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„Wie sieht das Gespenst denn aus?“ – „Na, tot!“

[MRG, 01.06.2017] Am 01. Juni 2017 präsentierte die Theatergruppe der Unterstufe des Max-Reger-Gymnasiums unter der Leitung von Diana Schneider und Gabi Biehler  ihr Stück „Das Gespenst von Canterville“.

Bei einer Schlossführung (frech: Paula Keppler und Samara Stamper, aufmerksam und selbstbewusst als ältere Lady: Nadja Rein) entschließt sich der amerikanische Botschafter Harold Otis (geschäftstüchtig: Lilly Zolling), dieses Schmuckstück -inklusive Geist, das gehört zum Vertrag- zu erwerben.

Die abgeklärte Familie von Mr. Otis zieht also in das neu erworbene, altehrwürdige, englische Haus- „Schloss!“- „Bunker!!“- „Gruft!!!“- wobei die Begeisterung bei den unterschiedlichen Familienmitgliedern unterschiedlich ausfällt.

Eins aber ist klar: Amerikaner lassen sich nicht so schnell einschüchtern, schon gar nicht von den schaurigen Geschichten des alternden Lord Canterville (durchweg überzeugend: Max Daller). Abgebrüht und unerschröcklich inspizieren die an Frechheit nicht zu überbietenden, selbsternannten „Ghostbusters“ Jerry und Tom (Maximilian Hüttner und Adrian Wiens) den alten Kasten, um es den angeblich hier hausenden Gespenstern so richtig zu zeigen.

Tochter Virginia (einfühlsam und  anspruchsvoll: Hanna Schallmaier), ohne WLAN und Einkaufsmöglichkeiten, sieht schon die Schlagzeilen der Boulevardpresse vor sich: „Amerikaner verblöden in Einöde!“, während Washington, kurz „Wash“ (supersicher und obercool:  Phillipp Schötz) angesichts des sich erneuernden Blutflecks gelassen bleibt und die Lage zu jeder Zeit überblickt: „Keine Sorge- Mum kriegt alles sauber“.

Mrs. Otis macht sich umgehend ans Putzen (hervorragend in Szene gesetzt von Lotte Greiner), während Mrs. Umney, die Haushälterin dringend davor warnt, dadurch den Geist von Sir Simon (ist er ein echtes Gespenst oder ein brillianter Schauspieler?) zu erzürnen. Nicht nur einmal fällt sie vor Furcht in Ohnmacht (wirklich gekonnt: Steffi Stigler).

Aber die Eindringlinge lassen sich auch nicht beeindrucken, als der Geist in verzweifelter Not, sie wieder loszuwerden alle Register zieht und sich zeigt: „Wie sieht das Gespenst denn aus?“- „Na tot!“

Mr. Otis, pragmatischer Geschäftsmann, bietet nicht nur der Haushälterin eine Gehaltserhöhung zur Nervenberuhigung an, sondern versucht auch Sir Simon mit einer Abfindung zu bewegen, das Schloss zu verlassen, und hat obendrein für die quietschenden Gelenke „Antikal“ parat. Doch das Gespenst hat dafür nichts als gesteigerte Empörung übrig: „Ihr Pack, ihr Zweifler, ihr… Lebenden!“

Das Blatt wendet sich erst, als Virginia (in Nachthemd und Einhorn- Kuschel- Pantoffeln!) des Nachts auf Sir Simon trifft, Mitleid mit ihm und seiner untoten Situation hat und ihm ins Totenreich folgt, um ihn mit Hilfe einer alten Prophezeiung und einem Gebet erlöst.

Derweilen sucht die Familie aufgelöst nach dem Mädchen und muss sich letztendlich überzeugen lassen, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als man begreifen kann: „Echte Gespenster- außenpolitisch eine Katastrophe!!“ stellt Mr. Otis konsterniert fest.

Der Gespenstertanz, dem Virginia im Totenreich beiwohnt, ist in Worte kaum zu fassen- mit Schwarzlicht und Nebel wird eine wahrhaft „geistvolle“ Stimmung erzeugt, die man gesehen haben muss! Einen großen Zwischenapplaus (der nicht der einzige blieb) gab es hier für die Gespenster Michael Braun, Max Daller, Katharina Filin, Lina Lunz, Lia-Maline Müller, Greta Reber, Nina Ringer, Selina Uschold und Jule Berger.

Am Ende führen diese lieben Geister Virginia wieder zurück zu ihrer Familie. Kaum ist der Schock über ihr Verschwinden verwunden und die Erleichterung verflogen, kommt die nüchterne Erkenntnis von Wash:“Meine Schwester ist eine Killerin!“, da sie „den Untoten mit einem Gebet getötet“ hat.

Last but not least sei noch das außergewöhnliche Bühnenbild erwähnt, das mit beleuchteten Scherenschnittkartons (Kerzen-, Bücher-, Uhr-Motive) die Stimmung des Schlosses eindrücklich zur Geltung brachte.

Fazit:  Das Gespenst von Canterville schaffte es, dass sich  am Ende diese „lebendigen“ Amerikaner mächtig gruselten und das „echte“ Publikum spendete anhaltenden Applaus – ein voller Erfolg!

Christine Kleinert, GMG

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Vor Gott sind alle Menschen gleich

[MRG, 30.03.2017] Wo fünf hübsche junge Frauen über einen Mr Darcy herziehen, da kann Jane Austen nicht weit sein. Am Max-Reger-Gymnasium ließ sich die ehrwürdige englische Autorin sogar persönlich blicken und führte das Publikum in Gestalt von Julia Wenkmann charmant und mit einem Augenzwinkern durch die Bühnenversion ihres romantischen Klassikers „Stolz und Vorurteil“.

Mr Bennet (Nathalie Hartung) ist vom Schicksal gestraft: Als Vater von fünf Töchtern fehlt ihm nicht nur ein männlicher Erbe, er muss sich auch noch mit einer hysterischen Ehefrau herumschlagen. Judith Mitschke spielt die egozentrische Mrs Bennett so spritzig und flott, dass man ihr unbedingt Erfolg bei ihrer Suche nach wohlhabenden Schwiegersöhnen wünscht. Ein Kandidat für ihre hübsche Älteste (Elisa Schuth) scheint in dem neuen Nachbarn Mr Bingey (Sophie Nibler) bald gefunden, doch ehe die beiden herzensguten Menschen zueinander finden, müssen noch einige Hindernisse überwunden werden.

