Zombies in der Klasse

Die Zeiten sind längst vorbei, in denen Kinder Angst vor der Schule haben müssen. Was aber ist, wenn – wie in der Luitpoldschule – plötzlich „Gespenster und andere Spukgestalten“ auftauchen?

[Luitpold, 19.07.2016]   Zur Einstimmung auf ihren Theaterabend zeigte die Schülergruppe unter Leitung von Lehrerin Maria Treml-Paskowski einen Kurzfilm, der in Koproduktion mit Studierenden der Ostbayerischen Technischen Hochschule produziert worden war.

Anschließend brachten die Buben und Mädchen ein kurzweiliges Stück zum Nachdenken auf die Bühne, in dem die vier mobbenden Mädchen (Efthimia Barnova, Francesca Wendl, Gülüstan Mamedova und Mina Rauscher) nicht zimperlich mit ihrer Mitschülerin (Victoria Götz) umgingen und diese auch mit Hilfe sozialer Medien drangsalierten und erpressten. Auch die Eltern (Liane Lichatschow und Jonas Kastner) konnten dagegen nichts ausrichten. Schließlich konnten die Teenagerinnen nur wie von Geisterhand (Joanna Davis) zur Besinnung gebracht werden.

Im Traum erschienen ihnen nämlich aufgrund ihres schlechten Gewissens ein Pirat (Michael Doschat) und ein Hai in überzeugendem Kostüm (Mike Baron), aber auch Aliens mit selbst gestalteten Masken (Sandy Weiß, Laila Elizze, Tina Ullmann, Joel Biela, David Gogotchin und Joanna Davis) sowie tanzende Zombies, die in Michael-Jackson-Manier die Mädchen erschreckten.

Vom Publikum mit viel Applaus bedacht, brachten die Darsteller das schwierige Thema mit lustigen Sequenzen und einem Augenzwinkern auf die Bühne.

Nina Kohl

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Keine verlorene Liebesmüh’

Gelungene Shakespeare-Adaptation an den Dr.-Johanna-Decker-Schulen

[DJD, 30.06.2016]   Eine über weite Strecken frische und freche, insgesamt recht kurzweilige und amüsante Shakespeare-Adaptation gelang der Theatergruppe der Dr.-Johanna-Decker-Schulen unter der Leitung von Peter Ringeisen am 30. Juni mit „Verlorene Liebesmüh“.

16_lll_plakat_djds_juni_webSchon das Plakat mit Schmollmund und Pfauenfeder deutete an, dass da alles andere als eine verkopfte oder verzopfte Klassiker-Rezitation zu erwarten war. Und vom kleinen Anfangs-Gag mit Selfies und Paparazzi bis zum gemeinsam gesungenen „Nehmt Abschied, Brüder“ am Schluss war immer ein Schuss Aktualität zwischen Selbstanpreisung und Selbstironie („Nicht weit von hier ist eine Schule, auf die die besten Mädchen gehen …“), im Spiel, der die etwas surreale Handlung und den oft recht bemühten Wortwitz der eher selten gespielten Shakespeareschen Textvorlage aufpeppte und für das Publikum besser verdaulich machte.

Vor dem zahlreich erschienenen Publikum, das den Gerhardinger-Saal bis auf den letzten Platz füllte, entfaltete sich die groteske Tragikomödie von männlicher Lust (durchschaubar umetikettiert als „Verliebtheit“) und männlicher Realitätsferne (ein Eid, den niemand halten kann und der auch sofort gebrochen wird) – gezähmt, geerdet und ad absurdum geführt gleichermaßen durch weibliche Klugheit.

4_alle4_xDie gekrönten Protagonisten der beiden Welten (majestätisch: Verena Kosel als König von Navarra und Selina Messer als Prinzessin von Frankreich) geben einander nichts nach, und ihre jeweils drei untergebenen Edelleute (überzeugend vor allem Kristin Grüneich als Berowne, aber auch Magdalena Schütz und Lena Gimpl) bzw. Edeldamen (kokett-berechnend: Emily Hoppe, Clara Dressler und Isabella Graf, aristokratisch: Sarah Pickel als Boyet) umkreisen einander so höfisch-galant wie eiskalt berechnend, mit fein ziselierten Sprachsticheleien und übertriebenen Schmeicheleien als präzis gesetzter Wortwaffe.

Das komödiantische Element wird verkörpert einerseits durch den „bäurischen Narren“ Wirsing (talentiert: Theresa Schleicher), der die Liebesbriefe der adligen Herren (absichtlich?) durcheinanderbringt, aber die Lacher des Publikums erntet, mit seiner nicht allzu treuen Geliebten Jaquenetta (bodenständig: Sabrina Wittmann), andererseits durch den spanischen Edelmann Adriano de Armado (dauer-„verliebt“: Jennifer Niedermeier), der mit seinem Diener Krümel (Johanna Hofmann) ein don-quijoteskes Paar abgibt. Ein Wachtmeister (in Bundeswehr-Uniform: Evelyn Doban) ein hyperintellektueller Schulmeister (Emma Buegger) und ein Pfarrer (Magdalena Mandl) komplettieren als bierdimpfelndes Trio das kunterbunte Figurentableau des Stückes.

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Die DJD-Theatertruppe, altersmäßig weit gespannt von Sechstklässerinnen bis Abiturientinnen, war gut einstudiert, was Sprechen und Positionierung auf der Guckkastenbühne betraf, auch das Seitenaus und der Saal wurden mit bespielt. Gut ausgesuchte Musikeinspielungen zwischen den Szenen und Auftritten erzeugten die richtige Atmosphäre und Erwartungshaltung beim Zuschauer.

