassen bleibt und die Lage zu jeder Zeit überblickt: „Keine Sorge- Mum kriegt alles sauber“.

Mrs. Otis macht sich umgehend ans Putzen (hervorragend in Szene gesetzt von Lotte Greiner), während Mrs. Umney, die Haushälterin dringend davor warnt, dadurch den Geist von Sir Simon (ist er ein echtes Gespenst oder ein brillianter Schauspieler?) zu erzürnen. Nicht nur einmal fällt sie vor Furcht in Ohnmacht (wirklich gekonnt: Steffi Stigler).

Aber die Eindringlinge lassen sich auch nicht beeindrucken, als der Geist in verzweifelter Not, sie wieder loszuwerden alle Register zieht und sich zeigt: „Wie sieht das Gespenst denn aus?“- „Na tot!“

Mr. Otis, pragmatischer Geschäftsmann, bietet nicht nur der Haushälterin eine Gehaltserhöhung zur Nervenberuhigung an, sondern versucht auch Sir Simon mit einer Abfindung zu bewegen, das Schloss zu verlassen, und hat obendrein für die quietschenden Gelenke „Antikal“ parat. Doch das Gespenst hat dafür nichts als gesteigerte Empörung übrig: „Ihr Pack, ihr Zweifler, ihr… Lebenden!“

Das Blatt wendet sich erst, als Virginia (in Nachthemd und Einhorn- Kuschel- Pantoffeln!) des Nachts auf Sir Simon trifft, Mitleid mit ihm und seiner untoten Situation hat und ihm ins Totenreich folgt, um ihn mit Hilfe einer alten Prophezeiung und einem Gebet erlöst.

Derweilen sucht die Familie aufgelöst nach dem Mädchen und muss sich letztendlich überzeugen lassen, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als man begreifen kann: „Echte Gespenster- außenpolitisch eine Katastrophe!!“ stellt Mr. Otis konsterniert fest.

Der Gespenstertanz, dem Virginia im Totenreich beiwohnt, ist in Worte kaum zu fassen- mit Schwarzlicht und Nebel wird eine wahrhaft „geistvolle“ Stimmung erzeugt, die man gesehen haben muss! Einen großen Zwischenapplaus (der nicht der einzige blieb) gab es hier für die Gespenster Michael Braun, Max Daller, Katharina Filin, Lina Lunz, Lia-Maline Müller, Greta Reber, Nina Ringer, Selina Uschold und Jule Berger.

Am Ende führen diese lieben Geister Virginia wieder zurück zu ihrer Familie. Kaum ist der Schock über ihr Verschwinden verwunden und die Erleichterung verflogen, kommt die nüchterne Erkenntnis von Wash:“Meine Schwester ist eine Killerin!“, da sie „den Untoten mit einem Gebet getötet“ hat.

Last but not least sei noch das außergewöhnliche Bühnenbild erwähnt, das mit beleuchteten Scherenschnittkartons (Kerzen-, Bücher-, Uhr-Motive) die Stimmung des Schlosses eindrücklich zur Geltung brachte.

Fazit:  Das Gespenst von Canterville schaffte es, dass sich  am Ende diese „lebendigen“ Amerikaner mächtig gruselten und das „echte“ Publikum spendete anhaltenden Applaus – ein voller Erfolg!

Christine Kleinert, GMG

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„Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“

[GMG, 13.05.2017] Auf der Grundlage von David Leviathans Roman „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ inszenierte die Schulspielleiterin Claudia Ried, die den Text pointiert für eine Theaterproduktion umschrieb, mit ehemaligen Schülern des Gregor-Mendel-Gymnasiums ein ein ebenso kurzweiliges wie witziges Stück in der Mensa der Schule. Das ungewöhnliche Konzept der Handlung zog das begeisterte Publikum gleich von Beginn an in seinen Bann.

Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt: Nicki liebt Daniel. Doch die ersten Begegnungen zwischen den beiden finden nur per E-Mail statt, die die Zuschauer mithilfe zweier Erzählerstimmen aus dem Off (als Daniel David Pickel; als Nicki Dorothea Niller) zu hören bekommen. Das Problem dieser Liebesgeschichte: Nicki wacht jeden Morgen in einem anderen Körper auf. Als sich die Freundschaft mit dem schriftstellerisch talentierten Daniel (auch auf der Bühne David Pickel) vertieft, kommen auch ihre neuen Identitäten aus seiner näheren Umgebung, denn sie erwacht mit Beginn des Stücks in den Körpern seiner Arbeitskollegen. Daniel, Volontär einer Zeitung, weiß davon zunächst nichts und kann sich wie alle anderen nur über das seltsame Verhalten seiner Kollegen wundern.

Je nachdem, in welcher Person Nicki erwacht, ändert sich auch das Tagesmotto, das im ansonsten bewusst einfach gehaltenen Bühnenbild durch einen überdimensionalen Kalender (gestaltet von Michael Kamann) präsentiert wird. Am ersten Montag erwacht Nicki im Körper der mit weiblichen Reizen gut bestückten Narzissa (Anna-Liri Shalsi). Das falsche Zitat dieses ersten Tages: „Heute bin ich nett.“ – Lord Voldemort. Nicki verhält sich im Körper der Chefin Narzissa ganz anders, als der Rest der Redaktion es erwartet, denn sie ist aufmerksam, höflich und umgänglich. Ähnlich setzt sie ihren Weg durch die Körper fort, immer in Daniels Nähe, dessen Aufmerksamkeit sie erlangen möchte.

So flirtet der Sportreporter Andi (Constanze Gierl) auf einmal mit dem Volontär Daniel und macht sich Gedanken um sein eigenes äußeres Erscheinungsbild, sprich Jogginghose, was eben von der schlagfertigen Kim (Antonia Schmidt) mit dem Satz der Überschrift kommentiert wird. Der ansonsten meist angetrunkene Reporter Magnus (Barbara Winkler) interessiert sich für Daniels Arbeit. Hugo, der recht unterwürfige Sekretär (Alexandra Jehlicke), rebelliert gegen die dauernd nörgelnde Chefin. Am Freitag erwacht Nicki in Daniels Körper und gewinnt einen intensiven Einblick in sein liebenswertes Wesen und sein Talent. Da sie durchaus bemerkt hat, dass Daniel Augen für die hübsche, blonde Sophie (Meike Peffer) hat, benimmt sie sich am Folgetag in deren Körper völlig daneben – frei nach dem Tagesmotto: „Heute bin ich von der Rolle“ – Klo Papier.

Es ändert sich alles, als Nicki in Kims Körper Daniel ihre Geschichte erzählt. Denn ab diesem Zeitpunkt verabreden sich beide täglich, aber Nicki eben immer im Körper einer anderen Person. Das führt in der zweiten Hälfte des Stücks zu grotesken, aber auch nachdenklichen Szenen, weil sich damit die Frage stellt, wie viel Anteil das Äußerliche in einer Beziehung einnimmt. Während Daniel mit den weiblichen Körpern der Praktikantin Doro (Martina Mikuta), der Putzfrau Gabi (Lena Härteis) und Bella (Katharina Waal) noch zurechtkommt, ist ihm die Annäherung des spießigen, CSU-begeisterten Politik-Redakteurs Helmut (Jonathan Grothaus) unangenehm.

Als Daniel einen Tag nicht in der Redaktion anwesend ist, muss sich Nicki im Körper des Fotografen Jules (Johanna Mehringer) mit ihrem schlechten Gewissen auseinandersetzen. Auf Initiative von Magnus und Bella hat sie Fotos einer im Koma liegenden Profi-Tennisspielerin gemacht, hat jedoch Skrupel, mit dem Schicksal dieser Frau Geld zu verdienen. Und hier schließt sich der Kreis: Als nämlich am Folgetag Daniel im Büro erscheint, wird klar, dass seine Nicki eben diese Tennisspielerin ist, die wieder aus dem Koma erwacht ist. Der Schluss deutet ein Happy End an, bleibt aber offen.

