Archiv der Kategorie: Schultheatertage 2022

Ausdrucksstarke Krähen

[07.07.2022/FXvS] „Die verwunschene Krähe“ – Märchen frei nach Franz Xaver von Schönwerth

Bei moderaten Temperaturen kam am 7.7. das Stück „Die verwunschene Krähe“ nach Franz Xaver von Schönwerth in der gleichnamigen Realschule zur Aufführung, bei der die Zuschauer mit in eine geheimnisvolle Märchenwelt genommen wurden.

In einer Art Prolog machte die Gruppe „Theaterfieber“ mit chorischem und rhythmischen Sprechen und in unterschiedlichen Bildern das Thema des Abends deutlich: Krähen können Glücksbringer, aber auch Unglücksboten sein. Mit einer überdimensionalen Krähe, die aus allen Darstellern gebildet wurde, flog man auch schon mit in die erste Szene!

Fotos von der Auftaktveranstaltung am 29.03.2022 im Stadttheater Amberg

Als eine Krähe (Laura Wagner) nach drei Jahren den schlafenden König (Sarah Lehner) erlöst, fragt dieser voller Dankbarkeit, was er ihr Gutes tun könne. Die Antwort lautet, er wolle eine seiner Töchter zur Frau! Um die Krähe auch optisch präsentieren zu können, wird auch noch ein Selfie geschossen und im Anschluss den Töchtern gezeigt. Diese reagieren unterschiedlich auf die Geschichte des heimkehrenden Vaters: „Strange“ findet die eine Tochter das, und die drei älteren (Karolina Golcer, Anna Moosburger, Lara Koller) quittieren das Krähen-Foto mit der Aussage „Den Vogel, nein, niemals!“. Nur die jüngste Schwester Rosalinde (Jasmin Hackl) scheint ihr Herz an den geheimnisvollen Vogel verloren zu haben.

Nachdem die Krähe die vier Schwestern auf ihr Schloss gebracht hat, dürfen diese sich dort uneingeschränkt umsehen – bis auf das rote Zimmer! Doch Verbote ziehen die Damen magisch an und bald bemerken die drei älteren Schwestern, dass die Jüngste mit der scheinbar verwandelten Krähe, die nun ein schöner Prinz ist, gemeinsam speist! Skandal! Hierbei werden geschickt die Würfel auf der Bühne so gedreht, dass sie immer eine neue Kulisse mit andersartigen Motiven ergeben.

Die Verbindung zu der Krähe ist jedoch für Rosalinde mit einer Aufgabe verbunden: Sie muss sich als Bettlerin verkleiden und die erstbeste Arbeit annehmen, die ihr angeboten wird, damit die Krähe erlöst wird. Auf einem Schloss, auf dem der Prinz von der Königin (Sabrina Smith) und dem König (Sofia Meremjanov) schon seit Jahren vermisst wird, muss sie sich in der Küche bewähren. Doch das geht erst einmal schief, da sie von dem dortigen Küchenmädchen (Jessica Schwinger) falsch beraten wird. Erst nachdem sie mit der Feder der Krähe jegliche Speisen und Desserts aufgeschrieben hat, werden diese alle real und die Diener (Waleria Frescher und Karolina Golcer) haben alle Hände voll zu tun beim Servieren!

Als Rosalinde der Krähe, die oftmals majestätisch mit ihren Flügeln (Elisabeth Ullmann, Aleandro Mayer) über die Bühne schwebt, danken will, erfolgt das überraschende Ende des Märchens: Die Krähe bzw. der verzauberte Prinz ermordet Rosalinde!

Ein wiederholt chorisches Sprechen bildet erneut den Rahmen des Märchens: Man weiß nie, ob Krähen nun Todesboten oder Glücksboten sind!

Brigitte Bodensteiner bedankte sich am Ende herzlich bei ihrer Gruppe und bei den Ton- und Lichttechnikern (Jonas Schenzel, Niklas Giedl, Luca Kálmán) und bekam für diese gelungene Aufführung zusammen mit den DarstellerInnen donnernden Applaus!

Elisa Romfeld, Spielleiterin am Erasmus-Gymnasium

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Schultheatertage 2022

„Cleopatra“ meets „Leonce und Lena“

[06.07.2022/DJDS] „Cleopatra“ (August v. Kotzebue) und „Leonce und Lena“ (Georg Büchner)

Begeisterter Applaus für zwei unterhaltsame Stücke
Am Mittwoch, den 06. Juli 2022, wurden die zahlreichen Zuschauerinnen und Zuschauer im Gerhardingersaal nicht nur mit einem, sondern gleich zwei kurzweiligen Theaterstücken der Theatergruppe der Dr.-Johanna-Decker-Schule überrascht. Unter der Leitung von Peter Ringeisen und Florian Hackl verwandelten die Schülerinnen der Mittel- und Oberstufe die Bühne in verschiedene Orte der Literaturgeschichte.

Im ersten Stück, der Tragödie „Cleopatra“ von August v. Kotzebue, berichtete zunächst die überzeugende Prologussprecherin (Sarah Geck) in charmanten Reimen über das Schicksal von Julius Cäsar, welcher auf tragische Weise umgekommen war – und schon hier wird deutlich, dass das alles nicht so ernst gemeint ist. Seine Gemahlin Cleopatra (ausdrucksstark dargestellt von Sophia Lang) im opulenten Kleid aber schien, trotz ihres gemeinsamen Kindes Cäsarion (frech gespielt von Melanie Gruber), nicht über seinen Tod bekümmert. In kurzer Zeit wurde der egoistische und dominante Charakter von Cleopatra durch ihr überzeugtes Auftreten und ihre Handlungen auf der Bühne deutlich. Statt zu trauern, war sie schließlich eher darum bemüht, dass der stattliche Antonius (sicher verkörpert durch Louisa Birkel in einem liebevoll gestalteten Kostüm), ein römischer Triumvir, ihr zu Füßen läge, wofür sie sich mithilfe ihrer Kammerjungfer (Lina Eiban) hübsch machte. Dessen Gemahlin Octavia (Annabelle Schwegler) war daraufhin verständlicherweise zutiefst entsetzt. Der Wendepunkt der Tragödie ereignete sich, als Gallus (Nina Hauser) wortgewandt verkündete, dass Antonius die Schlacht gegen Augustus verloren habe. Aufgrund dieser Niederlage wollte Cleopatra den Kontakt zu Antonius abbrechen, und ihr Sohn sollte diesem berichten, dass sie sich ermordet hätte. Von dieser Nachricht allerdings zutiefst erschüttert, beschloss Antonius Selbstmord zu begehen. Bevor er jedoch das Jenseits erblickte, sah er Cleopatra noch ein letztes Mal, und die beiden führten ein scheinbar einfühlsames Gespräch. Sein tragischer Tod war der selbstsüchtigen Herrscherin am Ende allerdings sichtlich gleichgültig.