Sehr gelungen war auch die Kostümierung, die zum einen das Problem der vielen Hosenrollen dadurch löste, dass die „echten“ Frauen in überbordenden bonbonfarbenen Galaroben klar erkennbar waren, zum anderen durch kleine, nicht unbedingt historisch getreue, aber gut gesetzte Akzente (z.B. Krawatten, Lederhosn und Dirndl) dem Zuschauer optische Hilfen zur Einordnung der Figuren gab.

Ebenso pointiert wurden bestimmte Requisiten eingesetzt: überdimensionierte Plüschbären als Geschenk der Galane an die Edeldamen, die so simple wie effektive Maskierung derselben wie auch ein Abakus als Rechenhilfe für die schwierige Aufgabe der Umrechnung von Zoll in Meilen.

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Der geschickteste Regieeinfall war zweifellos, das „Spiel im Spiel“, das bei Shakespeare aus einer Aufführung der „Neun historischen Helden“ bestand, aus dem Kontext des Stückes heraus kurzerhand ins DJD (dem Publikum erklärt als „Die jungen Diven“) zu holen und es damit zu einer Schul-Aufführung im besten Sinn zu erweitern. „Echtes“  und gespieltes Publikum konnten sich gleichermaßen an einer kleinen Leistungsschau aus Musik (Saxofon-Solo: Carmen Huber, Blockflöten-Ensemble) und Tanz erfreuen. Insbesondere die mitreißende Ballett-Einlage, einstudiert von Sigrid Ringeisen, bekam enthusiastischen Beifall.

Zurück in Shakespeares Welt, werden die Spieler abrupt aus ihrer galanten Traumwelt in die Realität geholt, denn die Prinzessinnen müssen auf Grund eines Todesfalles überhastet abreisen.

Worüber das Stück ging? Letztlich um die „Liebe“ in allerlei Varianten. Ein Thema, das gerade im Gymnasiasten-Alter so viel elementarer als etwa Mathematik oder Geographie in unser Leben eintritt, hat Shakespeare auf Scherz, Geplänkel und Galanterie reduziert.

Verlorene Liebesmüh’? Nicht am Publikum im Gerhardinger-Saal, das einen gelungenen Schultheater-Abend mit lang anhaltendem Beifall belohnte.

Peter Seidl

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„Peter Pan: Gerne wieder Kind sein“

[MRG, 30.06.2016]   Alle Kinder wollen auf der Bühne den Peter Pan spielen und niemand Captain Hook? Ein Glück für alle Zuschauer des Theaterstücks „Peter Pan“ im Max-Reger-Gymnasium, dass Luca Adams sich nicht an diese Regel halten wollte und Peter Pans fiesen Erzfeind mit viel Schwung und allerschönster Hinterlist spielte.

Mit Silas Klemm als spitzbübischen Charmeur war jedoch auch die Titelrolle wunderbar besetzt. Gemeinsam mit seiner zwar schweigsamen, aber zuckersüßen Tinkerbell (Magdalena Fuchs) holt er sich die drei Darling-Kinder nach Nimmerland, um sie seinen verlorenen Jungen (spritzig: Phillip Schötz, Stephanie Stiegler, Lotte Kreiner, Hanna Schallmeier) vorzustellen.

Getreu der berühmten Geschichte haben in Peters Abwesenheit Hooks Piraten die Häuptlingstochter Tigerlilly (Laura Taller) entführt. Doch Peter Pan gelingt es mühelos, den überforderten Piraten (allen voran herrlich einfältig: Fabian Gehring) ihre Gefangene wieder abzuluchsen. Als es Hook schließlich auch noch misslingt, die „Mutter“ Wendy (liebenswert und souverän gespielt von Johanna Wiesner) für sich zu gewinnen, kommt es zum letzten großen Kampf zwischen ihm und Peter Pan. Inzwischen haben allerdings Wendys Brüder John (wie dem Disneyfilm entstiegen: Elena Eikam) und Michael (Michael Braun als unerschrockenes Nesthäkchen) die verlorenen Jungen mit ihrem Heimweh angesteckt.

Als rührender Abschluss werden die Jungen zuhause in London von Mr Darling (außergewöhnlich ausdrucksstark: Hanna Schallmeier) und dessen liebevoller Frau (Charlotte Singer) adoptiert – und haben, wie auch die leiblichen Darling-Kinder, fortan in Hund Nana (Nazli Alizada) ein originelles und fürsorgliches Kindermädchen.

Die Erzählerin Lea Eckert führte die Zuschauer mit einem Augenzwinkern durch dieses Theaterabenteuer, während ihre Schauspielkollegen in professionellem Freeze lebendige Bilder zauberten. Kunterbunt, witzig und ausgesprochen vielfältig war das Kunstwerk, das die Theatergruppe der Unter- und Mittelstufe unter der Leitung von Nina Kohl und Gabriele Biehler da auf die Bühne brachte. Zusätzlich bereichert wurde das Stück durch das wirklich einmalige Bühnenbild, das die Spannung auf die nächste Szene nur noch weiter steigerte. Abwechslungsreich untermalt von Tanz und Musik überzeugten die 23 jungen Schauspieler (in weiteren Rollen: Johanna von Platen, Greta Reber, Jule Berger, Lia-Maline Müller, Nadja Rein, Katharina Filin und Nina Ringer) mühelos ihr Publikum und ernteten minutenlangen Applaus. Ein ausgesprochen amüsanter und kurzweiliger Theaterabend, der in vielen Anwesenden die Sehnsucht nach ein bisschen mehr Kind-sein weckte.

Claudia Ried

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Gefangen in menschlichen Abgründen

Das Bild eines einsamen Hauses im Wald empfing die Zuschauer in der Mensa des Gregor-Mendel-Gymnasiums und zog sie von Anfang an wirkungsvoll in die Geschichte hinein. Keiner im Publikum wäre auf die Idee gekommen, dass es sich auf der Bühne um Laiendarsteller handelt.

