Gott ist ein Franke!

Die Theatergruppe der FOS/BOS überzeugte mit ihrem kritischen Stück „Wie der Frau Mockinpott das Leiden ausgetrieben wird“ ihr begeistertes Publikum

 In einer abgeänderten Bühnenfassung von Peter Weiss präsentierte die Theatergruppe der FOS/ BOS grandios dieses immer noch zeitgemäße Stück am Donnerstag einem begeisterten öffentlichen Publikum und am Freitag nochmals den Schülern ihrer Schule, die es ihnen mit einem großen Applaus dankten.

Fast wie in Kafkas „Der Process“ ereilt die unbescholtene Frau Mockinpott, in einer Doppelbesetzung überzeugend von Nina Heinicke und Sophia Gräfenhahn gegeben, ein Schicksal mit Dominoeffekt. Sie wird ohne Angaben von Gründen verhaftet und für einige Tage ins Gefängnis gesperrt, wo sie der Amtmann (Sophia Feja) finanziell ausnimmt. Wieder daheim wird sie von ihrem Mann (Sergej Pahl) wegen einer anderen verlassen und ihr Arbeitgeber, kaltschnäuzig gespielt von Sophie Feja, feuert sie. Doch anders als Josef K. in Kafkas Roman ergibt sich Frau Mockinpott nicht ihrem Schicksal – sie stellt Fragen. Begleitet von der kunterbunt gekleideten und damit aus der Rolle der Gesellschaft fallenden Frau Wurst, wunderbar verrückt von Theresa Kotz gespielt, macht sich Frau Mockinpott auf den Weg, um eine Antwort auf die Frage zu bekommen, warum sie all das erleiden muss und ob das gerecht sein kann.

Die erste Instanz, der sie gegenübertritt, ist die Medizin. Ein völlig durchgeknallter Arzt (Robert Schneider) unterzieht sie zusammen mit zwei Pflegern (Ahmad Mohamad Adris und Ali Mohammed) einem „Sehtest“, bei dem sie kläglich versagt, weil sie eben nicht das sieht, was von ihr erwartet wird. Es folgt ein blutiger operativer Eingriff, der sie wieder auf die richtige Bahn bringen soll. Doch der schlägt fehl, denn als sie erwacht, konfrontiert sie sofort Frau Wurst mit ihren bleibenden Fragen. Diese schleppt sie zur nächsten Instanz, der Regierung, die ja schließlich die Gesetze macht und das Strafmaß festlegt. Soldatenmäßig marschieren die Regierungsmitglieder (Sophie-Marie Engelbrecht, Sergej Bahl und Olga Wildt) bewaffnet mit Barhockern ein und beginnen mit ihrer Tätigkeit. Doch auch hier erhält Frau Mockinpott alles andere als Antworten. Mit Blabla und Floskeln, die jedes Mal mit frenetischem Selbstapplaus unterstrichen werden, bügeln die drei Regierungsmitglieder die in einem Barhockerkäfig gefangene Frau Mockinpott nieder und zerstören ihren symbolisch für ihr Leben stehenden Regenschirm weiter. Die angekündigte Regierungserklärung, a cappella von der gesamten Gruppe mit Cajon-Begleitung gerappt, bleibt eine floskelhafte Farce, die keine Lösung bietet. Frau Wurst weiß Abhilfe und verweist auf die höchste aller Instanzen: Gott. Und so machen sich die beiden Frau Mockinpotts und Frau Wurst auf den Weg zum Schöpfer. Im Himmel werden sie von schrägen, a-melodischen Himmelsklängen begrüßt, die schon erahnen lassen, dass auch hier kein Ausweg naht. Der anfangs völlig unauffällige Putzmann (Thomas Stahr) entpuppt sich als Gott selbst, der im tiefsten Fränkisch beteuert, dass er die Nase von den Anklagen der Menschen voll habe, die den Karren ja schließlich selbst in den Dreck befördert hätten. Die Antwort aller Antworten gibt sich Frau Mockinpott schließlich selbst. Sie erkennt, dass sie sich nicht auf die Wissenschaft, die Politik oder die Religion verlassen kann, sondern nur auf sich selbst. Mit einer gewaltigen Stimmskulptur skandiert die komplette Schauspielgruppe, dass „Anstand, Herz und Verstand“ die Dinge sind, die den Menschen weiterbringen. Beglückt erhalten die beiden Mockinpott-Darstellerinnen ein neues Leben in der Form eines Regenbogenregenschirms.