Nicht zuletzt sorgt die schöne, aber recht laszive und sehr oberflächliche jüngste Tochter Lydia (Catarina Ferreira) für Wirbel, als sie Hals über Kopf mit dem Taugenichts Mr. Wickham (Fabian Gehring) durchbrennt. Ihre von Johanna Wiesner herrlich naiv und erfrischend fröhlich gespielte Schwester Kitty hatte trotz ihrer Nähe zu Lydia natürlich von all dem keine Ahnung. Während die Familie ihr Unglück kaum fassen kann, trumpft Tochter Mary (wunderbar altklug: Jana Zinnbauer) mit unerwünschten frommen Sprüchen auf.

Helfen kann in dieser heiklen Lage nur einer: Der von allen verhasste stolze Mr Darcy. Selina Klatt gelingt es ausgezeichnet, den abweisenden und doch ausgesprochen ehrenwerten Charakter des reichen Mr Darcys herauszustellen. In seiner anfangs erfolglosen Werbung um die kluge Lizzy Bennett bangt und hadert das Publikum mit ihm. Mit sehr viel Gefühl und Temperament stellt sich Lisa-Marie Brüning diesem komplizierten Mann entgegen. Während sie einerseits sein Verhalten zutiefst missbilligt, kann sie sich andererseits nicht einer intellektuellen und romantischen Anziehung zu ihm entziehen. Als sie schließlich begreift, wie sehr sie ihn verkannt hat, ist es beinahe zu spät.

Doch Jane Austen wäre nicht Jane Austen, würde sie ihre Helden nicht am Ende zu einem wundervollen Happy-End führen. Und dieses kann nicht einmal die von Nina Lehner wundervoll streng und selbstgerecht verkörperte Mrs de Bourgh verhindern, die Lizzy partout nicht an der Seite ihres Neffen, sondern ihn lieber mit ihrer eigenen Tochter (Laura Taller) verheiratet sehen will.

Sehr nahe an der Vorlage und dennoch mit vielen modernen Elementen zauberten die jungen Schauspieler der 9. bis 12. Jahrgangstufe ein kurzweiliges Stück auf die Bühne, das auch mit vielen liebenswerten Details überraschte. So war Niklas Ciriacy als Caroline Bingley im kleinen Schwarzen und Glitzerpumps ein absoluter Blickfang. Und der herrlich unsympathische und von sich selbst überaus überzeugte Mr Collins (Silas Klemm) erheiterte das Publikum mit seinem ausgesprochen witzigen Sprachfehler. Da verlor man fast schon das Mitgefühl mit Lizzys altjüngferlicher Freundin Charlotte (wunderbar pragmatisch: Lea Eckert), die sich schließlich als Mrs Collins wiederfindet.

Höhepunkte des Stücks waren vor allem auch die Auftritte der Bediensteten Jane. Luca Adams spielte die schnippische junge Frau mit der leicht vulgären und schlichten Sprache unglaublich überzeugend und amüsant. Ihre spitzbübischen Erkenntnisse wie „vor Gott sind alle Menschen gleich, aber man merkt es nicht so“ brachten einen Hauch Oscar Wilde in Jane Austens romantische Welt – und das Publikum regemäßig zum Schmunzeln.

Mehrere Tanzeinlagen, ein gefühlvoller Sologesang und aufwendig gestaltete Kulissen rundeten den von den Schulspielleiterinnen Bianca Rauchenberger und Nina Kohl inszenierten gelungenen Theaterabend ab. Jane Austen wäre stolz gewesen.

Claudia Ried, GMG

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„Peter Pan: Gerne wieder Kind sein“

[MRG, 30.06.2016]   Alle Kinder wollen auf der Bühne den Peter Pan spielen und niemand Captain Hook? Ein Glück für alle Zuschauer des Theaterstücks „Peter Pan“ im Max-Reger-Gymnasium, dass Luca Adams sich nicht an diese Regel halten wollte und Peter Pans fiesen Erzfeind mit viel Schwung und allerschönster Hinterlist spielte.

Mit Silas Klemm als spitzbübischen Charmeur war jedoch auch die Titelrolle wunderbar besetzt. Gemeinsam mit seiner zwar schweigsamen, aber zuckersüßen Tinkerbell (Magdalena Fuchs) holt er sich die drei Darling-Kinder nach Nimmerland, um sie seinen verlorenen Jungen (spritzig: Phillip Schötz, Stephanie Stiegler, Lotte Kreiner, Hanna Schallmeier) vorzustellen.

Getreu der berühmten Geschichte haben in Peters Abwesenheit Hooks Piraten die Häuptlingstochter Tigerlilly (Laura Taller) entführt. Doch Peter Pan gelingt es mühelos, den überforderten Piraten (allen voran herrlich einfältig: Fabian Gehring) ihre Gefangene wieder abzuluchsen. Als es Hook schließlich auch noch misslingt, die „Mutter“ Wendy (liebenswert und souverän gespielt von Johanna Wiesner) für sich zu gewinnen, kommt es zum letzten großen Kampf zwischen ihm und Peter Pan. Inzwischen haben allerdings Wendys Brüder John (wie dem Disneyfilm entstiegen: Elena Eikam) und Michael (Michael Braun als unerschrockenes Nesthäkchen) die verlorenen Jungen mit ihrem Heimweh angesteckt.

Als rührender Abschluss werden die Jungen zuhause in London von Mr Darling (außergewöhnlich ausdrucksstark: Hanna Schallmeier) und dessen liebevoller Frau (Charlotte Singer) adoptiert – und haben, wie auch die leiblichen Darling-Kinder, fortan in Hund Nana (Nazli Alizada) ein originelles und fürsorgliches Kindermädchen.

