Archiv der Kategorie: Schultheatertage 2018

GMG: „Der Schöne und das Biest“ (Eigenproduktion)

Zickenterror am GMG

[GMG, 17.05.2018] Wer das Märchen Die Schöne und das Biest kennt, war bei der Aufführung der Mobbits unter der Leitung von Christine Kleinert wahrscheinlich erst mal überrascht. Aber halt – es war ja Der Schöne und Das Biest Lou, die genau so ist, wie man es sich zeitgemäß vorstellt – gemein, zynisch, ungerecht und immer auf den eigenen Vorteil bedacht (sehr überzeugend gespielt von Jessica Dering). Im Gegensatz dazu symbolisiert Der Schöne Lu (mit viel Spielfreude Lysan Reitemeyer) leider das typische Mobbingopfer. Neu in der Klasse und zufällig und zu seinem Nachteil mit dem fast identischen Spitznamen wie das Biest bestraft, dauert es nicht lange, bis er am eigenen Leib erfährt, was es bedeutet, den Unmut von Lou auf sich zu ziehen. Aber Lou ist nicht alleine, sie wird tatkräftig unterstützt von ihrer Mädchenclique (Michelle Sokolov und Melinda Kohl).

Obwohl Lu von den netten Mädchen der Klasse gewarnt wird (Fadim Yüksel, Amina Hajri, Toreen Rofi), macht ihm Lou bald das Leben zur Hölle. Diese hingegen, die selbst ihre Freundinnen schlecht behandelt, hat ihrerseits ganz andere Probleme, einen karrierebedachten Vater (Silvan Rupp) und eine stylische, aber auch sehr an Statussymbolen interessierte Mutter (Marleen Kollbrand), der die Größe ihres begehbaren Kleiderschranks wahrscheinlich wichtiger ist als das Wohl ihrer Tochter. Doch keiner kennt das wahre Ich von Lou.

Aber je schlechter sie Lu behandelt, ihn in Lebensgefahr bringt und in der Schule bloßstellt, umso mehr rücken ihre Mitschüler zusammen und beschließen, dass sie etwas ändern müssen. Ausschlaggebend ist die Beichte von Lous Freundin Lissi. Diese gibt zu, auf Lous Drängen gemeinsam mit ihr Ladendiebstahl begangen zu haben. Aus Angst, die Verkäuferin (Amelie Kny) könnte sie anzeigen, wenden sich die Schülerinnen schließlich an ihre Lehrerin (Emma Lederer), und schließlich kommt auch Lous Angst, mit ihren Eltern wieder umziehen zu müssen, ans Licht:  Lu ist derjenige, der sie im Wald findet, nachdem sie sich den Kopf angeschlagen hat. Während ihrer Ohnmacht hat sie sich selbst als nette und mitfühlende Prinzessin gesehen und Lu als den sie und das gesamte Königreich rettenden Prinzen. Lu, der allen Grund hätte, Lou seinerseits schlecht zu behandeln, kümmert sich um sie und berichtet den anderen von Lous Problemen. Die Lehrerin erkennt, dass Lou nicht bloßgestellt werden darf und schlägt ein gemeinsames Projekt aller Schüler vor – als Voraussetzung dafür, dass Lou nicht angezeigt wird. Sowohl Lou als auch die Verkäuferin lassen sich darauf ein, und die Tanzaufführung wird ein voller Erfolg.

Das Ende des Stücks bleibt offen, aber Lu, der in der Schlussszene den Arm um Lou legt, zeigt, dass der Plan der Lehrerin aufgegangen ist und es wohl ein Happy End gibt.

Der Schöne und das Biest, eine Eigenproduktion der Mobbits gemeinsam mit ihrer Spielleiterin Christine Kleinert, greift viele aktuelle Themen aus der Lebenswelt der Schüler auf – Mobbing, Diebstahl, Probleme mit den Eltern und in der Schule. Diese Schülernähe erkennt man, die Darsteller haben mit viel Freunde und Elan IHR Stück auf die Bühne gebracht und mit ihrer motivierten Spielweise auch kleine Texthänger gekonnt überspielt. Unterstützt wurden sie dabei vom Technik-Team des GMG. Und die Botschaft war klar erkennbar: nicht Aussehen oder Status sind wichtig, sondern der Zusammenhalt der Schüler.

