Anders als Andersen

Beachtenswerter Auftritt der Unterstufe des Erasmus-Gymnasiums

[EG, 11.04.2019] Mit dem Stück „Kaisers und die Kleider“ meisterte die Unterstufe des Erasmus-Gymnasiums einen spritzig kurzweiligen Theaterabend. In ihrer Inszenierung, mit dem sie sowohl ihre mitreißende Spielfreude zeigen als auch Kritik an der Konsumgesellschaft üben konnten, wird Andersens altes Märchen neu erzählt. 

_sel_03_auftakt-19Gleich zu Beginn zeigen die Darstellerinnen in einer turbulenten Marktszene, worum es geht: „Kauft Leute, kauft!“ Und derjenige, der am meisten Freude daran hat, das hart verdiente Geld seiner Frau zu verpulvern, hatte danach seinen großen Auftritt: Der Kaiser höchstpersönlich – grandios in Gestik und Mimik dargestellt von Timo Salfetter. Die Kaiserin (ausdrucksstark gespielt von Katharina Schmid) hält die Regierungsgeschäfte und das Haushaltsgeld in der Hand und sieht sich als Vorbild für ihr Volk. Dieses Yuppie-Paar hat gesellschaftskritisch die Geschlechterrollen vertauscht: Sie, Karrierefrau und Workaholic und er, ein etepetete Shopaholic. Doch mit dem Kaufrausch ihres Mannes hat sie so ihre  Probleme, z.B.  muss sie gleich eine Hutmodenschau ertragen, die nicht nur der Kaiser, sondern auch die Zuschauer mit Applaus begeistert verfolgen.

_sel_04_auftakt-19In der Inszenierung stehen die Untertanen des Kaisers (u.a. Lina Guthe, Lenny Koller, Moritz Seibold) als austauschbare gesichtslose Masken den individuellen Hüten der Models gegenüber. Äußeres zählt heute mehr als innere Werte. Den Laufsteg eroberten die Mannequins (Lina Weigert, Leonie Laudamus, Emilia Lampe, Emma Zaremba, Anna Vogl, Christina Bierler, Franziska Kaulbach, Milda Badal, Hanna Regner und Emilia Schindler) sofort durch ihre professionelle Performance und moderne Moves. In der nächsten Szene fühlten sich die Modeschöpfer (mitreißend verkörpert von Lina Weigert und Leonie Laudamus) unter Druck gesetzt: Immer wieder Neues wird gefordert, der Konsum muss angekurbelt werden! Doch da haben die beiden Gauner eine grandiose Idee: Geldverdienen mit NICHTS. Ihre neue italienische Modemarke „Miracolo-Power“ soll der Durchbruch werden: unsichtbare Kleidung – sichtbar nur für kluge, brave und gute Menschen. Ein riesen Mode-Gag! Und der dekadente Kaiser springt sofort auf. Der Preis spielte keine Rolle: „Jetzt kann ich die wahrhaft Dummen unterscheiden: Ich bin ein Gott durch eure Tricks!“

Über ein Extrablatt wird das Volk durch die Zeitungsverkäuferin (eindrucksvoll: Christina Bierler) informiert: Der Kaiser wird den Staatsbesuch mit seiner neuen Zaubermode empfangen, so kann jeder im Volk endlich erkennen, wie klug er wirklich ist. „Das wird `ne Bombe! Geil!“ Vor lauter Neugier und Erwartungsfreude schickt der Kaiser seine zwei Minister aus (in Mimik und Gestik wirkungsvoll umgesetzt von Emilia Lampe und Emma Zaremba). Diese erwischen die angeblichen Designer beim Handy-Daddeln. Auf ihre vehemente Nachfrage hin zeigen die Ganoven ihre fingierte Mode a la  „Miracolo“ für den Kaiser. Die irrtümliche und für sie niederschmetternde Erkenntnis der Minister: „Ich sehe NICHTS. Ich bin dumm!“ Das Volk erwartet nun auch mit Hochspannung die große Präsentation des Kaisers. Dieser imaginäre Auftritt wird perfekt in Mimik und Gestik am Bühnenrand inszeniert. Jeder erkennt sofort die Lage, aber nur ein Kindermund tut sofort die eigentliche Wahrheit kund: „Der hat ja gar nichts an!“ Erst jetzt stimmt das Volk völlig überrascht und voller Entsetzen mit ein. Doch diese Erkenntnis fehlt dem abgehobenen Kaiser. Abschließend erfolgt eine aufmunternde Ansprache á la Brecht vom gesamten Ensemble an das Publikum: „Habt keine Angst, eure Meinung zu sagen! Nicht jeder muss ein Model sein! Schönheit vergeht – Charakter besteht!“

In seiner Begrüßung stellte Schulleiter Karl Bösl klar: „ Ich liebe das Unterstufentheater!“. Und liebenswert waren die Schauspieler der 5. und 6. Jahrgangsstufe, v. a. durch ihre mitreißende Begeisterung und herausragende Spielfreude. Ein großes Lob geht auch an die beiden Techniker Raphael Gradl und Leo Ringer. Und natürlich nicht zu vergessen: großes Kompliment an die Spielleiterinnen Sandra Häusler und Susanna Rosemann für den kurzweiligen und zu Herzen gehenden Abend.

Brigitte Bodensteiner, Spielleiterin Schönwerth-Realschule

Werbeanzeigen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Schultheatertage 2019

Zehn Jahre an einem Tag

[DJDS, 11.04.2019] Krankheit und Tod. Ein ernstes und ungewohntes Thema für eine Schulspieltheatergruppe, auch für die Theatergruppe der Dr.-Johanna-Decker-Schulen. Entsprechend gespannt erwartete das ausgesprochen zahlreiche Publikum am vergangenen Donnerstag den Beginn der Aufführung von „Oskar und die Dame in Rosa“, nach der gleichnamigen Erzählung von Éric-Emmanuel Schmitt.

Und schon die erste Szene fängt die Zuschauer mühelos ein: Man lernt Oskar kennen, den zehnjährigen schwerkranken Jungen im Pyjama und mit Kopfhörern, der erst vor kurzem erfahren hat, dass die letzte Operation ein Misserfolg war und er bald sterben muss. Doch er kämpft nicht nur mit dieser Erkenntnis, sondern auch mit dem Gefühl, von allen verlassen und als Fehlschlag betrachtet zu werden. Einzig und allein Oma Rosa, eine der älteren Damen, die als Freiwillige in rosa Kitteln ins Krankenhaus kommen, um mit den kranken Kinder zu spielen, ist ihm eine Stütze in dieser scheinbar hoffnungslosen Lage. Sie rät ihm, Gott zu schreiben und ihm seine Sorgen anzuvertrauen.