Mit einem minimalistischen Bühnenbild, in dem alle Bestandteile selbst zum Teil des Spiel wurden, und fantastischen Choreinlagen, die zentrale Aspekte der Aussage unterstrichen, schaffte es die FOS/BOS-Theatergruppe wieder einmal ein äußerst aktuelles wie auch unterhaltsames Stück unter der Leitung von Burkhart Häusler und Winfried Sima zu inszenieren. Man darf gespannt sein, welche Produktion im nächsten Jahr dem Publikum einen kurzweiligen Abend verschafft.

Diana Schneider (MRG)

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Überzeugend und liebenswürdig humorvoll

GMG präsentiert am Bildschirm und auf der Bühne: „Halbgötter in Weiß“

„Halbgötter in Weiß“ bot die Theatergruppe Oberstufe des Gregor-Mendel-Gymnasiums unter der Leitung von Claudia Ried an. Dieser Titel bezeichnete eine „schnulzige Krankenhaus-Soap“ – ein Genre, für das in Deutschland seit der „Schwarzwald-Klinik“ in den 1980er Jahren das Interesse kaum abgeflaut ist und das auch international gängig und populär ist.

Die Struktur des GMG-Stücks ist einfach und effektiv: Auf der rechten Seite der als Wohnzimmer einer WG eingerichteten Bühne steht ein großes Fernsehgerät (auch für das Publikum gut sichtbar durch eine stets funktionierende Beamer-Projektion), auf dem die Mitglieder der Frauen-WG sich regelmäßig die Serie „Halbgötter in Weiß“ ansehen, und zwar alle – bis auf die vernünftige, lässig-lockere Lea, der die durchsichtige Handlung mit ihren Klischees einfach zu doof ist; Constanze Gierl gab dieser Figur eine durchweg überzeugende Bühnenpräsenz. Lea bekommt also nichts von dieser Serie mit – und so merkt sie gar nicht, dass ihr neuer Freund, der Schauspieler Ben (verschmitzt und souverän gespielt von David Pickel), der Darsteller des Serienstars ist, den Leas Freundinnen wöchentlich am Bildschirm anhimmeln: Dr. Colin DeBurgh.

Lea findet heraus, dass ihr neuer Freund der Serienstar von „Halbgötter in Weiß“ ist.

Ganz besonders begeistert von diesem „Halbgott in Weiß“ ist Greta, die ihren Colin nicht nur gegen spöttische Bemerkungen ihrer Mitbewohnerinnen verteidigt, sondern von dessen Existenz sie felsenfest überzeugt ist. Deshalb fällt sie aus allen Wolken, als Lea ihren neuen Freund Ben eines Tages mit in die WG bringt – wie vom Donner gerührt spricht sie ihn ehrfürchtig als „Dr. DeBurgh“ an und ist so sehr in der Scheinwirklichkeit der Krankenhausserie gefangen, dass sie es nicht akzeptieren kann, dass der Schauspieler in seinem Privatleben kein gefeierter Neuro-Chirurg ist; Franziska Neuser spielte die Naivität der Greta mit inbrünstiger Überzeugung. Erst ganz am Schluss gelingt es einer anderen Schauspielerin aus der Serie – die Ben zu einer Party in die WG eingeladen hat –, Greta die Augen zu öffnen. Die Darstellerin der tatkräftigen Oberschwester Michaels (Alex Jelicka) füllte auch hier ihre Rolle als resolute gute Seele der Klinik bestens aus.

 

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Ben teilt seinen Freunden mit, dass er aus der Serie aussteigt.

Alle Einzelheiten des sehr unterhaltsam gestalteten Doppellebens dieser Schultheateraufführung – auf der Bühne und im Fernsehen – lassen sich hier nicht aufzählen, deshalb noch zwei strukturelle Anmerkungen. Zum einen wird die Spielhandlung im WG-Zimmer immer wieder für ein kurzes Solo jeder Darstellerin unterbrochen, in dem sie in einer stummen Pose darstellt, wovon sie träumt. Ein sehr charmanter Einfall, der jeweils zur sonstigen Rolle der Figur passt: Ling-Ling, die sich redlich mit der schwierigen deutschen Sprache abmüht, sieht sich als Lehrerin, die ihren WG-Freundinnen das Koreanische beibringt (Thu Nga Tran mit unbeschwerter, sympathischer Spielweise); die fleißige Elisabeth träumt von einem Studienabschluss mit Bestnote (Sarah Hepp als liebenswerte Streberin); Melanie, die in der WG immer saubermacht, schwebt eine Szene vor, in der alle anderen auf Knien den Boden polieren (Katharina Waal ist die nachsichtige, aber genaue Hygiene-Freundin); die Nachwuchsschauspielerin Lilly (überzeugend glamourös: Berta Depperschmidt) nimmt in ihrem Traum einen Oscar entgegen, und die lässige und coole Vicky (ideal verkörpert von Antonia Schmidt) steht aufgereiht zum Pressefoto als Bundeskanzlerin zwischen Putin und Obama. In weiteren Rollen spielten ebenso glaubwürdig Johanna Mehringer und Martina Mikuta.

