Monatsarchiv: April 2019

Anders als Andersen

Beachtenswerter Auftritt der Unterstufe des Erasmus-Gymnasiums

[EG, 11.04.2019] Mit dem Stück „Kaisers und die Kleider“ meisterte die Unterstufe des Erasmus-Gymnasiums einen spritzig kurzweiligen Theaterabend. In ihrer Inszenierung, mit dem sie sowohl ihre mitreißende Spielfreude zeigen als auch Kritik an der Konsumgesellschaft üben konnten, wird Andersens altes Märchen neu erzählt. 

_sel_03_auftakt-19Gleich zu Beginn zeigen die Darstellerinnen in einer turbulenten Marktszene, worum es geht: „Kauft Leute, kauft!“ Und derjenige, der am meisten Freude daran hat, das hart verdiente Geld seiner Frau zu verpulvern, hatte danach seinen großen Auftritt: Der Kaiser höchstpersönlich – grandios in Gestik und Mimik dargestellt von Timo Salfetter. Die Kaiserin (ausdrucksstark gespielt von Katharina Schmid) hält die Regierungsgeschäfte und das Haushaltsgeld in der Hand und sieht sich als Vorbild für ihr Volk. Dieses Yuppie-Paar hat gesellschaftskritisch die Geschlechterrollen vertauscht: Sie, Karrierefrau und Workaholic und er, ein etepetete Shopaholic. Doch mit dem Kaufrausch ihres Mannes hat sie so ihre  Probleme, z.B.  muss sie gleich eine Hutmodenschau ertragen, die nicht nur der Kaiser, sondern auch die Zuschauer mit Applaus begeistert verfolgen.

_sel_04_auftakt-19In der Inszenierung stehen die Untertanen des Kaisers (u.a. Lina Guthe, Lenny Koller, Moritz Seibold) als austauschbare gesichtslose Masken den individuellen Hüten der Models gegenüber. Äußeres zählt heute mehr als innere Werte. Den Laufsteg eroberten die Mannequins (Lina Weigert, Leonie Laudamus, Emilia Lampe, Emma Zaremba, Anna Vogl, Christina Bierler, Franziska Kaulbach, Milda Badal, Hanna Regner und Emilia Schindler) sofort durch ihre professionelle Performance und moderne Moves. In der nächsten Szene fühlten sich die Modeschöpfer (mitreißend verkörpert von Lina Weigert und Leonie Laudamus) unter Druck gesetzt: Immer wieder Neues wird gefordert, der Konsum muss angekurbelt werden! Doch da haben die beiden Gauner eine grandiose Idee: Geldverdienen mit NICHTS. Ihre neue italienische Modemarke „Miracolo-Power“ soll der Durchbruch werden: unsichtbare Kleidung – sichtbar nur für kluge, brave und gute Menschen. Ein riesen Mode-Gag! Und der dekadente Kaiser springt sofort auf. Der Preis spielte keine Rolle: „Jetzt kann ich die wahrhaft Dummen unterscheiden: Ich bin ein Gott durch eure Tricks!“

Über ein Extrablatt wird das Volk durch die Zeitungsverkäuferin (eindrucksvoll: Christina Bierler) informiert: Der Kaiser wird den Staatsbesuch mit seiner neuen Zaubermode empfangen, so kann jeder im Volk endlich erkennen, wie klug er wirklich ist. „Das wird `ne Bombe! Geil!“ Vor lauter Neugier und Erwartungsfreude schickt der Kaiser seine zwei Minister aus (in Mimik und Gestik wirkungsvoll umgesetzt von Emilia Lampe und Emma Zaremba). Diese erwischen die angeblichen Designer beim Handy-Daddeln. Auf ihre vehemente Nachfrage hin zeigen die Ganoven ihre fingierte Mode a la  „Miracolo“ für den Kaiser. Die irrtümliche und für sie niederschmetternde Erkenntnis der Minister: „Ich sehe NICHTS. Ich bin dumm!“ Das Volk erwartet nun auch mit Hochspannung die große Präsentation des Kaisers. Dieser imaginäre Auftritt wird perfekt in Mimik und Gestik am Bühnenrand inszeniert. Jeder erkennt sofort die Lage, aber nur ein Kindermund tut sofort die eigentliche Wahrheit kund: „Der hat ja gar nichts an!“ Erst jetzt stimmt das Volk völlig überrascht und voller Entsetzen mit ein. Doch diese Erkenntnis fehlt dem abgehobenen Kaiser. Abschließend erfolgt eine aufmunternde Ansprache á la Brecht vom gesamten Ensemble an das Publikum: „Habt keine Angst, eure Meinung zu sagen! Nicht jeder muss ein Model sein! Schönheit vergeht – Charakter besteht!“