__webDSCF3904_sieh-genau-hin

Rosa (links) führt Oskar in die Kapelle, um ihm den Unterschied zwischen körperlichem und seelischem Schmerz zu erklären.

Oskar wehrt sich zunächst. Unglaublich eindrucksvoll und überzeugend gespielt von Paula Lacher, glaubt er weder an Gott noch an den Weihnachtsmann, doch Oma Rosa überzeugt ihn liebevoll, aber energisch, es doch zu versuchen. Amelie Prösl gelingt es mit bewundernswerter Leichtigkeit, die Rolle der unorthodoxen Oma Rosa zu verkörpern, die Oskar mit schonungsloser Ehrlichkeit und unendlichem Verständnis entgegentritt. Dieses bewegende Zusammenspiel zwischen den beiden jungen Schauspielerinnen wechselt vom tänzerischen Umkreisen, wildem Kampf mit der ungeliebten Spritze zum intensivem Zuhören, und jedes Wort, jede Geste, jede Berührung ist dabei völlig authentisch. Paula Lacher spielt Oskars Leid und seine Tapferkeit so überzeugend, so herzzerreißend für die Zuschauer, dass es kaum zu glauben ist, dass sowohl die beiden Hauptdarstellerinnen als auch einige der anderen tollen Schauspielerinnen zum ersten Mal Mitglied der Theatergruppe sind. Schulspielleiter Peter Ringeisen hat mit seiner Truppe, unterstützt von dem polnischen Regisseur Grzegorz Szlanga, eine wirklich unglaublich eindrucksvolle Probenarbeit geleistet; Szlanga hatte das Projekt seit September aus der Ferne begleitet, und in den Tagen vor der Aufführung hat er in Amberg mit den Schülerinnen intensiv geprobt.

Als Oma Rosa vorschlägt, jeden der wenigen Tage in Oskars Leben als ein ganzes Jahrzehnt zu erleben, willigt Oskar ein. Und so erlebt das Publikum mit ihm im Schnelldurchlauf seine Jugendzeit, die Eroberung seiner großen Liebe Peggy Blue (liebreizend gespielt von Lena Eichinger) sowie sein weiteres Leben als „Erwachsener“ mit all seinen Höhen und Tiefen. So bereut er zwar seine „Jugendsünde“ mit der forschen Sandy (ein unvergessliches komödiantisches Talent: Madeleine Höreth) und die Zipperlein des Älterwerdens, doch der Weg bringt ihn immer näher zu Gott und der Versöhnung mit seinem Schicksal. Auch die Schauspielerinnen, die kleinere Rollen übernommen hatten, wussten zu überzeugen: Maria Altmann als Popcorn, Sophia Göbl als Bacon, Sofie Wittmann als Oskars Vater, Eva Pamler als Oskars Mutter und Sibylle Krestel als Dr. Düsseldorf.

__webDSCF3861_messages

Oskar (links) kontaktiert Peggy Blue übers Handy, um ihr seine Liebe zu gestehen.

Je näher das „Alter“ und damit das Ende von Oskars jungem Leben rückt, desto ruhiger wird das Stück. Die erlösenden scherzhaften Episoden aus Oskars „Jugend“ bleiben aus, und das Publikum geht gebannt mit ihm die schonungslosen letzten Schritte. Als Oskar schließlich, begleitet von Oma Rosa, verstirbt, ist es still im Gerhardingersaal. Nur leise Geräusche der Rührung sind zu hören, als Oma Rosa sich schließlich bei Gott dafür bedankt, Oscar in ihr Leben geführt zu haben. Als das letzte Bühnenlicht erlischt, kommt kein Applaus. Lange nicht. Ein Stück, das derartig berührt, verdient es, in Stille ausklingen zu dürfen. Schließlich betreten die neun jungen Schauspielerinnen die Bühne – und dann scheint der Applaus schier endlos. Und so wohlverdient wie wohl selten auf einer Schultheaterbühne.

__webDSCF3938_gruppe+rip

Claudia Ried, Spielleiterin am GMG

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Schultheatertage 2019

Wie weit kann man gehen?

[EG, 02.04.2019] „Maschinen sind nicht launisch!“… wenn Menschen dahinterstecken aber schon, wie die Theatergruppe der Mittel- und Oberstufe des Erasmus-Gymnasiums Amberg am vergangenen Dienstag mit ihrer Inszenierung „Das Haus der Treppen“ anschaulich dargestellt hat.

Das Stück, basierend auf dem gleichnamigen Jugendbuch von William Sleator, handelt von fünf Jugendlichen, die allesamt ohne ihre Eltern aufwachsen und sich plötzlich in einem Raum voller Treppen mit einem sonderbaren Automaten befinden. Der lautstarke Oliver, überzeugend gespielt durch Niklas Bauer, die redegewandte Lola (begabt: Julia Eikam) und die manipulative Blossom (talentiert: Diana Seifert) streiten sich indes schnell um die Führung innerhalb der Gruppe.  Was sie und auch die anderen zwei Heranwachsenden (authentisch dargestellt durch Franziska Lehnert, Thomas Neubauer) allerdings nicht wissen, ist, dass sie Teil eines Regierungsprogramms sind, mit dessen Hilfe Elitesoldaten ausgebildet und die Konditionierung an Menschen erforscht werden sollen.
_sel_10_auftakt-19Schließlich erkennen die Jugendlichen, dass die „launische Maschine“ ihnen ab und an Fleisch gibt, sobald sie ein bestimmtes Bewegungsmuster absolvieren bzw. sich gegenseitig das Leben schwer machen. Doch bis alle Beteiligten dies herausfinden, ist es für jeden einzelnen von ihnen ein harter Weg. So stellt sich dem Zuschauer indes immer wieder die unausgesprochene Frage, wie weit man wohl selbst für ein bisschen Nahrung ginge.
„Emotionale Beteiligung können sich die Wissenschaftler nicht leisten“, denn sie (textsicher: Felicitas Groth und Patricia Kölbl) stehen unter enormen Druck: Das Experiment muss gelingen, ansonsten werden sie von den staatlichen Kontrolleurinnen, wunderbar umgesetzt von Maritta Singer und Lisa Brandel, entlassen. Als es wirklich kritisch wird, weil die Jugendlichen kurz davor sind, sich gegenseitig für ein wenig mehr Lebensmittel umzubringen, entscheiden die Wissenschaftler zur Erleichterung des Publikums das Experiment zu beenden.
Die jungen Schauspieler haben selbst an der Vorlage gekürzt, gestrichen und verändert, wodurch eine durchaus gelungene Bühnenfassung des Jugendbuches entstand. „Die Maschine hat auch bei den Proben tatsächlich Essbares ausgegeben, sodass von den Schauspielern insgesamt drei Packungen Marshmallows und 13 Packungen Frikadellen verspeist wurden!“, verrät die Leiterin der Theatergruppe, Studienrätin Elisa Romfeld, den begeisterten Zuschauern abschließend noch mit einem kleinen Augenzwinkern.