Die Stimmung der Tragödienparodie wurde durch lustige Wortwitze und das überzeugende Schauspiel der Schülerinnen immer wieder aufgeheitert und ließ die Besucherinnen das wahre Gesicht der Cleopatra erkennen. In einem reduzierten Bühnenbild lag der Fokus dabei auf dem einprägsam vorgetragen Text.

Im Anschluss begeisterte die Ringeisen- und Hackl-Truppe mit dem Lustspiel „Leonce und Lena“ von Georg Büchner die Anwesenden. So wurde Leonces Missgunst (sehr überzeugend gespielt von Melanie Gruber) gegenüber dem langweiligen Lebenswandel der Zeit gezeigt, dessen Geliebte Rosetta (Milena Weich) nur ein Zeitvertreib für ihn zu sein schien. Als sein vergesslicher und verwirrter Vater, der König Peter vom Reiche Popo (selbstbewusst verkörpert von Nina Hauser), ihn mit der Prinzessin Lena vom Reiche Pipi (charmant dargestellt von Louisa Birkel) verheiraten wollte, beschloss Leonce besser nicht bei seiner eigenen Hochzeit anwesend zu sein. Stattdessen ging er lieber mit seinem Kumpanen Valerio (äußerst leidenschaftlich: Kaya Lorenz) auf Reisen, der auch zur Begeisterung der Zuschauerinnen und Zuschauer immer für genug Unterhaltung, Essen und Wein sorgte.

Parallel dazu wurde die Geschichte der ebenso melancholischen Prinzessin Lena dargestellt. Auch sie zeigte sich skeptisch bezüglich der arrangierten Hochzeit, da sie stets nach der wahren Liebe suchte. Deshalb machte auch sie sich mit ihrer verständnisvollen Gouvernante (Sophia Lang) auf den Weg. In einem Gasthaus traf sie, welch ein Zufall, zum ersten Mal Prinz Leonce, ohne zu wissen, dass dies ihr Verlobter und künftiger Gemahl sei. Dieser fand sofort Interesse an der unbekannten Schönheit. Auf Vorschlag Valerios, seine eigenen Interessen immer im Auge behaltend, brachte Leonce die Unbekannte nach Hause, um sie seiner romantischen Art nach direkt zu heiraten.

Währenddessen befahl der besorgte Vater seinen chorisch überzeugend agierenden Bediensteten (Jasmin Schönberger, Lina Hein und Leni Flöter), Ausschau nach den zukünftigen Regenten des Landes zu halten. Unter den Augen verschiedener Bewohner des Reiches (überzeugend aufgeregt: Annabelle Schwegler, Emma Engels, Leni Flöter, Sarah Geck und Milena Weich) kam es schließlich zu einer Trauung der mithilfe von amüsanten Masken verkleideten Königskinder. Erst während der Zeremonie stellte sich heraus, dass sie ja sowieso einander versprochen waren und das Lustspiel nahm ein für alle positives Ende.

Nicht einmal mehrere Ausfälle durch Coronainfektionen (zwei Schülerinnen konnten nicht teilnehmen; tadellos gelöst von Leni Flöter) sah man der Aufführung an, und so wurde klar, wie viel Mühe und Arbeit in beiden Produktionen steckte. Diese wurden mit viel Applaus gewürdigt.

Nina Kohl, Spielleiterin am Max-Reger-Gymnasium

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Schultheatertage 2022

Magische Ereignisse – mit Lerneffekt

[05.07.2022/MRG] „Die verfluchte Schule“ von Stefanie Golkowsky

Die Unterstufen-Theatergruppe des Max-Reger-Gymnasiums unter der Leitung von Simone Nimmerrichter zeigte zunächst ein ganz normales Klassenzimmer in einer ganz normalen Schule: An den Stellwänden allerlei Informatives: Vorlesewettbewerb, Nachhilfeangebote, doch auch krasse Sprüche. Von „Ben ist sooo hot“ über „Schule ist nutzlos, man braucht nur Tik Tok“ bis hin zu „I laf Englisch“ erfährt man schon zu Beginn des Stücks, dass hier allerlei geboten ist.

Fotos von der Auftaktveranstaltung am 29.03.2022 im Stadttheater Amberg

Mit gruseliger Musik und einem Breakdance-Intro von übernatürlichen Wesen zeigt sich allerdings, dass es hier doch nicht ganz mit rechten Dingen zu geht: Minna (Pia Mutzbauer), etwas blass, aber grandios „untot“  geschminkt, hat genug davon, seit über hundert Jahren nur zu spuken, sie will gesehen werden, ein Handy, Döner und schicke Looks ausprobieren. Alma (Annika Schwagerl) und Erna (Amelia Meißner) sind davon alles andere als begeistert. Dass Minna auch noch nach neuen Freunden Ausschau halten will, quittieren sie mit „Du gemeines Bettlaken“ und anderen Fiesigkeiten. Nur das putzige Einhorn Dora (Lilli Sellin) will helfen, den Fluch, der auf ihnen allen lastet, zu brechen: unter der Voraussetzung, als lebendiges Wesen nur noch knallbunte Klamotten und pinkfarbene Schuhe zu tragen.

