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Wahrheit – ein kostbares Gut?

[DJD, 14.03.2017] Wenn sogar schon Präsidenten die Wahrheit verbiegen, dann zeigt das umso mehr, wie brandaktuell das Thema Wahrheit – oder vielmehr die Abkehr davon – ist. Daher legten die Schülerinnen des Decker-Gymnasiums mit ihrer Theatercollage „Alles wahr. Echt.“ den Finger beeindruckend genau an den Puls der Zeit.

Zwar waren es weder 70 000 noch 120 000 Zuschauer, wie die Schauspielerin Johanna Hofmann aus der Q11 in einer gekonnten Trump-Parodie versicherte, doch der Gerhardinger-Saal war am Dienstag, den 14. März, dennoch gut gefüllt.

Das Titel-Thema führte als roter Faden durch das kurzweilige Pottpüree aus Gedichtinterpretationen, Ausschnitten aus verschiedenen Theaterstücken und anderen Literaturvorlagen von Größen wie Ernst Jandl, Kathrin Röggla, Friedrich Dürrenmatt und Goethe sowie einigen äußerst gelungenen Eigenproduktionen.

0__web__dsc_2781.jpgSo überzeugte beispielsweise Anne Winter mit ihrem Geständnis, Mord sei ihr Hobby – nur um schließlich eingestehen zu müssen, dass „Schwimmen“ vielleicht doch die passendere Bezeichnung für die von ihr bevorzugte Tätigkeit sei. Zuvor hatte die Schülerin bereits Theresa Flierl als zögerliche Selbstmörderin überredet, ihr vor dem Sprung noch ihre Wertsachen zu überlassen – und sie schließlich mit einem beherzten Schubs vor einem Sinneswandel „bewahrt“.

Auch Clara Dreßler gab eine wirklich gute Figur ab – und zwar sowohl als Gangsterboss als auch als Klatschtante. Aber nicht nur die Oberstufenschülerinnen überzeugten mit ihrer Darbietung. Auch Katja Huber, Emma Buegger, Magdalena Mandl, Lena Gimpl und Annalena Vogel ernteten zurecht reichlich Applaus.

0__web__DSC_8580Ein weiteres Highlight waren die von Julia Eikam und Laura Brugger herzerfrischend gespielten Szenen aus den „Känguru Chroniken“ von Marc-Uwe Kling, die für zahlreiche Lacher sorgten und schon mit viel Vorfreude erwartet wurden. Die musikalische Einlage von Leonie Weigl und Theresa Flierl gab dem Abend noch eine gefühlvolle gesangliche Note.

Beeindruckend gelangen die Einlagen der Gruppe „Wahlfach Tanz“, wenn auch beim zweiten Tanz zunächst gebremst durch ein technisches Problem, das die Mädchen hinter den Kulissen kurzerhand selbst lösten. Die erste Nummer, ein „Mashup“ aus mehreren Musikstücken, begeisterte durch die Vielfalt an choreographischen Einfällen, und der zweite Tanz bildete zu dem bezeichnenden Titel „Who run the world? Girls“ eine wunderbar peppige Abrundung des Abends, der von Peter Ringeisen (Schauspiel) und Sigrid Ringeisen (Tanz) einstudiert worden war.

0__web__DSC_8589Who run the world? An diesem Abend waren dies zweifelsfrei die Girls des Dr.-Johanna-Decker-Gymnasiums.

Claudia Ried, GMG

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Keine verlorene Liebesmüh’

Gelungene Shakespeare-Adaptation an den Dr.-Johanna-Decker-Schulen

[DJD, 30.06.2016]   Eine über weite Strecken frische und freche, insgesamt recht kurzweilige und amüsante Shakespeare-Adaptation gelang der Theatergruppe der Dr.-Johanna-Decker-Schulen unter der Leitung von Peter Ringeisen am 30. Juni mit „Verlorene Liebesmüh“.

16_lll_plakat_djds_juni_webSchon das Plakat mit Schmollmund und Pfauenfeder deutete an, dass da alles andere als eine verkopfte oder verzopfte Klassiker-Rezitation zu erwarten war. Und vom kleinen Anfangs-Gag mit Selfies und Paparazzi bis zum gemeinsam gesungenen „Nehmt Abschied, Brüder“ am Schluss war immer ein Schuss Aktualität zwischen Selbstanpreisung und Selbstironie („Nicht weit von hier ist eine Schule, auf die die besten Mädchen gehen …“), im Spiel, der die etwas surreale Handlung und den oft recht bemühten Wortwitz der eher selten gespielten Shakespeareschen Textvorlage aufpeppte und für das Publikum besser verdaulich machte.