Schauspielerisch zeigten die ehemaligen Schüler/innen ein hohes Niveau, denn neben der eigentlichen Rolle, musste auch jeder Nicki darstellen können. Der brillante und mit Wortspielereien gespickte Text tat sein Übriges und brachte das Publikum häufig zum Schmunzeln und Lachen. Durch die Thematik der wechselnden Identitäten bekam das Stück gleichzeitig eine Tiefe, die in mancher Szene die Zuschauer zum Grübeln brachte. Das Publikum dankte dem Team den kurzweiligen Abend mit einem lang anhaltenden, tosenden Applaus. Die Gruppe „Obstsalat“ kündigte am Schluss des Stücks an, auch noch weiter machen zu wollen. Damit dürfen die Zuschauer auch im nächsten Jahr wieder auf ein Stück hoffen, das in den Köpfen noch nachwirkt.

Diana Schneider, MRG

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Osterbotschaft ganz neu interpretiert

[EG, 04./05.04.2017] Peter Seidl, bis zum Februar noch Schulleiter des Erasmus-Gymnasiums und nun im Ruhestand, hat gewissermaßen sich selbst und seiner Schule zum Abschied eine Neuauflage eines Theaterstücks geschenkt, das er 1992 am Gymnasium Neubiberg konzipiert hatte. Der Kritiker des Münchner Merkur urteilte damals, es handle sich um ein „himmlisch vergnügliches Höllenszenario“ – und dieses Prädikat verdient auch die Aufführung 25 Jahre später.

Seidl hatte sich das „Innsbrucker Osterspiel“, das vor rund 700 Jahren in Thüringen entstand, als Grundlage genommen; es geht darin um teils in der Bibel erwähnte, teils frei erfundene Ereignisse, die sich um die Auferstehung Christi drehen. Dieses ernste Thema wird bereits in dem mittelalterlichen Mysterienspiel kräftig ausgeschmückt und zu Unterhaltungszwecken angepasst. Peter Seidl modernisierte die Sprache, fügte zeitgemäße Anspielungen und slapstickartige Handlungselemente hinzu – und versah das Ganze mit einer Reihe von Songs, die live vorgetragen wurden; unterstützt wurde er bei der Aktualisierung von Mitgliedern der engagierten Theatergruppe. Die musikalische Begleitung kam von einer schwungvoll und präzise aufspielenden Lehrerband: Michael Haberberger (Trompete), Katharina Scharnagl (Flöte), Florian Häusler (Klavier), Christine Uhle (Bass) und Christian Uhle (Schlagzeug).

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Pilatus (Johann Schneider), links, und Kaiphas (Niklas Bauer)

Dem Spiel der Bühnenakteure merkte man an, dass sie mit viel Begeisterung bei der Sache waren – eine ganze Reihe von ihnen gar in mehreren Rollen. Das fängt schon damit an, dass der Hohepriester Kaiphas mit überbordender Beredsamkeit, in der er Unterwürfigkeit und kleine Spitzen geschickt mischt, den römischen Statthalter Pilatus davon zu überzeugen sucht, das Grab müsse bewacht werden, denn die Anhänger des Jesus munkelten von einer Auferstehung. Niklas Bauer (9b) verlieh der Figur des Kaiphas – sowie danach auch der des Salbenhändlers und des Petrus – eine wunderbare komödiantische Präsenz, und Johann Schneider (Q12) war ein prächtig selbstherrlicher Pilatus (und später ein überzeugend zweifelnder Thomas).

EG_3039_actionheroes_Terminator+RamboNatürlich haben die daraufhin als Wachen abgeordneten Actionhelden (Michael Meckl, Q11, Katinka Himmelhuber, Q12, Niklas Bauer, Johann Schneider) keine Chance gegen die himmlischen Mächte, obwohl sie vorher über ihre guten Absichten rappen. Der alsbald tatsächlich Auferstandene (ruhig und würdevoll dargestellt von Randell Sliman, 10b) begibt sich sogleich in die Hölle, um die dort Festgehaltenen aus der teuflischen Gefangenschaft zu befreien, allen voran das rettungslos zerstrittene Paar Adam (Michael Meckl, Q11) und Eva (Lisa Brandel, 8b). Diesen Personalverlust will sich Oberteufel Luzifer (Gizem Göz, Q11, Leyla Hamaloglu, 7a) nicht gefallen lassen, und so schickt er seine Unterteufel auf der ganzen Welt aus, um neue Seelen für die Hölle zu fangen (Victoria Eckroth und Maritta Singer, 7a, Hanna Theiss und Lisa Brandel, 8b, Ceyda Hos, 10b, Andrea Anthofer, 8b).

