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Total verrückt – absolut sicher!

19.30 Uhr. Mensa des GMG. Im Scheinwerferlicht vergnügt sich Hugo – locker vermittelt von Bastian Prechtl in einer amüsanten Mischung aus Lover Boy und Columbo – auf der Bank einer Nebenbühne mit einer Dame, versteckt sich im letzten Moment noch vor seiner Frau Berta, doch das Techtelmechtel endete leider, bevor es richtig beginnen konnte. Auf dem Heimweg macht der „Möchtegern-Casanova“ Hugo im Trenchcoat noch mehrere Ladys im Publikum an, dazu die Melodie „Bonsoir, bonsoir…“. Dramaturgisch geschickt und erwartungsvoll wird das Publikum so auf die folgende Boulevard-Komödie von H. Pill neugierig gemacht: „Ein total verrückter Plan“ – natürlich mit dem Hauptthema: „Liebe“.

Ehemann Hugo pariert aufs Wort, seine Frau Berta ist fassungslos.Neuer Schauplatz: Hauptbühne, rotes (!) Sofa, Tisch, Stühle, Kästchen, 2 Bilder, CD-Vorhang. Josef Himmel, überzeugend gespielt von Philipp Gierl mit ausdrucksstarker Gestik und Mimik, lebt mit seiner ungeliebten, verwitweten Schwägerin Hedwig zusammen, die ihn mit ihrer „Ordnungsliebe“ – er soll doch öfter mal die Wäsche wechseln – ständig drangsaliert. Er möchte deshalb dieses Mal ohne diese Nervensäge (sehr passend, da kleiner von Wuchs und deshalb typisch im ständigen Befehlston napoleonischen Stils, zickig verkörpert von Elia Diem) in den bevorstehenden Urlaub fahren und hat heimlich eine Annonce für eine weibliche Urlaubsbegleitung aufgegeben. Damit Hedwig freiwillig zu Hause bleibt, soll der alte Freund Andreas einen geistig zurückgebliebenen Arbeitskollegen mimen, der sich ständig daneben benimmt und den Josef angeblich mit auf die Reise nehmen muss. Bei einem gemeinsamen Essen soll der Freund mit seinem seltsamen Benehmen die Schwägerin abschrecken. Zufällig trifft genau zu diesem Zeitpunkt die erste „Annonce“ ein. Da sie 20 Jahre älter als auf ihrem Foto aussieht, soll Andreas sie an Stelle Josefs empfangen und abwimmeln. Doch der Plan geht nicht auf: Andreas verliebt sich unsterblich in diese Isolde – kein Wunder, denn Melitta Diener schafft es auch ohne Zaubertrank (Tristan!) mit ihrer gekonnten Mischung aus überwältigender Redseligkeit, Erotik und vornehmer, dann wieder kecker Zurückhaltung diesen Mann für sich zu gewinnen – oder lässt sie sich etwa von seiner gespielten Hilflosigkeit (Alexander Bollow vermag entwaffnend männliche Plumpheit als raffinierte „Kontaktwaffe“ einzusetzen!) „becircen“? So muss Josef letztlich selbst den Idioten spielen, um diese Lady zunächst zu verjagen.

Gespräch unter Freundinnen; Thema: MännerDer Nachbar und „Möchtegern-Casanova“ hat diese Aktion verfolgt und erpresst Josef mit der Geheimhaltung dieser Geschichte Hedwig gegenüber, um so seine Kasse aufzubessern. Er wird inzwischen verzweifelt von seiner Gemahlin Berta gesucht, die große Probleme mit seinem „Casanova-Charakter“ hat.

Bei dem Schlager „Ich will keine Schokolade…ich will lieber einen Mann“ von Trude Herr wird klar, dass Hedwig in Wirklichkeit ihren Schwager Josef liebt. Der zweite Anlauf, sie als Urlaubsbegleitung auszutricksen, gelingt inzwischen: Andreas vergrault sie beim „Suppendanebenessen“, sie will nicht mehr mit. Als Gegenleistung möchte er von Josef unbedingt die Telefonnummer Isoldes.