Vor dem zahlreich erschienenen Publikum, das den Gerhardinger-Saal bis auf den letzten Platz füllte, entfaltete sich die groteske Tragikomödie von männlicher Lust (durchschaubar umetikettiert als „Verliebtheit“) und männlicher Realitätsferne (ein Eid, den niemand halten kann und der auch sofort gebrochen wird) – gezähmt, geerdet und ad absurdum geführt gleichermaßen durch weibliche Klugheit.

4_alle4_xDie gekrönten Protagonisten der beiden Welten (majestätisch: Verena Kosel als König von Navarra und Selina Messer als Prinzessin von Frankreich) geben einander nichts nach, und ihre jeweils drei untergebenen Edelleute (überzeugend vor allem Kristin Grüneich als Berowne, aber auch Magdalena Schütz und Lena Gimpl) bzw. Edeldamen (kokett-berechnend: Emily Hoppe, Clara Dressler und Isabella Graf, aristokratisch: Sarah Pickel als Boyet) umkreisen einander so höfisch-galant wie eiskalt berechnend, mit fein ziselierten Sprachsticheleien und übertriebenen Schmeicheleien als präzis gesetzter Wortwaffe.

Das komödiantische Element wird verkörpert einerseits durch den „bäurischen Narren“ Wirsing (talentiert: Theresa Schleicher), der die Liebesbriefe der adligen Herren (absichtlich?) durcheinanderbringt, aber die Lacher des Publikums erntet, mit seiner nicht allzu treuen Geliebten Jaquenetta (bodenständig: Sabrina Wittmann), andererseits durch den spanischen Edelmann Adriano de Armado (dauer-„verliebt“: Jennifer Niedermeier), der mit seinem Diener Krümel (Johanna Hofmann) ein don-quijoteskes Paar abgibt. Ein Wachtmeister (in Bundeswehr-Uniform: Evelyn Doban) ein hyperintellektueller Schulmeister (Emma Buegger) und ein Pfarrer (Magdalena Mandl) komplettieren als bierdimpfelndes Trio das kunterbunte Figurentableau des Stückes.

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Die DJD-Theatertruppe, altersmäßig weit gespannt von Sechstklässerinnen bis Abiturientinnen, war gut einstudiert, was Sprechen und Positionierung auf der Guckkastenbühne betraf, auch das Seitenaus und der Saal wurden mit bespielt. Gut ausgesuchte Musikeinspielungen zwischen den Szenen und Auftritten erzeugten die richtige Atmosphäre und Erwartungshaltung beim Zuschauer.

Sehr gelungen war auch die Kostümierung, die zum einen das Problem der vielen Hosenrollen dadurch löste, dass die „echten“ Frauen in überbordenden bonbonfarbenen Galaroben klar erkennbar waren, zum anderen durch kleine, nicht unbedingt historisch getreue, aber gut gesetzte Akzente (z.B. Krawatten, Lederhosn und Dirndl) dem Zuschauer optische Hilfen zur Einordnung der Figuren gab.

Ebenso pointiert wurden bestimmte Requisiten eingesetzt: überdimensionierte Plüschbären als Geschenk der Galane an die Edeldamen, die so simple wie effektive Maskierung derselben wie auch ein Abakus als Rechenhilfe für die schwierige Aufgabe der Umrechnung von Zoll in Meilen.

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Der geschickteste Regieeinfall war zweifellos, das „Spiel im Spiel“, das bei Shakespeare aus einer Aufführung der „Neun historischen Helden“ bestand, aus dem Kontext des Stückes heraus kurzerhand ins DJD (dem Publikum erklärt als „Die jungen Diven“) zu holen und es damit zu einer Schul-Aufführung im besten Sinn zu erweitern. „Echtes“  und gespieltes Publikum konnten sich gleichermaßen an einer kleinen Leistungsschau aus Musik (Saxofon-Solo: Carmen Huber, Blockflöten-Ensemble) und Tanz erfreuen. Insbesondere die mitreißende Ballett-Einlage, einstudiert von Sigrid Ringeisen, bekam enthusiastischen Beifall.