Die Erzählerin Lea Eckert führte die Zuschauer mit einem Augenzwinkern durch dieses Theaterabenteuer, während ihre Schauspielkollegen in professionellem Freeze lebendige Bilder zauberten. Kunterbunt, witzig und ausgesprochen vielfältig war das Kunstwerk, das die Theatergruppe der Unter- und Mittelstufe unter der Leitung von Nina Kohl und Gabriele Biehler da auf die Bühne brachte. Zusätzlich bereichert wurde das Stück durch das wirklich einmalige Bühnenbild, das die Spannung auf die nächste Szene nur noch weiter steigerte. Abwechslungsreich untermalt von Tanz und Musik überzeugten die 23 jungen Schauspieler (in weiteren Rollen: Johanna von Platen, Greta Reber, Jule Berger, Lia-Maline Müller, Nadja Rein, Katharina Filin und Nina Ringer) mühelos ihr Publikum und ernteten minutenlangen Applaus. Ein ausgesprochen amüsanter und kurzweiliger Theaterabend, der in vielen Anwesenden die Sehnsucht nach ein bisschen mehr Kind-sein weckte.

Claudia Ried

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„Verdammt gut!“

Die Ober—und Unterstufentheatergruppen des Max-Reger-Gymnasiums begeisterten gemeinsam ihr Publikum mit dem Stück „Alice im Wunderland“.

[MRG, 14.04.2016]   Angelehnt an das Original wurde die Eigenproduktion von den beiden Regisseurinnen Bianca Rauchenberger und Diana Schneider in die heutige Schulwelt verlegt. Eine Privatschule wird mit strenger Hand von der herrischen Direktorin (die Herzkönigin, Katharina Schricker) und ihrer untergebenen Sekretärin Frau Kreuz (die Kreuzdame, Nina Lehner) regiert. Laufen, Ballspielen und Widersprechen sind strengstens verboten und werden mit drakonischen Strafen geahndet. Dies hat der vorlaute und rebellische Schüler Gilgin Sapka (der verrückte Hutmacher, Niclas Ciriacy-Wantrup) bereits mehrmals am eigenen Leib erfahren müssen. Bei einem nochmaligen Verstoß gegen die Regeln der fiesen Direktorin droht ihm sogar der Verweis von der Schule. Gilgin freundet sich mit der neuen Schülerin Alice (Nicole Dreher) an, die sich ebenfalls nicht mit den rauen Erziehungsmethoden der Schulleitung anfreunden kann.

Auch Lehrer wie der sanftmütige und gutmütige Kunstlehrer König (der Herzkönig, Judith Mitschke) und die etwas zerstreute Chemielehrerin Frau Raupe (Absolem) kuschen vor der machtgierigen Frau König. Bedingungslos führt der von einer multiplen Persönlichkeitsstörung betroffene Hausmeister Dusel (Dideldum und Dideldei, Lisa-Marie Brüning) die Anordnungen seiner Chefin aus.

Alice folgt eines Tages heimlich ihren Mitschülern durch ein Tor in eine fremde Welt, in der sie den Figuren aus ihrer Schule wieder begegnet. Auf ihrem gefährlichen Weg durch das Wunderland wird Alice von der Grinsekatze (Sophie Niebler) und Absolem, einer Wasserpfeife rauchenden Raupe geleitet.

Das Mädchen muss sich auf einer Teeparty mit dem dem verrückten Hutmacher, dem dauerkichernden Märzhasen (Selina Klatt), der schüchternen Haselmaus (Elisa Schuth) und dem weißen Kaninchen ärgern. Der Hutmacher gibt sich als Alice aus und wird von den Soldaten der Herzkönigin (Lia-Maline Müller, Greta Reber, Sophia Cordts, Jule Berger, Nadja Rein, Katharina Filin) gefangen genommen. Wie in der Romanvorlage droht dem Hutmacher das allseits bekannte: „Kopf ab!“. Nur Alice kann ihm noch helfen, in dem sie den mächtigen Jabberwocky besiegt. Natürlich gelingt ihr dies und der verrückte Hutmacher ist gerettet.

Zurück in der normalen Welt kann Alice ihre Mitschüler dazu motivieren, sich gegen die Direktorin Frau König aufzulehnen. Diese gibt auf und dankt ab. Nun können die Schüler ihren Gedanken und Gefühlen freien Lauf lassen.

Den Zuschauern bot sich ein vergnüglicher und kurzweiliger Theaterabend. Die Szenen aus dem Schulalltag wurden gekonnt auf die Spitze getrieben und rissen das Publikum immer wieder zu Lachern hin. Allen voran die Figuren des Schülers Karl Nickl (der weiße Hase) und des Hausmeisters Dusel sorgten für Heiterkeit. Die jungen Akteure zeigten allesamt schauspielerisches Talent und Wandlungsfähigkeit. Um den Theaterabend kurz zusammenzufassen, möchte ich meinen Sitznachbarn zitieren, der die Vorstellung mit den Worten: „Verdammt gut!“ kommentierte.

Maria Treml-Paskowski

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Shakespeare am Max-Reger-Gymnasium: Romeo und Julia – reloaded

Ein alter Klassiker, möchte man meinen, doch Norbert Franck versteht es dieses berühmte Stück in die heutige Zeit zu versetzen.

In der ersten Szene probt die gymnasiale Theatergruppe einer Gesamtschule die bekannte Balkonszene des Shakespearestückes. Doch der kleine Simon (Philipp Schötz, 5c), der den Romeo spielen soll, wirft hin und verlässt die Theatergruppe. Die Frage der Neubesetzung macht Julia Kapulet (überzeugend authentisch: Johanna Wiesner, 8a), die auch im Schultheater die Rolle der Julia übernimmt, auf den Realschüler Romeo (Silas Klemm, 7a) aufmerksam und so nimmt die Liebesgeschichte – wie im Original – ihren Lauf. Aber auch hier sind sowohl Romeos Vater, der Eisdielenbetreiber Giovanni Belmonte (herrlich italienisch: Lennard Dannehl, 5b) als auch Julias Mutter Katrin Kapulet (wunderbar hochmütig und überheblich: Amelie Pfamminger, 7c) wenig begeistert. Ebenso verhält es sich bei der jeweiligen Clique: Julias Freunde am Gymnasium, allen voran Patrick Prinz (mutig und verwegen: Luca Adams, 7a), wie auch Romeos Begleiter sind voreingenommen, und stellen sich gegen die Beziehung.