Bianca Rauchenberger und Nina Kohl, Spielleiterinnen am MRG

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GMG (ehem.): „Du hast die Wahl“

Obstsalat auf der politischen Baustelle

[ehem. GMG, 28.04.2018] „Du hast die Wahl“ war der Titel einer gesellschaftskritischen Eigenproduktion der Amberger Jugend- Theatergruppe „Obstsalat“, bestehend aus ehemaligen Schülerinnen und Schülern des Gregor-Mendel-Gymnasiums, die nach wie vor begeistert einmal im Jahr ihrer gemeinsamen Leidenschaft nachgehen und dafür vollen Einsatz zeigen.  Einer von ihnen,  Jonathan Grothaus, welcher das „stille Wasser“ Richard eindringlich verkörperte, kam sogar extra aus Spanien angereist.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAufführungsort war der Club La Vida, ehemals Habana, Schauplatz war ein zweistöckiges Baugerüst, welches die „politische Baustelle“ der Wahlverdrossenheit eindrucksvoll in Szene setzte. Dreizehn zufällig ausgeloste Personen – quer durch die Bevölkerungsschichten – hatten die Aufgabe, in einer Art „Big Brother“-Situation die Beantwortung der Frage: „Wie können wir die Wahl für die Menschen wieder attraktiver gestalten?“ ein Wochenende lang konstruktiv zu bearbeiten. Als der Leiter der illustren Runde, Michael (Johanna Mehringer) schon bei der Vorstellungsrunde auf starken Widerstand stieß, konnte man erahnen, dass es noch zu so mancherlei Kontroversen unter den unfreiwilligen, sehr unterschiedlichen Teilnehmern kommen würde. Da wurde zunächst die strickende Hannelore (originell, Lena Härteis), die schon seit 40 Jahren die CSU wählt, mit der jungen, übermotivierten Annabelle (mitreißend dargestellt von Meike Pfeiffer) konfrontiert, die sich für eine Herabsetzung des Wahlalters stark machte und auch gleich noch ein Wahlrecht für Kinder einforderte. Damit konnte sie zumindest bei der alleinerziehenden Tessa (Sarah Hepp) punkten.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAGreenpeace-Mitglied Lucy (Antonia Schmidt mit typischem Öko-Touch) ging sogar noch einen Riesenschritt weiter und forderte ein Wahlrecht für des Menschen besten Freund, den Hund, ein. Nicht nur für den smarten und selbstgefälligen „BWLer“ Clemens (sehr spritzig wiedergegeben von David Pickel) war das aber eindeutig zu viel. Auch für die Lehrerin Gabriele Streit (sehr ausdrucksstark von Anna Liri-Shalsi), die ab dem Augenblick des Betretens der Bühne ihrem Namen alle Ehre machte und entschieden für eine härtere Gangart plädierte. Wer sich nicht an die Regeln hält und von seinem Wahlrecht keinen Gebrauch macht, sollte bestraft werden. „Oder sollte man lieber diejenigen belohnen, die wählen? Mit einem Kinogutschein etwa?“, überlegte Ex-Knasti Jessica (herrlich abgebrüht, Alexandra Jehlicka). Dazu konnte die taffe Bloggerin Freya alias Franziska Neuser, nur abfällig das Näschen rümpfen.  Für sie war klar: „Big Brother is watching you, immer und überall!“ Und schuld an allem Übel waren ihrer Meinung nach  die Freimaurer, Lobbyisten und Firmenchefs. Außerdem regte sie einen  IQ-Test für alle Wähler an, um zu verhindern, dass Idioten zur Wahl gehen dürfen.  Und eine Altersbeschränkung, dann wären die lästigen Rentendiskussionen auch gleich aus der Welt geschafft. Das war dem mit Adiletten beschuhten und mit Trainingshose, Bierflasche und Zigaretten ausgestatteten Günther (fantastisch prollig gespielt von Constanze Gierl) zu hoch. Zielsicher brachte er das Publikum mit seinen flachen Sprüchen immer wieder zum Schmunzeln. Darin stand ihm der coole Murat, ausdrucksstark verkörpert von Barbara Winkler, in nichts nach und gemeinsam mit der großflächig tätowierten Ex-Knasti  Jessica  bedienten sie die gängigen Klischees von Arbeitssuchenden, Jugendlichen mit Migrationshintergrund und  Vorbestraften perfekt.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAIm Kontrast dazu mischten sich Hausmütterchen Heidi (sympathisch, Martina Mikuta) und die stets vermittelnde und mit einem Rosenkranz ausgerüstete Gemeindereferentin Petra (Katharina Waal) ins Geschehen ein. Aber zusammen beten und meditieren war auch keine Lösung: ein Ergebnis musste her! Sehr innovativ stellte die gesamte Truppe schließlich den Ideenfindungsprozess in Form einer ideenausspuckenden Maschine dar, inklusive Geräuschen und Bewegungen. Doch als der leicht überforderte Coach am Ende das Resultat einholen wollte, ergoss sich eine wahre Flut von 13 unterschiedlichen Monologen über ihn. Chaos! Allein der bis dahin verschwiegene Richard brachte es fertig, sich Gehör zu verschaffen und schärfte seinen Mitstreitern als oberstes Gebot der Demokratie ein, einander zuzuhören, andere wertzuschätzen und andere Meinungen zu akzeptieren. Dadurch aufgerüttelt schaffte es schließlich dieser Mix von Menschen aus den verschiedensten Lebensrealitäten, sich auf gemeinsame Änderungsvorschläge für zukünftige Wahlen zu einigen.