Zurück in Shakespeares Welt, werden die Spieler abrupt aus ihrer galanten Traumwelt in die Realität geholt, denn die Prinzessinnen müssen auf Grund eines Todesfalles überhastet abreisen.

Worüber das Stück ging? Letztlich um die „Liebe“ in allerlei Varianten. Ein Thema, das gerade im Gymnasiasten-Alter so viel elementarer als etwa Mathematik oder Geographie in unser Leben eintritt, hat Shakespeare auf Scherz, Geplänkel und Galanterie reduziert.

Verlorene Liebesmüh’? Nicht am Publikum im Gerhardinger-Saal, das einen gelungenen Schultheater-Abend mit lang anhaltendem Beifall belohnte.

Peter Seidl

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Spontaneität muss wohl überlegt sein

Gelungener Theaterabend – Zuschauer genießen und inszenieren sich selbst

Leider war der Saal der Dr.-Johanna-Decker-Schule am Mittwoch, den 18.03.2015 nicht ganz gefüllt. Der Spielfreude der Schauspielerinnen und Tänzerinnen jedoch tat das keinen Abbruch, die Zuschauer kamen voll auf ihre Kosten und mussten ihr Kommen zu keinem Zeitpunkt bereuen, konnten selbst ihr Theatertalent zeigen.
Der abwechslungsreiche Theater- und Tanzabend begann mit Fernando Arrabals „Picknick im Felde“. Der Soldat Zapo (hinreißend und sehr ausdrucksstark gespielt von Tia Stoll) bekommt im Felde Besuch von seinen Eltern (gut verkörpert von Natalie Heldrich und Lisa-Maria Rösch), die ihn mitten im Kampfgewirr mit einem Picknick versorgen. Völlig skurril und absurd das Verhalten der sehr besorgten und naiven Eltern (Helikopter-Eltern), die in Verkennung der Situation – es herrscht Krieg und es finden Kampfhandlungen statt – ein gar gluckenhaftes Verhalten an den Tag legen und gewisse Verhaltensweisen und auch saubere Fingernägel von ihrem Sohn einfordern. Die köstliche Absurdität der Szenerie wird noch auf die Spitze getrieben durch die Festnahme eines feindlichen Soldaten (Sophie Lippert), der spontan zum Essen eingeladen und mit sämtlichen Freundlichkeiten bedacht wird. Fortan entwickelt sich ein amüsantes Gespräch, in dem man sich näher kommt und zunehmend Nettigkeiten ausgetauscht werden. Die Situation gerät fast aus den Fugen, als von den Gräueltaten der jeweiligen Feinde berichtet wird, um am Ende festzustellen, dass die „Feinde“ eigentlich kein Interesse am Töten haben und nur durch Propaganda ihrer Vorgesetzten „heiß“ gemacht und in den Krieg geschickt wurden.
Es folgte eine perfekt inszenierte Tanzaufführung unter der Leitung von Sigrid Ringeisen. Die Tänzerinnen (Pia Bogner, Franziska Elsen, Rebecca Müller und Katerina Weinmeier) lieferten eine spritzige und temporeiche Choreografie zu fetziger Musik.
Weiter ging es mit drei gespielten Gedichtlesungen. Marie Geisler und Tia Stoll gaben „Es ist alles eitel“ von Andreas Gryphius, Sabrina Netta stach mit „Flüstergold“ von Martina Winter hervor. Abschluss und Höhepunkt bildete Eugen Okers „Samaridda“, das urkomisch von Natalie Heldrich in schönstem oberpfälzisch vorgetragen und simultan von Lisa-Maria Rösch piekfein ins Hochdeutsche übersetzt wurde.
Anschließend stürmten wiederum die Damen der Tanztruppe die Bühne. Annika Biber, Pia Bogner, Eva Dotzler, Jenna Elliott, Franziska Elsen und Charlotte Wiesent brachten mit ihrem schwungvollen „Love Runs Out“ den altehrwürdigen Saal der Decker-Schule zum Beben und die Zuschauer ob ihrer Beweglichkeit und ihrer synchronen Dynamik zum Staunen.
Die Revue mit dem Titel „Spontaneität muss wohl überlegt sein“ machte zum Ende des Abends ihrem Namen alle Ehre, als Sabrina Netta dem Publikum das Improtheater-Spiel „Freeze“ erklärte. Dazu holten ein paar charmante Damen einige freiwillige Zuschauer aus dem Publikum, die spontan eine fiktive Situation spielten und nach und nach von den Schauspielerinnen und den Freiwilligen abgelöst wurden und ihrerseits eine erdachte Geschichte dem amüsierten Publikum darboten. Dabei kamen einige Talente zum Vorschein
Im zweiten Improvisations-Durchgang „Gib mir ein Wort“ war wieder das Publikum gefragt, das den Akteurinnen bei jedem Fingerschnipp ein beliebiges Wort zuwerfen konnte, das von diesen dann intelligent und witzig in die laufende Szene eingebaut wurde.
Den Abschluss machte das Spiel „Sätze aufheben“. Dazu waren die Zuschauer vor der Aufführung gebeten worden, beliebige Sätze auf Zettel zu schreiben. Diese wurden gefaltet und  in einer Schale auf die Bühne gestellt. Lisa-Marie Heldmann, Natalie Heldrich und Sabrina Netta bastelten aus diesen Sätzen dann eine Szene. Eine geeignete Körpersprache und die Schwierigkeit, die gezogenen Sätze in einen szenischen Kontext sinnvoll einzubauen, waren Herausforderung genug und die Zuschauer geizten nicht mit Applaus.Wieder einmal gelang es dem Theaterlehrer Peter Ringeisen und seiner Frau Sigrid Ringeisen, das Potential der talentierten Schauspielerinnen und Tänzerinnen optimal auszureizen und dem Publikum einen kurzweiligen Kulturleckerbissen zu präsentieren.
 