Leichte Beute für die Teufel findet sich reichlich, unter anderem der Salbenhändler Unguentus Quackus (Niklas Bauer), der kein einziges Fremdwort richtig verwendet, aber jedesmal prompt von seiner Frau (Andrea Anthofer, Ceyda Hos) verbessert wird – zur hörbaren Erheiterung des Publikums, das diese Wortverdrehungen genießt. Quackus stellt einen Gehilfen ein, den verschlagenen Rubin (mit rabiatem Charme: Michael Meckl), der sich sogleich vornimmt, bei erstbester Gelegenheit die Kasse zu plündern und mit der Frau des Chefs durchzubrennen. Doch zunächst muss er sein Verkaufsgeschick unter Beweis stellen, und da kommen die drei Frauen gerade recht, die eine Salbe zum Einbalsamieren erwerben wollen (Sandra Weiß, Q11, Christina Metz, Q12, Viktoria Eckroth, 7a). Rubin führt das Verkaufsgespräch so tölpelhaft, dass Quackus ihn wutentbrannt hinauswerfen will – doch seine Frau hat ihrerseits ein Auge auf den dynamischen Rubin, und so wird Quackus kurzerhand mit seinen eigenen Ingredienzien ins Jenseits befördert.

EG_3156_mariaDie drei Frauen erhalten nun die Nachricht, dass das Grab bereits leer sei – und vor allem Maria Magdalena, „Ex-Sünderin, jetzt fromm“ (wie es im Programmheft heißt), ist enttäuscht darüber, denn sie wäre so gern ihrem Meister noch einmal begegnet. Diese anspruchsvolle Passage gelang Sandra Weiß mit schöner Ernsthaftigkeit. Doch allzulange bleibt es nicht ernst: Schon gibt es eine Live-Übertragung auf RadioTele Galiläa zu verfolgen, eine Radiostation, die den als Sport-Event aufgemachten Wettlauf der Jünger Petrus und Johannes zum Grab kommentiert (Niklas Bauer, Michael Meckl; am Mikrofon: Felicitas Groth, 8b).

Nicht unerwähnt bleiben soll der Engel mit dem Tablet (Marie Siegler, Q11), der teils als wandelndes Auskunftsbüro, teils als Bodyguard für Jesus, für Ordnung sorgt, so auch am Ende, als der Auferstandene rechtzeitig auf die Bühne kommt, um Maria Magdalena zu trösten und dem ungläubigen Thomas zum Glauben zu verhelfen. – Ein Happy End also?

EG_3047_JC+EngelIrgendwie schon, und insgesamt vermittelte dieses sehr bunte, teilweise überdrehte Musikspiel mit seinen ernsten Passagen (z. B. dem Tanz der sieben Todsünden) dem Publikum eine Ahnung davon, wie das mittelalterliche Mysterienspiel damals gewirkt haben mag: Man beschäftigte sich mit den Inhalten der Osterbotschaft und nutzte die Lücken in der Überlieferung, um heiteren Klamauk zu treiben, ohne in Blasphemie zu verfallen. Auch diese Gratwanderung gelang hier.

Mit großem Applaus dankte das Publikum im Erasmus-Gymnasium den Spielerinnen und Spielern, der Band, der Technik und nicht zuletzt den beiden Leitern der Schultheatergruppe, Peter Seidl und Susanna Rosemann.

Peter Ringeisen, DJDG

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Wahrheit – ein kostbares Gut?

[DJD, 14.03.2017] Wenn sogar schon Präsidenten die Wahrheit verbiegen, dann zeigt das umso mehr, wie brandaktuell das Thema Wahrheit – oder vielmehr die Abkehr davon – ist. Daher legten die Schülerinnen des Decker-Gymnasiums mit ihrer Theatercollage „Alles wahr. Echt.“ den Finger beeindruckend genau an den Puls der Zeit.