[GMG, 29.06.2016]   Das Jugendtheaterstück „Das Haus im Wald“ von Andreas Galke, das die 15 Schauspieler der Mittelstufen-Theatergruppe des GMG unter der Leitung von Christine Kleinert präsentierten, war ein kurzweiliges und spannendes Stück, das mit Ausländerfeindlichkeit und Pädophilie gleich zwei aktuelle Probleme unserer Gesellschaft aufgriff. Die Geschichte spielt in einer einsamen Jugendherberge inmitten eines riesigen Waldgebietes, in dem zwei Mädchengruppen gastieren: vier selbstbewusste und nassforsche Sportlerinnen (Judith Bässler, Jennifer Bektimirov, Carina Haag und Valeria Maas), die sich auf einen Wettkampf vorbereiten, und die sieben Mitglieder einer Schultheatergruppe (Lea Braun, Maja Goedecke, Valeria Lagutina, Emily Landel, Selina Möller, Sarah Zeidler und Aurelia Ziegler) die sich in der Einsamkeit einem neuen Projekt widmen wollen. Geleitet werden die Gruppen von der Sportlehrerin Frau Winterberg (Tamara Lindner) und auf der anderen Seite von den strengen Lehrern Frau Hentschel (Carolin Spies) und Herrn Bingel (Cedric Traub).

Das Drama nimmt seinen Lauf als zwei der Sportlerinnen den pädophilen Herbergsvater Frank Busch (Johannes Altmann) dabei überraschen, wie dieser heimlich Fotos der beiden Mädchen in der Umkleide aufnimmt. Sie reagieren abgebrüht, nehmen die Speicherkarte an sich und erkennen sofort die Möglichkeit, den Ertappten damit zu erpressen. Als die beiden Gruppen aufeinandertreffen, bahnt sich ein zweiter Konflikt an: Die Sportlerinnen entdecken zwei ausländische Mädchen in der Theatergruppe. Während sie sich an die selbstsichere Muslimin Ayse (Valeria Lagutina) nicht herantrauen, nutzen sie die Gelegenheit, und leben rassistische Neigungen an der schüchternen Lissi (Sarah Zeidler) aus.

Sie demütigen und beleidigen das Mädchen, bis ihm Schulkameradinnen Mieke (Emily Landel) zur Hilfe eilt. Doch die Sportlerinnen schmieden einen perfiden Plan: der Herbergsvater Busch wird mit der Speicherkarte dazu erpresst, ihnen den Schlüssel zum Büro – wo ihre Handys verwahrt werden – auszuhändigen und die Schauspielerinnen an einen abgeschiedenen Ort zu locken. Dort wollen ihnen die fremdenfeindlichen Gören eine Abreibung verpassen. Der schwache Busch fädelt den Hinterhalt wie geheißen ein. Um ungestört zu sein, bringen die Mädchen außerdem ihre Sportlehrerin durch einen Telefonanruf dazu, die Herberge zu verlassen. Jetzt haben sie freie Bahn. Das Blatt wendet sich durch die Gier der Mädchen. Sie wollen Busch die Speicherkarte nur gegen eine hohe Summe verkaufen. Dieser willigt in seiner Not ein. Die Mädchen möchten auf Nummer sicher gehen und beschließen den Herbergsvater dorthin zu begleiten. Doch dabei tappen sie in eine Falle. Der Pädophile führt sie in den Wald, vergeht sich dort an den schutzlosen Mädchen, nimmt die Speicherkarte wieder an sich und sperrt die Missbrauchten anschließend in einen verlassenen Bunker.

Die Spannung löst sich, als ausgerechnet Ayse und Lissi die Eingeschlossenen befreien. Die Sportlerinnen erkennen und bedauern ihren sinnlosen Hass gegenüber Ausländern und schließen die beiden ins Herz. Der Herbergsvater wird überführt, festgehalten und von den Lehrern der Polizei übergeben. Die Theatergruppe begeisterte mit ihrer abwechslungsreichen Produktion, glänzte mit wirkungsvollen Ideen, beeindruckte mit facettenreichem und authentischem Spiel und wurde mit langem Applaus belohnt.

Burkhart Häusler

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Jurijs Liebe wird zum Eklat

Gewalt, Diebstahl und Drogenhandel? Alles Kavaliersdelikte in der Brennpunktschule von Frau Schnepper und ihren Kollegen. Doch als der allseits gefürchtete Jurij plötzlich verkündet, er sei verliebt, steht die ganze Schule Kopf.

[EG, 16.06.2016]   In dem Stück „Hau ab mit verliebt“ von Markus Mohr, aufgeführt von der Theatergruppe der Unter- und Mittelstufe des Erasmus-Gymnasiums, offenbarte sich auf amüsante und selbstironische Weise, wie echte Gefühle die Mitmenschen auf die Probe stellen können.

Anfangs nimmt in der Schule von Frau Schnepper (Karina Hartmann) noch alles seinen gewohnten Lauf: Die von Amelie Spörer herrlich überfordert dargestellte Lehrerin Sonsterlein hat außer Grammatik wenig im Griff. Ihr Schüler Collin (Victoria Eckroth) interessiert sich mehr für seine Messersammlung als für Possessivpronomen, und die beiden türkischstämmigen Schülerinnen Tülay und Büsra (witzig gespielt von Merit Matuschek und Julia Nerb) sind vollauf mit ihrer Schönheitspflege beschäftigt. Anna, Lena und Mia (Karina Hartmann, Maria Erven, Lisa Brandel) haben kaum Sinnvolles zu sagen, dafür alles im Chor.