Burkhart Häusler und Winfried Sima (FOS/BOS)

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Wo bitte geht’s nach Dionys? DJD-Theater gibt Antwort

DJDG, 12.03.2014, 19.30 Uhr

Bilder von der GeneralprobeMan fragt sich schon, was das wohl für ein Theaterstück sein wird, wenn man im Flyer der diesjährigen Schultheatertage den Titel „Noch fünf Minuten bis Dionys“ liest. Für noch mehr Verwirrung sorgt dann am Abend der Aufführung der Programmzettel, auf dem „Dionys“ durchgestrichen und durch „Buffalo!“ ersetzt ist. „Wie komme ich zum Thema?“ wird auch noch in der 1. Szene gefragt, einer beeindruckend dargestellten Bearbeitung eines Gedichts von Ernst Jandl. Die Antwort darauf geben die Schülerinnen der Theatergruppe II und des Wahlfachs Tanz des Dr.-Johanna-Decker-Gymnasiums unter der Leitung von Peter und Sigrid Ringeisen: mit Sketchen, Balladen, Tänzen und einem Saxophon (sicher gespielt von Kerstin Kellermann), dessen Klänge die abwechslungsreichen Szenen miteinander verbinden.
Für diesen bunten und äußerst vergnüglichen Theaterabend müssen die Schauspielerinnen (Elvira Galiev, Verena Kosel, Katharina Schricker, Lisa Bleisteiner, Julia Döberl, Alina Feldmeier, Lisa Frischholz, Nathalie Heldrich. Katharina Müller, Sabrina Netta, Nicole Piehler, Ursina Besold, Bianca Hampl, Stefanie Linke, Luisa Lobensteiner, Theresa Neubauer, Anna Sailer) in die unterschiedlichsten Rollen schlüpfen. In Karl Valentins „Hutladen“ bringt ein Kunde den Verkäufer schier zur Verzweiflung. Das Schiff, das in Fontanes Ballade „John Maynard“ über den Eriesee fliegt, wird mit einfachsten Mitteln pantomimisch überzeugend dargestellt. Auf Dramatik folgt kreativ bearbeitete Unterhaltung: Nicht nur Carlo Manzonis „Das Pferd kann es nicht“ sorgt für Heiterkeit im Publikum. Dass die Theatertruppe nah am Zeitgeschehen ist, zeigen auch die witzig und kritisch bearbeiteten Szenen zu Goethes „Zauberlehrling“ und Schillers „Bürgschaft“. Die Rolle des sich unkontrolliert teilenden Besens nehmen heutzutage eben nicht mehr beherrschbare Roboter ein und Damon schleicht mit dem Messer nicht etwa zum Tyrannen Dionys, sondern zur NSA, um die Stadt von der Überwachung zu befreien. Und gemampft wird in der MeNSA, die schöne neue Welt lässt grüßen! Der kleinkarierte Umgang mit dem Dichterfürsten wird in der Szene „Goethe im Examen“ aufs Korn genommen: Ein putzmunterer, temperamentvoller Goethe zeigt den gestrengen Prüfern, worauf es im Leben eines Dichters wirklich ankommt. Mit Schillers „Handschuh“ und einer szenisch überzeugenden Darbietung von Hilde Domins „Unaufhaltsam“ schließt sich der bunte Reigen. Dass der Theaterabend zu einer rundum gelungenen und die Zuschauer begeisternden Veranstaltung wurde, ist nicht zuletzt den fast schon zur Tradition gewordenen Auftritten der Tanzgruppe (Annika Biber, Lisa Haslbeck, Charlotte Wiesent, Celin Auerswald, Jenne Elliott, Franziska Sippl, Elvira Galiev, Melanie Horn) zu verdanken. Wie die Mädels zu „Paris va bien“ und „Bang Bang“ nach der Choreographie von Sigrid Ringeisen tanzen, ist einfach nur Klasse! Nach diesem unterhaltsamen und kurzweiligen Abend kann der Zuschauer entspannt nach Hause gehen: Er weiß jetzt, wo’s langgeht nach Dionys. Uta Löw

