Monatsarchiv: Mai 2011

„Krimiges Gruselstück“ mit Schwung und Pfiff

Theatergruppe 7.-9. Kl. des GMG spielte „15 kleine Negerlein“ (nach Agatha Christie)

Das GMG spielt einen Krimi - und leise gleitet das Boot über den See. - Anklicken, um weitere Fotos zu sehen.

"15 kleine Negerlein" - so lautet das Kinderlied, nach dessen Takt der Krimi abläuft - Anklicken, um weitere Fotos zu sehen.

„Fünfzehn kl…“ – Moment mal, waren das denn nicht immer „zehn“? Stimmt schon. Aber wenn eben so viele Theaterbegeisterte bei dem Stück mitspielen wollen, da fügt man flugs ein paar Rollen dazu, meinte Spielleiterin Claudia Ried. Und das ist ihr, ebenso wie die ganze Inszenierung, ausgezeichnet gelungen.

Die Handlung ist schnell erzählt. Einem geheimnisvollen Gastgeber gelingt es, fünfzehn Personen in ein Landhaus zu locken, das schwer zugänglich auf einer einsamen Insel liegt. Dort werden diese Gäste gleich beim Abendessen mit schweren Vorwürfen konfrontiert: Alle hätten angeblich ein schweres Verbrechen auf dem Gewissen, und müssten deshalb nun der Reihe nach sterben. Der Gastgeber bleibt weiterhin unerkannt, denn die Anklage kommt von einem Tonband, und so wissen die verunsicherten Besucher weder, wer sie denn nun dorthin bestellt hat, noch, ob die erhobenen Vorwürfe der Wahrheit entsprechen. Sie sind schon fast geneigt, alles für einen sehr schlechten Scherz zu halten, doch da fällt bereits der erste tot um. Und so ereignen sich alle paar Minuten weitere Todesfälle, wie es sich für einen Krimi gehört – das Makabere daran ist, dass die Personen jeweils das Schicksal ereilt, das in dem Kinderlied „Fünfzehn kleine Negerlein“ vorkommt, und das Lied endet damit, dass keiner mehr übrig bleibt.

Bald wird den Anwesenden klar, dass einer von ihnen der Mörder sein muss, der das alles eingefädelt hat. Nur zwei überleben schließlich, die sich ineinander verliebt haben und sich deshalb gegenseitig vertrauen. Das Ganze ist eingebettet in eine originelle Rahmenhandlung, in der eine ehrgeizige Journalistin einen ziemlich coolen (und etwas verwirrten) Kriminalinspektor interviewt und ihm die letzten Geheimnisse entlockt.

Die turbulente Krimigeschichte nahmen die Spielerinnen und Spieler immer mit einer Prise Humor und glänzten in heiklen Situationen auch durch Improvisationsgeschick. Charmante Effekte wurden zum Teil mit ganz einfachen Mitteln erzielt, beispielsweise wie durch die Bewegungen der Passagiere deutlich wurde, dass der Bus über eine holprige Straße rumpelte, oder wie durch entsprechende Sitzordnung, ein paar Stangen und geschickte Beleuchtung die Illusion eines in die Abenddämmerung gleitenden Ruderboots entstand.

Allen Darstellern war die Freude am Theaterspielen anzusehen, und so seien sie auch alle genannt, in der Reihenfolge ihres Auftretens: Pauline Lay, Alexander Türk, Nadine Treutel, Barbara Winkler, Vanessa Richter, Meike Pfeiffer, Constanze Gierl, Jonathan Grothaus, Alisa Mändl, Antonia Schmidt, Lena Härteis, Julia Hetzenecker, Jessica Oetter, Martina Mikuta, Quirin Langer, Sarah Hepp, Franziska Neuser, Anna Shalsi und Kathi Knab.

Studienrätin Claudia Ried konnte stolz sein auf ihre Truppe, die die Gefahren des gruseligen Stücks schwungvoll und unterhaltsam gemeistert hatten. Begeisterter Applaus des Publikums, ganz zurecht.