Lediglich Pater Lorenz (immer freundlich, Charlotte Häusler, 5a), unterstützt durch die Musiklehrerin Rosella Schubert (Lena Grosspeter, 8b), versucht zu vermitteln wie wichtig Toleranz im gemeinsamen Miteinander ist. Aber bei den Schülern, und leider auch bei der Direktorin des Gymnasiums, Gwendolin Rottweiler (autoritär und gefürchtet: Lea Eckert, 8a) treffen die Reden des Paters auf taube Ohren.

In schnell wechselnden Kurzdialogen wird deutlich, dass im jeweiligen Umfeld die Liebesbeziehung nicht geduldet wird, und dass der brodelnde Konflikt – durch die Gymnasiumsdirektorin noch angefacht – eskalieren wird:

Romeos Freund Marc (Fabian Gehring, 7a) provoziert den Gymnasiasten Tybor (Jana Zinnbauer, 8a) zu einer Schlägerei. Da Marc dabei verletzt wird, will Romeo Tybor zur Rede stellen – doch auch diese Auseinandersetzung wird nicht friedlich gelöst.

Daraufhin wird Romeo der Schule verwiesen und das junge Paar zieht sich in ein Versteck zurück, das ihnen Pater Lorenz zur Verfügung stellt. Aus Sorge um die verschwundenen Kinder überwinden die verfeindeten Eltern sogar ihre Vorurteile und versöhnen sich.

In einer Art Prozess wird Romeos Schulverweis aufgehoben, aber Patrick, Linda (Charlotte Singer, 7a) und zuletzt auch Frau Rottweiler werden wegen ihres aufhetzerischen Verhaltens zur Rechenschaft gezogen.

In weiteren Rollen überzeugten Stella Stöckl (5a) als Realschulleiter, Hanna Schallmaier (5c), Leonie Reiß (5b), Laura Taller (7c), Rosa Steinbach (5b), Julia Plawiak (6b) und Lena Breitschaft (5c) als Freunde von Julia oder Romeo.

Hier endet „Romeo und Julia“, ein Stück mit langer Tradition, das in dieser Inszenierung höchst zeitgemäße Probleme wie Toleranz, Respekt und Menschlichket anspricht, mit einem Happy End.

Das Publikum zeigte sich begeistert – nicht nur von den schauspielerischen Leistungen der 19 Schülerinnen und Schüler, sondern auch von den musikalischen Einlagen: Jana Zinnbauer untermalte mit emotionalem Gesang und Klavierspiel die romantische Annäherung von Julia und Romeo, aber auch Rapeinlagen umrahmten den Abend. Es bleibt auf weitere gelungene und Produktionen unter der Leitung von Bianca Rauchenberger und Nina Kohl zu hoffen.

Elisabeth Bremer (Erasmus-Gymnasium)

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Unter dem Regenschirm alle gleich: Gelungene MRG-Eigenproduktion

Auftaktveranstaltung im Stadttheater (Bild: Bernd Müller)

Auftaktveranstaltung im Stadttheater
(Bild: Bernd Müller)

Am 25. März begrüßte Schulleiter Wolfgang Wolters das Publikum und versprach bereits einen kurzweiligen Abend mit den Theaterschülern und ihren liebenswerten Macken. Der Titel „Regenesis“ setzt sich zusammen aus dem Wort „Regen“ und dem altgriechischen Wort „Genesis“, das „Entstehung und Schöpfung“ bedeutet. Durch die abwechslungsreiche Eigenproduktion führten zwei überzeugende Sprecherinnen (Milena Täschner, Anni Horst) mit Humor und Charme, die gekonnt das Publikum durch den Abend leiteten. Im Zentrum stand der uns allseits bekannte Regenschirm – doch nicht in der Funktion, wie wir ihn kennen.

Wir schreiben das Jahr 2015 – die Klimaerwärmung sorgt für sintflutartige Regenfälle, die die Erde überfluten und die gesamte Menschheit auslöschen. Im Rahmen einer Wette zwischen den beiden Moderatorinnen beginnt die Schöpfung wieder von neuem nach dem 1. Buch Mose der Bibel. Dabei nehmen sie gekonnt den Direktor aufs Korn, der sich ja wohl mit dem Ruhetag sehr gut auskennen müsste. Die ersten Menschen im Paradies heißen nun nicht mehr Adam und Eva, sondern Albert und Edeltraud. Es stellt sich für die beiden Sprecherinnen die Frage, ob die Menschen toleranter sein werden oder auch nicht. Das Projekt „Regenesis“ soll der Menschheit einen Neuanfang mithilfe eines Reliktes aus der alten Welt ermöglichen: dem Regenschirm.

Auftaktveranstaltung im Stadttheater (Bild: Bernd Müller)

Auftaktveranstaltung im Stadttheater
(Bild: Bernd Müller)

Auf den fünf neuen Kontinenten entdecken die jeweiligen Neandertaler (brilliant und ausdrucksstark gespielt von Franziska Gericke, Nicole Dreher, Luisa von Weikersthal, Katharina Schricker, Selina Klatt, Judith Mitschke, Sophie Nibler und Maximilian Maier) das Überbleibsel aus der vergangenen Zeit für sich neu. Für jeden Zuschauer ersichtlich war die eindeutige symbolhafte Farbgebung durch die präzise Beleuchtung (Manuel Holzschuh, Linda Göbl und Dorothee Mayer) und der Requisiten des jeweiligen Kontinents.

Die Bewohner des roten Kontinents (überzeugend und mitreißend dargestellt u. a. von Kathrin Eckert, Franziska Gericke, Franziska Niller und Elisa Schuth) bezeichnen den Schirm als Spanner und nutzen ihn produktiv und gewinnbringend, z. B. als Tragetasche oder Wäschespinne. Alles zu haben bedeutet für sie Glück.

Auf dem blauen Kontinent wird der Schirm als Schüssel für den Kommunikationsaustausch erschlossen. Die Schüssler Luisa von Weikersthal, Katharina Schricker und Lisa-Marie Brüning faszinierten durch ihre gekonnte Verbalisierung von Textnachrichten das Publikum. Doch der Wille, ständig erreichbar zu sein, entwickelt sich in dieser Netzwelt zum Zwang.