Damit zur zweiten Anmerkung zur Struktur: Alle Bewohnerinnen der WG (und Ben) sind zur Zeit (noch) in der Oberstufe des GMG – während alle Schauspielerinnen und Schauspieler der Krankenhausserie ehemalige Mitglieder der Theatergruppe sind, die sich für die Dreharbeiten trotz Terminschwierigkeiten noch einmal zusammengefunden haben (plus David Pickel natürlich, der öfter zwischen den Welten wechseln muss). Die Kamera-Leute Kevin Altmann und Jonathan Grothaus haben dabei ganze Arbeit geleistet und die für das Genre angemessen klischeehafte Darstellung der Krankenhaus-Crew perfekt eingefangen: Jonathan Grothaus selbst spielte den Chefarzt, und die diversen Ärzte, Schwestern und Patienten verkörperten mit bester Spiellaune Lena Härteis, Alex Jehlicka, Meike Pfeiffer, Anna Shalsi und Barbara Winkler.

Immer wieder Heiterkeit zwischendurch und großen Applaus am Ende gab es vom Publikum zu hören. Spielleiterin Claudia Ried kann auf ihre Truppe stolz sein – und auch auf die eigene Leistung, denn das Drehbuch stammt aus ihrer Feder.

Peter Ringeisen (DJDG)

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Schultheatertage 2016: Programmvorstellung

Über die Vorstellung des Programms der Schultheatertage 2016 berichteten sowohl die Mittelbayerische Zeitung (Ausgabe vom 2. Feb. 2016) als auch die Amberger Zeitung (1).

Gerd Spies schrieb für die MZ unter anderem:

Oberbürgermeister Michael Cerny, Kulturreferent Wolfgang Dersch und Thomas Boss, Leiter des Kulturamts der Stadt Amberg, das die Veranstaltungsreihe koordiniert, warfen beim Vorstellungstermin im Stadttheater schon mal einen Blick voraus, was die Zuschauer erwartet. Michael Cerny bedankte sich nicht nur bei den Lehrkräften, die mit viel Engagement die Theatergruppen leiten, sondern auch bei der Sparkasse Amberg-Sulzbach, vertreten durch Kathrin Schmidt, für die finanzielle Unterstützung.

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(1) Leider ist der Artikel im Online-Auftritt der Zeitung nicht auffindbar (www.onetz.de).

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Irrungen und Wirrungen am GMG

Die Theatergruppe der Mittelstufe präsentierte das Stück „Espaker Ehsá – spielt, was ihr wollt“.

Die einzelnen Szenen wurden mit tonuntermalten Bildern unterlegt, um die Zuschauer auf die verschiedenen Handlungsorte einzustimmen. Die Requisiten und Kulissen konnten dadurch geschickt auf ein Minimum reduziert werden.

Das erste Bild entführte den Betrachter an einen traumhaften Sandstrand, an dem die junge Viola (Aurelia Ziegler, 8b) nach einem Schiffbruch landet. Sie findet dort den Koffer ihres Zwillingsbruders Sebastian (Jennifer Bektimirov, 6b). Viola hält ihn für tot. Sie verkleidet sich als Junge und findet als Cesario Unterschlupf bei Herzog Orsino (Valeria Lagutina, 8d), dem sie fortan als Diener zur Seite steht.

Ihr Zwillingsbruder Sebastian wird von Antonio (Carolin Spies, 8d), dem Feinde Orsinos, gerettet und aufgenommen.

Orsino ist verliebt in die schöne Gräfin Olivia (Emily Landel, 7a), die seine Zuneigung aber nicht erwidert. Zu sehr ist sie damit beschäftigt, ihren mittellosen Onkel Graf Rülps (Valeria Maas, 7a) loszuwerden, der sich bei ihr eingenistet hat und nichts weiter zu tun hat, als mit seinem Freund Ritter Bleichenwang (Clarissa Cizek, 8b) um die Häuser zu ziehen.

Cesario/Viola wird als Orsinos Liebesbote zu Olivia gesandt und prompt verliebt sich Olivia in den vermeintlichen jungen Mann. Viola/Cesario hingegen ist heimlich in Orsino verschossen.

Das muntere Verwirrspiel nimmt seinen weiteren Lauf, als sich Maria, Olivias Dienerin (Judith Bässler, 8b), Graf Rülps und Ritter Bleichenwang zusammentun und sich gegen Malvolio (Tamara Lindner, 6b), Olivias Haushofmeister, verschwören. Maria fälscht Olivias Handschrift und schreibt in deren Namen einen Liebesbrief an Malvolio. Olivia geht auf die Werbung des verliebten Haushofmeisters, der sich schon als Graf wähnt, nicht ein, lässt ihn unter Arrest setzen und vermählt sich insgeheim mit Sebastian, den sie für Cesario/Viola hält.