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„Die Probe“ – sehr frei nach Schillers „Die Räuber“

Eine Schultheatergruppe probt Schillers Theaterstück „Die Räuber“. Was da wohl dabei herauskommen wird? Bei der Theatergruppe der 6. bis 8. Jahrgangsstufen der Dr.Johanna-Decker-Schulen ein munteres Bühnenstück, das so manche Erinnerung an nervenaufreibende Proben beim Schultheater aufkommen ließ.

Spielleiter Andreas Hilgart und seine Mädeltruppe führten dem Publikum vor Augen, wie es im Probenraum wirklich zugeht in den Wochen vor dem großen Tag der Aufführung. Das von einem Autorenteam (Tia Stoll, Adriana Stanciu, Veronika Thomann, Andreas Hilgart) selbst erarbeitete Stück „Die Probe“ zeigte neben echtem O-Ton aus Schillers „Die Räuber“ Szenen aus dem Alltag, wie sie jeder Spielleiter, jede Spielleiterin bei jeder Probe jedes Mal wieder erlebt.

Da braucht man auch als Spielleiter auf der Bühne (Jessica Bin) schon starke Nerven, wenn Hermann (Adriana Stanciu) – in den „Räubern“ der Bastard – plötzlich anfängt herumzuzicken: „Immer kriege ich die Männerrollen!“ Oder eine Szene ganz dringend unterbrochen werden muss: „Darf ich mal aufs Klo?“ Und natürlich stolpern die Schauspielerinnen zur rechten Zeit über Schillers altertümliche Sprache. So freut sich der fiese Franz (Tia Stoll), der den alten Moor (Anna Sauerbeck) um die Ecke bringen will: „Dann bin ich der Chef“, bis es ihm endlich schwant: „Nein, Chef haben die damals noch gar nicht gesagt“. Auch die schöne Amalia (Jenny-Lee Piechaczek) muss vom Spielleiter immer wieder ermahnt werden, den Text nicht so zu leiern. Die Szenen mit den Räubern (Laura Porst, Leonie Kellner, Julia Schmidbauer und Lara Schug) und dem Diener Daniel (Anna Donhauser) hätten dagegen fast schon perfekt geklappt, wenn man im Eifer des Gefechts nicht vergessen hätte, die Rolle des Kosinsky zu besetzen. Na toll. Und dass es nicht mehr bis zum bitteren Ende kommt, bei Schiller ersticht Karl (Simone Deinzer) seine geliebte Amalia, ist nur dem – im Vergleich zu einer Schultheaterprobe – weitaus wichtigeren Termin beim Kieferorthopäden geschuldet.

