Monatsarchiv: März 2018

DJDG: „Mord auf Tele 1“

Mord auf Tele 1 – pointenreicher „Whodunit“ am DJD-Gymnasium

[DJDG, 14.03.2018] Sie denken, Ihr Chef hätte wirklich einige unangenehmen Seiten? Dann haben Sie Harry Hagen noch nicht kennengelernt. Wenn der Programmleiter des qualitätsfreien Privatsenders Tele 1 die 10-Uhr-Konferenz leitet, vergeht keine Minute ohne fiese Tiefschläge, anzügliche Kommentare und widerliche Bösartigkeiten jeder Art. Seine vernichtenden Bemerkungen bekommt nicht nur die Praktikantin ab (Sybille Krestel versteckt hinter der oberflächlichen Knopf-im-Ohr-Jugendlichen geschickt das später enthüllte ernste Anliegen der Figur). Die Redakteurin (durch und durch die professionelle Journalistin: Julia Bäuml) oder die Nachrichtenmoderatorin, aber auch die beiden Reporter werden allesamt Zielscheibe des grenzenlosen Spotts eines echten Ekels.

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Harry Hagen spießt Schwächen seiner Mitarbeiter gnadenlos auf.

Zwei wunderbare Videoeinspielungen zeigen uns dabei, dass Harry Hagen durchaus Grund zur Kritik hat – man lässt im Sportfernsehen den Trainer nicht fünf Minuten ungeschnitten existentialistische Philosophie zum Besten geben (herrlich beredt: Sarah Dimpfl als durchgeistigte Sartre-Epigonin; später als Notärztin ganz professionell). Und wer auch im siebten Anlauf „Tadschikistan“ nicht über die Lippen bringt, ist vor dem Teleprompter fehl am Platz (Theresa Flierl ganz stark als ebenso schickes wie grenzenlos naives TV-Dummchen).

Lena Gimpl gestaltet den fiesen Harry, der alles der heiligen Quote unterordnet, sehr schön – in den wenigen Minuten, die ihr auf der Bühne beschieden sind. Denn schon in der ersten Szene stirbt Harry Hagen – für den Giftmord gibt es jede Menge Motive und alle werden zu Verdächtigen.

elu-F46T0268Aber bevor die Kommissarin die Ermittlungen aufnehmen kann, wird erst der Tote untersucht und weggeschafft – natürlich bei laufender Kamera, denn so ein Mord könnte doch die Quote mal so richtig pushen. Sabrina Wittmann als Gerichtsmedizinerin, Magdalena Neidl als Kriminaltechnikerin und Sophie Wittmann als Sanitäterin sorgen dafür, dass die Leiche auf der Bühne kein Stimmungskiller wird.

Poschmann, der jung-dynamische Reporter, bringt dann die Ermittlungen ins Rollen. Mit den Tricks des Schmuddeljournalismus ist er oft der Polizei ein paar Schritte voraus. Eluisa Uzana, ganz kurzfristig eingesprungen, macht das sehr routiniert. Die grippekranke Erstbesetzung (Annalena Vogel) durften die Zuschauer immerhin in einer der Videoeinspielungen genießen. Der Kontrast ist das Reporter-Urgestein Rudi Hoppe. Johanna Hoffmann zeigt uns sehr überzeugend einen verwirrten Alten, der wohl noch nie auf der Höhe der Zeit war und jetzt vollends zur Lachnummer geworden ist.

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Polizeimeister Schär hat seine Augen überall – auch bei Sprecherin Alina Weber.

Mit dem Auftritt der Polizei erreicht die Kunst des Pointen-Servierens ihren Höhepunkt. In vielen kleinen Szenen spielen sich Anne Winter als Wachtmeister Schär und Clara Dressler als Kommissarin mit präzisem Timing die Bälle zu: Der Wachtmeister, immer nahe dran am Geschehen und vor allem an den weiblichen Zeugen wie Verdächtigen, nie um eine dumme Bemerkung verlegen und in Sachen Selbstbewusstsein und Ahnungslosigkeit nicht zu schlagen. Und die Kommissarin, superunterkühlt und immer Herrin der Lage, die ihn jedes Mal mit spitzer Zunge wieder in die Spur bringt („Die schicken Damen sind jetzt draußen. Sie müssen den Bauch nicht mehr einziehen.“). Zusammen mit den Damen und Herren vom Sender entsteht so eine dichte Folge komischer Momente.