Der erneut aufkreuzende Hugo erpresst inzwischen von Josef für sein Schweigen 400 €. Schließlich erkennt die hinzukommende Berta in Andreas ihren früheren Heiratskandidaten. Es wird allmählich kompliziert. Deshalb erfolgt jetzt eine Pause von 15 Minuten.

2. Akt: Wieder der Nebenschauplatz! Isolde stellt sich heraus als Mitglied einer Zeitungsredaktion. Sie soll eine Umfrage über „Beziehungen“ gestalten. Fragen wie z.B. „Wer ist von seinem Chef genervt?“ oder „Warum braucht eine Frau einen Mann?“ (nur wegen der ungünstigen Steuerklasse 1), „Wer hat einen Zwergpinscher?“ – Stichwort „Flirtfaktor Hund“ werden ans Publikum gerichtet. Man wird nachdenklich!

Wieder im Zimmer Josefs: Der wartet im Super-Frack auf seine 2. Annonce. Es ist die verkleidete Schwägerin Hedwig, nun geschminkt und von den Stiefeln bis zu den tollen langen Haaren im Braun-Look. Josef ist hin und weg. Sie kommt ihm bekannt vor, doch kann er sie nicht einordnen. Hedwigs Kommentar: „Bei Männern ist der Verstand nicht ganz so scharf wie die Augen!“

Die hinzukommende Berta (von Kathrin Schröpf stets gekonnt in der Rolle als neugierige, miss-trauische, eifersüchtige, aber auch liebesbedürftige Gattin dargestellt) dagegen erkennt Hedwig sofort und fragt sich, ob dieser Verkleidungstrick auch ihr helfen könnte, dass ihr Hugo seine weiblichen Aktivitäten endlich auf sie konzentrierte. Dieser möchte immer noch den Erpresser spielen, wird aber entlarvt. Es stellt sich heraus, dass er eigentlich immer nur „Verbotenes“ – ein Kindheitstrauma – tun will, aber letztlich seine Berta als „Frau von Format“ doch von ganzem Herzen liebt. Hedwig offenbart inzwischen ihre Identität und Josef, von ihr begeistert, bekennt ebenso seine heimliche Liebe zu ihr – freilich ohne den nervigen Ordnungswahn – Hedwig dachte, er brauche dies. Auch Andreas gesteht Isolde seine Liebe und sie beglückt ihn mit der Frage: „Möchtest du mein Mann werden?“, worauf der ewige Junggeselle schreiend das Weite sucht. So finden (fast) alle drei Paare nach vielfältigem Verwirrspiel endlich zueinander und sind glücklich.

Theatergruppe „Schubskreis“ – ein letztes Mal gemeinsam auf der BühneDies betrifft auch das Publikum! Die sechs Schülerinnen und Schüler boten Unterhaltung vom Feinsten. Absolut sichere Textbeherrschung – dies über eine reine Spielzeit von 105 Minuten! – sowie in jeder Phase überzeugende Mimik, Gestik, sprachliche Gestaltung boten eine schauspielerische Leistung von wahren Profis! Lob gebührt auch den Technikern (besonders Uli Wiesnet und Andreas Obermeier), die dezent und passend durch Beleuchtung, Musik das jeweilige Ambiente unterstützten bzw. eindrucksvoll zur Wirkung brachten.

Der lang anhaltende Applaus des Publikums sowie der Dank durch den Schulleiter Peter Welnhofer waren die verdiente Anerkennung für diesen Abend, den die Schülerinnen und Schüler unter der Leitung von Studienrätin Sophie Zienecker über das ganze Schuljahr hinweg innerhalb der Qualifikationsstufe 11 als Theatergruppe „Schubskreis“ erarbeitet haben.

Walter Harbauer

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