Bier und Klopperei

Ihr Mitschüler Tarik (sehr überzeugend: Leyla Hamaloglu) hat ebenfalls wenig für Grammatik übrig – ihn interessiert eher sein neuer Freundeskreis in der Neonaziszene mit dessen Vorliebe für Bier und Klopperei. Davon kann ihn auch Josh (Hanna Theiss) nicht abbringen. Mikey (Ronja Berger) bekommt in seinem Tiefschlaf ohnehin nichts mit. Einzig die Streberin Gloria, wunderbar altklug dargestellt von Felicitas Groh, beteiligt sich am Unterricht.

Dem Lehrer Dr. Kotten (ausgesprochen mitreißend gespielt von Diana Seifert) gelingt es da schon deutlich besser, seine Klasse einzuschüchtern, indem er den Schülern zumindest mündlich erst einmal ihre Grundrechte entzieht. Und in seinem Unterricht wird auch klar, dass sich der inzwischen aufgetauchte Jurij, sehr überzeugend gespielt von Andrea Anthofer, verändert hat: Statt Aggressivität strahlt er plötzlich sanfte Gefühle aus und gesteht der Klasse bereitwillig: „Ich bin verliebt!“

Ein Eklat. Sofort werden die Eltern des Jungen (Gizem Göz und Ceyda Hos) einbestellt und Ursachenforschung betrieben. Doch auch diese sind ratlos. Bisher war der Sohn doch nur durch Verprügeln, Klauen oder Feuerlegen aufgefallen. Kein Grund zur Beunruhigung also. Aber Liebe? Sollte das etwa ein von Onkel Bogdan geerbtes Leiden sein? Auch die hastig einberufene Lehrerkonferenz ist ratlos. Weder Herr Dillershausen (Sandra Lindner) noch die Schulrätin (sehr erfrischend: Madita Fröhner) wissen sich zu helfen. Selbst die Schulpsychologin (Lisa Brandl) scheitert an Jurijs Starrsinn: Er will sich partout nicht einreden lassen, dass er seine Verliebtheit nur vortäuscht, um im Mittelpunkt zu stehen. Doch am meisten getroffen von Jurijs Verliebtheit sind seine Mitschüler. Sie reagieren mit Abweisung, Enttäuschung und Wut. Sprichwörtlich zeigen sie ihm die kalte Schulter, ehe sie ihn gemeinsam überwältigen und mit Lichterketten auf einen symbolischen elektrischen Stuhl bringen.

Witzige Dialoge

Neben den sichtlich motivierten Schauspielerinnen überzeugte die Aufführung durch witzige Dialoge, peppige Musik und eine perfekt integrierte Tanzchoreographie. Schulspielleiterin Susanna Rosemann kann zu Recht stolz sein auf ihre Truppe. Dass dies auch umgekehrt der Fall ist, zeigten die Schülerinnen zum Abschluss, als sie sich einzeln bei ihrer Lehrerin rollengetreu und mit Rose bedankten.

Claudia Ried

 

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Freitag, der 13.

[GMG, 11.05.2016]   Wenige Tage vor den Pfingstferien träumen viele von einem Flug ans Meer. Die Zuschauer des Unterstufentheaters am GMG kamen bereits in den vollen Genuß. Topgestylte, sympathische Stewardessen, keck präsentiert von Paula Schißlbauer, Ida Hanft und Ayana Bauer, des Fluges LIT 12/08 der „GMG Airlines“ empfingen das gespannte Publikum an Board. Auch Erich Baumann, der Pilot (Mabel Kigadye) begrüßte völlig cool und unaufgeregt die Reisenden. Diese bunten Charaktere in bunten Kostümen machten sich anschließend dem Publikum bekannt und zeigten ihre besonderen Stärken.

Doch mit der Coolness des Flugzeugführers war es bald vorbei, denn durch seine Fehlplanung bezüglich des Kerosinverbrauchs musste der Flieger notwassern. Keine Panik! Oder doch? Freitag, der 13.!

Gerettet auf einer einsamen Insel, musste sich die gesamte Flugzeuggruppe zuerst sortieren: Zum Beispiel der unermüdliche Sportler (mitreißend, Violetta Kaiser), der trotz aller Unwegsamkeit immer in Form bleiben will; die ausdrucksstarke Neurotikerin (Katharina Filimonov), die ohne ihren Beruhigungstabletten aller Art, nicht wusste, wie sie diese Situation überleben sollte. Weiterhin beeindruckte der stets unter Zeitdruck stehende Geschäftsmann (Richard Römmich). Er hatte den Absturz natürlich nicht in seinem Terminplan. Ebenso hatte der Computerfreak (Jessica Urbanovic)  ein Problem. Für ihn war erstmal „Game over!“ Außerdem war ja Freitag, der 13. Für alle war klar: „Wir haben nicht mal ein Handy, aber großen Hunger!“ „Was tun?“ Der einzige, der sich mit „Survival“ auskannte, war der kriegserfahrene Opa, überzeugend dargestellt von Marion Hopfenzitz. Mit seinen Netzen, die er fachmännisch ausgelegt hatte, fing er einen riesigen Tapir und rettete gekonnt die Gestrandeten vor dem sicheren Hungertod. Gut gestärkt fasste der Macho, souverän dargestellt von Alicia Schroers Gómez, Mut und näherte sich gekonnt der wortgewandten Optimistin (Natalia Matula), die alles super fand, sogar in dieser vermeintlich ausweglosen Lage, in der sich viele wünschten, wieder zuhause zu sein. Nur einer nicht, der Leser des Buches „Robinson Crusoe“. Er wurde von Marie Depperschmidt verkörpert, die einfühlsam daraus vorlas. Dieser fühlte  sich sogar auf der Insel wohl und erklärte: „Mein Buch ist das Haus, in dem ich wohne! Die Literatur ist nämlich die wahre Welt, die Nichtleser leben in einer anderen.“

Nach einer recht gut überstandenen Nacht realisierten viele Überlebende nicht, dass es keine frischen Brötchen gibt und Styling auf einer einsamen Insel sehr schwierig ist. Trotzdem freuten sie sich und stellten sich zum Gruppenfoto auf, welches die begeisterte Touristin (Fabienne Jeske) schon lange schießen wollte. Doch oh je, gerade die Optimistin fehlte! Opa ergriff sofort die Initiative und stellte einen Suchtrupp zusammen. „Mir nach!“

Pause

Nun kam die Wahrheit ans Licht: Es war mal wieder nicht alles so, wie es schien! Zwei Moderatorinnen (Ida Hanft und Ayana Bauer) klärten selbstbewusst das überraschte Publikum auf: Es war und ist alles nur Show!

