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„Grüüüüß Gott und Leb wohl!“

Die Unter- und Mittelstufe des Max-Reger-Gymnasiums verzauberte am Dienstag das Publikum mit der fantasievollen Theaterversion von Erich Kästners Kinderbuch „Der 35. Mai“ und erntete dafür tosenden Applaus.

Es war ein lang gezogenes „Grüüüüß Gott!“, das die Zuschauer durch die verrückten Welten auf der Bühne begleitete. Und es kam, wie sollte es bei Erich Kästner anders sein, aus dem Mund des Rollschuh fahrenden Zirkuspferdes Negro Kaballo, sehr unterhaltsam von Anna Sturm gespielt, die sich zusammen mit Gabi Biehler auch der schier unmöglichen Aufgabe widmete, die Handlung in eine Theaterversion zu packen; an seiner Seite der unkonventionelle Apotheker Onkel Ringelhut, überzeugend von Franziska Gericke gegeben, und sein Neffe Konrad, absolut stimmgewaltig von Anna-Maria Horst auf die Bühne gebracht.

Genau dieser Konrad steht vor der Aufgabe einen Aufsatz über die Südsee zu schreiben, weil er als Rechengenie, laut der Aussage seiner Lehrer, mit Sicherheit vollkommen fantasielos sei. Zwar unternimmt der skurrile Onkel gern ungewöhnliche Ausflüge, um seinen Neffen einige wichtige Lebenslektionen beizubringen, doch die Südsee scheint weit. Erst zurück vom kalten Südpol, wo sie den in perfekte Kostüme gepackten Pinguinen Pritsch (Alice Grohmann), Plitsch (Jagna Skowronek) und Pitsch (Eva Engelhard) begegneten, die den schon recht altersschwachen Eisbären Flocke (Simone Müller) noch einmal animieren wollten, richtig gefährlich auszusehen, beschließen Neffe, Onkel und Negro Kaballo, sich auf die Reise zu machen.

Ihr Weg führt durch die verrücktesten Orte. Im Schlaraffenland überzeugen sie die fett gefressenen und verschlafenen Bewohner Seidlblast (Laura Fischer) und Hannemann (Alicia Brunner), ihnen den Weg zur Südsee zu weisen. Wunderbaum Miriam Birner gibt ihnen zumindest noch einen knackigen Apfel auf die weite Reise mit. Bei ganz ungewöhnlichen Olympischen Spielen zwingt die Reisegesellschaft Napoleon (Eva Engelhard) und den blutrünstigen Cäsar (Franziska Babl) erst einmal auf dem beengten Platz zusammen zu rutschen. Götz v. Berlichingen (Miriam Birner), August der Schwa… äh Starke (Julia Wenkmann), Peter der Große (Jagna Skowronek) und Karl der 12. (Nicole Dreher) schleudern nun wettstreitend Kugeln in das Publikum, professionell von der Stadionstimme Hannah Nemeth kommentiert. Doch die Zeit drängt und die Reise geht weiter. Vorbei an Ajax 1 (Johanna Wiesner) und Ajax 2 (Michaela Kohl), Hannibal (Nicole Dreher) und Wallenstein (Julia Wenkmann) katapultiert sie die Fantasie aus der Welt von Rittern und Helden hinein in die verkehrte Welt, in der die Kinder den Spieß umdrehen und die Erwachsenen erziehen.

Neben den sehr authentisch gespielten Mathelehrer Hohbohn (Eva Englhard) erfahren Herr Sauertopf (Dorothee Meyer), Frau Überbein (Laura Fischer), Herr Waffelbruch (Ronja Mecklinger), Frau Puhvogel (Linda Altmann) und vor allem auch Spielleiterin und Musiklehrerin Gabi Biehler, durch selbige dargestellt, von den lehrenden Kindern Babette (Katrin Eckert), Marie (Alice Grohmann) und Lisa (Simone Müller), was sie ihren Schützlingen durch Schimpfen und Strafen eigentlich antun. Ihre vorletzte Station ist Elektropolis, wo sie, konfrontiert mit den perfekt in Anglizismen sprechenden Bewohnern Julia Wenkmann und Fabian Baumanis, durch den Aufseher (Dorothee Meyer) erfahren müssen, dass in dieser Welt der komplette Kuhbestand kurzerhand zu allerlei Lederartikeln verarbeitet wird.

Auf dem blank geputzten Äquator – wussten Sie, dass dieser rosten kann? – gelangen sie endlich in die heiß ersehnte Südsee. Hier verliert nicht nur Konrad sein Herz an die Schachbrett-Prinzessin Petersilie (Lisa-Marie Brüning), sondern auch Negro Kaballo ist entbrannt zu einer Südseestute. In letzter Sekunde können Onkel und Neffe mit Hilfe des für einige Lacher sorgenden Häuptlings Johannes Müller entkommen. Nach dieser abenteuerlichen Reise ist der Aufsatz für Konrad ein Kinderspiel – Lernen könnte so schön sein!

Eingekleidet in professionelle Kostüme, in wochenlanger Arbeit von Angelika und Maresa Dietl angefertigt, führten die Schüler des Unter- und Mittelstufentheaters ihr Publikum durch einen kurzweiligen und, dank des außergewöhnlichen Bühnenbildes, bunten Abend. Mit diesem absolut fulminanten Fantasiespektakel sagen zwei Urgesteine der Schultheaterszene Ambergs Lebewohl: Edgar Dietl, der seinen wohl verdienten Ruhestand antritt, und Gabi Biehler verlassen die Bretter des MRG, liebevoll verabschiedet durch die aktuelle Theatergruppe und eine Vielzahl ehemaliger Schüler, die diesem zauberhaften Abend beiwohnten.

Diana Schneider (MRG)

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Eingeordnet unter Schultheatertage 2011