In seiner Begrüßung stellte Schulleiter Karl Bösl klar: „ Ich liebe das Unterstufentheater!“. Und liebenswert waren die Schauspieler der 5. und 6. Jahrgangsstufe, v. a. durch ihre mitreißende Begeisterung und herausragende Spielfreude. Ein großes Lob geht auch an die beiden Techniker Raphael Gradl und Leo Ringer. Und natürlich nicht zu vergessen: großes Kompliment an die Spielleiterinnen Sandra Häusler und Susanna Rosemann für den kurzweiligen und zu Herzen gehenden Abend.

Brigitte Bodensteiner, Spielleiterin Schönwerth-Realschule

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Zehn Jahre an einem Tag

[DJDS, 11.04.2019] Krankheit und Tod. Ein ernstes und ungewohntes Thema für eine Schulspieltheatergruppe, auch für die Theatergruppe der Dr.-Johanna-Decker-Schulen. Entsprechend gespannt erwartete das ausgesprochen zahlreiche Publikum am vergangenen Donnerstag den Beginn der Aufführung von „Oskar und die Dame in Rosa“, nach der gleichnamigen Erzählung von Éric-Emmanuel Schmitt.

Und schon die erste Szene fängt die Zuschauer mühelos ein: Man lernt Oskar kennen, den zehnjährigen schwerkranken Jungen im Pyjama und mit Kopfhörern, der erst vor kurzem erfahren hat, dass die letzte Operation ein Misserfolg war und er bald sterben muss. Doch er kämpft nicht nur mit dieser Erkenntnis, sondern auch mit dem Gefühl, von allen verlassen und als Fehlschlag betrachtet zu werden. Einzig und allein Oma Rosa, eine der älteren Damen, die als Freiwillige in rosa Kitteln ins Krankenhaus kommen, um mit den kranken Kinder zu spielen, ist ihm eine Stütze in dieser scheinbar hoffnungslosen Lage. Sie rät ihm, Gott zu schreiben und ihm seine Sorgen anzuvertrauen.

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Rosa (links) führt Oskar in die Kapelle, um ihm den Unterschied zwischen körperlichem und seelischem Schmerz zu erklären.

Oskar wehrt sich zunächst. Unglaublich eindrucksvoll und überzeugend gespielt von Paula Lacher, glaubt er weder an Gott noch an den Weihnachtsmann, doch Oma Rosa überzeugt ihn liebevoll, aber energisch, es doch zu versuchen. Amelie Prösl gelingt es mit bewundernswerter Leichtigkeit, die Rolle der unorthodoxen Oma Rosa zu verkörpern, die Oskar mit schonungsloser Ehrlichkeit und unendlichem Verständnis entgegentritt. Dieses bewegende Zusammenspiel zwischen den beiden jungen Schauspielerinnen wechselt vom tänzerischen Umkreisen, wildem Kampf mit der ungeliebten Spritze zum intensivem Zuhören, und jedes Wort, jede Geste, jede Berührung ist dabei völlig authentisch. Paula Lacher spielt Oskars Leid und seine Tapferkeit so überzeugend, so herzzerreißend für die Zuschauer, dass es kaum zu glauben ist, dass sowohl die beiden Hauptdarstellerinnen als auch einige der anderen tollen Schauspielerinnen zum ersten Mal Mitglied der Theatergruppe sind. Schulspielleiter Peter Ringeisen hat mit seiner Truppe, unterstützt von dem polnischen Regisseur Grzegorz Szlanga, eine wirklich unglaublich eindrucksvolle Probenarbeit geleistet; Szlanga hatte das Projekt seit September aus der Ferne begleitet, und in den Tagen vor der Aufführung hat er in Amberg mit den Schülerinnen intensiv geprobt.