_web_01_Obstsalat-3078Doch sie konnten damit in Berlin nicht punkten, ihre Impulse wurden einfach abgeschmettert, das ganze Projekt abgeblasen. Das erregte nun endgültig den Unmut aller Beteiligten, allen voran ergriff der scheinbar doch nicht so einfältige Günther lauthals die Initiative und so kam die Idee auf, eine neue Partei zu gründen und das, mit dreizehn zufällig zusammen gewürfelten, an Politik überwiegend nur am Rande interessierten Personen. Letztendlich doch ein starkes Ergebnis der Aktion, welches auch in der eingespielten Radio-Meldung am Ende zu hören war, nämlich, dass zwei ihrer Forderungen in Berlin umgesetzt werden….mit viel Engagement, Esprit und Witz und nicht zuletzt mit vielen absolut passenden Queen-Musikeinlagen gelang es der erfahrenen Theatergruppe und ihrer engagierten Leiterin, Claudia Ried,  ein wichtiges und ernstes Thema humorvoll und kurzweilig auf die Bühne zu bringen.

 Susanna Rosemann, Spielleiterin/EG

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MRG: „Der Besuch der alten Dame“

[MRG, 19.04.2018] Einmal reich sein. Davon träumen viele Menschen. So auch die Bürger der Stadt Güllen. Früher ist alles besser gewesen, darüber sind sich die Stadtbewohner (überzeugend: Samara Stapler, Nina Ringer, Nadja Rein und Paula Keppler) einig. Mittlerweile ist der Pfändungsbeamte (authentisch gespielt: Greta Reber) ein unbeliebter Dauergast in dem verarmten Nest. Hoffnung geweckt wird durch die Ankündigung des Besuchs der Milliardärin Claire Zachanassian (überragend und brillant gespielt von Julia Wenkmann), einer ehemaligen Bürgerin. Nicht nur die Stadtbürger, sondern auch der Bürgermeister (hervorragend: Lea Eckert), die Lehrerin (mitreißend dargestellt von Jana Zinnbauer), der Pfarrer (lebendig: Alexandra Schwarz) und ihr ehemaliger Geliebter Alfred Ill (ausdrucksstark: Silas Klemm) planen eifrig einen angemessenen Empfang. Helle Aufregung macht sich breit, als der Schnellzug außerplanmäßig in der Stadt hält. Schon bald jedoch schlägt die mit dem Aufenthalt verbundene Hoffnung in Verwunderung über das merkwürdige Verhalten der Milliardärin um. Nach dem Motto „Geld regiert die Welt“ tritt sie als männerverbrauchende, machthungrige und rachsüchtige Schicksalsgöttin auf. Zum Erstaunen aller hat sie nicht nur einen mit Geld um sich werfenden Butler (überzeugend: Lia-Maline Müller), sondern auch, wie es alltäglich ist, einen Sarg im Gepäck.