Am Schluss klären sich, wie sollte es auch anders ein, sämtliche Intrigen und Verwechslungen auf. Viola und ihr Zwillingsbruder finden sich wieder, Orsino und Viola werden ein Paar, Graf Rülps, Maria und Ritter Bleichenwang werden für ihre Hinterlist bestraft.

In weiteren Rollen waren zu sehen: Cedric Traub, 8b, als Narr Feste, Michelle Maier, 6e, als Fabian, Eva Maria Blank, 8b, und Tabea Haag, 8a, als Polizisten.

Unter der Leitung von Christoph Schulz zeigte die spielfreudige und sehr textsichere Theatergruppe eine kurzweilige und spannende Aufführung nach W. Shakespeares Stück „Was ihr wollt“. Trotz der leider nur zur Hälfte gefüllten Mensa wurde die herausragende Leistung der jungen Schauspieler mit tosendem Applaus gewürdigt.

Maria Treml-Paskowski (Luitpold-Mittelschule)

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Shakespeare am Max-Reger-Gymnasium: Romeo und Julia – reloaded

Ein alter Klassiker, möchte man meinen, doch Norbert Franck versteht es dieses berühmte Stück in die heutige Zeit zu versetzen.

In der ersten Szene probt die gymnasiale Theatergruppe einer Gesamtschule die bekannte Balkonszene des Shakespearestückes. Doch der kleine Simon (Philipp Schötz, 5c), der den Romeo spielen soll, wirft hin und verlässt die Theatergruppe. Die Frage der Neubesetzung macht Julia Kapulet (überzeugend authentisch: Johanna Wiesner, 8a), die auch im Schultheater die Rolle der Julia übernimmt, auf den Realschüler Romeo (Silas Klemm, 7a) aufmerksam und so nimmt die Liebesgeschichte – wie im Original – ihren Lauf. Aber auch hier sind sowohl Romeos Vater, der Eisdielenbetreiber Giovanni Belmonte (herrlich italienisch: Lennard Dannehl, 5b) als auch Julias Mutter Katrin Kapulet (wunderbar hochmütig und überheblich: Amelie Pfamminger, 7c) wenig begeistert. Ebenso verhält es sich bei der jeweiligen Clique: Julias Freunde am Gymnasium, allen voran Patrick Prinz (mutig und verwegen: Luca Adams, 7a), wie auch Romeos Begleiter sind voreingenommen, und stellen sich gegen die Beziehung.

Lediglich Pater Lorenz (immer freundlich, Charlotte Häusler, 5a), unterstützt durch die Musiklehrerin Rosella Schubert (Lena Grosspeter, 8b), versucht zu vermitteln wie wichtig Toleranz im gemeinsamen Miteinander ist. Aber bei den Schülern, und leider auch bei der Direktorin des Gymnasiums, Gwendolin Rottweiler (autoritär und gefürchtet: Lea Eckert, 8a) treffen die Reden des Paters auf taube Ohren.

In schnell wechselnden Kurzdialogen wird deutlich, dass im jeweiligen Umfeld die Liebesbeziehung nicht geduldet wird, und dass der brodelnde Konflikt – durch die Gymnasiumsdirektorin noch angefacht – eskalieren wird:

Romeos Freund Marc (Fabian Gehring, 7a) provoziert den Gymnasiasten Tybor (Jana Zinnbauer, 8a) zu einer Schlägerei. Da Marc dabei verletzt wird, will Romeo Tybor zur Rede stellen – doch auch diese Auseinandersetzung wird nicht friedlich gelöst.

Daraufhin wird Romeo der Schule verwiesen und das junge Paar zieht sich in ein Versteck zurück, das ihnen Pater Lorenz zur Verfügung stellt. Aus Sorge um die verschwundenen Kinder überwinden die verfeindeten Eltern sogar ihre Vorurteile und versöhnen sich.

In einer Art Prozess wird Romeos Schulverweis aufgehoben, aber Patrick, Linda (Charlotte Singer, 7a) und zuletzt auch Frau Rottweiler werden wegen ihres aufhetzerischen Verhaltens zur Rechenschaft gezogen.

In weiteren Rollen überzeugten Stella Stöckl (5a) als Realschulleiter, Hanna Schallmaier (5c), Leonie Reiß (5b), Laura Taller (7c), Rosa Steinbach (5b), Julia Plawiak (6b) und Lena Breitschaft (5c) als Freunde von Julia oder Romeo.