In der zweiten Szene tritt die supercoole Tussi Jenny (Franziska Dudek) mit ihrem ergebenen Hofstaat Romina (Johanna Aumiller) und Angelina (Noura Mouselli) auf, allesamt zu cool für langweiligen Geschichte- Unterricht bei Frau Weiß-Feierabend (sehr überzeugend in ihrer Rolle als Lehrerin: Victoria Zeltner). Zu dumm nur, dass diese die drei just in dem Moment erwischt, als sie verschwinden wollen und stellt der Klasse (haaaaa tschi) eine neue Schülerin vor. Mari Eleorore (Flora Binner) mit unaussprechlichem Familiennamen, die nicht weiß, an welchem Tag sie geboren ist, aber zum Erstaunen aller bereits die heutige Hausaufgabe erledigt hat, was an den magischen Fähigkeiten liegt, die sie schon als kleines Kind bei sich entdeckt hat. Ben (Anna Wendl, die den perfekten oberchefmäßigen Trotz-Boy mimt), ist erst Feuer und Flamme für die Neue, das anfängliche Interesse verwandelt sich aber schnell in Feindseligkeit, weil sie ihn keines Blickes würdigt. Nele (Frederike Dötsch) und Nora (Lena Zabel) dagegen bieten Mari an, ihr die Schule zu zeigen und warnen sie vor Ben, der schonmal ein Mädchen von der Schule gemobbt haben soll. Streberin Sabrina (Regina Sachsenhauser) ist skeptisch, ob die Neue in die Klasse passt. Und Frau Schönhaus (Hannes Lichtenegger) wartet mit einem Urteil erst einmal bis zur nächsten Deutschstunde (haaaaa tschi).

Als würde es nicht schon genug spuken, erscheinen noch drei fürchterliche Zombies (genial geschminkt und zombiemäßig zurechtgemacht: Anna Rauchenberger, Uliana Kiseleva und Alexandra Galiev), die nicht als Verwüstung hinterlassen und einen seltsam gefährlichen Geruch wahrnehmen, der so gar nichts von „Mensch“ hat. Bald erkennen sie auch warum: durch ihre magischen Fähigkeiten bricht Mari die Kraft der drei Zombies, als diese verhindern wollen, dass Mari Minna und Dora hilft, den Schulfluch zu durchbrechen. Mit Hilfe eines verschlüsselten Runen-Textes teilen die übernatürlichen Mädchen Mari mit, was sie zu tun hat: Gegenstände aus dem Keller holen und an den jeweiligen Platz im Klassenzimmer legen, auf dem die untoten Mädchen zu Lebzeiten saßen.

Als Mari sich im Keller auf die Suche macht, will Ben sie aufhalten, doch mit ihren Kräften setzt sie ihn nicht nur außer Gefecht, sondern erteilt ihm auch noch eine Lektion. Sie droht damit, allen anderen Schülern die Erinnerung an ihn zu nehmen. Damit trifft sie natürlich genau seinen wunden Punkt und er willigt ein, ihr nicht im Weg zu stehen. Als er sie fragt, warum sie ihn nicht einfach verhext, erwidert sie altklug-schnippisch: Wo bleibt denn da der Lerneffekt?

Nun wollen noch die Zombies in letzter Sekunde verhindern, dass Mari die Gegenstände – ein Kuscheltier, einen Horrorroman, sehr alte Kekse und einen Talisman – auf den richtigen Platz legen kann. Sie drehen die Zeit zurück und versuchen, Mari zu einer anderen Handlung zu bringen. Doch oh Schreck! Ihre Zauberkraft wirkt nicht, trotz mehrmaligem Drehen an der virtuellen Riesenuhr (super inszeniert: Eine Art Zurückspulen der Bewegungen, anschließend die gleiche Szene minimal verändert mehrmals wiederholt).

Ende gut, alles gut: Minna, Alma, Erna und Dora sind erlöst und wieder zu ganz normalen Mädchen geworden und gehen überglücklich auf die Suche nach der nächsten Dönerbude.

Sowohl Kostüme als auch Maske waren in diesem Stück höchst professionell und sehr detailreich angefertigt, die Texte witzig, authentisch und gekonnt vorgetragen. Alles in Allem bekam man eine kurzweilige, zuweilen rasante und intelligente Inszenierung geboten, die trotz des saunahaften Klimas im Zuschauerraum gefesselt und im wahrsten Sinne des Wortes begeistert hat.

Christine Kleinert, Spielleiterin am Gregor-Mendel-Gymnasium

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Schultheatertage 2022

Liken bitte!

[EG, 30.06.2022] – „Liken bitte!“ – Stückentwicklung

Mit einem übergroßen Handy im Hintergrund  begrüßte Spielleiterin StRin Elisa Romfeld am 30.06.2022 die zahlreich erschienenen Gäste in der Aula des Erasmus-Gymnasiums in Amberg. Sie erzählte kurz die Entstehungsgeschichte der Eigenproduktion der Theatergruppe der Mittel- und Oberstufe „Liken bitte“: Der Aufhänger war ursprünglich das Märchen Hans im Glück. Über die Interpretation für die Gegenwart – was macht Teenager heute vermeintlich glücklich?  Welchen Stellenwert besitzen v. a. mediale Einflüsse von außen?- ist ein mitreißendes Stück über die Suche nach dem eigenen Weg in der heutigen Welt entstanden, das jeden Zuschauer im Hier und Jetzt abholen konnte. Die Leiterin bedankte sich zu Beginn sehr herzlich bei den Technik-Jungs Leonard Beck, Maximilian Tutsch und Johannes Wärtel, die ihre Licht- und Ton-Einsätze souverän meisterten.

In der heutigen Welt seinen Weg zu finden ist keine leichte Aufgabe. Besonders für Teenager kommen da noch die schulischen Probleme und das Gefühl dazu, Außenseiter zu sein. Bereits in der Anfangsszene zeigte die Protagonistin ihr schauspielerisches Können: Unglaublich überzeugend und ausdrucksstark gespielt von Lina Weigert. Sie war unglücklich und nichts in ihrem Leben lief. Trotz ihrer misslichen Lage versuchte sie anschließend auf ihre Mitschülerin, auf ihre Mathelehrerin als auch auf ihre Mutter zuzugehen, um in ihrer sozialen, schulischen und familiären Notlage Hilfe zu suchen. Doch diese wiesen sie jeweils ab: Keine Lust! Kein Interesse! Keine Zeit!