Damit die Zuschauer in der Vielzahl der Mordmotive nicht den Überblick verlieren, geleitet die Putzfrau des Senders durch das Stück. Laura Brugger brilliert hier mit genial verworrenem italienisch-deutschem Kauderwelsch.

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Polizeimeister Schär und Kriminalkommissarin Christina Martini – Gegensätze ergänzen sich.

Aber wer ist der Mörder? Nein, nicht die Praktikantin, die in Harry Hagen den Vater zu erkennen glaubt, der ihre Mutter sitzen ließ. Nicht der dynamische Reporter, dem Harry die süße (aber doofe) Freundin ausgespannt hat. Nicht die souveräne Journalistin, die von ihm aus der Redaktionsleitung katapultiert wurde. Nicht der alternde Hoppe, dem er kündigte. Und auch nicht die einfach strukturierte Nachrichtenmoderatorin, mit der Harry zwar durchaus ein nicht streng berufliches Verhältnis hatte, der er aber trotzdem ein vernichtendes Arbeitszeugnis schreibt.

So war diese Mordsgeschichte ein sehr vergnüglicher Theaterabend, auch dank der perfekten Lichtregie (Madeleine Höreth). Glückwunsch an die pfiffige Truppe und ihren Spielleiter Peter Ringeisen (der auch als Pressesprecher der Polizei eine richtig gute Figur machte). Die Zuschauer dankten mit viel Applaus.

PS: Die Mörderin war übrigens die Putzfrau. Harry Hagen hatte durch widerliche Berichterstattung erst die Karriere und dann das Leben ihrer Tochter ruiniert. Da allerdings die Beweislage dünn ist und die Redaktion in ungeahnter Einigkeit Zeugenaussagen verweigert, kommt es nicht zu einer Anklage.

Christoph Schulz, Spielleiter GMG

Bilder: Bernd Müller (von der Auftaktveranstaltung im Stadttheater – danke!)

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Schultheatertage 2018: Programm

Die Schultheatertage 2018 haben begonnen.

Das Programm wurde beim traditionellen Pressetermin im Bühnenraum des Amberger Stadttheaters der Öffentlichkeit vorgestellt.

„Von lustig bis blutig“ (Amberger Zeitung vom 29.01.2018)

Und die gemeinsame Auftaktveranstaltung, bei der alle teilnehmenden Gruppen (einen) Ausschnitt(e) aus ihrer Produktion zeigten, fand am 23. Februar 2018 statt

„Flotte Sprüche im Scheinwerferlicht“ (Amberger Zeitung vom 25.02.2018)

„Die Faszination des Theaters spüren“ (Mittelbayerische Zeitung vom 27.02.2018)

Leider steht auch bereits eine Absage fest: Die Aufführung von „Alles ganz normal?“ durch die Theatergruppe der Staatlichen Fachober-/Berufsoberschule muss bedauerlicherweise entfallen.

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Ausdrucksstark und mit viel Leidenschaft

[GMG, 27.04.2017] Dass die Theatergruppe der Mittel- und Oberstufe des Gregor-Mendel-Gymnasiums ihr Publikum begeisterte, lag nicht nur an der verschrobenen und  sehr unterhaltsamen Komödie „Doof gelaufen“ selbst, sondern vor allem an den ausdrucksstarken Darstellern, die mit ihren jeweiligen Schrulligkeiten und schauspielerischen Fähigkeiten den einen oder anderen Lachmuskel deutlich strapazierten.