Nina Kohl, Spielleiterin am MRG

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Schultheatertage 2019

Gelungene Inszenierung: „Andorra“

[MRG, 21.03.2019] Das Drama „Andorra“ von Max Frisch wurde von der Theatergruppe des Max Reger Gymnasiums ausdrucksstark, wort- und stimmgewaltig umgesetzt. Hier konnte man großartige Talente entdecken, die mit Spielfreude, Einfühlungsvermögen und großem Engagement eine durchweg gelungene Inszenierung schufen.

Ein weißes Andorra, das ist das Ziel von Barblin und ihren andorranischen Mitbürgern.

Zu Ehren des kommenden St.-Georg-Tages weißeln sie ihre Hausfassaden, Barblin weißelt und singt dazu in feinen Tönen (durchweg überzeugend dargestellt von Hanna Schallmaier).  Dass etwas in der Luft hängt, eine „heiße Stille“, wie es der Pater (Lea Eckert) ausdrückt, die Gefahr eines Einmarschs durch ein judenfeindliches Nachbarland, wollen zunächst nicht alle wahrnehmen, aber die düsteren Glockenschläge steigern die unheilvolle Stimmung bis zu einem tödlichen Ende.

Eine reduzierte Kulisse lenkte den Fokus auf die Entwicklung jeder einzelnen Figur, vom Lehrer, Barblins Vater, der von Alexandra Schwartz leidenschaftlich umgesetzt wurde, bis zu   Hochwürden, der als einziger zwar seine Verantwortung einsieht, aber letztendlich doch schweigt, als es auf ihn ankommt. Auch beim  Amtsarzt (Caroline Wellnhofer, deren rollendes „R“  beängstigend einen unwohl bekannten  Judenhasser aufscheinen ließ) spürte man deutlich, mit wie viel Leidenschaft und Begeisterung die Rolle umgesetzt wurde.

Das Geschehen wurde durchweg begleitet von Jemand (Antonia Tessmann), dessen Stimmungen absichtlich nicht zur jeweiligen Situation passten oder dessen kommentarloser Kommentar Unbehagen und leise Scham bei den Akteuren weckte.

_sel_19_auftakt-19

Schuld sind wir alle nicht – da sind sich die Andorraner sicher.

Der Wirt und die Wirtin (sicher und ausdrucksstark Nina Eules und Nadja Rein) rühmen sich zunächst noch, den vermeintlichen Juden Andri (sensibel umgesetzt von Luca Adams) bei sich als Küchenjungen angestellt zu haben. Als er von zwei betrunkenen Soldaten (die voll aufgingen in ihrer Rolle und zunächst pöbelnd durch das Publikum wankten: Daniel Gast und Silas Klemm)niedergeschlagen wird, rühren sie keinen Finger, um ihm zu helfen, sondern belehren ihn noch, sich als Jude halt nicht mit den Andorranern anzulegen. Später wird Andri ohne Beweise beschuldigt, mit einem Stein eine Ausländerin (sehr vornehm und unglaublich elegant : Jana Zinnbauer) getötet zu haben. Wirt und Wirtin sind die ersten, die mit dem Finger auf ihn zeigen.

Beim Tischler (Lia- Maline Müller) macht er später eine Lehre. Dieser übergeht mit dreister Überheblichkeit, dass der perfekt gezimmerte Stuhl von Andri stammt, während der zu Unrecht gelobte Geselle (Jule Berger), der vorher noch seine tiefe Zuneigung zu Andri beteuert hatte, nicht den Schneid aufbringt, dem Chef zu widersprechen.

So wird in verschiedenen Szenen deutlich, wie Worte und Taten der Andorraner weit auseinander klaffen: wenn es darauf ankommt, für Andri einzustehen, kneifen fast alle. Beteuerungen, sie seien natürlich nicht Schuld an der Ermordung des vermeintlichen Juden, werden  unterstrichen mit dem rituellen Aufsetzen einer dunklen Sonnenbrille und der stetigen Wiederholung: Ich bin nicht schuld! Wir sind nicht schuld! Am deutlichsten offenbart der Amtsarzt seine Haltung: „Sie müssen nicht jederman erzählen, was Sie mit eigenen Augen gesehen haben!“

Die Wahrheit kann bald nicht mehr länger verborgen werden, aber niemand vermag es, aus seiner Rolle zu entweichen: Andri kann nicht akzeptieren, dass die Geschichte, er sein ein Jude, eine Erfindung seines leiblichen Vaters ist: „Wie viele Wahrheiten habt ihr?“

Barblin, die er heiraten wollte, versucht verzweifelt, ihm verständlich zu machen, dass er ihr Bruder ist und deshalb Verlobung und Heirat ausgeschlossen sind. Doch er ist bereits so tief verbittert vom Verhalten und Verrat all seiner Mitmenschen, dass er darin nicht Barblins Liebe, sondern ebenfalls Abscheu vor dem Juden erkennen will.

Beim feindlichen Einmarsch flehen Vater, Mutter (Ntania Kalliga) und Barblin ihre Mitbürger vergeblich an, die Wahrheit zu sagen und sich damit hinter Andri zu stellen. Als der Judenschauer kommt, der „es an den Füßen sieht“, weshalb alle Andorraner die Schuhe ausziehen und mit gruseligen, schwarzen Maske aus Plastiktüten marschieren müssen, ist jeder nur noch darauf bedacht, seine eigenen Haut zu retten. Obwohl sie inzwischen wissen, dass Andri der leibliche Sohn des Lehrers ist und damit Barblins Bruder, also „einer von ihnen“, rücken sie nicht von ihrem Vorurteil ab, überlassen ihn seinen Mördern. „Ich bin nicht schuld! Wir sind nicht schuld!“

In der letzten Szene irrt Barblin von Sinnen umher, das Haar nun als Zeichen der „Judenhure“ geschoren, wieder mit ihrem Eimer weißer Farbe und weißelt jedes Haus und jeden Menschen, der ihr begegnet. „Warum geht ihr nicht heim und hängt euch auf wie mein Vater! Ich weißle und weißle…“ und die weiße Farbe mischt sich mit dem Blut ihrer verlorenen Liebe…

Christine Kleinert, Spielleiterin am GMG

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Schultheatertage 2019

Auftaktveranstaltung im Stadttheater: Wow!