Ja, durch Alfred Ills Hilfe soll alles in Güllen besser werden, denn in ihm ruht die Hoffnung darauf, dass die Milliardärin den Glanz der guten alten Zeit in die Stadt zurückbringt. Hat er es doch vor 45 Jahren auch geschafft, sie um den Finger zu wickeln. Doch das gemeinsame Schwelgen Claires und Alfreds in Erinnerungen schlägt bald um. Freut sich Alfred noch über das versprochene Geld, wird er bald von seiner Vergangenheit eingeholt. Die junge Claire ist damals von ihrer Jugendliebe Alfred Ill schwanger geworden, jedoch hat dieser vor Gericht die Vaterschaft verleugnet. Gedemütigt und verarmt hat die Frau daraufhin Güllen verlassen und ihr Glück in der großen, weiten Welt gesucht. Claire ist nun durchaus bereit, ihrer Heimatstadt mit einer Milliarde unter die Arme zu greifen mit der Absicht, sich damit Gerechtigkeit zu erkaufen. Doch stellt sie eine unmoralische Bedingung: Die Stadt erhält das Geld nur, wenn jemand Alfred Ill tötet. Die Bürger reagieren, wie man es erwartet, zunächst mit großer Empörung. Jedoch zeigt sich, dass die Güllener nach und nach von dem verlockenden Reichtum verführt werden und Verständnis für Zachanassians Plan zeigen. Nicht nur die Polizistin kauft sich blaue Schuhe (ausdrucksstark: Hanna Schallmeier), der Pfarrer investiert in eine neue Kirchenglocke und Ills Frau (überzeugend: Laura Taller) modernisiert den Krämerladen. Nun scheint all dies auf Kredit möglich zu sein. Jeder möchte von dem Kuchen ein Stück abhaben, aber niemand möchte sich seine Finger schmutzig machen und den dafür notwendigen Mord begehen. Es folgt eine verdeckte Hetzjagd, symbolisiert durch anonymisierende weiße Masken, auf den misstrauischen Ill, der bei jedem Anzeichen des Wohlstandes den nahenden Tod spürt und die Hoffnung auf Rettung schließlich aufgibt. Selbst die Presse (gekonnt: Maximilian Maier) zeigt Interesse für die merkwürdigen Geschehnisse in dieser verkommenen Stadt. Verurteilt bei einer Bürgerversammlung, stirbt Alfred Ill. War es ein Gemeinschaftsmord oder war der Herzstillstand eine Folge des Stresses? Die Interpretation ist dem Zuschauer selbst überlassen.

Der Theatergruppe des Max-Reger-Gymnasium unter der Leitung von Bianca Rauchenberger und Nina Kohl gelang mit ihrem wunderbaren und flott gespielten Stück, bei dem die Mitwirkenden offensichtlich große Spielfreude und Engagement zeigten, eine moderne Umsetzung von Friedrich Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“. Die dargestellte Thematik, welche Macht das Geld über die Gesellschaft und den einzelnen Menschen hat, ist nach wie vor aktuell und regt den Zuschauer zum Nachdenken an. Die Schauspieler, tatkräftig unterstützt durch die Regieassistentin Magdalena Probst und die Techniker Katharina Wenkmann und Johannes Trummer, verkörperten ihre Rollen überzeugend und wuchsen über sich hinaus.