Zwar waren es weder 70 000 noch 120 000 Zuschauer, wie die Schauspielerin Johanna Hofmann aus der Q11 in einer gekonnten Trump-Parodie versicherte, doch der Gerhardinger-Saal war am Dienstag, den 14. März, dennoch gut gefüllt.

Das Titel-Thema führte als roter Faden durch das kurzweilige Pottpüree aus Gedichtinterpretationen, Ausschnitten aus verschiedenen Theaterstücken und anderen Literaturvorlagen von Größen wie Ernst Jandl, Kathrin Röggla, Friedrich Dürrenmatt und Goethe sowie einigen äußerst gelungenen Eigenproduktionen.

0__web__dsc_2781.jpgSo überzeugte beispielsweise Anne Winter mit ihrem Geständnis, Mord sei ihr Hobby – nur um schließlich eingestehen zu müssen, dass „Schwimmen“ vielleicht doch die passendere Bezeichnung für die von ihr bevorzugte Tätigkeit sei. Zuvor hatte die Schülerin bereits Theresa Flierl als zögerliche Selbstmörderin überredet, ihr vor dem Sprung noch ihre Wertsachen zu überlassen – und sie schließlich mit einem beherzten Schubs vor einem Sinneswandel „bewahrt“.

Auch Clara Dreßler gab eine wirklich gute Figur ab – und zwar sowohl als Gangsterboss als auch als Klatschtante. Aber nicht nur die Oberstufenschülerinnen überzeugten mit ihrer Darbietung. Auch Katja Huber, Emma Buegger, Magdalena Mandl, Lena Gimpl und Annalena Vogel ernteten zurecht reichlich Applaus.

0__web__DSC_8580Ein weiteres Highlight waren die von Julia Eikam und Laura Brugger herzerfrischend gespielten Szenen aus den „Känguru Chroniken“ von Marc-Uwe Kling, die für zahlreiche Lacher sorgten und schon mit viel Vorfreude erwartet wurden. Die musikalische Einlage von Leonie Weigl und Theresa Flierl gab dem Abend noch eine gefühlvolle gesangliche Note.

Beeindruckend gelangen die Einlagen der Gruppe „Wahlfach Tanz“, wenn auch beim zweiten Tanz zunächst gebremst durch ein technisches Problem, das die Mädchen hinter den Kulissen kurzerhand selbst lösten. Die erste Nummer, ein „Mashup“ aus mehreren Musikstücken, begeisterte durch die Vielfalt an choreographischen Einfällen, und der zweite Tanz bildete zu dem bezeichnenden Titel „Who run the world? Girls“ eine wunderbar peppige Abrundung des Abends, der von Peter Ringeisen (Schauspiel) und Sigrid Ringeisen (Tanz) einstudiert worden war.

0__web__DSC_8589Who run the world? An diesem Abend waren dies zweifelsfrei die Girls des Dr.-Johanna-Decker-Gymnasiums.

Claudia Ried, GMG

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MRG begeistert mit einem Stück Zeitgeschichte vor vollem Haus

Leipzig im Jahr 1989: Die Regierung der DDR kämpft mit steigenden Flüchtlingszahlen und hat eine Frauen-WG zu Propagandazwecken ins Leben gerufen, um den jungen Genossinnen und Genossen ein Vorbild zu geben. Freundschaft!

„Wir hatten nischt, aber die DDR hatte uns“ spielt ironisch mit den Slogans und dem Gedankengut des real existierenden Sozialismus der DDR. Die Charaktere jeder einzelnen Rolle wurden bis ins Detail ausgearbeitet. Da ist zunächst einmal Charlotte Kreutz (Marie Hanke, Q 11), Gründerin dieser DEFA-Fernseh-Propaganda-WG, die mit fester Hand die Frauengemeinschaft zusammenhält. Dabei hat sie viel zu tun, denn einige der Bewohnerinnen verhalten sich nicht unbedingt so, wie es das Politbüro gerne gehabt hätte: Isgrid (Alice Kerschbaum, Q 11), von Beruf Gärtnerin, züchtet in der WG ihre Hanfpflanzen, und Bibbi (Anna Sturm, Q 12), die sich durch das Stück berlinert, hat wechselnde Männerbekanntschaften. Das Schicksal von Bibbi ist auch der Dreh- und Angelpunkt des von der Spielleiterin Diana Schneider verfassten und bis in jede Rolle ausgefeilten Theaterstücks.