Die Einwohner des gelben Kontinents entdecken den Schirm für sich als Dreher. Raffiniert und einfallsreich setzten die Schauspieler Selina Klatt und Sophie Nibler den Fortschritt um, mit Schirmen als Drehfahrzeuge besser und schneller zu sein. Ihre Devise: Nichts ist unerreichbar. Die Dreher vergessen aber dabei ihre Umwelt.

Im Militärmarsch präsentieren sich die Bewohner des schwarzen Kontinents (einschüchternd und fesselnd gespielt von Alexandra Koller, Franziska Gericke, Nicole Dreher, Katharina Schricker, Lisa-Marie Brüning, Lia Haberland, Maximilian Maier und Niclas von Ciriacy-Wantrup)mit ihrem Requisit, das sie zur Mordwaffe entwickelt haben. Gewalt, Gehorsam und Terror gehören zum Alltag der Stecher.

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Auftaktveranstaltung im Stadttheater
(Bild: Bernd Müller)

Im absoluten Gegensatz dazu beten die Einwohner des weißen Kontinents ihren Schirmus Regus an. Doch die Religion der Regusianer entwickelt sich zum Fanatismus. Ergreifend und beeindruckend zogen u. a. Judith Mitschke und Alexandra Koller als Regusianer das Publikum in ihren Bann.

Es kommt, wie es kommen muss: Ein Streit zwischen den Kontinenten entbrennt, was denn nun der richtige Verwendungszweck des Regenschirms sei. Antworten soll eine Weltkonferenz zum Stecher-Dreher-Spanner-Regus-Schlüssel-Dings, kurz – dem Regenschirm, liefern. Doch es steigert sich zu einem großen Tumult. Die roten Spanner und die schwarzen Stecher formieren sich zu einer Allianz und unterwerfen die komplette restliche Bevölkerung.

Und wieder beginnt es zu regnen. Nur ein kleines Mädchen (souverän und entzückend gespielt von Hanna Schallmeier) weiß in ihrer kindlichen Naivität den Regenschirm richtig zu verwenden. Auffallend: Ihr Schirm ist bunt und vereint farblich alle Nationen.

Die Moderatorin, die von Beginn an daran zweifelte, dass die Menschheit aus ihren Fehlern lernen würde, sieht sich als Siegerin der Wette. Die Moral von der Geschicht: Letztlich sind wir unter dem Regenschirm alle gleich… Und die Entdeckung beginnt wieder von vorne… Werden die Menschen diesmal dazulernen?

Mit dieser äußerst gelungenen Eigenproduktion stellten Regisseurin Diana Schneider und ihre SchauspielerInnen ihre Kreativität, ihren Humor und ihr Können beeindruckend unter Beweis.

Brigitte Bodensteiner und Ellen Bugera (FXvS-RS)

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Bubblegum und Brillanten – und ein toter Kater

Bubblegum und Brillanten
Max-Reger-Gymnasium, 05.06.2014, 19.30 Uhr

Wenn man sich tatsächlich totlachen könnte, dann wären wohl einige Besucher des spritzigen Theaterstücks „Bubblegum und Brillanten“, das die Unter- und Mittelstufentheatergruppe des Max-Reger-Gymnasiums am vergangenen Donnerstag Abend aufführte, ernsthaft in Bedrängnis gekommen. Dagegen wäre Hauptdarstellerin Lady Middlesome (aristokratisch und galant gespielt von Sophie Nibler) dankbar gewesen über eine derart einfache Art des Selbstmords.

Nachdem ihr Ehemann, Sir George (würdevoll repräsentiert durch Johannes Büchner) durch unternehmerisches Ungeschick vor einem Schuldenberg steht, hatten die beiden nämlich den Plan gefasst, sich das Leben zu nehmen. Der herrlich trockene und vielschichtige Butler Mortimer (grandios: Luca Adams) gratuliert dem Ehepaar zwar zu diesem ehrenvollen Ausweg, interessiert sich aber mehr für eine passable Empfehlung für eine zukünftige Anstellung sowie einen Abgang ohne allzuviel Blutvergießen – schließlich wüde er derjenige sein, der später aufzuräumen hätte.

Währenddessen erwartet die gestrenge Lady Martha (Sophia Bäumler), die verwitwete Tante Sir Georges, ungeduldig das Ableben ihres Neffen, um ihrer anstehenden Bridgerunde den nötigen unheimlichen Flair bieten zu können. Lady Marthas Tochter Catherine dagegen (Amelie Pflamminger) versucht die Unglücklichen von ihrem tödlichen Plan abzubringen, lässt sich aber schließlich durch die Avancen von David Middleton (Cleopatra Linzer) ablenken. Auch das Dienstmädchen Jane (Johanna Wiesner) hat einen eifrigen Verehrer, den unbekümmerten Konkursverwalter/Casanova Jonathan (wunderbar erfrischend gespielt von Jana Zinnbauer) – und außerdem seit dem Ableben des Hauskaters Lord Tom Miau Miau III alias Miststück eine Sorge weniger.

Nachdem sämtliche Selbstmordversuche an Hindernissen wie Ladehemmungen, unverträglichen Schlaftabletten, Höhenangst, gepfändeten Seilen oder streikenden Zügen scheitern, erhalten die Middlesomes Besuch von ihrer Versicherungsvertreterin (Maria Gmeiner), die, alarmiert von einer verfrüht erschienen Todesanzeige des Aristokratenpaars, ihre Kunden darauf hinweist, dass die Lebensversicherung bei Selbstmord nicht ausgezahlt werden kann. Der findige Earl engagiert daraufhin kurzerhand einen Auftragskiller, um das Problem – bzw. sich selbst – ein für alle mal aus der Welt zu schaffen. Allerdings zeigt sich der Attentäterneuling Harold (sehr überzeugend: Lia Haberland) der Aufgabe kaum gewachsen. Zu wenige Vorhänge, zu wenig Munition – vor allem aber zu wenig Courage für den Job. Seine Angetraute Wendy (herrlich gespielt von Charlotte Singer) dagegen ist mit allen Wassern gewaschen und nur allzu bereit, den Auftrag an sich zu reißen. Da jedoch die einzige Beschreibung ihrer geplanten Opfer darin besteht, nach Brillantringen an deren Händen Ausschau zu halten, steht selbst die findige Wendy bald vor einem Problem: An allen Ecken und Enden tauchen plötzlich eben solche Brillantringe (günstig beim Kaugummiautomaten erstanden…) auf, nicht zuletzt an den Händen der drei geladenen Bridgedamen (Marion Hoffmann, Julia Plawiak und Lorena Eckl).