Hier endet „Romeo und Julia“, ein Stück mit langer Tradition, das in dieser Inszenierung höchst zeitgemäße Probleme wie Toleranz, Respekt und Menschlichket anspricht, mit einem Happy End.

Das Publikum zeigte sich begeistert – nicht nur von den schauspielerischen Leistungen der 19 Schülerinnen und Schüler, sondern auch von den musikalischen Einlagen: Jana Zinnbauer untermalte mit emotionalem Gesang und Klavierspiel die romantische Annäherung von Julia und Romeo, aber auch Rapeinlagen umrahmten den Abend. Es bleibt auf weitere gelungene und Produktionen unter der Leitung von Bianca Rauchenberger und Nina Kohl zu hoffen.

Elisabeth Bremer (Erasmus-Gymnasium)

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Das Gespenst von Canterville – ganz verzweifelt

Die Theatergruppe der 5. und 6. Klasse des Gregor-Mendel-Gymnasiums zeigt, wie man ein stolzes und traditionsbewusstes englisches Schlossgespenst das Fürchten lehrt.

In der Mensa des GMG brachte am Mittwoch die Theatergruppe der Unterstufe „Das Gespenst von Canterville“ von Joachim Marschall nach Oscar Wilde auf die Bühne. Unter der Leitung einiger Schülerinnen des Oberstufen-Theaterkurses (Constanze Gierl, Sophia Hebeisen, Lena Härteis, Alexandra Jehlicka, Barbara Winkler) zeigten die Mädchen und Jungen eine lustige und mitreißende Adaption des Klassikers von Wilde.

So konnte trotz der Bemühungen von Sir Simon, dem durchaus überzeugenden Schlossgespenst (Paula Schißlbauer), keine gruselige Stimmung aufkommen. Warum? Amerikaner sind einfach nicht so leicht zu erschrecken und schon gar nicht die drei aufgeweckten Kinder der Familie Otis, die es faustdick hinter den Ohren haben. Als der senile Lord Canterville (Joschka Ried) Mr und Mrs Otis (Alexa Banesi, Julia Groß) das Schloss verkauft, ist er sich ziemlich sicher, dass auch diese neuen Schlossbesitzer bald von dem Schlossgespenst und dem tollpatschigen Butler (Alicia Schroers Gómez) in die Flucht geschlagen werden.

Aber zum Schluss ist es das Gespenst, das trotz aller gespenstischen Geheimtricks, es spukt sogar tagsüber, verzweifelt. Gegen Schmierseife auf der Treppe, Stolperfallen und Kissenschlacht-Attacken der unerschütterlichen Otis-Kinder Nancy (Ida Hanft), Daisy (Fabienne Jeske) und Washington (Joschka Ried) kommt eben auch ein 300 Jahre altes Gespenst nicht an. Nur die älteste Tochter Virginia (Ayana Bauer) erklärt sich bereit, dem bemitleidenswerten Gespenst zu helfen: indem sie für es betet und um es weint, wird das Gespenst endlich vom Dasein auf der Erde erlöst.

Mit viel Wortwitz und Liebe zum Detail wurde den Zuschauern ein kurzweiliges und amüsantes Theaterstück geboten, dem am Ende viel Beifall aus den Zuschauerreihen gebührte. Vor allem die Spielbegeisterung der jungen Darsteller, die sehr überzeugend und durchweg gut verständlich agierten, fiel dabei auf.

Nina Kohl und Bianca Rauchenberger

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Landeier auf Stadtgang

Vorurteile sind dazu da, um sie auszuräumen. Das zeigte die Theatergruppe der Unter- und Mittelstufe des Erasmus-Gymnasiums mit viel Witz und Pep bei ihrer Aufführung von „Stadt, Land, Leute – kommt zeigt uns eure Welt“.

Frei nach Martin Luthers Fabel „Stadtmaus und Feldmaus“ handelte das Stück von zwei recht konträr erscheinenden Jugendgruppen: Der coolen Stadtgang in Glitzer und Stiefeletten und der Landjugend in Tracht und heimatlichem Dialekt. Die Neugier treibt die Stadtkinder auf Initiative der wunderbar kecken Pailletten-Kitty (Madita Fröhner) zur Kirwa aufs Land.

Dort treffen sie auf die fesche Dorfjugend, die die Neuankömmlinge erst einmal misstrauisch beäugt, sie jedoch nach anfänglicher Skepsis freundlich bewirtet. So kommen das Landleben und auch der Kirwatanz bei Chantal (Karina Hartmann) und deren Gang (Merit Matuschek, Julia Nerb, Melanie Romanov und Amelie Spörer) sehr gut an.

