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Liken bitte!

[EG, 30.06.2022] – „Liken bitte!“ – Stückentwicklung

Mit einem übergroßen Handy im Hintergrund  begrüßte Spielleiterin StRin Elisa Romfeld am 30.06.2022 die zahlreich erschienenen Gäste in der Aula des Erasmus-Gymnasiums in Amberg. Sie erzählte kurz die Entstehungsgeschichte der Eigenproduktion der Theatergruppe der Mittel- und Oberstufe „Liken bitte“: Der Aufhänger war ursprünglich das Märchen Hans im Glück. Über die Interpretation für die Gegenwart – was macht Teenager heute vermeintlich glücklich?  Welchen Stellenwert besitzen v. a. mediale Einflüsse von außen?- ist ein mitreißendes Stück über die Suche nach dem eigenen Weg in der heutigen Welt entstanden, das jeden Zuschauer im Hier und Jetzt abholen konnte. Die Leiterin bedankte sich zu Beginn sehr herzlich bei den Technik-Jungs Leonard Beck, Maximilian Tutsch und Johannes Wärtel, die ihre Licht- und Ton-Einsätze souverän meisterten.

In der heutigen Welt seinen Weg zu finden ist keine leichte Aufgabe. Besonders für Teenager kommen da noch die schulischen Probleme und das Gefühl dazu, Außenseiter zu sein. Bereits in der Anfangsszene zeigte die Protagonistin ihr schauspielerisches Können: Unglaublich überzeugend und ausdrucksstark gespielt von Lina Weigert. Sie war unglücklich und nichts in ihrem Leben lief. Trotz ihrer misslichen Lage versuchte sie anschließend auf ihre Mitschülerin, auf ihre Mathelehrerin als auch auf ihre Mutter zuzugehen, um in ihrer sozialen, schulischen und familiären Notlage Hilfe zu suchen. Doch diese wiesen sie jeweils ab: Keine Lust! Kein Interesse! Keine Zeit!

Sie suchte Ablenkung im Netz und stieß dort auf verschiedene Werbejingles. Dabei kam auf der Hauptbühne das überdimensionale Handy zum Einsatz. Darin liefen die drei weiteren Hauptdarstellerinnen Emilia Lampe, Floriana Wolfrum und Elisabeth Bankel zur Höchstform auf und verkörperten herrlich überzogen und gekonnt mitreißend Influencerinnen der wichtigsten Teenagerthemen: Kleidung, Make-up und Ernährung. Sie stellten die Influencer-Welt wunderbar ironisch dar und sorgten so für einige Lacher. Die Protagonistin wurde allerdings von ihnen immer mehr bedrängt. Theatralisch beeindruckend dargestellt durch direktes körperliches Bedrängen: Kaufen! Kaufen! Kaufen!

Der Zwiespalt zwischen dem Wunsch, sein zu wollen wie sie, und der Erkenntnis, dass dieses vermeintliche Glück nur vergänglich ist, wurde gelungen dargestellt von Engelchen und Teufelchen. Wunderbar verkörpert von zwei Gastspielerinnen Emily Cole und BaoLu Tang, die in ihrer Rolle sichtlich aufgingen. Letztendlich entschied sich die Hauptdarstellerin für den teuflischen Weg und folgte der Aufforderung „Probier dich aus!“ Und eine neue Influencerin war geboren! Doch die erhofften Likes blieben aus. Mit den heftigen negativen Reaktionen aus dem Netz hatte sie nicht gerechnet und wurde von der Flut der „Hater“ völlig überrollt. Diese Ablehnung und gleichzeitig das Gefühl des Ausgeliefertseins wurden theatralisch beeindruckend durch weiße Masken und Musik untermauert.

Als sie völlig am Boden war, kam schon jemand zu Hilfe. Ein Verkäufer wusste DIE Lösung: Investiere dein ganzes Geld in meine Yellow-Bubblegum-Company-Aktien und du wirst reich! Je mehr mitmachen, desto mehr verdient jeder Einzelne! In der Hoffnung, endlich den richtigen Weg gefunden zu haben, unterschrieb unsere Hauptdarstellerin, und das Schneeballsystem kam ins Rollen. Doch schon bald war klar: Nur einer ist dabei der Gewinner und lacht sich ins Fäustchen: Der Verkäufer! Alle anderen machten unserer Protagonistin schwere Vorwürfe: „Das ist alles ihre Schuld!“

Auf der Suche nach der Befreiung aus der Enge des Materialismus stieß sie letztendlich in einem Club bei Tanz und Musik auf einen weiteren gefährlichen Irrweg: Sie hörte auf die falschen Freunde und nahm Drogen und durchlebte einen absoluten Horrortrip! Beeindruckend musikalisch und bildlich wurde dieser dargestellt durch riesige, immer näher rückende Wände- eine Szene mit Gruselfaktor. Das Ganze gipfelte in einem lauten und intensiven Angstschrei! Das Erwachen und die Erkenntnis folgten Schritt für Schritt: Sie sagte NEIN zu Drogen, zum „Deal ihres Lebens“ und zum „Influencen“ und begriff: Es ist gar nicht so schwer, Nein zu sagen. Sie war mutig, versuchte einen Neuanfang und rief eine ihrer Freundinnen an.

Diese Eigenproduktion des Mittelstufentheaters ist wirklich unglaublich gut gelungen. Mit teilweise herrlich ironischen Worten, ergreifenden bildhaften Szenen, eingespielten Videoszenen und perfekt passender Musik haben die Schauspielerinnen mitreißend und gekonnt den Weg einer Jugendlichen in der heutigen modernen Welt gezeigt. Die Schülerinnen hatten sichtlich Spaß auf der Bühne und wurden durch ein begeistert applaudierendes Publikum belohnt. Ein großes Kompliment an dieser Stelle auch an Regisseurin StRin Elisa Romfeld. Direktor Weiß-Mayer bedankte sich zum Schluss noch herzlich bei allen Mitwirkenden und war sichtlich stolz auf deren Leistung.

(Brigitte Bodensteiner, Spielleiterin an der Franz-Xaver-von-Schönwerth-Realschule)

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