Als Sir George und seine Gemahlin endlich begreifen, dass auch ein Leben ohne Geld noch erfüllt und erstrebenswert sein kann, ist es beinahe zu spät. Nur mit List und der Hilfe der gerufenen Madam Inspector (Lena Grosspeter) und deren Constable (Lea Eckert) gelingt es, das Mörderpärchen auszubremsen.

Die sechzehn sichtlich begeisterten Schauspieler sowie die – zurecht – stolze Theaterleiterin Bianca Reichenberger zauberten aus witzigen und kurzweiligen Stück einen ausgesprochen gelungenen Abend.

Claudia Ried (GMG)

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„Er ist mäusekacketot.“

MRG, 03.04.2014, 19.30 Uhr

„Geralds Tod“ – eine todernste Krimi-Komödie. Selbst der Autor ist sprachlos und beeindruckt!

Dass das Max-Reger-Gymnasium nicht nur bei musikalischen Veranstaltungen, sondern auch im Theaterspiel Maßstäbe zu setzen vermag, wurde wieder einmal mehr durch die Theatergruppe unter Leitung von Diana Schneider eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Schulleiter Oberstudiendirektor Wolters begrüßte das zahlreich erschienene kulturliebende Publikum und outete sich gleich als absoluter Krimiliebhaber, der aufgrund der Schulvorführung eine parallel stattfindende Veranstaltung absagte, weswegen seine Frau ohne ihren Gatten letztere besuchte. Und gleich vorweg gesagt: Er musste seine Entscheidung, dem Auftritt seiner Schüler beigewohnt zu haben, zu keiner Zeit bereuen; hatte vielleicht nachts zu Hause mehr zu erzählen!

Das Publikum wurde mit einem sehr makabren Stück – Mischform zwischen Komödie und absurder Farce – konfrontiert, das einerseits die Lachmuskeln aufs Äußerste strapazierte, andererseits durch ernsthafte Aspekte zum Nachdenken anregte. Im Zentrum des Krimis, so zumindest suggeriert es der Titel, steht, besser gesagt, liegt Gerald (Niclas Ciriacy-Wantrup 9b und Cornelia Schiml Q12) tot, umgebracht von seinen Eltern, den Hofbauers, da er sich zu einem schwierigen Kind entwickelt hatte, irgendwie unmotiviert mit dem Brotmesser im Rücken auf dem Boden des Wohnzimmers. Der Vater (Peter Weiser Q12), ein evangelischer Theologe mit äußerst fragwürdigen Moralvorstellungen, der nur religiöse Phrasen drischt und den Mord moralisch zu rechtfertigen versucht, und seine treu sorgende und betuliche Frau (Mona Sommerer Q12), die sich nicht entschließen kann, die Leiche aus dem Wohnzimmer zu entfernen, sind mehr auf den äußerlichen Schein und auf das familiären Idyll bedacht, als die eigentliche Tat zu reflektieren und betroffen zu sein angesichts der menschlichen Katastrophe. Denn der Mord als solcher steht fortan nicht im Vordergrund, gerät vielmehr zur absoluten Nebensache, so dass um Geralds Leiche sich nun groteske Szenen abspielen: Die recht eigenwillige garstige Oma (Melissa Renner (Q 12), die nach einem schweren Schicksalsschlag aufgehört hat zu sprechen und aufgrund der Ignoranz der Familie wieder mit dem Sprechen beginnt, sitzt im Rollstuhl, interessiert sich jedoch mehr für Zigaretten und Onkel Roberts Po als für ihren toten Enkel. Sodann zeigt die recht pubertär, keck und frech wirkende älteste Tochter Charlotte (Anna-Maria Horst Q11) wenig Interesse an Gerald, rennt leichtbekleidet im Haus herum und stört sich nur daran, wenn sich in ihrem eingefahrenen Leben etwas ändert, nicht aber an ihres Bruders Tod. Sie turtelt mit ihrem Freund Gunther (Alice Grohmann Q11), der ständig ans Essen denkt und auf seine erotisch wirkende Freundin fixiert ist. Die jüngste Tochter Beate (Dreher Nicole 10a) scheint fast die einzige in dieser Familie zu sein, die anfänglich den Tod ihres Bruder beweint. Sie ist süß, aber etwas begriffsstutzig, lässt sich daher schwierige Begriffe der Erwachsenen erklären, spielt aber mit ihrer Puppe oftmals auf ihrem toten Bruder, was wiederum die Mutter stört, ist jedoch tief getroffen und verstört, als ihr Goldfisch, der ebenfalls den Namen Gerald trägt, gerade verstirbt.

Auch die zahlreichen Besucher, vor allem Onkel Robert (Magdalena Schuth Q12), Tante Josefine (Franziska Gericke Q11) und ihr nasepopelnder Sohn namens Gerald (Lisa-Marie Brüning 9b) schenken der Tat und dem Toten kaum Beachtung, stören sich vielmehr an der fehlenden Ästhetik der Leiche. Onkel Robert, ein Mann klarer Worte und auf Spaß ausgerichtet, streitet mit Herrn Hofbauer in fast kindischer Weise um die Modelleisenbahn, während Josefine ihre Ehe als Belastung empfindet, die verwandtschaftlichen Beziehungen aber, so gut es eben geht, pflegt. Die übrigen Verwandten, Tante Madlaine (Franziska Niller Q11), Tante Mathilde (Milena Täschner Q11) und Tante Augustine (Judith Mischke 9b), die ihre individuellen Eigenheiten im besonderen Maße pflegen, besuchen die Hofbauers regelmäßig zu Kaffe, Kuchen und Tratsch, wobei die Oberflächlichkeit der Gespräche und des Benehmen mehr im Vordergrund steht als der tote Gerald.