Sie suchte Ablenkung im Netz und stieß dort auf verschiedene Werbejingles. Dabei kam auf der Hauptbühne das überdimensionale Handy zum Einsatz. Darin liefen die drei weiteren Hauptdarstellerinnen Emilia Lampe, Floriana Wolfrum und Elisabeth Bankel zur Höchstform auf und verkörperten herrlich überzogen und gekonnt mitreißend Influencerinnen der wichtigsten Teenagerthemen: Kleidung, Make-up und Ernährung. Sie stellten die Influencer-Welt wunderbar ironisch dar und sorgten so für einige Lacher. Die Protagonistin wurde allerdings von ihnen immer mehr bedrängt. Theatralisch beeindruckend dargestellt durch direktes körperliches Bedrängen: Kaufen! Kaufen! Kaufen!

Der Zwiespalt zwischen dem Wunsch, sein zu wollen wie sie, und der Erkenntnis, dass dieses vermeintliche Glück nur vergänglich ist, wurde gelungen dargestellt von Engelchen und Teufelchen. Wunderbar verkörpert von zwei Gastspielerinnen Emily Cole und BaoLu Tang, die in ihrer Rolle sichtlich aufgingen. Letztendlich entschied sich die Hauptdarstellerin für den teuflischen Weg und folgte der Aufforderung „Probier dich aus!“ Und eine neue Influencerin war geboren! Doch die erhofften Likes blieben aus. Mit den heftigen negativen Reaktionen aus dem Netz hatte sie nicht gerechnet und wurde von der Flut der „Hater“ völlig überrollt. Diese Ablehnung und gleichzeitig das Gefühl des Ausgeliefertseins wurden theatralisch beeindruckend durch weiße Masken und Musik untermauert.

Als sie völlig am Boden war, kam schon jemand zu Hilfe. Ein Verkäufer wusste DIE Lösung: Investiere dein ganzes Geld in meine Yellow-Bubblegum-Company-Aktien und du wirst reich! Je mehr mitmachen, desto mehr verdient jeder Einzelne! In der Hoffnung, endlich den richtigen Weg gefunden zu haben, unterschrieb unsere Hauptdarstellerin, und das Schneeballsystem kam ins Rollen. Doch schon bald war klar: Nur einer ist dabei der Gewinner und lacht sich ins Fäustchen: Der Verkäufer! Alle anderen machten unserer Protagonistin schwere Vorwürfe: „Das ist alles ihre Schuld!“

Auf der Suche nach der Befreiung aus der Enge des Materialismus stieß sie letztendlich in einem Club bei Tanz und Musik auf einen weiteren gefährlichen Irrweg: Sie hörte auf die falschen Freunde und nahm Drogen und durchlebte einen absoluten Horrortrip! Beeindruckend musikalisch und bildlich wurde dieser dargestellt durch riesige, immer näher rückende Wände- eine Szene mit Gruselfaktor. Das Ganze gipfelte in einem lauten und intensiven Angstschrei! Das Erwachen und die Erkenntnis folgten Schritt für Schritt: Sie sagte NEIN zu Drogen, zum „Deal ihres Lebens“ und zum „Influencen“ und begriff: Es ist gar nicht so schwer, Nein zu sagen. Sie war mutig, versuchte einen Neuanfang und rief eine ihrer Freundinnen an.

Diese Eigenproduktion des Mittelstufentheaters ist wirklich unglaublich gut gelungen. Mit teilweise herrlich ironischen Worten, ergreifenden bildhaften Szenen, eingespielten Videoszenen und perfekt passender Musik haben die Schauspielerinnen mitreißend und gekonnt den Weg einer Jugendlichen in der heutigen modernen Welt gezeigt. Die Schülerinnen hatten sichtlich Spaß auf der Bühne und wurden durch ein begeistert applaudierendes Publikum belohnt. Ein großes Kompliment an dieser Stelle auch an Regisseurin StRin Elisa Romfeld. Direktor Weiß-Mayer bedankte sich zum Schluss noch herzlich bei allen Mitwirkenden und war sichtlich stolz auf deren Leistung.

(Brigitte Bodensteiner, Spielleiterin an der Franz-Xaver-von-Schönwerth-Realschule)

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Schultheatertage 2022

Was ist schon real?

[MRG, 12.05.2022] Alice im Anderland – frei nach Lewis Carroll

„Herzlich willkommen in der Reger’schen Nervenheilanstalt“. Unter diesem Motto fanden sich die zahlreichen Zuschauerinnen und Zuschauer am Donnerstag, den 12.5., im JUZ Klärwerk ein, um die Aufführung der Theatergruppe der Mittel- und Oberstufe des Max-Reger-Gymnasiums zu erleben. Die Gruppe präsentierte das Stück „Alice im Anderland“, das auf den ähnlich klingenden Roman von Lewis Caroll basiert. Das Publikum wurde von einem schlichten Bühnenbild aus weißen Pappquadern empfangen, die mit den unterschiedlichsten psychischen Ausnahmezuständen und Krankheiten beschriftet waren. Schnell wurde klar, um wen sich das Stück drehte – nämlich um Patientin 263, auch bekannt als Alice, die nach dem Feuertod ihrer Eltern in der Nervenheilanstalt gekommen war. Die junge Waise, leidenschaftlich und frech gespielt von Nadja Rein, zeigte nicht nur einen ausgeprägten Hang zu blauen Pillen, sondern auch einen starken Widerwillen gegen Autoritäten. Unterstützt wurde sie dabei von ihren ständigen Begleitungen – den Grinsekatzen. Onyx Beha und Michael Wiesnet bewegen sich mit herrlich katzenhafter Geschmeidigkeit durch den Raum, während sie Alice mit zahlreichen gutgemeinten Ratschlägen und Warnungen bedachten.