Peter Ringeisen (DJDG)

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Bedrückendes Kapitel der Geschichte beeindruckend in Szene gesetzt

Die Theatergruppe der Ober- und Mittelstufe des Erasmus-Gymnasiums spielt ein Theaterstück zur Hexenverfolgung

Der Vorhang öffnet sich, auf der Bühne steht ein in Folie eingepacktes Malergerüst. Die darauf sitzenden „Hexen“ schleudern dem Zuschauer Fragen wie in einem „hochnotpeinlichen“ Verhör entgegen, während sie die Wand aus Folie aufbrechen.

Von Beginn an lebt das Stück „Hexenhammer“, das die Spielleiterin Uta Löw mit ihrer Schulspielgruppe einstudiert hat, von betroffen machenden und im Gedächtnis bleibenden Bildern. Diese Bilder sind verwoben mit der Geschichte der schwangeren Bäuerin Hanna (ergreifend gespielt von Olga Reich), die eine Totgeburt erleidet und daran zerbrechen wird. Wer trägt Schuld? Ist es der Soldat, der um ein Stück Brot bettelt und ihr über den Bauch streicht – später wird sich dieser Soldat sogar als Teufel erweisen. Oder hat die Totgeburt die Hebamme (Jana Suksaev) verursacht, der man – wie in dieser Zeit üblich – hexerische Kräfte zusagt. Die Nachbarinnen werden jedenfalls nicht müde sich das Maul zu zerreißen.

Hannas Mann (Lorenz Friedl) lässt sich von ihnen beeinflussen, hat Angst um den guten Ruf und stellt sich letztendlich gegen seine Frau. Die Inquisitoren (Constanze Schneider, Maximilian Bäumler) zerlegen bereits in der Mitte des Stücks mittelalterliche Texte zur Stellung der Frau rezitierend eine Schaufensterpuppe, die sinnbildlich für die zunehmend in Wahnsinn verfallende Hanna steht. Diese fühlt sich mit dem totgeborenen Kind immer noch verbunden und legt ihm eine Puppe auf das Grab, was die Nachbarinnen zu erneuten Tratschereien veranlasst. Auch der Bauer versteht das Verhalten seiner Frau nicht und verdeutlich ihr, dass das Kind bei den Ungetauften liege, wo der Teufel einen leichten Zugriff habe. Von den Einflüsterungen der Inquisitoren beeinflusst, distanziert sich Hannas Mann zunehmend von ihr und sieht in der Hebamme die Schuldige. An ihr erfährt der Zuschauer, was es bedeutet, eine Ausgestoßene der damaligen Gesellschaft zu sein. Dennoch, sie hat Mitleid mit Hanna und gibt ihr eine Salbe gegen deren Depressionen. Aufgetragen auf der Haut bewirkt das Medikament bei Hanna einen Rauschzustand, in dem sie losgelöst von allem Irdischen zu tanzen beginnt, anschließend ihrer toten Tochter begegnet und am Ende dem Teufel (erschreckend dämonisch gespielt von Eduard Kugel) verfällt.

Währenddessen tratschen die Nachbarinnen erneut und sagen abergläubische Reime auf. Aus deren Erzählungen erfährt der Zuschauer nun, dass man die Hebamme geholt habe, weil sie tote Kinder ausgegraben und zu Salben verkocht hätte. Schließlich wird auch Hanna von den Nachbarinnen als Hexe beschuldigt. Dass es für sie kein Entkommen geben wird, verdeutlicht das gebetsmühlenartige Aufsagen von Texten des „Hexenhammers“. Die Inquisitoren stehen im Zuschauerraum, was die Szene auf der Bühne noch bedrohlicher wirken lässt. Hanna wird dort hochnotpeinlich befragt und stirbt während des Verhörs.

Dass der Applaus anfangs nur zögerlich einsetzt, lässt erkennen, wie betroffen das Stück gemacht hat. Die schauspielerische Umsetzung dieses ernsten und erschreckenden Themas verdient die höchste Anerkennung. Es gehört sehr viel Mut dazu, mit Schülern ein so bedrückendes Kapitel der Geschichte spielerisch umzusetzen, doch ist der Erfolg umso größer, wenn diese Umsetzung wie hier gelingt. Nur schade, dass zu wenige Zuschauer in den Genuss dieser beeindruckenden Aufführung kamen.

Andreas Hilgart (DJDR) (12.04.2011)

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