Als Kontrast zu Hofbauers Wohnzimmer spielen die Zwischenszenen auf einer Parkbank, auf der Frau Frei (Catrin Schnupfhagn Q11), die Jugendliebe von Hofbauer, sich über absolute Nichtigkeiten und Nebensächlichkeiten mit Frau Fromm (Alexandra Koller Q11) unterhält, die eine große Neigung zur Esoterik besitzt und Visionen hat; gerade beim Sonnenuntergang ereignet sich ein Naturerlebnis der besonderen Art.

Erwartet der Zuschauer beim Eintreffen der Polizei mit Hauptkommissar Stauber (Selina Klatt 9c) und Assistent Wolters (Elisa Schuth) in Hofbauers Haus die Untersuchung der Tat und die Bestrafung der Täter, sieht er sich abermals enttäuscht, denn die Polizei scheint ebenfalls den Blick für das Wesentliche verloren zu haben, so dass der immer noch am Boden liegende tote Gerald zwar wahrgenommen wird, aber wegen der langsam einsetzenden Geruchsbelästigung und Zersetzung der Leiche als Umweltdelikt angesehen und der Fall abgegeben wird.

Wieder unter sich, merken die Hofbauers, dass auch ihre älteste Tochter sich nicht erwartungsgemäß und nach ihren doch recht fragwürdigen Vorstellungen entwickelt, so dass am Schluss dieser sehr schwarzen Komödie abermals die Mutter, das Brotmesser hinter dem Rücken versteckt, die Tochter zu sich ins Wohnzimmer ruft.
Anschließend fiel der Vorhang und das Publikum spendete den Darstellern den verdienten Applaus, der auch Manuel Holzschuh (9b) galt, der für die Bühne das Licht regelte und dem Stück dadurch die richtige Atmosphäre verliehen hat.

Theaterleiterin Diana Schneider wurde auch auf die Bühne geholt und mit frenetischem Applaus bedacht, bedankte sich ihrerseits bei ihren Schützlingen und überreichte diesen Rosen, musste aber auch weinenden Auges vier wichtige Stützen, namentlich Mona Sommerer, Peter Weiser, Melissa Renner und Magdalena Ruth verabschieden, da sie die Schule nach dem Abitur verlassen. Frau Schneider bekam von ihrer Theatergruppe nicht ganz ohne Hintersinn ein dem Stück angemessenes Geschenk, einen Messerblock, um evtl missliebige Personen …
Insgesamt bot das gesamte Ensemble ein von groteskem Wortwitz geprägtes großartiges Stück, das das Publikum durch die stimmige brillante Gesamtleistung überzeugte.

Winfried Sima

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Eingeordnet unter Schultheatertage 2014

Märchenhafte Unterhaltung am MRG

Das war schon eine große Aufgabe, die die Theatergruppe der Unter- und Mittelstufe des Max-Reger-Gymnasiums mit ihren Leiterinnen Bianca Rauchenberger und Nina Kohl da zu bewältigen hatte: 36 Schülerinnen und Schüler wollten auf der Bühne ihr Können beweisen!

Was hätte sich also besser geeignet als ein modernes Märchen, das für alle Raum bietet, sich in den verschiedensten Rollen zu entfalten? Das Märchenstück in drei Akten von Karin Münnich und Martina Worms „Als Herr Lehmann die böse Königin traf“ gab allen Mitgliedern der Theatergruppe dazu die beste Gelegenheit.

Familie Lehmann will einen Märchen-Freizeitpark besuchen. Aber Herr Lehmann (Lisa-Marie Brüning) versteht es, seinen Kindern Jessica (Marion Haider) und Markus (Tim Herding) sowie seiner Frau Ute (Johanna Wiesner) schon am Eingang die Stimmung gewaltig zu verderben. Den Kassierer (Jonas Dreßler) motzt er an, dass es auch noch Eintritt kostet, „wenn man sich so blöde Figuren ansehen muss“, und an Märchen glaubt er doch  sowieso nicht. Das ändert sich jedoch schlagartig, als er plötzlich mittendrin ist in der Märchenwelt der schwarzen Königin (Selina Klatt), wo eine böse Hexe (Lia Haberland) schon das Messer wetzt, um seine Kinder aufzuessen, und sich auf „knusprig gebratenen Markus mit frischen Kräutern“ freut.  Bevor aber das tapfere Schneiderlein (Johannes Büchner)  die anderen Märchenfiguren dazu überredet, Herrn Lehmann zu helfen, versucht dieser verzweifelt die unlösbaren Aufgaben der Königin zu erfüllen, um seine Kinder vor dem Tod durch Verspeistwerden zu retten. Dabei gerät er mitten in die Turbulenzen der zum Leben erwachten Figuren: Wie im richtigen Leben zicken Aschenputtels Schwestern (Lena-Marie Großpeter und Kassandra Orr) herum, den Teufel mit den drei goldenen Haaren (Sophie Nibler) und seine teuflischen Enkel (Julia Wenkmann und Alicia Kaiser) interessiert vor allem das Feuerwasser und Rumpelstilzchen (Maximilian Maier) denkt nur immer ans Heiraten. Auch Goldmarie, Pechmarie (Johanna Wiesner und Maria Gmeiner), Rotkäppchen (Luca Adams), Dornröschen/Schneewittchen (Elisa Schuth) und nicht zu vergessen die mit flottem Gesang auftretenden sieben Zwerge (Antonia Keppler, Jakob Bauer, Jonas Dreßler, Cleopatra Linzer, Alice Grohmann, Anna Parussel, Alexandra Negrea) mischen bei dem bunten Treiben mit. Und natürlich geht die Geschichte am Ende gut aus und Herr Lehmann kann die Kinder und seine Frau  in die Arme schließen. Die hat nämlich das ganze Abenteuer auf einer Parkbank verschlafen und ist nicht einmal durch Lehmanns markerschütternde Schreie „Ute!!!!!!!!!!!“ aufgewacht.