(Fotos: Von der Auftaktveranstaltung im Stadttheater/29.03.2022)

Das Personal der Nervenheilanstalt war ein bunter Reigen aus den unterschiedlichsten Charakteren. Während die neue Ärztin (überzeugend enthusiastisch: Kathrin Liebl) sich um das Wohl ihrer Schützlinge sorgte, waren dem erfahrenen Mediziner dort solch menschliche Empathien fremd. Jonas Zimmermann spielte den wunderbar gleichgültigen und abgebrühten Arzt, dem deutlich mehr an seinem Klebestift als seinen Patienten lag, mit mitreißender Gehässigkeit. Wirklich zum Fürchten allerdings waren das Pflegepersonal der Nachtschicht. Während der als Herzbube bekannte Pfleger, durchsetzungsstark gespielt von Nina Eules, die Insassen bei seinen Rundgängen mit dem Schlagstock in Angst und Schrecken versetzte, ging doch – wie bereits bei Caroll – die größte Gefahr von der Herzkönigin aus. Theaterprofi Hanna Schallmaier terrorisierte als Nachtschwester im knallroten Kleid und Lederhalsband hinreißend teuflisch ihre Station.

Derart unter Druck gesetzt war die Stimmung unter den Patientinnen und Patienten wenig hoffnungsvoll. Der Hutmacher im Militärlook (bedrückend traumatisiert: Antonia Tessmann), die Herzogin mit eingebildetem Kind (überzeugend ohne jeden Realitätsbezug: Jule Berger), der Koch (liebenswert verfressen: Oscar Öckl) und die abgedreht von Antonia Ströhl gespielte stets bekiffte Raupe glaubten eigentlich nicht mehr daran, dem Regime der Herzkönigin entkommen zu können. Auf Alices Initiative hin – no risk no fun – überredeten sie aber schließlich doch das von Lia Maline Müller bezaubernd schreckhaft gespielte Kaninchen, heimlich die Schlüssel der Tyrannin zu entwenden. Als diese Aktion katastrophal misslang, kam es zum Showdown: Alice kämpfte, nun aber nicht mehr gegen Herzbube oder Herzkönigin, sondern gegen ihre eigenen Dämonen, und setzte schließlich in ihrem Wahn die Anstalt in Brand.

Spannend für das Publikum waren neben der Handlung selbst auch die Präsentationen verschiedenster psychischer Störungen wie PTBS, Paranoia, Depression und Schizophrenie, die vom „Ärtzeteam“ in kleinen Kurzvorträgen vorgestellt wurden.

Ein zusätzliches Highlight waren die beiden Gastschüler Patrick Ye und Vojtech Brodsky, die als Lakai und Erzähler das Publikum durch ihr punktuelles witziges Auftreten immer wieder zum Schmunzeln brachten.

Wer im Grunde verrückter war in dieser Reger’schen Nervenheilanstalt (das Personal oder die Insassen) oder was oder wer wirklich real war oder nicht, das blieb am Ende offen. Aber dem Publikum war das nur Recht, und es spendete begeistert und großzügig Applaus.

Claudia Ried, Spielleiterin am Gregor-Mendel-Gymnasium

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Schultheatertage 2022

Kleine Gruppe, große Wirkung

[DJDS, 07.04.2022] J. B. Priestley: „Ein Inspektor kommt

„Ein Inspektor kommt“ hieß es am vergangenen Donnerstag auf der Bühne des Gerhardinger-Saals. Mit der Aufführung dieses Dramas von J. B. Priestley durch die Theatergruppe der Dr.-Johanna-Decker-Schulen unter der Leitung von Peter Ringeisen und Florian Hackl wurde dem Publikum ein spannender und nachdenklich stimmender Theaterabend geboten.

Der zeitlose Kerngedanke, den das 1945 uraufgeführte Stück vermittelt, lässt sich so zusammenfassen: Wir sollten uns stets bewusst machen, dass unser Tun einem anderen schaden kann, und unser Handeln danach ausrichten, dass das möglichst selten passiert. Die Bedeutung dieser Maxime ist der Familie Birling am Anfang des Stücks fremd, sodass ein Inspektor – beeindruckend kühl und geradlinig gespielt von Leni Flöter – ihnen nacheinander vor Augen führen muss, wie die Summe ihrer egoistischen, zornigen und unüberlegten Entscheidungen eine junge Frau namens Eva Smith in den Selbstmord getrieben hat.

Im Fokus steht dabei zunächst das Familienoberhaupt Arthur Birling, das Eva wegen einer Teilnahme an einem Arbeiterstreik feuerte. Kaya Lorenz zeigt in dieser Rolle eine große Souveränität und ein nicht geringes komisches Talent auf der Bühne. Gerald Croft, der sich soeben mit Arthurs Tochter Sheila verlobt hat, wird ebenfalls einer Prüfung durch den Inspektor unterzogen. Er muss zugeben, dass er mit Eva eine Affäre hatte. Sobald er erkennt, was seine Taten bewirkt haben, stellt er ehrlich fest, dass er „berührter von der Sache“ ist, als er erwartet hätte. Dargestellt wird dieser Charakter von Eva Ringer, der es sehr gut gelingt, die Emotionen der Figur glaubwürdig zu transportieren.

Doch auch Arthurs Frau Sybil – überzeugend als unnahbare und selbstbewusste Herrin des Hauses verkörpert von Lea Borawski – und seine Kinder Sheila und Eric haben einen Anteil am Freitod der Eva Smith. Sybil, weil sie dafür gesorgt hat, dass die schwangere Eva keine Unterstützung von der von ihr eingerichteten Wohltätigkeitsorganisation erhielt. Sheila, weil sie dazu beigetragen hat, dass Eva eine weitere Anstellung verlor. Eric, weil er derjenige ist, der Eva geschwängert hat.