Die motivierten Abenteuerer – ein Camper (Julia Groß), eine Psychologin (Fabienne Jeske) und ein Blumenmädchen (Julia Depperschmidt) – hatten einen aufregenden Urlaub auf dieser einsamen Insel im Preisausschreiben gewonnen. Hoffentlich gibt es hier auch Eingeborene! Ja, sie tappten in Opas Fallen! Daraufhin arrangierte sich die Abenteuerergruppe mit der Flugzeuggruppe und sie entlarvten die vermeintlichen Eingeborenen als Moderatoren einer Reality-Show. Es stellte sich heraus, dass alle Mitwirkenden Teil der Unterhaltungsshow „Surviver – das Leben der anderen“ waren und nichts ahnend Fernsehgeschichte geschrieben hatten. Trotz Freitag, dem 13.!

Die jungen SchauspielerInnen identifizierten sich überzeugend mit den bunten Charakteren, die sie verkörperten. Großes Kompliment an die junge Crew, an die zwei engagierten „Pilotinnen“ (Constanze Gierl und Antonia Schmidt) aus der Q12 und an die „Managerin“ Claudia Ried.

Brigitte Bodensteiner und Marlene Groha

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Schwarzes Theater und Superhelden

Zwei Aufführungen an einem Abend: Hommage an das schwarze Theater, gefolgt von Superhelden

[FXvS-RS, 28.04.2016]   Schwarzes Theater in gekonnter Manier, ausdrucksstark und mit großem Spieleifer, so präsentierten sich die Klasse 6b und die Schultheatergruppe Theaterfieber der Franz-Xaver-von-Schönwerth-Realschule am vergangenen Donnerstagabend in zwei Darbietungen dem begeisterten Publikum.

Den Auftakt machte die Klasse 6b mit ihrem Stück „Viertelland“  nach einer Geschichte von Gina Ruck-Pauquét mit Elementen aus dem Zirkustheater.

Viertelland ist in vier Teile zerfallen: Gelb, Blau, Rot und Grün. Roboto, die Symbolfigur für das Intolerante, achtet auf die strikte Abgrenzung der Menschen aus den verschiedenen Vierteln. Doch Erbs, einem Kind aus dem grünen Viertel,  kommen Zweifel, ob das denn alles so richtig sei. Er kann einfach nicht grün werden, trotz aller Bemühungen seiner Eltern und Großeltern.

In neun Szenen vermittelten die jungen und hoch motivierten SchülerInnen Eindrücke aus ihren Welten, stellten in wenigen, treffenden Wortwechseln die vermeintlichen Vorzüge „ihrer Welt dar“, in der alles nur gelb, nur blau, nur rot oder nur grün sein durfte. Denn nur so ist es richtig und nur so ist es wahr und gut. Nur zu dumm, dass ja jede Gruppe davon überzeugt war, die einzig wahre und richtige zu sein!

Schon in der ersten Szene konnte der kecke  Clown Babbel, gewinnend dargestellt von Pauline Meiller, die Herzen der Zuschauer für sich einnehmen, als er die Bewohner des Viertellandes zum Leben erweckte. Die schöne Eintracht wurde  aber schnell zerschlagen, als der herrische Roboto (Erika Delchmann) und der schusselige Clown Kecksi (Alina Dieter) auftauchten  und alle Bewohner wieder in ihre Viertel verscheuchten. In den kommenden sieben Szenen gaben die lachenden und gut gelaunten „Gelben“, die lockeren und ironischen „Blauen“, die liebevollen und stolzen „Roten“ und die sowieso besten und coolen „Grünen“  Einblicke in ihre Welt, verdeutlicht mit gekonnten Tanzeinlagen zu modernen Beats. Viele Lacher erntete die Szene 7 „Luftballons aufblasen“, in der auf sehr lustige und symbolhafte Weise dargestellt wurde, dass selbst schwierigste Aufgaben am besten gemeinsam gelöst werden können.

Und so bedurfte es am Ende noch eines Zauberers vom Zirkus und seinen bunten Blumensträußen , die er beeindruckend aus dem Ärmel zauberte, um das ganze Viertelland zusammenzuführen und zu überzeugen, dass bunt viel schöner ist. Genauso, wie es der kleine Erbs, hinreißend dargestellt von Roman Kunz, schon immer fühlte.

Ein Appell an Toleranz, Teamgeist, Akzeptanz und Annäherung an Anderes für ein besseres Zusammenleben der Menschen ist aktueller denn je und mit dem Stück „Viertelland“ in starken Bildern, Tänzen und Versen eindringlich vermittelt worden.

Es folgte die Aufführung von „Superhelden“, einer Szenenfolge in Eigenproduktion der Schultheatergruppe Theaterfieber.

Wieder gelang der eingeschworenen Truppe junger Theaterspieler um ihre rührigen Leiter Brigitte Bodensteiner und Jörg Grüssner ein Festival für Auge und Ohren. Mit Herzblut und vollem Einsatz entführten uns die jungen DarstellerInnen in die Welt der Superhelden.