Schauplatz und Kulisse ist die etwas unordentlich und messihafte WG in der Goethestraße 22,  in der einige mehr oder weniger „verpeilte“  Bewohner, nämlich die Hauptpersonen des Stücks, zusammenleben. Während die wortgewandte Vicky, sehr authentisch und überzeugend gespielt von Aurelia Zielger, dem Alkohol frönt und Geld für ihr Studium im Fast-Food-Restaurant verdient, vertrödelt Julia (erfrischend lebendig dargestellt von Valeria Lagutina) ihre Zeit mit Duschen und Schminken.

Peter Netta spielt den einzig männlichen Vertreter dieser ansonsten weiblich dominierten WG und mimt sehr überzeugend und glaubwürdig den von  allerlei Neurosen geplagten Sebi, der sich oftmals wegen seiner Ängste und Allergien selbst im Weg steht. Die Vierte im Bunde ist die etwas alternativ-ökomäßig angehauchte  Tanja (blendend im Agieren und stark im Ausdruck von Clarissa Cizeh), die gute Seele in dieser Gemeinschaft, die mit ihrer Fürsorglichkeit und ihrem Sauberkeitsfimmel für ein harmonisches Zusammenleben und Miteinander sorgt.

Dass diese schrullige Studenten-WG kein ideales Ziel für einen Raubüberfall ist, bekommt das Schurkenehepaar Valentina und Klaus zu spüren, das durch eine dumme Verwechslung zur falschen Adresse gefahren ist. Die beiden wollten eigentlich den wohlhabenden Herrn Vogelsang ausrauben, der -wie es der Zufall nur so will- der fiese und ausbeuterische Chef von Sebi ist. Die dominant und resolut wirkende Valentina,  schön verkörpert von Emily Landel,  und ihr etwas kleinlauter und emotionaler Mann Klaus (mit fesselnder Mimik und Gestik gespielt von  David Pickel) geben ein sehr amateurhaftes und ungleiches Gaunerpärchen ab, das augenscheinlich wenig Erfahrung bezüglich Raubüberfällen hat und darüber hinaus noch mit ganz anderen Problemen bei der nun folgenden Geiselnahme konfrontiert ist: Julia und Klaus finden sich auf Anhieb sympathisch und er freundet sich mit Julia an, die sehr viel „Verständnis“  für den von seiner Frau Dominierten aufbringt, was natürlich große Eifersucht bei Valentina hervorruft.

Als Sebi im Gerangel den Pizzaboten (verkörpert von Lea Braun, die auch in ihrer zweiten Rolle als Polizist vollstens überzeugt) erschießt, brechen sich die kriminellen Energien Bahn: Die WG beschließt mit Hilfe der Gauner, die Leiche verschwinden zu lassen und sich der Polizei  gegenüber als Geiseln blutrünstiger Kidnapper auszugeben, denn so wollen sie sich ihren Teil am Lösegeld sichern und sich als Aussteiger ihre Träume erfüllen. Die Polizei, von Judith Bässler grandios und mitreißend verkörpert, scheint nicht wirklich an der Aufklärung des Falles interessiert zu sein und bleibt erstaunlich passiv; vielmehr schlägt sich der Kollege (Lea Braun) letztlich auf die Seite der Gauner. Das erpresste Lösegeld wird von Julias Mutter, von Frau Braun (sehr adrett und reizend gespielt: Carolin Spies)  übergeben, diese zeigt aber keinerlei Interesse am Leben und Schicksal ihrer Tochter.

Zu guter Letzt dringt doch noch die Polizei in die bereits leere und verlassene WG ein und muss feststellen, dass der Einsatz „doof gelaufen“ ist, womit das sehr kurzweilige Stück endet.

Insgesamt traf der Mix aus Krimi und Komödie bei den Zuschauern voll ins Schwarze, sehr oft brach das Publikum wegen der teilweise skurrilen und unerwarteten Verwicklungen in Gelächter aus. Es spendete zum Schluss herzlichen Applaus, der auch den engagierten Spielleitern Christine Kleinert und Christoph Schulz galt, die mit großem Engagement dieses kurzweilige und amüsante Stück mit ihrer Theatergruppe auf die Bühne brachten.

Winfried Sima, FOS/BOS

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