Der Gegenbesuch

Dagegen überfordert der Gegenbesuch in der Stadt mit dem vielen Verkehr die jungen Landeier (Andrea Anthofer, Julia Klassen, Sandra Weiß, Luana Brahimi, Alina Wild und Daniel Schneider) erst einmal. Und auch das scharfe Essen im indischen Restaurant Taj Mahal fordert die Mädels und Burschen so sehr, dass der schlitzohrige Seppi (Korbinian Retzer) das angebliche „Munitionspulver“ erst einmal mit einem Wodka-Redbull löschen muss. Dennoch können sie ihrem anschließenden Discobesuch einiges abgewinnen. Jedenfalls bis sie bei einer Polizeirazzia wegen ihres Alters und Alkoholkonsums die Flucht ergreifen müssen.

In der kurzen und kurzweiligen Eigenproduktion begeisterten die jungen Schauspieler ihr Publikum mit tollen Outfits, originellen Charakteren, unterhaltsamen Stimmungsbildern – etwa bei kurzen indischen Bewegungseinlagen – und jeder Menge cooler und trockener Sprüche. Zusätzlich bereichert wurde das Stück durch zwei eingebaute Tanzpassagen, die von Schülerinnen der 10. Klassen unter der Leitung von Annika Mrosek eingeübt worden waren.

In einem gelungenen Abschluss machte die konkurrierende Stadt- und Landjugend schließlich klar, dass der Unterschied zwischen langweilig und besonnen oder naiv und optimistisch – wie so oft – nur Ansichtssache ist, und es sich immer lohnt, Fremdes erst einmal kennen zu lernen.

Dankeschön-Gedicht

Nach einem langen Publikumsapplaus bedankten sich die 13 jungen Schauspieler bei ihrer Schulspielleiterin Susanna Rosemann in Form eines Gedichts und schickten die Zuschauer gut gelaunt nach Hause.

Claudia Ried

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Diebstahl im Stadtmuseum – die Luitpoldschule unterhält mit einer Gruselkomödie

Was passiert, wenn sich original ägyptische Museumswärter (sehr komödiantisch: Michael Doschat und Lara Cuna) mehr für die hübschen Besucherinnen interessieren als für die Sicherheit des kostbaren Amuletts? Und die Besucherinnen finden, ihnen würde das Amulett eh viel besser stehen als so einem vertrockneten Bruder von Tutanchamun? Klar, das Amulett ist plötzlich weg. Aber wer auch immer es geklaut hat, hat jetzt ein paar ernstzunehmende Gegner. Nein, nicht die Polizei. Die nimmt zwar alles genau unter die Lupe (Armando Civic als penibler Kommissar), hat aber ihre Vorschriften, und die nimmt sie so ernst, dass der Inspektor nur so monoton wie eine Computerstimme aus dem letzten Jahrhundert sprechen kann. Sascha Schönenberger hielt diese Sprechweise cool durch und sorgte so für einige Lacher.

Auch der Museumsdirektor (immer am Rand der Verzweiflung: David Gogotchuri) ist keine Hilfe bei der Aufklärung. Schon eher seine aufgeweckte Tochter (Lea Rudolph) und ihre abenteuerlustige Freundin (Joel Biela). Die lassen sich im Museum einschließen, um die Vorgänge aufzuklären. Tatkräftig unterstützt werden sie dabei von der Hausmeisterin (Fjonda Vishella als energische Gegenspielerin des abgehobenen Direktors). Jetzt wird es eine richtig gruselige „Nacht im Museum“.

Denn die alten Götterbilder erwachen zum Leben (gespielt von Ceren Göz, Efthimia Bornova, Diana Miller, Jasmin Jacobsen und Allegra Schulz, die zusammen mit Liane Lichatoschow und Alexej Enzel auch die Besucher darstellen). Als sie der Diebin des Amuletts (Julia Merold) habhaft werden, beginnen sie, sie nach alter Tradition für ihre Reise in das Totenreich vorbereiten. Da müssen erst mal die inneren Organe raus – Leber, Niere, Herz, Lunge, immer schön eines nach dem anderen kommt in den Eimer. Gut, dass die Biologiesammlung die passenden Plastikrequisiten liefert. Dann wird eingewickelt.

Als am nächsten Morgen das Museum wieder öffnet, ist das wertvolle Amulett zurück an seinem Platz. Die Mädchen geben der Polizei einen Tipp, so dass auch die im Sarkophag eingeschlossene Diebin entdeckt und aus ihrer misslichen Lage befreit werden kann.