Katharina Augustin und Brigitte Bodensteiner, Spielleiterinnen/FXvS-RS

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EG: „Die Atriden, Iphigenie und ich“

Freie Interpretation nach einem Bühnenstück von Helga Eham

Heut gibt’s a Rehragout

[EG, 18.04.2018] Einen Blitzkurs in griechischer Mythologie präsentierte das Oberstufentheater des Erasmus-Gymnasiums seinem gespannten Publikum am Mittwochabend. In „Die Atriden, Iphigenie und ich“ führten die zehn jungen Schauspieler ausgesprochen kreativ und in flottem Tempo durch die blutige und  turbulente Familiengeschichte der legendären Atriden. Ein manipuliertes Bobbycar-Rennen, ein Hauch Kannibalismus und eine wilde Zeche im griechischen Biergarten – da blieb dem Publikum kaum Zeit zum Atemholen, dafür aber umso mehr Gelegenheit zum Schmunzeln.

So sorgten der sächselnde Agamemnon (wundervoll glaubwürdig: Johannes Fischer v. Weikersthal) und sein königlicher Bruder Menelaos (Urbayer Michael Meckl) für viele Lacher, ehe sie – unterstützt vom externen Ziehharmonikaspieler Sebastian Eck – die Ode „Heut gibt’s a Rehragout“ anstimmten. Nachdem noch einige Missverständnisse mit Jagdgöttin Artemis (Sarah Kopf) geklärt werden mussten, wurde in Windeseile Rache an Paris geübt, Troja zerstört und rasch noch Menelaos Tochter Iphigenie (selbstbewusst und überzeugend gespielt von Diana Seifert) geopfert. Lisa Metz führte die Zuschauer als Erzählerin durch das Stück und schaffte es, einen Überblick über die wirren Verwandtschafts- und Feindschaftsverhältnisse der Atriden zu bewahren und zu vermitteln.

Auch im weiteren Verlauf des Stücks wird nun dem Atridenfluch Rechnung getragen: Menelaos wird im Bade von seiner Frau (Alina Wild) und deren Liebhaber (Mona Trautmann) ermordet, woraufhin Orest den Tod seines Vaters rächt. Da er damit aber den Fluch der Rachegöttinnen auf sich zieht, sucht er Rat beim Orakel in Delphi. Dort wird er von der Vorzimmerdame (Patricia Kölbl) anfangs ziemlich kühl behandelt, obgleich er doch als Adresse „Palaststraße 1 bis inklusive 48“ angibt. Erst der Hinweis, ein Privatpatient zu sein, lässt ihn zum Ehrengast werden und direkt zum Orakel (mitreißend neurotisch: Lea Forster) vorstoßen. Deren Ratschläge sind zwar eher wirr und von manischem Lachen untermalt, doch Orest schafft es dennoch, die ihm gestellte Aufgabe zu erfüllen – und gleichzeitig seine langvermisste Schwester Iphigenie auf Tauris wiederzutreffen. Zwar sind nicht alle Wächter (Antonia Nickel) auf Fortbildung, aber dennoch darf das Stück mit einer gelungenen Flucht auf dem Segelboot enden.

Kurz, aber ganz besonders kurzweilig war diese Inszenierung frei nach einem Stück von Helga Eham, die Schulspielleiterin Dr. Veronika Schweighart mit ihrer Truppe und der Unterstützung von Christina Schleicher auf die Beine stellte. Überraschende und ausdrucksstarke Elemente wie ein pantomimischer Tanz, Maskenspiele und die wohlplatzierte Musik rundeten die Vorstellung ab. Der Applaus war daher lange und wohlverdient.