Ja, so ist das halt bei Theaterproben mit Schülern. Die Realität auf witzige Weise als Theaterstück auf die Bühne gebracht zu haben, ist das Verdienst der ganzen Gruppe. Die kurzweilige und von allen Darstellerinnen flott und überzeugend gespielte „Probe“ ließ wohl so manchen Zuschauer zu der Erkenntnis gelangen, dass die Götter vor den Erfolg eines gelungenen Schultheaterabends den Schweiß gesetzt haben.

Uta Löw (EG)

Aufführung: 17. April 2013

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Landpartie macht glücklich

Bildergalerie von der Aufführung

Sieht so wahre Liebe aus? (mehr Bilder -> klick!)

„Du machst mich glücklich“: Diese Zeile des Abschlusslieds kann man ohne Einschränkung auf die Theateraufführung der Klassen 9 bis 12 des Dr.-Johanna-Decker-Gymnasiums Amberg übertragen. Der Leiter der Theatergruppe, Peter Ringeisen, konnte die Zuschauer durch sein kurzweiliges und amüsantes, aber auch anspruchsvolles Stück ganz ins Italien des 18. Jahrhundert katapultieren.

Die Bürger von Livorno vollziehen jedes Jahr nach der Weinlese ein gesellschaftliches Moderitual: die Landpartie nach Montenero. Eigentlich kann sich das kaum ein Bürger leisten, aber das kann man vor den anderen ja nicht zugeben, oder? So macht sich auch Filippo (Bianca Hampl), der gutmütige Vater der verwöhnten und selbstbewussten Giacinta (Marie Siegert), mit seiner Schwester Sabina (Lucy Freller) und dem Edelmann Guglielmo (Nicole Ott) auf zu seinem Landsitz. Dumm nur, dass Leonardo (Sarina Wagner), der um Giacintas Hand anhalten möchte, eigentlich auch in Filippos Kutsche mitfahren wollte und entrüstet und in seiner Ehre verletzt seine Teilnahme an der Landpartie absagt. Diese hätte sich sowieso nur durch Pfandbriefe und Schulden finanzieren lassen, doch das weiß Leonardos Schwester Vittoria (Katharina Bäumler) nicht, die seit jeher in Konkurrenz mit Giacinta um das beste Outfit steht. Nach viel hin und her – Filippos Freund Fulgenzio (Stefanie Linke) verbürgt sich für Leonardo, abbestellten und wieder angeforderten Kutschen und einem Tanzkurs (mit einem sehr besonderen Tanzmeister, gespielt von Ronja Wiesgickl und Berto (Elvira Galiev) als Extratänzer) – bricht die Gesellschaft schließlich doch nach Montenero auf, mit einem Eheversprechen Giacintas an Leonardo und dessen Hoffen auf 8000 Scudi Mitgift.

In Montenero kommt, was kommen muss: Giacinta verliebt sich in Guglielmo. Und dies bleibt nicht unbemerkt. Die Kammerdiener und Kammerzofen der Herrschaften, Brigida (Magdalena Gubisch), Paolo (Julia Wittmann), Cecco (Katharina Krell), Tita (Polina Braun), Beltrame (Lisa Eichenseer) und Amadeo (Verena Kosel) reden schon darüber, dass Giacinta Spielchen mit Leonardo spielt, und Sabina, selbst hemmungslos in den mittellosen Lebenskünstler Ferdinando (Alexandra Ries) verliebt, ermahnt ihre Nichte gar, dass man nie zwei Liebhaber haben sollte. Giacinta will daraufhin Guglielmo in die Schranken weisen, wird dabei aber von Leonardo belauscht, der sofort erkennt, was eigentlich zwischen seiner Verlobten und dem Rivalen passiert. Der Unglücklichen bleibt nichts anderes übrig als Leonardo vorzugaukeln, dass Guglielmo um Vittorias Hand anhalten wolle. Trotzdem geht das gesellschaftliche Leben in Montenero weiter. Ein Tanzabend (Schülerinnen des Wahlfachs Tanz unter der Leitung von Sigrid Ringeisen tanzten modern, mitreißend und tänzerisch anspruchsvoll) bringt alle auf andere Gedanken. Doch gerade in diese ausgelassene Stimmung kommt eine schlechte, oder doch gute, Nachricht: der Erbonkel Leonardos liegt im Sterben!