Ausgehend von einer klassischen Warm-up Szenerie traten die einzelnen Superhelden wie „Superman“ (Thomas Reiser), „Joker“( Alexander Migotz), „Spiderman“ (Leonie Ziebert), „Robin Hood“ (Sandra Miller) oder „Catwoman“ (Lisa Berner), in eindeutigen Posen aus der Gruppe hervor und schließlich zu einem Helden-Casting an. Die Jury des Castings wurde pantomimisch äußerst gekonnt von Julia Eckl, Jessica Ril und Ines Tischner verkörpert.

Doch gerade die, die ganz oben stehen und gefeiert werden, sind auch dem Absturz immer ganz nah. Man ahnte es schon, die Demontage und das Scheitern der Superhelden ließen nicht lange auf sich warten. Selbst der verschlagene Joker (absolut überzeugend dargestellt von Alexander Migotz), dem kein Rätsel zu schwer schien, musste straucheln bei der Frage, wer wohl zuerst da war, das Huhn oder das Ei. Doch ist es nicht auch heldenhaft, zu scheitern? Dann wird eben improvisiert (gekonnt und mitreißend, Lisa Berner, Johanna Meiler und Emilia Krieg) – aber auch dies musste letztendlich an allzu menschlichen Befindlichkeiten scheitern. Gut (bezaubernd, Nadine Zimmermann) und Böse (souverän, Sandra Miller) im ständigen Ringen, einmal siegt die Liebe und einmal wirft die Verbitterung zu Boden. Unverständnis, Neid, Missgunst, Verblendung, Gleichgültigkeit und Wegschauen, Streit und Ohnmacht rufen nach Helden, kleinen und größeren, in unserem Alltag. Und Gott sei Dank tauchen diese auch immer wieder auf. Angefangen von Mahatma Gahndi, über die Geschwister Scholl, die Beatles bis zu allen Mamas und Papas sowie jedem einzelnen von uns, was uns eine Beamerprojektion am Ende des Stückes bildlich vor Augen führte.

Rasante Szenenwechsel, hintersinnige Moderationen, gut gewählte Musikeinspielungen, gelungene Tanzperformances sowie Einbeziehung des Publikums ins Spielgeschehen sorgten für ein abwechslungsreiches  Schauspiel mit vielen ausdrucksstarken Bildern, welches letztendlich die Frage aufwarf, warum wir alle Superhelden suchen, lieben oder sein wollen … weil wir hin und wieder davon träumen, von einem Superhelden gerettet zu werden.

„Wahre Superhelden sind für uns Menschen, die uns in dunklen Zeiten ein Lächeln aufs Gesicht zaubern!“ wurde abschließend  vom „Theaterfieber“ im Chor skandiert und vom Publikum mit stürmischem Applaus bestätigt.

Susanna Rosemann

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„Verdammt gut!“

Die Ober—und Unterstufentheatergruppen des Max-Reger-Gymnasiums begeisterten gemeinsam ihr Publikum mit dem Stück „Alice im Wunderland“.

[MRG, 14.04.2016]   Angelehnt an das Original wurde die Eigenproduktion von den beiden Regisseurinnen Bianca Rauchenberger und Diana Schneider in die heutige Schulwelt verlegt. Eine Privatschule wird mit strenger Hand von der herrischen Direktorin (die Herzkönigin, Katharina Schricker) und ihrer untergebenen Sekretärin Frau Kreuz (die Kreuzdame, Nina Lehner) regiert. Laufen, Ballspielen und Widersprechen sind strengstens verboten und werden mit drakonischen Strafen geahndet. Dies hat der vorlaute und rebellische Schüler Gilgin Sapka (der verrückte Hutmacher, Niclas Ciriacy-Wantrup) bereits mehrmals am eigenen Leib erfahren müssen. Bei einem nochmaligen Verstoß gegen die Regeln der fiesen Direktorin droht ihm sogar der Verweis von der Schule. Gilgin freundet sich mit der neuen Schülerin Alice (Nicole Dreher) an, die sich ebenfalls nicht mit den rauen Erziehungsmethoden der Schulleitung anfreunden kann.

Auch Lehrer wie der sanftmütige und gutmütige Kunstlehrer König (der Herzkönig, Judith Mitschke) und die etwas zerstreute Chemielehrerin Frau Raupe (Absolem) kuschen vor der machtgierigen Frau König. Bedingungslos führt der von einer multiplen Persönlichkeitsstörung betroffene Hausmeister Dusel (Dideldum und Dideldei, Lisa-Marie Brüning) die Anordnungen seiner Chefin aus.

Alice folgt eines Tages heimlich ihren Mitschülern durch ein Tor in eine fremde Welt, in der sie den Figuren aus ihrer Schule wieder begegnet. Auf ihrem gefährlichen Weg durch das Wunderland wird Alice von der Grinsekatze (Sophie Niebler) und Absolem, einer Wasserpfeife rauchenden Raupe geleitet.

Das Mädchen muss sich auf einer Teeparty mit dem dem verrückten Hutmacher, dem dauerkichernden Märzhasen (Selina Klatt), der schüchternen Haselmaus (Elisa Schuth) und dem weißen Kaninchen ärgern. Der Hutmacher gibt sich als Alice aus und wird von den Soldaten der Herzkönigin (Lia-Maline Müller, Greta Reber, Sophia Cordts, Jule Berger, Nadja Rein, Katharina Filin) gefangen genommen. Wie in der Romanvorlage droht dem Hutmacher das allseits bekannte: „Kopf ab!“. Nur Alice kann ihm noch helfen, in dem sie den mächtigen Jabberwocky besiegt. Natürlich gelingt ihr dies und der verrückte Hutmacher ist gerettet.

Zurück in der normalen Welt kann Alice ihre Mitschüler dazu motivieren, sich gegen die Direktorin Frau König aufzulehnen. Diese gibt auf und dankt ab. Nun können die Schüler ihren Gedanken und Gefühlen freien Lauf lassen.