Als Oma Rosa vorschlägt, jeden der wenigen Tage in Oskars Leben als ein ganzes Jahrzehnt zu erleben, willigt Oskar ein. Und so erlebt das Publikum mit ihm im Schnelldurchlauf seine Jugendzeit, die Eroberung seiner großen Liebe Peggy Blue (liebreizend gespielt von Lena Eichinger) sowie sein weiteres Leben als „Erwachsener“ mit all seinen Höhen und Tiefen. So bereut er zwar seine „Jugendsünde“ mit der forschen Sandy (ein unvergessliches komödiantisches Talent: Madeleine Höreth) und die Zipperlein des Älterwerdens, doch der Weg bringt ihn immer näher zu Gott und der Versöhnung mit seinem Schicksal. Auch die Schauspielerinnen, die kleinere Rollen übernommen hatten, wussten zu überzeugen: Maria Altmann als Popcorn, Sophia Göbl als Bacon, Sofie Wittmann als Oskars Vater, Eva Pamler als Oskars Mutter und Sibylle Krestel als Dr. Düsseldorf.

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Oskar (links) kontaktiert Peggy Blue übers Handy, um ihr seine Liebe zu gestehen.

Je näher das „Alter“ und damit das Ende von Oskars jungem Leben rückt, desto ruhiger wird das Stück. Die erlösenden scherzhaften Episoden aus Oskars „Jugend“ bleiben aus, und das Publikum geht gebannt mit ihm die schonungslosen letzten Schritte. Als Oskar schließlich, begleitet von Oma Rosa, verstirbt, ist es still im Gerhardingersaal. Nur leise Geräusche der Rührung sind zu hören, als Oma Rosa sich schließlich bei Gott dafür bedankt, Oscar in ihr Leben geführt zu haben. Als das letzte Bühnenlicht erlischt, kommt kein Applaus. Lange nicht. Ein Stück, das derartig berührt, verdient es, in Stille ausklingen zu dürfen. Schließlich betreten die neun jungen Schauspielerinnen die Bühne – und dann scheint der Applaus schier endlos. Und so wohlverdient wie wohl selten auf einer Schultheaterbühne.

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Claudia Ried, Spielleiterin am GMG

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Wie weit kann man gehen?

[EG, 02.04.2019] „Maschinen sind nicht launisch!“… wenn Menschen dahinterstecken aber schon, wie die Theatergruppe der Mittel- und Oberstufe des Erasmus-Gymnasiums Amberg am vergangenen Dienstag mit ihrer Inszenierung „Das Haus der Treppen“ anschaulich dargestellt hat.