Claudia Ried, Spielleiterin/GMG

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GMG: „Räuber. Schiller für uns.“

Schiller lebt. Erfrischend moderne Aufführung von Schillers „Die Räuber“ im GMG

[GMG, 17.04.2018] Der Theatergruppe der Oberstufe des Gregor-Mendel-Gymnasiums unter der Leitung von Christoph Schulz gelang es  in bravouröser Weise, ein Werk von Friedrich von Schiller wieder lebendig werden zu lassen, in die heutige Zeit zu transportieren und in einer temporeichen und furiosen Umsetzung dem begeisterten Publikum die Essenz des klassischen Stoffes auf sehr unterhaltsame Art  greifbar zu machen. Modern und weiblich, so die Adaption des Klassikers „Die Räuber“. Schillers Räuberhauptmann Karl Moor mutiert zur charismatischen Charlotte Moor (einfach überragend: Isabella Graf). Und Franz, Bruder von Karl, wird in der modernen Version zur eifersüchtigen und missgünstigen Schwester Franziska (sehr überzeugend und präsent verkörpert von Valeria Lagutina). Schillers treue Amalia verwandelt sich zum köstlich verklemmt und schüchtern wirkenden Volker (Leon Rohrwild), der  Ex-Freund von Charlotte, der immer noch an ihr hängt, aber an dem Franziska Gefallen gefunden hat, so dass er mehrere Avancen ihrerseits erdulden  und sich ihrer erwehren muss.

In Marlene Skalas Bearbeitung werden die männlichen Originalvorlagen zwar durch weibliche  zeitgenössische Rebellen ersetzt, hinsichtlich Gewaltbereitschaft, krimineller Energie und Idealismus stehen sie ihren literarischen Brüdern in nichts nach. Mit ihrer Bande hat sich Charlotte in einer alten Fabrikhalle eingenistet. Zur Mädchengang gehören die Materialistin Spiegel (toll und eindringlich: Tamara Lindner), die verkrachte Schauspielerin Nelly (einfach grandios: Judith Bäßler), die das Geschehen mit Original-Schillerzitaten begleitet und würzt, die Feministin Waltraud (stark: Valeria Maas), die fanatische Fundamentalistin Grimm (sehr ausdrucksstark: Johanna Lucks bzw. Clarissa Cizek in der Filmeinspielung), die frustrierte Sozialarbeiterin Alice (gekonnt: Jennifer Bektimirov), die Kleinkriminelle und Jüngste in der Bande Sam (überzeugend: Aurelia Ziegler) sowie die total durchgeknallte Computerspezialistin E.T., die von Carolin Spieß sehr authentisch und eindrucksvoll verkörpert wurde.

Auch die Nebenrollen waren stark besetzt. Lea Braun spielte Ruth, die Freundin von Franziska und Charlotte, Dorothea Niller die Kommissarin und Peter Netta mimte in seinen Rollen den Polizisten, einen GSG9-Beamten und eines der Monster.

Die Handlung der Stücks folgte im Wesentlichen dem Original. Lotte, die ihr Ausbrechen aus der bürgerlichen Gesellschaft mittlerweile bedauert und die Bande eigentlich verlassen will, wird von ihrer eifersüchtigen und intriganten Schwester Franziska, die sich um Charlottes Freund „kümmert“, an einer Rückkehr durch gefälschte Briefe an ihren Vater Maximilian Moor (in seiner Eigensüchtigkeit überzeugend dargestellt von Johannes Altmann) gehindert. Daraufhin schwört Charlotte endgültig ihren familiären Bindungen ab und wendet sich ganz dem illegalen Leben mit ihren dubiosen und in ihren Einstellungen recht fragwürdigen Bandenmitgliedern am Rande der Gesellschaft zu. So unterschiedlich die jungen Leute um Charlotte allerdings sind, so unterschiedlich sind auch ihre Beweggründe, sich in dieser Bande zusammen zu schließen, was schon bald zu existentiellen Interessenskonflikten führt und die Gruppe in eine ausweglose Situation bringt. Gerade hier prallen die Charaktere aufeinander – und das alles kommentiert von der Schauspielerin Nelly, die stets ein Reclam-Heft mit sich herumschleppt und auf Schritt und Tritt Schillers Sprachschätze gekonnt rezitiert. Als Charlotte die Gruppe verlassen will, fühlen sich alle im Stich gelassen. Ein gemeinsamer Coup, dem die Guten nur zustimmen, weil sie sich ausmalen, was sie mit dem Geld alles tun können, soll die Bande zusammenhalten. Doch die Situation eskaliert, und im Räuberlager entbrennt ein Machtkampf zwischen Geldgier, Gewalt und falsch verstandenem Heldentum.