Die beiden letztgenannten Figuren gelangen im Gegensatz zu ihren Eltern am Ende des Stücks jedoch zu einer Einsicht und empfinden Schuld und Verantwortung für ihr Tun. Arthur und Sybil versuchen dagegen weiterhin, das Geschehene zu relativieren oder davon abzulenken. In der Rolle von Eric Birling überzeugt Ciara Pflaum, die den jungen Mann zunächst leichtfertig und später an der Situation und den uneinsichtigen Eltern verzweifelnd darstellt. Jasmin Schönberger, jüngstes Mitglied der Theatergruppe, spielt Sheila Birling so gut, dass man sich mit Arthurs Worten hin und wieder fragt: „Was ist denn los mit diesem Kind?!“

Das Bühnenbild orientierte sich mit wenigen Akzenten wie Portweingläsern und Ohrensessel im Salon der Familie Birling angenehm nah an der ursprünglichen Kulisse des Dramas. Dasselbe gilt für die Kostümierung, die die Damen im Kleid, die Herren im Anzug, den jungen Eric Birling mit Hosenträgern und den Inspektor im Trenchcoat zeigte.

Das Ensemble, obwohl überwiegend noch ohne bisherige Bühnenerfahrung, spielte textsicher und durchweg ausdrucksstark. Das Lob schließt Lena Gimpl ausdrücklich mit ein, die in Corona-Zeiten kurzfristig für Kimberly Reuter in der Rolle des Hausmädchens Edna einsprang. Auf äußerst charmante Weise lud sie das Publikum ein, sich in der Pause im 2. Akt an Getränken und Snacks zu erfrischen.

J. B. Priestleys „Ein Inspektor kommt“ ist ein ernstes und zeitloses Stück, das nicht nur das Thema Verantwortung in den Mittelpunkt rückt, sondern die Verantwortung für eine gelungene Inszenierung auf nur wenige Schultern, nämlich auf nur sieben Rollen verteilt. Die sieben Schauspielerinnen der Dr.-Johanna-Decker-Schulen haben diese Herausforderung bravourös gemeistert. Mit ihrer Aufführung forderten sie zudem das Publikum heraus, über die Themen Verantwortung und menschliches Miteinander auch nach dem Verklingen des Beifalls und dem Verlassen des Saals nachzudenken. Als kleine Gruppe erzielten sie somit eine große Wirkung.

Simone Nimmerrichter, Schulspielleiterin am MRG

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Schultheatertage 2022

Vom Staube befreit: GMG beamt „Faust“ in die Gegenwart

[GMG, 05./06.04.2022] Faust – Zeuge oder Täter? oder: Der Fall Margarete Weiß
Die Theatergruppe „Die Oscars“ am Gregor-Mendel-Gymnasium präsentierte am Dienstag- und Mittwochabend das Stück „Faust – Zeuge oder Täter? oder: Der Fall Margarete Weiß“, in dem sie Johann Wolfgang von Goethes Drama „Faust. Der Tragödie erster Teil“ unter der Leitung von Oberstudienrätin Claudia Ried neu interpretierte. Dabei beeindruckte die Neufassung dieses Klassikers die Zuschauer damit, dass alle wesentlichen Elemente des Originalwerkes schlüssig in die Moderne geholt wurden und trotzdem die eigentliche Geschichte um Margarete und Dr. Heinrich Faust erhalten blieb. Dabei durften einige zu geflügelten Worten gewordene Zitate wie „Da steh´ ich nun, ich armer Tor, Und bin so klug als wie zuvor!“ nicht fehlen und wurden von Faust (dem Original im Gemisch aus Naivität, Skrupellosigkeit und schlechtem Gewissen ähnlich: Simon Böller) geschickt eingebracht. Die Handlung beginnt mit dem eigentlichen Ende: Gretchen, eindringlich gespielt von Pauline Meiller, wurde bereits festgenommen, Kommissarin Ida Hanft und Kommissar Richard Römmich stürzen sich in ihre Ermittlungen, unterstützt von den Kripobeamten (korrekt im Dienst: Jakob Bothner und Lea Rittner). So erleben die Zuschauer die Gretchentragödie als einzelne Zeugenaussagen. Besonders die Ermittlungen im Hause der verschrobenen Nachbarin, die ihre Aussagen mit ihrer Katze abstimmt (die wandelbare Annalena Egerer in einer ihrer drei Rollen), zeigte den schwierigen Ermittlungsalltag der Polizisten.

Die Wagner, souverän gespielt von Ayana Bauer, half dem Publikum mehrmals, der Handlung zu folgen, denn sie durchbrach immer wieder gekonnt die vierte Wand, um Personen und Handlungen einzuordnen. Anders als im Original war sie es, die eine Wette mit Mephista (schön subtil böse: Katharina Filimonov) abgeschlossen hatte: Mephista behauptete, jeder Mensch sei korrumpierbar; Wagner hielt dagegen, gebildete Menschen, insbesondere Faust, könnten aufgrund ihrer moralischen Standhaftigkeit nicht zum Schlechten verführt werden.

Über einen Spiegel lernten sich die beiden Hauptfiguren kennen, und zwar im Friseursalon von Fabrizio (in dieser Rolle temperamentvoll südländisch: Jakob Bothner), als Gretchen während ihres Studentenjobs die Haare vom Boden auffegte. Was wollte Faust in diesem Salon? Wie durch Zauberhand verjüngt werden natürlich. Mit seinen Wünschen brachte er selbst Maestro Fabrizio ins Schwitzen, wie er in einem TV-Interview gesteht. Die Kamerafrau (stets nah dran am Geschehen: Liliane Poeplau) tauchte dabei im gesamten Stück immer wieder an der Seite der jungen Reporterin (freundlich, aber bestimmt: Mabel Kigadye) auf, welche in dieser Gerichtsverhandlung ihre Chance sieht, beruflich durchzustarten. Auch die junge – und laut Mephista überteuerte – Anwältin (gewieft und cool: Esma Kos) sieht in diesem Fall des Kindsmordes, der noch zwei weitere Morde ans Tageslicht bringt, eine Gelegenheit, Karriere zu machen.