Ernsthaft, verspielt, kreativ: Ambergs lebendige Schultheaterlandschaft

Vor einem vollen Haus durften die Theatergruppen der Amberger Schulen im Stadttheater Ausschnitte aus ihren aktuellen Produktionen spielten. Wie Oberbürgermeister Michael Cerny in seiner Begrüßung feststellte, erhält man auf diese Weise einen wunderbaren Überblick über das kreative und lebendige Schultheaterleben in der Stadt Amberg.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Den Start gestalteten die Jüngsten, nämlich die Theaterklasse des Gregor-Mendel-Gymnasiums unter der Leitung von Claudia Ried. Die Klasse 5a spielte mit viel Elan auf und mit großen weißen Würfeln, die als Trommeln und als Wortbausteine dienten. Schließlich war die Botschaft: „Willkommen im Stadttheater“ zu lesen.

Die Unterstufengruppe des Erasmus-Gymnasiums präsentierte einen Ausschnitt aus „Kaisers und die Kleider“, einer modernen Version des Märchens von Hans-Christian Andersen. Energisch versucht der Kaiser seiner Frau klarzumachen, dass sein Konsumrausch (natürlich in Bezug auf Kleidung, aber auch technische Geräte, Autos usw.), einen tieferen Sinn habe – stößt dabei bei seiner Gattin allerdings auf wenig Verständnis. Die von Sandra Häusler und Susanna Rosemann einstudierte Szene bot viel Bewegung und Farbe, mit denen die Händler und die Models glänzen konnten.

Düster wurde es bei der Unterstufengruppe (6./7. Klasse) des GMG. Geleitet von Christine Kleinert, beschäftigen sich die Jugendlichen mit dem etwas unheimlichen Stück „Ein Mörder steht im Walde“. Eine Gruppe von Mädchen wird unter einem Vorwand in einen Wald gelockt, und eine nach der anderen verschwindet auf mysteriöse Weise. Soviel darf verraten werden: Hier nimmt jemand Rache für Verletzungen, die in der Vergangenheit liegen.

Ein Volksmärchen in der Bearbeitung von James Krüss nahmen sich die Theaterbegeisterten der Franz-Xaver-von-Schönwerth-Realschule, angeführt von Brigitte Bodensteiner, zur Grundlage für eine Eigenproduktion, die sie „Das Glück ist barfuß“ nennen. Mit gut einstudierten, effektvollen choreographischen und chorischen Elementen zogen sie die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich, als sie auf der Suche nach dem Glück über den Zuschauerraum die Bühne des Stadttheaters eroberten. Der Grund für diese Suche ist die schwermütige (oder vielleicht nur missmutige) Königin, die an nichts mehr Freude hat und die nicht einmal von einem ganzen Heer motivierter Clowns zum Lachen gebracht werden kann.

Geradezu um das Gegenteil von Glück ging es bei der nächsten Szene „Pitypoints“, einer Eigenproduktion der GMG-Mittelstufentheatergruppe von Claudia Ried. Der Titel ist gleichzeitig auch der Name einer Reality-TV-Show, in der sich alles um Mobbing dreht. Die immer wieder auftretende, zerstörerische Freude daran, Schwächere zu quälen, wird dabei in satirischer Weise gezeigt und in ihrer grausamen Wirkung entlarvt – beides, sowohl die Böswilligkeit als auch die heilsame Lehre, die aus dem Prozess gezogen werden soll, wirkten bereits recht überzeugend.

Nach der Pause begann die Mittel- und Oberstufe des Erasmus-Gymnasiums. Elisa Romfeld erarbeitet mit ihren Schülern frei nach einem Roman von William Sleator das Stück „Das Haus der Treppen“. In diesem seltsamen Gebäude sind eine Handvoll Jugendliche eingesperrt – ohne zu wissen, wie sie da hineingeraten sind. Mit der Zeit merken sie, dass sie wie Versuchskaninchen manipuliert werden, und dass sie sich gegen die lebensbedrohliche Lage irgendwie wehren müssen.

Auf andere Weise düster ist die Lage Oskars, eines zehnjährigen Jungen, der weiß, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Nur seine Freundschaft mit der „Dame in Rosa“ hilft ihm durch die Einsamkeit, die für ihn so entsteht – und die Tatsache, dass er beginnt, auf ihren Rat hin jeden Tag einen Brief an den lieben Gott zu schreiben. Das scheint ihm zu Beginn ziemlich lächerlich, und doch lässt er sich darauf ein. Die Mädchen vom Dr.-Johanna-Decker-Gymnasium spielten den Beginn von „Oskar und die Dame in Rosa“ mit berührender Intensität. Geleitet wird dieses Projekt von Grzegorz Szlanga und Peter Ringeisen.

Die Oberstufentheatergruppe des GMG unter der Spielleitung von Christoph Schulz präsentierte drei kurze Szenen aus ihrer Eigenproduktion „19 – 20“. Mit einprägsamen Bildern und ökonomischer Textreduktion zeichneten sie drei ganz unterschiedliche, bizarre Situationen: Krieg zwischen einem Staat und Rebellen, deren Kämpfer von zwei Geschwistern angeführt werden; ein Büro, dessen Angestellte nicht ahnen, dass sie in Kürze einer nuklearen Katastrophe zum Opfer fallen werden; eine Frau, die hin- und hergerissen ist zwischen ihrem Geliebten und ihrem (Ex-)Ehemann.

Hierauf trat die zweite Gruppe der DJD-Schulen auf. Ebenfalls von Peter Ringeisen inszeniert, wurde ein Teil aus dem Molière-Stück „Der Menschenfeind“ auf die Bühne gebracht. Vor allem die Auseinandersetzung zwischen dem Wahrheitsfanatiker Alceste und seiner Geliebten Celimène, die noch von vielen anderen umschwärmt wird, gelang den Schülerinnen der 11. Jahrgangsstufe lebhaft.

Den Schlusspunkt der Auftaktveranstaltung bildete ein moderner Klassiker: Max Frischs Stück „Andorra“ wurde von Schülerinnen und Schülern der Mittel- und Oberstufe unter der Regie von Nina Kohl aufpoliert. Die Beteuerungen der andorranischen Bürger, sie seien natürlich nicht schuld am Tod des (vermeintlichen) Juden Andri wurden unterstrichen durch das rituelle Aufsetzen einer Sonnenbrille – nichts gesehen haben, nicht gesehen werden wollen, so versuchen sie, individuelle Schuld von sich zu weisen.

Alle diese Theaterproduktionen machten neugierig auf die fertige Aufführung: Wie wird das alles im Ganzen wirken, wie wird es ausgehen? Die Termine und Spielorte sind dem Flyer des Kulturamts zu entnehmen sowie der Internetseite www.hostasxeng.de .