Schiller, würde er heute noch leben, wäre am Ende sicherlich begeistert gewesen, und alle, denen der Zugang zu klassischen Stücken bisher fehlte, waren es mit Sicherheit auch.

Das äußerst anspruchsvolle und eigentlich recht textlastige Stück wurde mit einer unglaublichen Spielfreude umgesetzt und einem begeisterten Publikum präsentiert, das sich zum Schluss mit viel Applaus für diesen kurzweiligen Abend bedankte.

Winfried Sima, Spielleiter FOS/BOS

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DJDG: „Mord auf Tele 1“

Mord auf Tele 1 – pointenreicher „Whodunit“ am DJD-Gymnasium

[DJDG, 14.03.2018] Sie denken, Ihr Chef hätte wirklich einige unangenehmen Seiten? Dann haben Sie Harry Hagen noch nicht kennengelernt. Wenn der Programmleiter des qualitätsfreien Privatsenders Tele 1 die 10-Uhr-Konferenz leitet, vergeht keine Minute ohne fiese Tiefschläge, anzügliche Kommentare und widerliche Bösartigkeiten jeder Art. Seine vernichtenden Bemerkungen bekommt nicht nur die Praktikantin ab (Sybille Krestel versteckt hinter der oberflächlichen Knopf-im-Ohr-Jugendlichen geschickt das später enthüllte ernste Anliegen der Figur). Die Redakteurin (durch und durch die professionelle Journalistin: Julia Bäuml) oder die Nachrichtenmoderatorin, aber auch die beiden Reporter werden allesamt Zielscheibe des grenzenlosen Spotts eines echten Ekels.

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Harry Hagen spießt Schwächen seiner Mitarbeiter gnadenlos auf.

Zwei wunderbare Videoeinspielungen zeigen uns dabei, dass Harry Hagen durchaus Grund zur Kritik hat – man lässt im Sportfernsehen den Trainer nicht fünf Minuten ungeschnitten existentialistische Philosophie zum Besten geben (herrlich beredt: Sarah Dimpfl als durchgeistigte Sartre-Epigonin; später als Notärztin ganz professionell). Und wer auch im siebten Anlauf „Tadschikistan“ nicht über die Lippen bringt, ist vor dem Teleprompter fehl am Platz (Theresa Flierl ganz stark als ebenso schickes wie grenzenlos naives TV-Dummchen).

Lena Gimpl gestaltet den fiesen Harry, der alles der heiligen Quote unterordnet, sehr schön – in den wenigen Minuten, die ihr auf der Bühne beschieden sind. Denn schon in der ersten Szene stirbt Harry Hagen – für den Giftmord gibt es jede Menge Motive und alle werden zu Verdächtigen.

elu-F46T0268Aber bevor die Kommissarin die Ermittlungen aufnehmen kann, wird erst der Tote untersucht und weggeschafft – natürlich bei laufender Kamera, denn so ein Mord könnte doch die Quote mal so richtig pushen. Sabrina Wittmann als Gerichtsmedizinerin, Magdalena Neidl als Kriminaltechnikerin und Sophie Wittmann als Sanitäterin sorgen dafür, dass die Leiche auf der Bühne kein Stimmungskiller wird.

Poschmann, der jung-dynamische Reporter, bringt dann die Ermittlungen ins Rollen. Mit den Tricks des Schmuddeljournalismus ist er oft der Polizei ein paar Schritte voraus. Eluisa Uzana, ganz kurzfristig eingesprungen, macht das sehr routiniert. Die grippekranke Erstbesetzung (Annalena Vogel) durften die Zuschauer immerhin in einer der Videoeinspielungen genießen. Der Kontrast ist das Reporter-Urgestein Rudi Hoppe. Johanna Hoffmann zeigt uns sehr überzeugend einen verwirrten Alten, der wohl noch nie auf der Höhe der Zeit war und jetzt vollends zur Lachnummer geworden ist.