Das Innenleben einiger Figuren zeigten die „Oscars“ sehr effektvoll in kurzen Monologen, die durch einen Wechsel in der Beleuchtung signalisiert wurden. So erfährt das Publikum, dass die nach außen um das Wohl der Angeklagten besorgte Polizeipsychologin ganz sicher ist, Gretchen wolle sie mit ihren Aussagen „verarschen“; auch die eigentlichen Gedanken Gretchens werden auf diese Weise deutlich. Kurz nach dem Nervenzusammenbruch Gretchens folgt die Walpurgisnacht. Dieses fiktive Treffen von Hexen und Teufeln, die sich sinnlichen Freuden hingeben, wurde ebenfalls auf der Bühne inszeniert, nämlich in der Diskothek „Auerbach“, die zufälligerweise Mephista gehört!

Und wie kam es nun zum Kindsmord? Eine Schlüsselrolle spielt hier Lieschen (überzeugend dynamisch: Alicia Schroers Gómez), die gerne Tratsch in der Stadt verbreitet, eine junge, gut vernetzte Verschwörungstheoretikerin, die im gesamten Stück vor Übergriffen durch den Staat und Echsenmenschen und vor der Manipulation durch die Mainstreammedien warnen möchte. Natürlich nutzt sie vor allem ihr Smartphone zur Kommunikation. Solchermaßen zur Aluhut-Trägerin gemacht, zielt die Gretchenfrage dieses Gretchens nicht auf Heinrichs Haltung zur Religion, sondern sie möchte von ihm wissen: „Wie hältst du es mit der Politik?“. Der kurze Glücksmoment der Liebenden wird radikal abgewürgt von dem gesellschaftlichen Druck, der auf die junge Frau wirkt, geschickt dargestellt durch alle anderen Akteure, die von allen Seiten stampfend und ihre Forderungen an die junge Frau phrasenhaft proklamierend immer weiter auf sie zu drängen.

Zum Abschluss darf aber eine wichtige und farbenfrohe Rolle nicht vergessen werden: Der in Regenbogenfarben gestreifte Staubwedel, der in regelmäßigen Abständen beim Bühnenumbau zum Einsatz kam. Begleitet von mindestens zwei Schauspielern und einem schwungvollen Jingle trug dieses Requisit zur humorvollen Unterhaltung des Publikums bei.

Wer nun bedauert, dieses kurzweilige Stück im GMG verpasst zu haben, hat am 01. Juni noch eine Chance, es sich anzusehen.

Florian Hackl, Schulspielleiter an den DJDS

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Schultheatertage 2022

Schultheater wohlauf und quicklebendig

Geglückter Auftakt der 29. Amberger Schultheatertage (2022)

Die 29. „Amberger Schultheatertage“ zeigten, dass trotz aller Probleme, die die Pandemie-Maßnahmen auch für die Theatergruppen mit sich brachten, die Spielfreude immer noch da ist – und die gut gefüllten Zuschauerränge machten deutlich, dass auch das Publikum da ist, das die Aufführungen sehen will. Beste Voraussetzungen also für die Ausschnitte aus den aktuellen Produktionen der Amberger Schultheatergruppen, die bei der Auftaktveranstaltung im Stadttheater traditionell dargeboten werden. Oberbürgermeister Michael Cerny begrüßte das Publikum im vollbesetzten Haus; er dankte den schauspielenden Schülerinnen und Schülern sowie den Theaterlehrkräften für ihr Engagement. Einen guten Verlauf des Abends wünschten in kurzen Grußworten auch Landtagsabgeordneter Dr. Harald Schwartz und der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Amberg-Sulzbach, Thomas Pickel, die als Sponsor der Schultheatertage auftritt.

Die Theatergruppe „Die WILDEN 13“ der Unterstufe des Gregor-Mendel-Gymnasiums (Leitung: Christoph Schulz) bot einen Einblick in ihre Produktion „Horror“ von Barbara Seeliger. Dieses Stück zeigt den Entstehungsprozess eines Filmprojekts – die Jugendlichen wollen einen Horrorfilm drehen. Mit großer Lässigkeit und schön herausgespielten Eigenheiten wird dargestellt, welche Probleme da schon am Anfang auftreten: Es gibt Streit um die Rollenbesetzung, es kommt – natürlich – jemand zu spät, und nur die erfrischend raubeinig eingreifende Regieassistentin kann die auf Harmonie bedachte Regisseurin vor dem Chaos bewahren.

Ein Chaos ganz anderer Art herrscht an der „verfluchten Schule“ (von Stefanie Golkowsky), die die Theatergruppe der Unter- und Mittelstufe des Max-Reger-Gymnasiums auf die Bühne bringt (Leitung: Simone Nimmerrichter). Die Verunsicherung an diesem Haus rührt daher, dass vor hundert Jahren ein Direktor mit schwarzer Magie experimentierte, und nun spuken die unheimlichen Folgen seiner Amateur-Zauberei durchs Gemäuer: ein Einhorn, diverse Gespenster und Zombies! Den Schülerinnen und Schülern des MRG gelingt es, diese besondere, latent bedrohliche Atmosphäre zu zaubern, in der eines der Gespenster sich bitter darüber beklagt, dass es das ewige Spuken leid sei. Ob es der neuen Schülerin Marie gelingen wird, den Fluch zu brechen, wird man später erfahren.

Ihrem besonderen Stil treu, agierte die Theatergruppe der 5.-8. Jahrgangsstufe der Schönwerth-Realschule (Leitung: Brigitte Bodensteiner) mit chorischem Sprechen, bewusster Ausnutzung der Bühnenfläche und mit choreographischen Elementen, die dem Ausschnitt aus ihrer Produktion „Die verwunschene Krähe“ einen poetisches Flair gaben. In diesem Projekt setzen die Schülerinnen und Schüler Elemente aus einem Märchen von Franz Xaver von Schönwerth in eine szenische Erzählung um. Besonders beeindruckend war der Flug der überdimensional großen Krähe, die sich aus den Körpern der Schauspielerinnen und Schauspieler zusammensetzte.