Peter Ringeisen (Spielleiter am DJDG)

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Schultheatertage 2019

GMG: „19 – 20“

Aus dem zu erwartenden Erwachsenenleben

GMG-Oberstufe begeistert mit selbst geschriebenen Szenen

von Peter Ringeisen

[GMG, 30.01.2019] „19 – 20: 19 Spieler mit den Themen jenseits der 20“ – so war’s auf dem Programmblatt der Oberstufentheatergruppe des Gregor-Mendel-Gymnasiums zu lesen, und Spielleiter Christoph Schulz erläuterte die Entstehung der flotten, intensiv gespielten, teils witzigen, teils tiefgründigen Szenenfolge.

Am Anfang trugen die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 10 bis 12 die großen Themen zusammen, die sie alle demnächst betreffen würden, wenn sie 20 Jahre überschritten hätten. Von den ursprünglich 19 Themen blieben dann 14 übrig (z. B. Tod, Reisen, Kinder, Erfolg), die in einem Zuordnungsspiel mit Adjektiven (z. B. dramatisch, lustig, beängstigend, spannend) kombiniert wurden, und dann kamen noch Stichwörter hinzu, die dem Ganzen einen zusätzlichen Reiz geben sollten. So fand sich die Gruppe mit dem Stichwort „Kinder“ mit der Aufgabe konfrontiert, die Stichwörter „Pilot, Verband, Ring“ in einer selbst geschriebenen Szene unterzubringen, und das Ganze dann „trist“ wirken zu lassen – eine nicht kleine Herausforderung (die sie bravourös meisterte).

Und so nahm der Reigen der 14 Szenen seinen Lauf – und das Publikum mit. Die gebannt, amüsiert und berührt das Geschehen verfolgenden Zuschauer saßen in einem durch einen Vorhang abgetrennten Teil des Kunst-Bereichs und waren in dem bewusst reduzierten Raum beinahe auf Tuchfühlung mit den Akteurinnen und Akteuren. Dies ermöglichte die Wahrnehmung feiner Regungen in Mimik und Gestik, und die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler nutzten diese Wirkkraft geschickt aus.

_sel_02_gmg-19-20

Eva Blank und Cedric Traub in der Szene „Der Lottogewinn“

Aus den 14 – voneinander unabhängigen, nur durch die Vorgabe „Themen jenseits der 20“ verbundenen – Handlungen seien drei exemplarisch herausgegriffen. In der Szene zum Thema „Erfolg“, die den Titel „Der Lottogewinn“ trägt, wird das Treffen zweier Verliebter dargestellt, atmosphärisch stimmig von Live-Musik untermalt (Maria Gruber mit coolem Gesangsstil, sich selbst routiniert auf der E-Gitarre begleitend). Ein aufgespannter roter Regenschirm hebt das Paar auch farblich von der Umgebung ab, vor lauter Überschwang der Gefühle wirft die junge Frau Süßigkeiten ins Publikum. Und schließlich zieht der junge Mann ein Etui mit einem Verlobungsring aus der Tasche, sinkt auf die Knie und macht ihr einen formvollendeten Antrag (Eva Blank, Cedric Traub in Harmonie). In dem Moment stürzt ihr Ex-Mann auf das Paar zu, wedelt mit einem Stück Papier und verkündet aufgeregt seinen Millionengewinn im Lotto. Die junge Frau erkennt entsetzt, dass sie (anscheinend) die falsche Wahl getroffen hat. Die Situationskomik bricht die rosarot-romantische Stimmung rabiat – und amüsant.

_web_18_gmg-19-20

Isabella Graf in der Szene „Sieben mal sie“

In „Sieben mal sie“ wird das Thema „Auszug“ in sieben Variationen bespielt – mit einer Darstellerin im Mittelpunkt, deren Wandlungsfähigkeit und Ausdrucksstärke das Publikum beeindruckt. Ob die Auszugs-/Umzugs- oder Einzugssituation nun melancholisch, schüchtern-freudig, überschwänglich, ängstlich oder verbittert ist – Isabella Graf hat die passenden Blicke, Gesten und Schritte parat.

_sel_05_gmg-19-20

In der Szene „Archäologen der Zukunft“ spielen (von links): Lea Braun, Aurelia Ziegler, Tamara Lindner, Cedric Traub, Eva Blank, Isabella Graf, Matthias Mahal, Peter Netta

Das Thema „Arbeitsalltag“ erhält in der Szene „Archäologen der Zukunft“ einen ganz eigenen Blickwinkel, denn die fünf sehr überzeugend wirkenden Büroangestellten, die die Szene mit typischem Smalltalk am Arbeitsplatz eröffnen, treten bald in den Hintergrund, da sich eine andere Zeitebene über die Büroszene legt: Als Wissenschaftler in Schutzkleidung betreten Archäologen den Raum, nehmen Messungen vor, beobachten die Personen, als seien sie längst gestorben, und unterhalten sich in bedauerndem Tonfall über eine – im Ungewissen belassene – Katastrophe, die das Ende dieser Zivilisation mit sich gebracht habe. Eine recht surreale Szene, die sich durch die Expeditionsausrüstung der Besucher aus der Zukunft auch visuell einprägt und beim Zuschauer die nagende Frage hinterlässt: Welches Unheil könnte uns überfallen und unsere Zivilisation auslöschen?

Doch durch die gute Mischung aus nachdenklichen und ironischen bis amüsanten Szenen wurde der Abend nicht schwermütig, sondern brachte die Zuschauer zu langanhaltendem, dankbarem Applaus für die äußerst gelungene Ensemble-Leistung, an der unter der Leitung von Studiendirektor Schulz diese Schülerinnen und Schüler an drei Abenden auf der Bühne standen: Johannes Altmann, Judith Bäßler, Eva Blank, Lea Braun, Isabella Graf, Maria Gruber, Valeria Lagutina, Tamara Lindner, Johanna Lucks, Valeria Maas, Matthias Mahal, Peter Netta, David Patt, Carolin Spies, Cedric Traub, Lucas Willax, Aurelia Ziegler.

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Schultheatertage 2019

GMG: „Die Farm der Tiere“

Gemeinsamer Kampf gegen Unterdrückung

[GMG, 27.06.2018] Die GMG-Theatergruppe „Die Oscars“ hatte sich für ihre Aufführung einen modernen Klassiker ausgesucht, der zwar als wichtig, aber auch etwas spröde gilt: George Orwells „Farm der Tiere“, eine Fabel, die ein düsteres Bild von der Zukunft entwirft. Spielleiterin Claudia Ried schrieb den Text jedoch so geschickt um, dass nicht nur aus dem Prosatext ein Theaterstück wurde, sondern dass man es auch mit Aufmerksamkeit, mit Anteilnahme und mit Begeisterung verfolgte.