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Polizeimeister Schär hat seine Augen überall – auch bei Sprecherin Alina Weber.

Mit dem Auftritt der Polizei erreicht die Kunst des Pointen-Servierens ihren Höhepunkt. In vielen kleinen Szenen spielen sich Anne Winter als Wachtmeister Schär und Clara Dressler als Kommissarin mit präzisem Timing die Bälle zu: Der Wachtmeister, immer nahe dran am Geschehen und vor allem an den weiblichen Zeugen wie Verdächtigen, nie um eine dumme Bemerkung verlegen und in Sachen Selbstbewusstsein und Ahnungslosigkeit nicht zu schlagen. Und die Kommissarin, superunterkühlt und immer Herrin der Lage, die ihn jedes Mal mit spitzer Zunge wieder in die Spur bringt („Die schicken Damen sind jetzt draußen. Sie müssen den Bauch nicht mehr einziehen.“). Zusammen mit den Damen und Herren vom Sender entsteht so eine dichte Folge komischer Momente.

Damit die Zuschauer in der Vielzahl der Mordmotive nicht den Überblick verlieren, geleitet die Putzfrau des Senders durch das Stück. Laura Brugger brilliert hier mit genial verworrenem italienisch-deutschem Kauderwelsch.

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Polizeimeister Schär und Kriminalkommissarin Christina Martini – Gegensätze ergänzen sich.

Aber wer ist der Mörder? Nein, nicht die Praktikantin, die in Harry Hagen den Vater zu erkennen glaubt, der ihre Mutter sitzen ließ. Nicht der dynamische Reporter, dem Harry die süße (aber doofe) Freundin ausgespannt hat. Nicht die souveräne Journalistin, die von ihm aus der Redaktionsleitung katapultiert wurde. Nicht der alternde Hoppe, dem er kündigte. Und auch nicht die einfach strukturierte Nachrichtenmoderatorin, mit der Harry zwar durchaus ein nicht streng berufliches Verhältnis hatte, der er aber trotzdem ein vernichtendes Arbeitszeugnis schreibt.

So war diese Mordsgeschichte ein sehr vergnüglicher Theaterabend, auch dank der perfekten Lichtregie (Madeleine Höreth). Glückwunsch an die pfiffige Truppe und ihren Spielleiter Peter Ringeisen (der auch als Pressesprecher der Polizei eine richtig gute Figur machte). Die Zuschauer dankten mit viel Applaus.

PS: Die Mörderin war übrigens die Putzfrau. Harry Hagen hatte durch widerliche Berichterstattung erst die Karriere und dann das Leben ihrer Tochter ruiniert. Da allerdings die Beweislage dünn ist und die Redaktion in ungeahnter Einigkeit Zeugenaussagen verweigert, kommt es nicht zu einer Anklage.

Christoph Schulz, Spielleiter GMG

Bilder: Bernd Müller (von der Auftaktveranstaltung im Stadttheater – danke!)

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Schultheatertage 2018: Programm

Die Schultheatertage 2018 haben begonnen.

Das Programm wurde beim traditionellen Pressetermin im Bühnenraum des Amberger Stadttheaters der Öffentlichkeit vorgestellt.

„Von lustig bis blutig“ (Amberger Zeitung vom 29.01.2018)

Und die gemeinsame Auftaktveranstaltung, bei der alle teilnehmenden Gruppen (einen) Ausschnitt(e) aus ihrer Produktion zeigten, fand am 23. Februar 2018 statt

„Flotte Sprüche im Scheinwerferlicht“ (Amberger Zeitung vom 25.02.2018)

„Die Faszination des Theaters spüren“ (Mittelbayerische Zeitung vom 27.02.2018)

Leider steht auch bereits eine Absage fest: Die Aufführung von „Alles ganz normal?“ durch die Theatergruppe der Staatlichen Fachober-/Berufsoberschule muss bedauerlicherweise entfallen.

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