Den Darstellern merkte man an, wie viel Freude ihnen die Arbeit an diesem bunten Märchentheater gemacht hat: Fantasievoll kostümiert und geschminkt bewegten sie sich mit Elan durch die Märchenwelt, in der nicht nur der sprechende Spiegel (Nina Lehner und Lea Eckert) und  der toll einstudierte Tanz der Teufel (Janine Braun, Cornelia Frai, Xenia Igiebor, Jennifer Myzev, Vanessa Dirksen, Cornelia Fischer, Jody Morton, Johanna Neudecker, Laura Reinwald, Lara Seidenfaden) für Abwechslung und Unterhaltung sorgten. Zur märchenhaften Atmosphäre trugen auch die liebevoll ausgestattete Bühne und nicht zuletzt die auf eine lange Stoffbahn gemalten  Hintergrundbilder bei.

So waren denn am Ende alle richtig zufrieden: Herr Lehmann, dass der Spuk zu Ende war, die Spielerinnen und Spieler, dass sie die Herausforderung so gut gemeistert hatten, und die Zuschauer, die sich mit kräftigem Applaus für einen sehr lustigen und vergnüglichen Theaterabend bedankten.

Uta Löw

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MRG begeistert mit einem Stück Zeitgeschichte vor vollem Haus

Leipzig im Jahr 1989: Die Regierung der DDR kämpft mit steigenden Flüchtlingszahlen und hat eine Frauen-WG zu Propagandazwecken ins Leben gerufen, um den jungen Genossinnen und Genossen ein Vorbild zu geben. Freundschaft!

„Wir hatten nischt, aber die DDR hatte uns“ spielt ironisch mit den Slogans und dem Gedankengut des real existierenden Sozialismus der DDR. Die Charaktere jeder einzelnen Rolle wurden bis ins Detail ausgearbeitet. Da ist zunächst einmal Charlotte Kreutz (Marie Hanke, Q 11), Gründerin dieser DEFA-Fernseh-Propaganda-WG, die mit fester Hand die Frauengemeinschaft zusammenhält. Dabei hat sie viel zu tun, denn einige der Bewohnerinnen verhalten sich nicht unbedingt so, wie es das Politbüro gerne gehabt hätte: Isgrid (Alice Kerschbaum, Q 11), von Beruf Gärtnerin, züchtet in der WG ihre Hanfpflanzen, und Bibbi (Anna Sturm, Q 12), die sich durch das Stück berlinert, hat wechselnde Männerbekanntschaften. Das Schicksal von Bibbi ist auch der Dreh- und Angelpunkt des von der Spielleiterin Diana Schneider verfassten und bis in jede Rolle ausgefeilten Theaterstücks.

Bibbi lernt gleich zu Beginn einen Wessi (Alice Grohmann, 9 c) kennen, der die Naivität des Ostmädchens ausnützt und ihr eine große Karriere als Model verspricht. Jeglicher Westkontakt und Westeinfluss muss aber vor der allgegenwärtigen Hausmeisterin und dem Stasi-Spitzel Frau Kolansky (Anna-Maria Horst, 10 c) sowie deren staatstreuen Enkelin (Nicole Dreher, 9 a) geheim gehalten werden. Das Stück strotzt vor ironischen Untertönen, was für Einiges an Situationskomik sorgt und somit zur Erheiterung der Zuschauer beiträgt. Doch als Bibbi erfährt, dass sie sich beim Westfreund mit AIDS – einer Krankheit, die in der DDR offiziell gar nicht existierte – angesteckt hat, folgt der dramatische Wendepunkt. Von da an leidet der Zuschauer mit, genau wie Bibbis Mitbewohnerinnen, die Büchernärrin Conny (Magdalena Schuth, Q 11), die dauerverliebte Floristin Nicole (Melissa Renner, Q 11), die Umweltschützerin Heike (Sophie Reinwald, Q 12), die Krankenschwester Wita (Luise Kerschbaum, 9 a) mit Helfersyndrom oder Melanie (Alexandra Koller, 10 c), Sekretärin und Sprachgenie. Natürlich darf auch in dieser WG eine Ina Saalbach (Ann-Kathrin Brüning, Q 12) nicht fehlen, die als Dressurreiterin von der sozialistischen Sportförderung der DDR profitiert. Zu dieser Truppe gesellt sich dann auch noch Eddie (Mona Sommerer, Q 11), Ingenieurin und verrücktes Genie, die mit ihren imaginären Freunden Karl (Marx) und Friedrich (Engels) im Zwiegespräch lebt.

Nach der Pause kündigen sich Veränderungen an. Die WG erhält durch Telefon und Farbfernsehgerät sozialistischen Luxus. Es ist auch die Zeit der Montagsdemonstrationen. Doch noch einmal droht der WG Gefahr, als die meisten der Bewohnerinnen von Volkspolizisten (Peter Weiser, Q 11 und Daniela Ludwig, Erzieherin im Internat) verhaftet werden. Nach dem Fall der Mauer erkennt dann letztendlich aber auch die Frauenbeauftragte und SED-Mitglied Charlotte: „Das Projekt DDR ist gescheitert.“ Man erfährt, dass Frau Kolansky nach der Verhaftung ihrer Tochter nichts anderes übrig blieb, als die Nachbarn zu bespitzeln. Am Ende wird klar, das Leben wird sich für die WG-Bewohner verändern. Für Bibbi gibt es allerdings kein Happyend, sie stirbt an ihrer Krankheit.

Zwei Stunden lachen und leiden die Zuschauer im vollbesetzten Festsaal mit den Bewohnern mit und sind ein Teil der WG, denn sie werden mit einbezogen, z. B. wenn die Darsteller auch im Zuschauerraum spielen. Das Stück ist liebevoll und engagiert durchrecherchiert und inszeniert bis ins kleinste Detail, angefangen von den Halorenkugeln über den Rotkäppchensekt bis hin zum O-Ton der Aktuellen Kamera und der Tagesschau. Die Darstellerinnen und Darsteller verstanden es, ihre Charaktere glaubhaft mit Leben zu füllen; dazu wurden sie perfekt und professionell von Johanna Samberger (Q 12), Linda Göbl. Dorothee Meyer, Jan-Marco Müllner und der Spielleiterin Diana Schneider in Szene gesetzt. Die Wende 1989, eine Sternstunde der Geschichte, wurde in einer Sternstunde des Schultheaters den Zuschauern kurzweilig vermittelt.

Andreas Hilgart (DJDR)

Aufführung: 25. April 2013

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