In der ersten Spielsequenz wird den Zuschauern vor Augen geführt, wie schlecht es den Tieren auf der Farm von Bauer Jones und seiner Frau geht: Laurin Wiedenbauer und Fabienne Rauscher stellten das Ehepaar dar, das nicht nur mit dem Leben auf dem Bauernhof, sondern auch miteinander unglücklich ist. Die desolate Lage (die Tiere hungern und frieren) bringt die Tiere dazu, dass sie sich heimlich versammeln und sich gegenseitig ihr Leid klagen. Von allen Seiten hört man Beschwerden, und man muss den beiden Katzen (Alina Dotzler, Julia Neuberger) rechtgeben, die in koketter Kätzchenmanier immer wieder maunzen: „Bauer Jones ist böse!“ Die wichtigste Person aber ist das Schwein Old Major (würdevoll-kämpferisch: Simon Böller), das die Tiere zum Widerstand aufruft. Nach anfänglichem Zögern – denn eigentlich ist Hahn Ronaldo der Tollste (meint er, selbstbewusst verkörpert von Niko Tadin) – schließt sich auch das Federvieh an (Jessica Urbanovic und Laura Tschursin als elegante Hennen), und die anderen Tiere folgen. Besonders die Schafe tun sich hervor, wenn es gilt, kämpferische Slogans zu rufen – das gelingt der Darstellerinnen Julia Depperschmidt, Mabel Kigadye und Leonel Lopez Schmidt überzeugend: „Vier Beine gut, zwei Beine schlecht!“ So greifen die Tiere die Bauersleute an und vertreiben sie vom Hof.

Und hier kommt ein sehr gelungener Theaterkniff erstmals zum Einsatz: Während die Tiere regungslos auf der Bühne verharren, wird eine Erklärebene eingezogen. Der Autor George Orwell – intellektuell und ernsthaft gespielt von Richard Römmich – und eine kritische Gesprächspartnerin namens Ellen (mit viel Engagement und Empathie: Paula Schißlbauer) betreten die Bühne, und George muss sich gleich einmal dafür rechtfertigen, dass er in seiner Geschichte Tiere zu sprechenden Hauptfiguren macht. _DSC_8455_george+ellenFür diejenigen im Publikum, die Orwells Text noch nicht kannten, bietet die folgende Erklärung eine wertvolle Verständnishilfe: Die Handlung erzählt die Entwicklung des sowjetischen Kommunismus nach, beginnend mit der Revolution 1917, bis zur Gegenwart des Autors, der den Text 1943/44 verfasste. George und Ellen schalten sich später noch mehrmals ein, um die Entwicklung zu erklären und den Zusammenhang mit der Fabel-Handlung aufzuzeigen.

Die Freude der Tiere ist groß, als sie feststellen, dass sie nun frei sind. Aber der Visionär Old Major ist in der Aufregung gestorben – und nun übernehmen die anderen Schweine das Kommando, angeblich, weil dies der letzte Wille des Anführers gewesen sei. Schon hier zeigt sich, dass die idealistische Schneeball (treffend gespielt von Alicia Schroers Gómez) von den anderen Schweinen ausgetrickst wird, die nicht das große Ganze im Sinn haben, sondern nur ihren eigenen Vorteil. Die Rücksichtslosigkeit und Kaltblütigkeit der neuen „Chefs“ stellten Ayana Bauer, Katharina Filimonov und Celina Fink in Mimik und stimmlichem Ausdruck gut dar.

_DSC_8485_dieneuenchefsLeider hilft es den anderen Tieren zunächst nicht, die Situation richtig zu analysieren, wie es die nachdenkliche Eselin Cassandra tut (Marion Hopfenzitz). Auch die Hunde und Pferde (Ida Hanft, Violetta Kaiser, Pongsawat Permpoksub, Natalia Matula und Vivian Gier) können sich nicht dagegen wehren, dass die Schweine sie zum Arbeitseinsatz einteilen. Die Tiere werden schließlich von den Schweinen genauso ausgenutzt wie vom Bauern. – Doch am Ende (anders als im Original) gelingt noch einmal eine Wende: Orwells Gesprächspartnerin Ellen hat Mitleid mit den Tieren und überredet den Autor, ein Happy End zu schreiben. Dies deutet sich am Schluss an, als sich die Tiere verabreden, die Schweine zu vertreiben.

„Die Oscars“ überzeugten die Zuschauer durch ihr engagiertes, frisches Spiel, das durch wenige, effektvoll eingesetzte Requisiten und durch passende Musikeinspielungen unterstützt wurde. Oberstudienrätin Claudia Ried, die Drehbuch-Autorin und Regisseurin, konnte auf ihre Gruppe stolz sein, das zeigte auch der begeisterte Schlussapplaus in der zum Theatersaal umgebauten Mensa des Gregor-Mendel-Gymnasiums.

Peter Ringeisen, Spielleiter am DJDG

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Schultheatertage 2018

EG: „SMS-Stories aus Maggies Salon“

Rasantes Stück über Segen und Fluch moderner Technik

[EG, 26.06.2018] „Ich bin bei Maggie, wo denn sonst?“  Diese Aussage von Möchtegern-IT-Girl Susi umreißt bereits präzise, wo man zu sein hat, wenn man nicht OUT sein will sondern IN: Im topschicken Mode- und Friseursalon von Maggie.

Maggie (Leyla Hamaloglu, mit perfekten Locken), die ihren Laden mit herrischer Lässigkeit schmeißt, hat nicht nur die trendigsten Styles auf Lager, sondern auch zu jedem seelischen Tief die passende Frisur.  Und sie besitzt eine Zauberwaffe: Strähnchen.

Weil in diesem Stück (nach dem Bühnenspiel „Handy- Stories“ von Hans Zimmer) alles mindestens doppeldeutig ist, so erkennt der Zuschauer eventuell erst beim zweiten Auftritt: Strähnchen sind bunt, aber „Strähnchen“ ist auch schrill, denn der angestellte Friseur Nick (Maritta Singer) trägt nicht nur einen Drei-Tage-Bart und eine grauenhafte Jacke aus Leopardenfell, sondern auch diesen mindestens genauso grauenhaften Spitznamen.

Die Theatergruppe des Erasmus-Gymnasiums unter der Leitung von Susanna Rosemann präsentierte ineinander verwobene Handlungsstränge und Menschen, die – auf der Bühne wie im Stück selbst – in die Rolle mindestens einer anderen Person schlüpfen. Freche, oft hintersinnige Sprüche, Wortwitz und die immerwährende Präsenz des unentbehrlichen Handys, prägen dieses rasante Stück, das in kurze Einzelszenen aufgeteilt war.  Effektvolle Licht- und Toneffekte setzten die engagierten Schauspieler gekonnt in Szene.