Zurück in Livorno warten auf die Beteiligten der Landpartie weitere Probleme. Costanza (Anja Richter), eine Cousine Vittorias, die ihre Nichte Rosina (Christina Netta) und deren einfältigen Ehemann Antonio (Rebecca Storch) bei sich aufgenommen hat, kann bei einem Besuch Giacintas ihre Armut nicht mehr vertuschen. Leonardos Onkel Bernardino (Nadine Foschum) erholt sich wieder, ist aber geistig nicht mehr in der Lage zu verstehen, dass sein Neffe finanzielle Unterstützung bräuchte. Fulgenzio, der Leonardo erneut zur Seite steht, findet heraus, dass Filippo keine 8000 Scudi Mitgift hat, und macht den Vorschlag, dem sich schließlich alle, mehr oder weniger freiwillig, fügen: Giacinta und Leonardo bekommen das heruntergekommene Landgut Filippos in Genua übertragen und bewirtschaften es zukünftig. Guglielmo heiratet Vittoria auf Wunsch Giacintas. Wenigstens Brigida und Paolo, die sich in der Schlussszene ihre Gefühle gestehen, heiraten aus Liebe.

Die Auftaktveranstaltung der Amberger Schultheatertage, noch vor dem offiziellen Startschuss am 1.3.2013 im Stadttheater, konnte vor allem durch ihre motivierten und textsicheren Darsteller begeistern. Das fast 300 Jahre alte Stück zeigte überraschend moderne Aspekte: die Überschuldung, um gesellschaftlichen Zwängen Stand zu halten, das Streben nach dem neusten und teuersten Outfit und das Bedürfnis geliebt und akzeptiert zu werden, sprach sicher auch die jüngeren Zuschauer an und wurde besonders durch das überzeugende Spiel der Protagonisten sehr gut umgesetzt. Insgesamt machte dieser Abend Lust auf mehr und zeigte deutlich, dass eine Schultheateraufführung den großen Bühnen in nichts nachstehen muss.

Bianca Rauchenberger (MRG)

Bilder: hostasxeng

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Audienz bei DJD-Königinnen

Nach dem gelungenen Auftakt der Schultheatertage des Max-Reger-Gymnasiums gaben die „Königinnen“ des Dr.-Johanna-Decker-Gymnasiums eine fesselnde und kurzweilige Audienz. Die royalen Schülerinnen der 10.-12. Jahrgangsstufe umrankten das Kernstück „Königinnen von Frankreich“ von Thornton Wilder in einzigartiger Weise mit selbstgeschriebenen, getanzten und gesungenen Szenen und verwoben so die immer gegenwärtigen Kernthemen unserer Welt wie Macht, Neid, Liebe, Zeit, Träume, Veränderung, Politik, Befreiung, Erfolg, Niederlage und natürlich die Stärken der Frau.

Zum Auftakt begrüßte immer graziös monarchisch und meist wohlwollend jede Königin persönlich ihr Publikum in ihrem Festsaal. So setzten sie gleich zu Beginn ein geballtes prunkvolles Statement. In einem fesselnden Tempo brachten anschließend kompakte exemplarische Situationen wie „Das Wiedersehen“, „Gespräche“, „Erfolg“ und „Die Rolle der Gefühle“ der fiktiven Figur „Herr K.“ von Bertolt Brecht den Zuschauer zum Nachdenken und bescherten meistens einen Aha-Effekt.

Dazwischen platzierten sie gekonnt verschiedene etwas längere Szenen wie die Ballade „Die Goldgräber“ von Emmanuel Geibel. Die Zuschauer tauchten sofort ein in die Welt von drei Schatzsuchern, deren Zusammenhalt zunächst von ihrer gemeinsamen sinnlos erscheinenden Suche und den gemeinsamen Träumen und Wünschen bestärkt ist, in denen jedoch auch ausnahmslos Hinterlist und Egoismus erwachen, als sie ans Ziel ihrer Suche gelangen und einen goldenen Schatz finden. So stellten die Schülerinnen die Frage: „Welcher Schatz ist eigentlich am wertvollsten und macht unser Leben königlich?“

Anschließend überzeugten Marie Siegert und Sarina Wagner gesanglich mit ihrer Interpretation von „Wenn ich tanzen will“ aus dem Musical „Elisabeth“, begleitet von Katharina Bäumler am Klavier. Sie zogen die Zuschauer in ihren Bann und unterstrichen die Aussage des Liedes, keine Marionette sein zu wollen, mit Hilfe von tänzerischen Elementen.