Ein für Jugendliche besonders aktuelles Thema hat sich die Theatergruppe des Erasmus-Gymnasiums vorgenommen (Leitung: Elisa Romfeld). Ihr eigenständig entwickeltes Stück dreht sich um das Smartphone und wie es durch seine Allgegenwärtigkeit das Leben der jungen Leute dominiert. Der Titel „Liken bitte!“ macht deutlich, dass die Zustimmung aus dem Umfeld der sozialen Medien das Ziel aller Userinnen und User ist – und erst recht natürlich all derer, die „Influencer“ sein wollen. Mit perfekter Intonation und Wortwahl karikieren die EG-Influencerinnen existierende YouTube-Kanäle, preisen Kosmetika an, helfen mit erstklassigen Tipps zu deren Verwendung weiter und geben einen Rabattcode an ihre Zuschauerschar, mit dem man einen unglaublichen Preisnachlass von 2 % erhält. Die Hauptperson, die zunächst nur Konsumentin ist, wird dabei von einem charmanten Engelchen und einem umso entschiedeneren Teufelchen beraten – und so wird sie selbst zu einer Influencerin.

Die Mittel- und Oberstufe des Max-Reger-Gymnasiums (Leitung: Nina Kohl) überzeugte mit einer stark verfremdeten Version von „Alice im Wunderland“. Sehr frei nach Lewis Carroll nennt die Gruppe ihr Stück „Alice im Anderland“ – und dieses andere Land ist eine Nervenheilanstalt, in der die traumatisierte Alice auf Figuren stößt, die an die aus dem Original bekannten Figuren erinnern. So sitzt der „verrückte Hutmacher“ zitternd und mit körperlichen Ticks behaftet auf dem Stuhl des Gruppentherapieraums, direkt neben einer Patientin, die sich als weißes Kaninchen fühlt. Und die ganzen beklagenswerten Gestalten sind in der zweifelhaften Obhut von überforderten und unfähigen Ärzten. Mit dichter Intensität erschufen die Jugendlichen eine bedrückende Stimmung, die nach Einordnung und Aufklärung verlangt. Ob sich dieser Zuschauerwunsch erfüllen wird?

Der atmosphärische Kontrast könnte kaum größer sein zu dem darauf folgenden Ausschnitt. Die jüngere Hälfte der Theatergruppe der Dr.-Johanna-Decker-Schulen (Leitung: Florian Hackl und Peter Ringeisen) gab einen Einblick in die klamaukhafte Darstellung der Biographie von „Cleopatra“ (August von Kotzebue). Hier zeigt sich die ägyptische Herrscherin als selbstbewusste Frau, die zum Zeitvertreib „Werthers Leiden“ liest und ihr blendendes Aussehen dazu nutzt, den römischen Feldherrn zu bezirzen und so davon abzuhalten, ihr Reich zu erobern.

Die Oberstufen-Theatergruppe des Gregor-Mendel-Gymnasiums, „Die Oscars“ (Leitung: Claudia Ried), brachte eine eigene Fassung des „Faust“-Stoffs mit: „Der Fall Margarete Weiß“ stellt die in Goethes berühmtestem Drama gezeigte Handlung aus der Sicht der jungen Frau dar, die von Faust verführt und dann verlassen wird, so dass sie aus Verzweiflung und in aussichtsloser Lage ihr Kind tötet. In der GMG-Fassung wird versucht, die Schuldfrage zu klären. Hier werden Verhöre geführt, Aussagen der Nachbarin neben den Auftritt des Dr. Faust gestellt, bei dessen Vernehmung der Anwalt schon mal gleich gegen den vermeintlich respektlosen Umgang mit seinem Mandanten protestiert. Und man denkt sich: Ja, so könnte diese Angelegenheit heutzutage behandelt werden – mit solchen Tricks und Manipulationsversuchen könnte der Promi-Wissenschaftler Faust sich distanzieren wollen. Auch hier will man wissen, wie dieser moderne Prozess wohl endet.

Den Schluss machte die andere Hälfte der Theatergruppe der Dr.-Johanna-Decker-Schulen (Leitung: Florian Hackl und Peter Ringeisen) mit einem Ausschnitt aus J. B. Priestleys Drama „Ein Inspektor kommt“. Wie bei „Faust“ dreht sich ebenfalls alles um eine junge Frau, die sterben muss, weil die Menschen um sie herum ihr keine Chance geben. Ein Inspektor namens Goole meldet sich im Haus des Industriellen Arthur Birling, der mit seiner Familie gerade die Verlobung seiner Tochter mit einem ebenfalls wohlhabenden jungen Mann feiert. Diese Idylle wird mit jeder Frage des Inspektors brüchiger, als sich herausstellt, dass zwischen Birling und der jungen Frau, die sich an diesem Nachmittag das Leben genommen hat, sehr wohl ein Zusammenhang besteht. Wer sonst noch alles bei den tragischen Entwicklungen eine Rolle gespielt hat, zeigt sich dann bei der Aufführung des ganzen Stücks.

Die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler wurden für ihre Darbietungen mit reichlich Applaus belohnt, und bei allen acht Ausschnitten fühlte man als Zuschauer den Wunsch, die komplette Aufführung zu sehen – insofern erfüllte die Auftaktveranstaltung genau ihren Zweck. Die Schultheatergruppen zeigten einander, woran sie arbeiten, und machten deutlich: Es wird sich lohnen, die Theaterabende an den Schulen zu besuchen. Zum Abschluss dankte Kulturreferent Dr. Fabian Kern auch den Schultheaterleiterinnen und -leitern für ihre kreative Arbeit und überreichte als Dank der Stadt Amberg Gutscheine für den Besuch einer Aufführung im Stadttheater mit allen aktiven Mitgliedern der Schultheatergruppen.

Im Namen aller Theaterlehrkräfte dankte Peter Ringeisen dafür und auch für die organisatorische Unterstützung der Schultheatertage durch das Kulturamt der Stadt Amberg.

Den Flyer der Schultheatertage, der eine Übersicht über die angebotenen Aufführungen gibt, kann man über die Internetseite www.hostasxeng.de abrufen.

In Abstimmung mit den beteiligten Gruppen: Peter Ringeisen (DJDS)
Fotos: Peter Ringeisen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Auftaktveranstaltung, Schultheatertage 2022