Lisa (Lisa Brandel) erzählt (rechter Bühnenteil) Strähnchen von dem neuen Mädchen in der Klasse: „Total uncool“. Zur Überraschung aller Mitschüler interessiert sich der Star der Klasse (Timo Salfetter) für sie: (linker Bühnenteil) Er geht auf sie zu, er führt sie aus, er sieht ihr Handy, ein „hässliches, uraltes Teil“ und flüchtet schockiert:  „Mit so einer will ich nichts zu tun haben!“ Die Szene links verschwindet, und Lisa gesteht völlig geschlagen: „Dieses Mädchen war ICH!“

Die beiden Freundinnen Tilly (Lina Wu)und Lilly (Alexia Frescher), total vertieft in ihr Gespräch am Handy, realisieren reichlich spät, dass sie im gleichen Laden stehen: „Wow, Du siehst voll wie live und in echt aus- DU BIST ES JA WIRKLICH!!“

Auch reichlich zickenfies geht es zu: Susi (Katharina Schmid), Laura(Sara Böller) und Lilly träumen im höchsten Himmel davon, ein Handy zu sein: „Wenn ICH ein Handy wäre, dann wäre ich ein „Xperia XZ2“….Als sich auch die kleine Tilly in die Schwärmereien einklinkt, fallen die anderen aus allen Wolken: „Duuuuu? Hast Du überhaupt eines??“

Später kommt sie heulend angelaufen und jammert: „Er hat Schluss gemacht“. Da fragen sie nur verwundert: „Hattest Du überhaupt einen?“

Tinka (Katharina Schmid) hat ihr Handy verloren, und wir alle wissen, was das bedeutet: „Ausgestoßen aus der menschlichen Gesellschaft“ zu sein. Schließlich bekommt  sie aber den heißen Tipp, dass Marco aus der neunten Klasse eines gefunden hat. Um ihn zu treffen, gibt es nur drei Orte, die in Frage kommen: Im Bus, auf dem Schulhof oder im Pub. Als sie ihn endlich ausfindig macht, muss sie enttäuscht feststellen, dass es nicht ihr Handy ist. Allerdings er findet sie umwerfend…

Zwischen den Szenen will uns „Handy-Boy“ (Jonathan Rösel) äußerst überzeugend wieder und wieder verklickern, dass ohne Instagram, Snapchat und Twitter gar nichts läuft. Bei der achten Wiederholung seines Spruches wird er zur Erleichterung des Publikums resolut von Maggie aus dem Laden geworfen: „Es reicht, wir ham´s kapiert!“

Auch die selbstbewusste Chefin lässt uns ein wenig in ihr Gemüts- und früheres Leben blicken: Damals, als sie sich noch Melanie nannte, von einer Therapeutin (Lisa Brandel) gefragt, ob sie außer am Handy hängen, chatten und Apps runterladen denn keine Hobbies habe, antwortet sie: „Doch, ich hab mal Hockey gespielt. Bin aber rausgeflogen. War im Tor. Hab gechattet.“ „Im Tor?“ „Ja“. „Und hast Du denn einen Freund?“ „Glaub schon.“ „Du glaubst schon? Heißt das Ja oder nein?“ „Ja…. Das Handy ist doch mein Freund“.

Nina (überzeugend gespielt von Felicitas Groth) flüchtet in den Friseursalon: Sie konnte aus Geldmangel eine hohe Rechnung für Flirt-SMS nicht bezahlen, was ihre Eltern mit einem „Sieh zu, wie Du klar kommst!“ quittierten.

Nun sind ihr zwei ungemütliche Typen eines Inkasso-Unternehmens auf den Fersen: „Wir werden nicht zum Kaffetrinken vorbeikommen. Zahlen- und wir sind alle Freunde!“

Zu allem Überfluss hat sie sich in ihren „total süßen“ Chat-Partner Ricky/ Frankie/ Knut / Viktoria Eckroth verliebt, auf den sie „ganz zufällig“ hier in Maggies Salon trifft- ohne natürlich zu wissen, wer da leibhaftig vor ihr steht. Jener hat sich – „total unprofessionell“ – voll verknallt … in eine Kundin. Als er -Ricky bzw. Frankie bzw. Knut – daraufhin nur noch mit dieser chatten konnte, war es „Aus – vorbei – Rauswurf“.

Nach und nach, durch ein Dickicht von sprachlichen Umwegen hindurch, erkennen sie im jeweils anderen den heiß geliebten Chat-Partner wieder.

Als wären hier nicht schon genug Zutaten für ein gelungenes Schulspielstück eingearbeitet, gab es zwischendrin noch ein musikalisches Zuckerl: Eine glockenreine, starverdächtige Stimme begleitet nur von einer E-Gitarre brachte den passenden Song: „Hey Du da, ich weiß es genau, Du bist es, die Frau, ich erkenn Dich schon am Klingelton…“ (Christine Uhle, Florian Häusler, Ronja Bergler, Norah Csanadi und Franziska Scharf).

Kurzweilig, bunt, witzig, auch mit kleineren Pannen, durchaus nachdenklich stimmend werden allerlei Probleme und Problemchen serviert, mit denen junge wie nicht mehr so junge Leute durch den Segen oder Fluch der modernen Technik konfrontiert sind. Am Ende bedankten sich die Schauspieler bei ihrer Leiterin Susanna Rosemann für die Geduld und ihr Engagement mit einem großen Strauß Rosen, und auch die Entschuldigung kam nicht zu kurz, dass man manches Mal, anstatt zu proben, wie könnte es anders sein, am Handy hing…

Christine Kleinert, Spielleiterin am GMG

 

 

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Schultheatertage 2018

FXvS-RS: „Das verkaufte Lachen“

Wer zuletzt lacht …

[FXvS-RS, 07.06.2018] Zu lachen gab es viel bei der Aufführung von „Lach, die Wette gilt“ an der Franz-Xaver-von-Schönwerth-Realschule am Donnerstagabend. Doch die Schultheatergruppe „Theaterfieber“ schaffte noch viel mehr, als ihr Publikum zu amüsieren. Sie berührte mit ihrem Spiel, sie überraschte und verzauberte die Zuschauer mit einem Feuerwerk an Schauspielkunst und Spielfreude.