Bibbi lernt gleich zu Beginn einen Wessi (Alice Grohmann, 9 c) kennen, der die Naivität des Ostmädchens ausnützt und ihr eine große Karriere als Model verspricht. Jeglicher Westkontakt und Westeinfluss muss aber vor der allgegenwärtigen Hausmeisterin und dem Stasi-Spitzel Frau Kolansky (Anna-Maria Horst, 10 c) sowie deren staatstreuen Enkelin (Nicole Dreher, 9 a) geheim gehalten werden. Das Stück strotzt vor ironischen Untertönen, was für Einiges an Situationskomik sorgt und somit zur Erheiterung der Zuschauer beiträgt. Doch als Bibbi erfährt, dass sie sich beim Westfreund mit AIDS – einer Krankheit, die in der DDR offiziell gar nicht existierte – angesteckt hat, folgt der dramatische Wendepunkt. Von da an leidet der Zuschauer mit, genau wie Bibbis Mitbewohnerinnen, die Büchernärrin Conny (Magdalena Schuth, Q 11), die dauerverliebte Floristin Nicole (Melissa Renner, Q 11), die Umweltschützerin Heike (Sophie Reinwald, Q 12), die Krankenschwester Wita (Luise Kerschbaum, 9 a) mit Helfersyndrom oder Melanie (Alexandra Koller, 10 c), Sekretärin und Sprachgenie. Natürlich darf auch in dieser WG eine Ina Saalbach (Ann-Kathrin Brüning, Q 12) nicht fehlen, die als Dressurreiterin von der sozialistischen Sportförderung der DDR profitiert. Zu dieser Truppe gesellt sich dann auch noch Eddie (Mona Sommerer, Q 11), Ingenieurin und verrücktes Genie, die mit ihren imaginären Freunden Karl (Marx) und Friedrich (Engels) im Zwiegespräch lebt.

Nach der Pause kündigen sich Veränderungen an. Die WG erhält durch Telefon und Farbfernsehgerät sozialistischen Luxus. Es ist auch die Zeit der Montagsdemonstrationen. Doch noch einmal droht der WG Gefahr, als die meisten der Bewohnerinnen von Volkspolizisten (Peter Weiser, Q 11 und Daniela Ludwig, Erzieherin im Internat) verhaftet werden. Nach dem Fall der Mauer erkennt dann letztendlich aber auch die Frauenbeauftragte und SED-Mitglied Charlotte: „Das Projekt DDR ist gescheitert.“ Man erfährt, dass Frau Kolansky nach der Verhaftung ihrer Tochter nichts anderes übrig blieb, als die Nachbarn zu bespitzeln. Am Ende wird klar, das Leben wird sich für die WG-Bewohner verändern. Für Bibbi gibt es allerdings kein Happyend, sie stirbt an ihrer Krankheit.

Zwei Stunden lachen und leiden die Zuschauer im vollbesetzten Festsaal mit den Bewohnern mit und sind ein Teil der WG, denn sie werden mit einbezogen, z. B. wenn die Darsteller auch im Zuschauerraum spielen. Das Stück ist liebevoll und engagiert durchrecherchiert und inszeniert bis ins kleinste Detail, angefangen von den Halorenkugeln über den Rotkäppchensekt bis hin zum O-Ton der Aktuellen Kamera und der Tagesschau. Die Darstellerinnen und Darsteller verstanden es, ihre Charaktere glaubhaft mit Leben zu füllen; dazu wurden sie perfekt und professionell von Johanna Samberger (Q 12), Linda Göbl. Dorothee Meyer, Jan-Marco Müllner und der Spielleiterin Diana Schneider in Szene gesetzt. Die Wende 1989, eine Sternstunde der Geschichte, wurde in einer Sternstunde des Schultheaters den Zuschauern kurzweilig vermittelt.

Andreas Hilgart (DJDR)

Aufführung: 25. April 2013

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