Knüller: Stripper ist ein adeliger Jurist

[GMG/Ehemalige, 11.05.2019] Wenn man seine Jungfräulichkeit für einen guten Zweck versteigert, ist das nun Prostitution im Robin-Hood-Kleid oder wahrlich selbstlos?

Die Theatergruppe „Obstsalat“, die aus ehemaligen Schülern des Gregor-Mendel-Gymnasiums besteht, hat auch in diesem Jahr eine äußerst unterhaltsame Produktion auf die Beine gestellt! Die am 11. Mai im Club LaVida präsentierte Komödie „Wahrheit oder Pflicht“ wurde von der Gruppe unter der Leitung von Claudia Ried selbst konzipiert und in Eigenregie mit Unterstützung von Elke Leibig erarbeitet.

Ein zunächst harmloser und von der Trauzeugin Evelyn (Lena Härteis) perfekt organisierter Junggesellinnenabschied läuft im Verlauf des Abends langsam aus dem Ruder. Werden zunächst noch Polaroids mit den Zuschauern geschossen, gibt es eine erste Konfrontation mit der Trauzeugin und der eigentlich älteren Freundin Katta (Barbara Winkler). Es stellt sich heraus, dass Trauzeugin Evelyn die Braut Emma (Antonia Schmidt) buchstäblich um diesen Job angebettelt hat, was der unbeschwerten Stimmung zwar einen ersten Dämpfer verpasst, aber von allen anwesenden Damen sensationslustig verfolgt wird: „Also ich find`s grad spannend!“

Im eigentlich romantischen Teil des Abends soll Emma erzählen, wie sie ihren Ehemann kennengelernt hat. Die Mitbewohnerin der Braut Ronja (Constanze Gierl) spielte dabei eine nicht unwesentliche Rolle: Sie war zuvor mit dem zukünftigen Ehemann Chris zusammen, hatte diesen aber bereitwillig „abgegeben“, da sie es „im Bett etwas aufregender“ mag. Chris sei süß, aber eben etwas konservativ in der Horizontalen, so Ronja, aber: „Dann passt er ja zu dir!“

Obwohl striktes Handyverbot herrscht, will Maria (Meike Pfeiffer) just an diesem Abend etwas auf Ebay versteigern, „was sie früher oder später eh verloren hätte“ – ihre Jungfräulichkeit! Diese soll mindestens 10.000 Euro einbringen, die an Waisenkinder in Bolivien gehen, so die Idealistin. Sie würde wenigstens etwas tun und nicht immer nur reden, postuliert sie, woraufhin trocken argumentiert wird, dass das eigentlich „Prostitution ist, aber mit einem echt guten Stundenlohn!“

Als der Stripper Turn-On-Toby auf die Bühne kommt (Jonathan Grothaus) und sich aufreizend den Damen darbietet, wundert er sich, warum die Anwesenden nicht wirklich empfänglich für seine Reize sind. „Richtige Party, falsches Timing“ wird er aufgeklärt. Schnell reiht er sich in die sensationslustige Damenrunde ein, die schon die nächste moralische Verfehlung zielsicher aufgespürt hat: Die im 6. Monat schwangere Bernadette (Martina Mikuta) hatte just vor 6 Monaten ihren Mann betrogen – mit sichtbarem Ergebnis!

Als nun auch die Vorbildehefrau Ida (Johanna Mehringer) zugeben muss, dass die Scheidung bevorsteht, packt die Schwester der Braut Paula (Alexandra Jehlicka) eiskalt aus, dass die gemeinsamen Eltern dem zukünftigen Bräutigam persönlich gesagt hätten, dass sie sich für die Tochter etwas Besseres als einen DJ ohne Führerschein gewünscht hätten. Während die Braut noch im Schockzustand verharrt und sich Evelyn permanent bemüht, dem Abend wieder eine Struktur zu verleihen, taucht unversehens der Bräutigam auf (David Pickel), der nachschauen will, ob der Prosecco ausgeht. „Hier geht nichts aus – am allerwenigsten der Gesprächsstoff“, konstatiert Stripper Toby trocken, der sich zudem als adliger Jurist entpuppt!

Als auch noch die feierwütige Giulia (Anna-Liri Shalsi) zugibt ohne Arbeit zu sein, die Romantikerin Helena (Katharina Waal) Pornodrehbücher schreibt und Ehemann Chris durchblicken lässt, dass er sich ein Heimchen am Herd wünscht, kommt Emma ins Grübeln.

Nachdem Chris und Maria die Party kurzzeitig verlassen, wird der Plan geschmiedet, gemeinsam Marias Jungfräulichkeit zu ersteigern, denn Mitternacht naht („Süß – ist ja wie bei Cinderella!“). Doch nicht Stripper Toby erhält mit der finanziellen Unterstützung der Freundinnen den Zuschlag, sondern ein anderer Bieter: „Loverboy“. Als die Braut dessen Emailadresse sieht, reagiert sie ungehalten: „Loverboy wird sich ganz sicher nicht bei dir melden – und mich ganz sicher nicht heiraten!“

So ging für die Zuschauer eine sehr unterhaltsame Aufführung zu Ende, die Sprachwitz und Dramatik zu vereinen wusste. Technisch gut inszeniert und Akzente mit Standbildern und Liedern zeigten die großartige Regiearbeit von Claudia Ried, deren Schauspieler jedes Mal aus ganz Deutschland anreisen, um hier zu brillieren!

Elisa Romfeld, Spielleiterin am Max-Reger-Gymnasium

Die Schlagzeile ist dem Abdruck der Besprechung in der Amberger Zeitung entliehen. Danke!

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Eingeordnet unter Schultheatertage 2019

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