Den Zuschauern bot sich ein vergnüglicher und kurzweiliger Theaterabend. Die Szenen aus dem Schulalltag wurden gekonnt auf die Spitze getrieben und rissen das Publikum immer wieder zu Lachern hin. Allen voran die Figuren des Schülers Karl Nickl (der weiße Hase) und des Hausmeisters Dusel sorgten für Heiterkeit. Die jungen Akteure zeigten allesamt schauspielerisches Talent und Wandlungsfähigkeit. Um den Theaterabend kurz zusammenzufassen, möchte ich meinen Sitznachbarn zitieren, der die Vorstellung mit den Worten: „Verdammt gut!“ kommentierte.

Maria Treml-Paskowski

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Ustinovs „Halb auf dem Baum“

… initiiert durch Elisabeth Bremer, gekürzt und adaptiert von Peter Seidl, aufgeführt von der Schulspielgruppe Oberstufe im Erasmus-Gymnasium

[EG, 13.04.2016]   Samstag, 8. April 1967 im Hause der Familie Fitzbutress in Fleet, einer anglikanischen, sehr wohlhabenden Gegend von England. Ein Tisch mit stilvoller Teekanne, Teetasse und ein Kalender ist zu sehen.

Vater und halbwüchsiger Sohn stehen sich gegenüber, zum ersten Mal seit vier Jahren, in denen der Vater als General ehrenvoll seinem Land gedient hat.

„Du bist…gewachsen?!“ Mehr der Worte sind ihm unmöglich – alle weiteren Umstände, die sich in seiner Abwesenheit verändert haben, rauben ihm sichtlich den Atem (überzeugend auf die Bühne gebracht von Lukas Jakob):

Sohn Robert ist nicht nur gewachsen, sondern hat die Schule geschmissen und lebt auf Pump, wie es sich für einen langhaarigen Hippie-Rebellen gehört (im knallig-lila-orange-grünen Bellbottom-Flowerpower-Outfit Luca Baumgärtner). Auch dass er seine nächtlichen Partnerinnen bei Tag nicht unterscheiden kann, gehört zum guten Ton dieser „jungen Generation, der die Welt gehört“.

Die Tochter Judy (naiv- rebellisch gespielt von Lena Czarnec) ist schwanger, aber nicht etwa verheiratet oder verlobt, sondern verkracht mit all jenen, die als Vater in Frage kommen könnten.

Fitzbutress nimmt all das in „General-Manier“ mit fassungsloser Fassung zur Kenntnis.

Er ahnt bis zu diesem Zeitpunkt nicht, nicht dass seine – in jeder Situation die englische Contenance wahrende- Frau Lady Doris (ruhig und zurückhaltend Johanna Scheuck) in seiner Abwesenheit regelmäßig nächtlichen Besuch erhielt, ausgerechnet vom langjährigen Freund der Familie, Brigadegeneral „Tiny“(Timo Schmid).

Dieser pflegte durch das Schlafzimmerfenster zu kommen ( welches als Requisit sogar auf der Bühne zu sehen war).

Fitzbutress reagiert auf all diese „Aktualisierungen“ auf überraschende Weise: Er toppt den ganzen Zirkus und steigt aus- bzw. auf einen Baum, den er zu seinem neuen Zuhause erklärt, trägt ab sofort Patchwork-Pumphosen samt grob gestrickter Leinen- Decke als Oberbekleidung, die Gitarre unterm Arm, umgeben von einer Wolke Pferdedung und geht selbstverständlich barfuß.

Das-“zugegebener Maßen sehr sehr hübsche“ – norwegische Au-pair-Mädchen Helga (stark in ihrer Rolle: Helena Wesnitzer), bietet ihm trotz oder gerade wegen dieses Aufzugs unverhohlen seine Liebesdienste an, die er ablehnt, allerdings mit einem Tick Verzögerung, was ihm einen empörten Aufschrei seiner Ehefrau einbringt.

Spätestens an dieser Stelle wird ihm die ganze Absurdität seines Daseins vor Augen geführt: Jahrelang hatte er versucht, ein Vorbild abzugeben und das in seinen Augen Richtige zu tun: „Gelächelt, damit niemand merkt, wie sehr ihm das alles (und besonders seine Frau) auf die Nerven geht“.

Mit dem einzigen Resultat, dass er im eigenen Haus zutiefst gekränkt wurde von seiner „verwirrten, bitteren und misstrauisch gewordenen Familie“. Nun, da er aus allen Konventionen ausbricht und sich im Grunde den Wünschen der “neuen wilden Generation“ fügt, stößt er auf noch größere Missbilligung, gar Entsetzen über seinen Sinneswandel.

Nach weiteren hintersinnigen Beleidigungen, Missverständnissen und überraschenden Wendungen (Fitzbutress bekennt das Wissen darüber, dass Robert gar nicht sein leiblicher Sohn sein kann, aber auchTiny fällt als potenzieller Vater aus, da sie gemeinsam ab dem elften Monat vor der Geburt an der Front standen) gibt es

schließlich eine Art „Happy-End“ der Geschichte: eine Doppelhochzeit der Kinder, die nun doch den Wert einer gutbürgerlichen Familie zu schätzen gelernt haben (Dominik Wirsching als Judys auserwählter Kindsvater sowie Robert und Au pair Helga, die nach einem nächtlichen Stelldichein ebenfalls schwanger wurde).

Der Vikar (Julian Prechtl), der als eine Art bibelfester Moderator durch die Akte führte, beschwichtigt erhaben die erhitzten Gemüter: „Tut das, was man bei einer Hochzeit tut: Lächeln!“

Das Stück zeigte mit oftmals bissiger Situationskomik und hintergründigem Humor, dass der Lebensstil, gleich in welcher Form, eben keinen ganzen Menschen macht und Erfüllung etwas mit Authentizität zu tun hat, oder wie es Fitzbutress ausdrückt: “Ich war eben auch nur halb auf dem Baum“.