Das Stück, basierend auf dem gleichnamigen Jugendbuch von William Sleator, handelt von fünf Jugendlichen, die allesamt ohne ihre Eltern aufwachsen und sich plötzlich in einem Raum voller Treppen mit einem sonderbaren Automaten befinden. Der lautstarke Oliver, überzeugend gespielt durch Niklas Bauer, die redegewandte Lola (begabt: Julia Eikam) und die manipulative Blossom (talentiert: Diana Seifert) streiten sich indes schnell um die Führung innerhalb der Gruppe.  Was sie und auch die anderen zwei Heranwachsenden (authentisch dargestellt durch Franziska Lehnert, Thomas Neubauer) allerdings nicht wissen, ist, dass sie Teil eines Regierungsprogramms sind, mit dessen Hilfe Elitesoldaten ausgebildet und die Konditionierung an Menschen erforscht werden sollen.
_sel_10_auftakt-19Schließlich erkennen die Jugendlichen, dass die „launische Maschine“ ihnen ab und an Fleisch gibt, sobald sie ein bestimmtes Bewegungsmuster absolvieren bzw. sich gegenseitig das Leben schwer machen. Doch bis alle Beteiligten dies herausfinden, ist es für jeden einzelnen von ihnen ein harter Weg. So stellt sich dem Zuschauer indes immer wieder die unausgesprochene Frage, wie weit man wohl selbst für ein bisschen Nahrung ginge.
„Emotionale Beteiligung können sich die Wissenschaftler nicht leisten“, denn sie (textsicher: Felicitas Groth und Patricia Kölbl) stehen unter enormen Druck: Das Experiment muss gelingen, ansonsten werden sie von den staatlichen Kontrolleurinnen, wunderbar umgesetzt von Maritta Singer und Lisa Brandel, entlassen. Als es wirklich kritisch wird, weil die Jugendlichen kurz davor sind, sich gegenseitig für ein wenig mehr Lebensmittel umzubringen, entscheiden die Wissenschaftler zur Erleichterung des Publikums das Experiment zu beenden.
Die jungen Schauspieler haben selbst an der Vorlage gekürzt, gestrichen und verändert, wodurch eine durchaus gelungene Bühnenfassung des Jugendbuches entstand. „Die Maschine hat auch bei den Proben tatsächlich Essbares ausgegeben, sodass von den Schauspielern insgesamt drei Packungen Marshmallows und 13 Packungen Frikadellen verspeist wurden!“, verrät die Leiterin der Theatergruppe, Studienrätin Elisa Romfeld, den begeisterten Zuschauern abschließend noch mit einem kleinen Augenzwinkern.

Nina Kohl, Spielleiterin am MRG

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Gelungene Inszenierung: „Andorra“

[MRG, 21.03.2019] Das Drama „Andorra“ von Max Frisch wurde von der Theatergruppe des Max Reger Gymnasiums ausdrucksstark, wort- und stimmgewaltig umgesetzt. Hier konnte man großartige Talente entdecken, die mit Spielfreude, Einfühlungsvermögen und großem Engagement eine durchweg gelungene Inszenierung schufen.

Ein weißes Andorra, das ist das Ziel von Barblin und ihren andorranischen Mitbürgern.

Zu Ehren des kommenden St.-Georg-Tages weißeln sie ihre Hausfassaden, Barblin weißelt und singt dazu in feinen Tönen (durchweg überzeugend dargestellt von Hanna Schallmaier).  Dass etwas in der Luft hängt, eine „heiße Stille“, wie es der Pater (Lea Eckert) ausdrückt, die Gefahr eines Einmarschs durch ein judenfeindliches Nachbarland, wollen zunächst nicht alle wahrnehmen, aber die düsteren Glockenschläge steigern die unheilvolle Stimmung bis zu einem tödlichen Ende.

Eine reduzierte Kulisse lenkte den Fokus auf die Entwicklung jeder einzelnen Figur, vom Lehrer, Barblins Vater, der von Alexandra Schwartz leidenschaftlich umgesetzt wurde, bis zu   Hochwürden, der als einziger zwar seine Verantwortung einsieht, aber letztendlich doch schweigt, als es auf ihn ankommt. Auch beim  Amtsarzt (Caroline Wellnhofer, deren rollendes „R“  beängstigend einen unwohl bekannten  Judenhasser aufscheinen ließ) spürte man deutlich, mit wie viel Leidenschaft und Begeisterung die Rolle umgesetzt wurde.

Das Geschehen wurde durchweg begleitet von Jemand (Antonia Tessmann), dessen Stimmungen absichtlich nicht zur jeweiligen Situation passten oder dessen kommentarloser Kommentar Unbehagen und leise Scham bei den Akteuren weckte.

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Schuld sind wir alle nicht – da sind sich die Andorraner sicher.