Dann dürfen sich die Darsteller den verdienten Schlussapplaus abholen für einen Theaterabend, an dem die Zuschauer viel Vergnügen hatten. Und wenn mal was nicht ganz so lief auf der Bühne, dann gab es da noch die Mumie. Sie sorgte schlagfertig für Unterhaltung, wenn ein Schauspieler nicht ganz pünktlich erschien, und lieferte auch mal die Stichwörter – Cedric Plep in seiner Abschiedsvorstellung nach vielen Jahren in der Theater-AG. Viele andere haben in diesem Stück zum ersten Mal auf der Bühne gestanden, und man darf schon gespannt sein, welche Entwicklung sie unter der erfahrenen Leitung ihrer Theaterlehrerin, Maria Treml-Paskowski, noch nehmen werden.

Christoph Schulz (GMG)

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Hühnermord mit Schnuller

Ganz in schwarz und doch bunt gemischt – so traten die zahlreichen jungen Schauspieler der Schönwerth-Realschule am Abend des 11. April in ihrer Aula auf. Den ersten Teil des Theaterabends gestalteten dabei die 23 Schülerinnen und 4 Schüler der Theaterklasse (Klasse 5b) mit ihrem Streifzug durch „Max & Moritz“.

Witzig, selbstbewusst und mit viel Talent und sichtlichem Spaß an der Sache zeigten die Schüler am Beispiel des berüchtigten Kinderbuchklassikers eine Auswahl der Theater-Techniken, die sie bisher in ihrem Theaterunterricht gelernt hatten. Von Schattenspiel und Chorsprechen über Standbilder und Hiphoptanz bis hin zu ausgesprochen gelungene Massenszenen war viel geboten bei dieser kurzweiligen Vorstellung. Mit viel Liebe zum Detail, sorgfältig ausgewählter Musik und großem pantomimischen Einsatz – wie beispielsweise beim Zersägen von Meister Böcks Brücke – unterhielten die Theaterschüler ihr Publikum mühelos und wunderbar abwechslungsreich.

Ein Höhepunkt der Einlage war zweifellos die berühmte „Hühnermord-Szene“, in der die zu verschluckenden Brotstücke originellerweise durch Schnuller dargestellt wurden. Aber auch die coole Käferattacke auf den armen Onkel Fritz löste beim Publikum großen Beifall aus. Wilhelm Busch wäre ohne jeden Zweifel ebenso stolz auf die jungen Schauspieler gewesen wie deren Theaterlehrer Brigitte Bodensteiner und Jörg Grüssner.

Nach der Pause traten dann die Theaterschüler der 7. bis 10. Jahrgangsstufe mit ihrem Kriminalstück „Wem die Trommel schlägt“ auf. Besonders beeindruckend war allein schon der Beginn im Schwarzlicht mit ihrer auf Klangstöcken gespielten „Pink Panther“- Melodie.

Das Pink-Thema wurde auch bei der Verkleidung wieder aufgegriffen. Jedes Mitglied der Zicken-Schülerclique des Mädcheninternats, in dem das Stück spielte, trug ein pinkfarbiges Accessoire, um sich von den „braven“ Schülerinnen (Lea Gehring, Anna Schmidt-Burgk, Emma Honig und Sophie Müller) abzugrenzen. Als die neue Schülerin Zafira (beeindruckend gespielt von Laura Mazur) versucht, Teil der coolen Clique zu werden, wird sie von den herrlich zickigen IT-Girls (Johanna Meiler, Jessica Ril, Emma Prechtl, Ines Tischner, Vanessa Wismeth und Jessica Bin), glänzend angeführt von der ach so schicken Oberzicke (Emilia Krieg) verlacht und abgewiesen. Schließlich wird ihr aber doch eine Aufnahme in die Clique in Aussicht gestellt – sofern sie eine Mutprobe besteht und beim durchgeknallten Hausmeister (Sandra Miller) einbricht.

Als dann ein Mord (dargestellt als Schattenspiel) geschieht, ruft das natürlich sofort nach der Polizei, personifiziert von den einfältigen Kommissaren Watts & Wattson vom Scotland Yard (Thomas Reiser & Manuel Seiler). Nach einem intensiven Verhör ist schließlich die Schuldige ausgemacht, und die drogenschmuggelnde strenge Direktorin des Internats (Pauline Lay) wird schließlich abgeführt.

Neben dem spannenden, fast schon gruseligen Stück war auch in der zweiten Theaterhälfte an Spezialeffekten viel geboten. Unter anderem mit einem kecken Cheerleadertanz und großem Licht- und Taschenlampeneinsatz war für viel Abwechslung gesorgt.

Zum (Ab)Schluss kehrten noch einmal alle 43 Schauspieler auf die Bühne zurück und bekräftigten, dass ein derartiges Mobbing niemals und dieser Schule geduldet werden darf. Sie zeigten geschlossen, die Realschule ist eine Schule mit Courage – eine Schule gegen Rassismus und holten sich ihren wohlverdienten Applaus ab.