Trotz großer Probleme und Verzögerungen in der Probenphase wurde dieses Stück mit Stil und Liebe zum Detail auf die Bühne gebracht, getragen von spürbarer Spielfreude und gelungener Zusammenarbeit zwischen den jungen Protagonisten, dem Regie- und Technikteam (Nina Mc Allister, Timon Kleierl, Maximilian Kreuzer, Bastian Pfab und Sebastian Kistenpfennig). Regisseur Peter Seidl hatte gekonnt Kürzungen vorgenommen, was dem Zuschauer einen kurzweiligen und tiefsinnigen Abend bereitete.

Christine Kleinert

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Gott ist ein Franke!

Die Theatergruppe der FOS/BOS überzeugte mit ihrem kritischen Stück „Wie der Frau Mockinpott das Leiden ausgetrieben wird“ ihr begeistertes Publikum

 In einer abgeänderten Bühnenfassung von Peter Weiss präsentierte die Theatergruppe der FOS/ BOS grandios dieses immer noch zeitgemäße Stück am Donnerstag einem begeisterten öffentlichen Publikum und am Freitag nochmals den Schülern ihrer Schule, die es ihnen mit einem großen Applaus dankten.

Fast wie in Kafkas „Der Process“ ereilt die unbescholtene Frau Mockinpott, in einer Doppelbesetzung überzeugend von Nina Heinicke und Sophia Gräfenhahn gegeben, ein Schicksal mit Dominoeffekt. Sie wird ohne Angaben von Gründen verhaftet und für einige Tage ins Gefängnis gesperrt, wo sie der Amtmann (Sophia Feja) finanziell ausnimmt. Wieder daheim wird sie von ihrem Mann (Sergej Pahl) wegen einer anderen verlassen und ihr Arbeitgeber, kaltschnäuzig gespielt von Sophie Feja, feuert sie. Doch anders als Josef K. in Kafkas Roman ergibt sich Frau Mockinpott nicht ihrem Schicksal – sie stellt Fragen. Begleitet von der kunterbunt gekleideten und damit aus der Rolle der Gesellschaft fallenden Frau Wurst, wunderbar verrückt von Theresa Kotz gespielt, macht sich Frau Mockinpott auf den Weg, um eine Antwort auf die Frage zu bekommen, warum sie all das erleiden muss und ob das gerecht sein kann.

Die erste Instanz, der sie gegenübertritt, ist die Medizin. Ein völlig durchgeknallter Arzt (Robert Schneider) unterzieht sie zusammen mit zwei Pflegern (Ahmad Mohamad Adris und Ali Mohammed) einem „Sehtest“, bei dem sie kläglich versagt, weil sie eben nicht das sieht, was von ihr erwartet wird. Es folgt ein blutiger operativer Eingriff, der sie wieder auf die richtige Bahn bringen soll. Doch der schlägt fehl, denn als sie erwacht, konfrontiert sie sofort Frau Wurst mit ihren bleibenden Fragen. Diese schleppt sie zur nächsten Instanz, der Regierung, die ja schließlich die Gesetze macht und das Strafmaß festlegt. Soldatenmäßig marschieren die Regierungsmitglieder (Sophie-Marie Engelbrecht, Sergej Bahl und Olga Wildt) bewaffnet mit Barhockern ein und beginnen mit ihrer Tätigkeit. Doch auch hier erhält Frau Mockinpott alles andere als Antworten. Mit Blabla und Floskeln, die jedes Mal mit frenetischem Selbstapplaus unterstrichen werden, bügeln die drei Regierungsmitglieder die in einem Barhockerkäfig gefangene Frau Mockinpott nieder und zerstören ihren symbolisch für ihr Leben stehenden Regenschirm weiter. Die angekündigte Regierungserklärung, a cappella von der gesamten Gruppe mit Cajon-Begleitung gerappt, bleibt eine floskelhafte Farce, die keine Lösung bietet. Frau Wurst weiß Abhilfe und verweist auf die höchste aller Instanzen: Gott. Und so machen sich die beiden Frau Mockinpotts und Frau Wurst auf den Weg zum Schöpfer. Im Himmel werden sie von schrägen, a-melodischen Himmelsklängen begrüßt, die schon erahnen lassen, dass auch hier kein Ausweg naht. Der anfangs völlig unauffällige Putzmann (Thomas Stahr) entpuppt sich als Gott selbst, der im tiefsten Fränkisch beteuert, dass er die Nase von den Anklagen der Menschen voll habe, die den Karren ja schließlich selbst in den Dreck befördert hätten. Die Antwort aller Antworten gibt sich Frau Mockinpott schließlich selbst. Sie erkennt, dass sie sich nicht auf die Wissenschaft, die Politik oder die Religion verlassen kann, sondern nur auf sich selbst. Mit einer gewaltigen Stimmskulptur skandiert die komplette Schauspielgruppe, dass „Anstand, Herz und Verstand“ die Dinge sind, die den Menschen weiterbringen. Beglückt erhalten die beiden Mockinpott-Darstellerinnen ein neues Leben in der Form eines Regenbogenregenschirms.

Mit einem minimalistischen Bühnenbild, in dem alle Bestandteile selbst zum Teil des Spiel wurden, und fantastischen Choreinlagen, die zentrale Aspekte der Aussage unterstrichen, schaffte es die FOS/BOS-Theatergruppe wieder einmal ein äußerst aktuelles wie auch unterhaltsames Stück unter der Leitung von Burkhart Häusler und Winfried Sima zu inszenieren. Man darf gespannt sein, welche Produktion im nächsten Jahr dem Publikum einen kurzweiligen Abend verschafft.

Diana Schneider (MRG)

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