Der Wirt und die Wirtin (sicher und ausdrucksstark Nina Eules und Nadja Rein) rühmen sich zunächst noch, den vermeintlichen Juden Andri (sensibel umgesetzt von Luca Adams) bei sich als Küchenjungen angestellt zu haben. Als er von zwei betrunkenen Soldaten (die voll aufgingen in ihrer Rolle und zunächst pöbelnd durch das Publikum wankten: Daniel Gast und Silas Klemm)niedergeschlagen wird, rühren sie keinen Finger, um ihm zu helfen, sondern belehren ihn noch, sich als Jude halt nicht mit den Andorranern anzulegen. Später wird Andri ohne Beweise beschuldigt, mit einem Stein eine Ausländerin (sehr vornehm und unglaublich elegant : Jana Zinnbauer) getötet zu haben. Wirt und Wirtin sind die ersten, die mit dem Finger auf ihn zeigen.

Beim Tischler (Lia- Maline Müller) macht er später eine Lehre. Dieser übergeht mit dreister Überheblichkeit, dass der perfekt gezimmerte Stuhl von Andri stammt, während der zu Unrecht gelobte Geselle (Jule Berger), der vorher noch seine tiefe Zuneigung zu Andri beteuert hatte, nicht den Schneid aufbringt, dem Chef zu widersprechen.

So wird in verschiedenen Szenen deutlich, wie Worte und Taten der Andorraner weit auseinander klaffen: wenn es darauf ankommt, für Andri einzustehen, kneifen fast alle. Beteuerungen, sie seien natürlich nicht Schuld an der Ermordung des vermeintlichen Juden, werden  unterstrichen mit dem rituellen Aufsetzen einer dunklen Sonnenbrille und der stetigen Wiederholung: Ich bin nicht schuld! Wir sind nicht schuld! Am deutlichsten offenbart der Amtsarzt seine Haltung: „Sie müssen nicht jederman erzählen, was Sie mit eigenen Augen gesehen haben!“

Die Wahrheit kann bald nicht mehr länger verborgen werden, aber niemand vermag es, aus seiner Rolle zu entweichen: Andri kann nicht akzeptieren, dass die Geschichte, er sein ein Jude, eine Erfindung seines leiblichen Vaters ist: „Wie viele Wahrheiten habt ihr?“

Barblin, die er heiraten wollte, versucht verzweifelt, ihm verständlich zu machen, dass er ihr Bruder ist und deshalb Verlobung und Heirat ausgeschlossen sind. Doch er ist bereits so tief verbittert vom Verhalten und Verrat all seiner Mitmenschen, dass er darin nicht Barblins Liebe, sondern ebenfalls Abscheu vor dem Juden erkennen will.

Beim feindlichen Einmarsch flehen Vater, Mutter (Ntania Kalliga) und Barblin ihre Mitbürger vergeblich an, die Wahrheit zu sagen und sich damit hinter Andri zu stellen. Als der Judenschauer kommt, der „es an den Füßen sieht“, weshalb alle Andorraner die Schuhe ausziehen und mit gruseligen, schwarzen Maske aus Plastiktüten marschieren müssen, ist jeder nur noch darauf bedacht, seine eigenen Haut zu retten. Obwohl sie inzwischen wissen, dass Andri der leibliche Sohn des Lehrers ist und damit Barblins Bruder, also „einer von ihnen“, rücken sie nicht von ihrem Vorurteil ab, überlassen ihn seinen Mördern. „Ich bin nicht schuld! Wir sind nicht schuld!“

In der letzten Szene irrt Barblin von Sinnen umher, das Haar nun als Zeichen der „Judenhure“ geschoren, wieder mit ihrem Eimer weißer Farbe und weißelt jedes Haus und jeden Menschen, der ihr begegnet. „Warum geht ihr nicht heim und hängt euch auf wie mein Vater! Ich weißle und weißle…“ und die weiße Farbe mischt sich mit dem Blut ihrer verlorenen Liebe…

Christine Kleinert, Spielleiterin am GMG

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