Angelehnt an die Geschichte „Timm Thaler oder das verkaufte Lachen“ von James Krüss erfreut in diesem Stück Tina Thaler (absolut grandios gespielt von Johanna Meiler) ihr Umfeld mit ihrem mitreißenden Lachen. Ob auf dem Klassenfoto oder im Kinosaal – keiner kann sich ihrer fröhlichen Art entziehen. So wird auch die teuflische Baronin Lefuet (herrlich durchtrieben und tyrannisch dargestellt von Emilia Krieg) auf das Mädchen aufmerksam – und schlägt ihr jenen verhängnisvollen Tausch vor: Ihr Lachen gegen die Fähigkeit, von nun an jede Wette zu gewinnen. Gutgläubig willigt Tina ein. Doch obgleich sie von nun an tatsächlich jede noch so absurde Wette gewinnt und bald schier in Geld schwimmt, hat sie mit ihrem Lachen zugleich auch ihre Lebensfreude verloren.

Ebenso beeindruckend wie die klar und begeistert gespielte Handlung war das Setting der einzelnen Szenen. Die hochkonzentrierten Schauspieler (unter anderem Katharina Lautenschlager, Annika Hagen, Daniela Zorn, Jasmin Fischer und Leonie Ziebert) schlüpften dabei mühelos von einer Rolle in die andere: Sie kicherten auf dem Klassenfoto, johlten auf der Rennbahn, futterten Popcorn im Kino und mimten fordernde Hotelgäste. Dabei entstanden auf der Bühne beinahe wie von selbst die eindrucksvollsten Bilder und starke Stimmungen, umrahmt von rockiger bis melancholischer Musik. Und selbst die Beleuchtung spielte eine eigene Rolle – wie zum Beispiel das düstere Rotlicht, das jeden von Baronin Lefuets Auftritten einleuchtete.

Am Ende gewinnt – wie schön – das Gute, und sogar ihre eifrigen Helfer (Nisa Apaydin, Fabian Höcherl, Annika Hierreth, Ceren Göz, Sophie Saval, Chiara v. Wichtingen und Lena Hummel) wenden sich von der Baronin ab. Angefeuert von ihren treuen Freunden (Jessica Ril und Ines Tischner) spielt Tina schließlich ihren großen Trumpf aus und wettet sich ihr Lachen zurück. Und wer zuletzt lacht…

Das dürften auf jeden Fall die Schulspielleiterinnen Brigitte Bodensteiner und Katharina Augustin gewesen sein, denn sie hatten – verstärkt durch den begeisterten Applaus – allen Grund, auf ihre tolle Truppe stolz zu sein.

Claudia Ried, Spielleiterin am GMG

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Schultheatertage 2018

GMG: „Der Schöne und das Biest“ (Eigenproduktion)

Zickenterror am GMG

[GMG, 17.05.2018] Wer das Märchen Die Schöne und das Biest kennt, war bei der Aufführung der Mobbits unter der Leitung von Christine Kleinert wahrscheinlich erst mal überrascht. Aber halt – es war ja Der Schöne und Das Biest Lou, die genau so ist, wie man es sich zeitgemäß vorstellt – gemein, zynisch, ungerecht und immer auf den eigenen Vorteil bedacht (sehr überzeugend gespielt von Jessica Dering). Im Gegensatz dazu symbolisiert Der Schöne Lu (mit viel Spielfreude Lysan Reitemeyer) leider das typische Mobbingopfer. Neu in der Klasse und zufällig und zu seinem Nachteil mit dem fast identischen Spitznamen wie das Biest bestraft, dauert es nicht lange, bis er am eigenen Leib erfährt, was es bedeutet, den Unmut von Lou auf sich zu ziehen. Aber Lou ist nicht alleine, sie wird tatkräftig unterstützt von ihrer Mädchenclique (Michelle Sokolov und Melinda Kohl).

Obwohl Lu von den netten Mädchen der Klasse gewarnt wird (Fadim Yüksel, Amina Hajri, Toreen Rofi), macht ihm Lou bald das Leben zur Hölle. Diese hingegen, die selbst ihre Freundinnen schlecht behandelt, hat ihrerseits ganz andere Probleme, einen karrierebedachten Vater (Silvan Rupp) und eine stylische, aber auch sehr an Statussymbolen interessierte Mutter (Marleen Kollbrand), der die Größe ihres begehbaren Kleiderschranks wahrscheinlich wichtiger ist als das Wohl ihrer Tochter. Doch keiner kennt das wahre Ich von Lou.

Aber je schlechter sie Lu behandelt, ihn in Lebensgefahr bringt und in der Schule bloßstellt, umso mehr rücken ihre Mitschüler zusammen und beschließen, dass sie etwas ändern müssen. Ausschlaggebend ist die Beichte von Lous Freundin Lissi. Diese gibt zu, auf Lous Drängen gemeinsam mit ihr Ladendiebstahl begangen zu haben. Aus Angst, die Verkäuferin (Amelie Kny) könnte sie anzeigen, wenden sich die Schülerinnen schließlich an ihre Lehrerin (Emma Lederer), und schließlich kommt auch Lous Angst, mit ihren Eltern wieder umziehen zu müssen, ans Licht:  Lu ist derjenige, der sie im Wald findet, nachdem sie sich den Kopf angeschlagen hat. Während ihrer Ohnmacht hat sie sich selbst als nette und mitfühlende Prinzessin gesehen und Lu als den sie und das gesamte Königreich rettenden Prinzen. Lu, der allen Grund hätte, Lou seinerseits schlecht zu behandeln, kümmert sich um sie und berichtet den anderen von Lous Problemen. Die Lehrerin erkennt, dass Lou nicht bloßgestellt werden darf und schlägt ein gemeinsames Projekt aller Schüler vor – als Voraussetzung dafür, dass Lou nicht angezeigt wird. Sowohl Lou als auch die Verkäuferin lassen sich darauf ein, und die Tanzaufführung wird ein voller Erfolg.

Das Ende des Stücks bleibt offen, aber Lu, der in der Schlussszene den Arm um Lou legt, zeigt, dass der Plan der Lehrerin aufgegangen ist und es wohl ein Happy End gibt.

Der Schöne und das Biest, eine Eigenproduktion der Mobbits gemeinsam mit ihrer Spielleiterin Christine Kleinert, greift viele aktuelle Themen aus der Lebenswelt der Schüler auf – Mobbing, Diebstahl, Probleme mit den Eltern und in der Schule. Diese Schülernähe erkennt man, die Darsteller haben mit viel Freunde und Elan IHR Stück auf die Bühne gebracht und mit ihrer motivierten Spielweise auch kleine Texthänger gekonnt überspielt. Unterstützt wurden sie dabei vom Technik-Team des GMG. Und die Botschaft war klar erkennbar: nicht Aussehen oder Status sind wichtig, sondern der Zusammenhalt der Schüler.

Bianca Rauchenberger und Nina Kohl, Spielleiterinnen am MRG

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Schultheatertage 2018