Claudia Ried (GMG)

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Belauschen am lauschigen Balkon: Hohe Spielkunst bei FOS/BOS

Was die Theatergruppe der FOS/ BOS in der voll besetzten Mehrzweckhalle der Schule präsentierte, war mehr als Laientheater von Schülern – es war hohe Spielkunst. So hatten sich die beiden Regisseure Burkhart Häusler und Winfried Sima an ein ganz modernes Stück gewagt: „Balkonszenen“ von John von Düffel, amtierender Dramaturg am Deutschen Theater in Berlin.

Dennis Altenhof zog das Publikum bereits mit dem ersten Schritt auf die Bühne als Ansager in seinen Bann und versprach, dass die Zuschauer Zeuge eines Stücks werden würden, das eigentlich nicht als solches gesehen werden darf, sondern eher als eine Reihe loser durch Raum und Zeit verbundener Szenen. Der Ort und die Zeit des Geschehens: der Balkon eines Hauses, in dem ein rauschendes Fest stattfindet. Meist in Zweier-, hin und wieder in Dreierpaaren flüchten sich verschiedene Gäste auf den Balkon und lassen die Zuschauer Zeuge ihrer Unterhaltungen werden, deren Hintergründe sich erst nach und nach erschließen lassen.

Schon in der ersten Szene wurde klar, dass sich die belauschenden Zuschauer nicht auf ihr erstes Urteil verlassen sollten, denn die beiden Frauenfiguren Alexandra, grandios gespielt von Theresa Linhard, und die Politikerin Simone, sehr facettenreich von Sophia Gräfenhahn gegeben, outen sich nach und nach als vermeintliches Liebespaar und machen damit erste Eindrücke zunichte. Nachdem Simone Alexandra verlässt, taucht Mr. Shade, mit betörender Hauchstimme von Igor Ewert gespielt, auf, und klebt der flüchtenden Alexandra nunmehr als anhänglicher Verehrer am Hosenbein. Dies führt vor allem im späteren Verlauf zu grotesken Situationen, als ein weiterer Verehrer Alexandra verführen möchte. Die nächsten Szenen führen weitere Charaktere ein, die ähnlich mit den Sympathien und Antipathien der Zuschauer spielen, indem erste Eindrücke durch weitere Informationen zerstört werden und klar machen, wie wenig man seinen Gefühlen trauen sollte. Reinhard, ebenfalls durch Dennis Altenhof mit fesselnder Mimik und Gestik gespielt, zeigt sich als „Kriecher“ vor seinem berechnenden Geschäftspartner, kaltschnäuzig von Lorenz Feja gegeben, und möchte um jeden Preis bei den anderen ankommen, auch wenn er sich dabei selbst sichtlich akrobatisch verbiegen muss. Jacob Katana überzeugt mit wahnwitzigen Verrenkungen als Mann, der seine verstorbene Frau im Ohr hört.

Der zuerst Mitleid erweckende, sich selbst erniedrigende Richard, empathisch von Chris Kurzweil gespielt, vergöttert Ruth, sehr beeindruckend von der stimmgewaltigen Theresa Kotz gegeben. Doch Ruths Zickereien und Beschimpfungen zeigen ein anderes Bild von Richard, der offensichtlich nicht der treu-doofe Partner der perfekten Frau ist, sondern vielmehr ebenfalls dunkle Seiten zu haben scheint. Gen Ende der ersten Hälfte kommen noch der desinteressierte Einzelkämpfer, herrlich apathisch von Devin Burris verkörpert, sowie die Journalistin, authentisch von Katharina Kraus gegeben, ins Spiel. Während die Reporterin die politischen Floskeln der emanzipierten Simone enttarnt, bringt der Einzelkämpfer den geldbesessenen Rüdiger, überzeugend von Lorenz Feja gespielt, durch sein Schweigen zum Reden.

Nach einer kurzen Pause, die von den Zuschauern zu ersten Diskussionen um die Bedeutung der Szenen genutzt wurde, präsentierte die schauspielerisch auf hohem Niveau agierende Truppe immer neue Gruppenkonstellationen aus den Charakteren. Trotz der typischen Züge der Figuren mussten die jungen Akteure auch andere Facetten an ihnen zeigen, was ihnen mit Bravour gelang. Neben Stimmskulpturen und pantomimischen Szenen fesselten die Schauspieler/innen ihr Publikum auch mit einer Live-Gesangs-Einlage und sorgten so für nachdenkliche, aber auch unterhaltsame Kurzweile bis zum Schluss. Die Zuschauer dankten es ihnen mit minutenlangem, stürmischem Applaus.

Diana Schneider (MRG)

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