Als weiterer Höhepunkt folgte das selbstgeschriebene Stück „Die Goldkrise in der Union von Genovien“, unterteilt in drei wechselnde Szenen, in denen schlaglichtartig auf das Versagen der politischen Akteure Griechenlands und die Not der einfachen Bevölkerung dort angespielt wurde, mit denen auch die Zentrale der Union in „Brösl“ überfordert ist. Trotz Überzeichnung und Verfremdung konnte der Zuschauer Handlungen und Personen wie die „König… ähm Kanzlerin“ und ihre Bediensteten und Beamten einordnen. Hier stellten Regisseur Peter Ringeisen und seine Schauspielerinnen ihre Kreativität, ihren Humor und ihr Können beeindruckend unter Beweis.

„Königinnen von Frankreich“ von Thornton Wilder bildete das Kernstück der Revue und war zugleich Namensgeber des Abends. Dieses hübsche Kabinettstückchen über die Verführbarkeit der verschiedensten Menschen wurde überzeugend und souverän dargestellt. Ein Advokat redet drei Frauen ein, die lange gesuchten Thronfolgerinnen von Frankreich zu sein, und macht damit sein Geschäft. Der betrügerische Advokat, meisterhaft verführerisch dargestellt von Katharina Bäumler; das anfangs mit der Situation überforderte Mädchen: überzeugend interpretiert von Anne Iberer; die Kleinbürgersfrau mit dem Drang nach Höherem: mustergültig bieder gespielt von Kristin Ölschlegel; und die mittellose alte Jungfer: hervorragend theatralisch beschrieben von Anja Hösl.

Den Zuschauern blieb keine Zeit zum Nachdenken, es folgten im zügigen Tempo weitere kleine Pointen mit Biss von Bertolt Brecht. Die überzeugende gesangliche Präsentation über die „Stärke einer liebenden Frau“ aus dem Musical „Rebecca“ traf mitten ins Herz. Glitzernd stach auch die tänzerische Darstellung von „Something’s got a hold on me“ von Christina Aguilera heraus – mitreißend von Katharina Bäumler, Anja Richter, Marie Siegert und Sarina Wagner interpretiert (Choreographie: Sigrid Ringeisen).

Ein letzter Auftritt aller Schauspielerinnen mit dem Gedicht „Gemeinsam“ von Rose Ausländer, der noch einmal ihr Können, ihre Souveränität und perfektes Timing unterstrich, rundete die Revue entsprechend überzeugend ab.

Brigitte Bodensteiner

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Grotesk ist die Politik – nicht das Theater

Der Kommissar versucht es mit brachialen Methoden.Motive aus Dario Fos Farce „Er hatte zwei Pistolen und seine Augen waren schwarz und weiß“ brachten die Mädels aus der Theatergruppe 9/12 der Dr. – Johanna – Decker- Schulen im Gerhardinger Saal auf die Bühne. Angekündigt wurde die Aufführung unter dem Titel „Wer bin ich?“ Als Zuschauer war man nach diesem Theaterabend fast versucht zu ergänzen „und wenn ja, wie viele“? Dass die Titelfrage am Ende doch unbeantwortet blieb, liegt in der Natur des Stücks. Dario Fo ist ein Enfant terrible unter den Literaten. Die Tatsache, dass er 1997 den Literaturnobelpreis erhielt, führte angeblich dazu, „…dass die Beruhigungsmittel in den italienischen Apotheken fast ausverkauft waren.“ Auch wenn nach Fos Meinung nicht das Theater, sondern die Politik grotesk sei, so tat man doch gut daran, sich auf ein aberwitziges, in höchstem Maß groteskes Verwirrspiel einzustellen. Nur gut, dass Spielleiter Peter Ringeisen noch vor Beginn der Komödie die beiden sich (fast) zum Verwechseln ähnelnden Giovannis dem Publikum vorstellte.

Ein von Sigrid Ringeisen perfekt einstudierter Tanz stimmte die Zuschauer auf die turbulente Handlung ein: Das Spiel beginnt in der Psychiatrie. Ein Mann ohne Gedächtnis (Katharina Bäumler) in einem Priestergewand und mit Wolldecke wird dort für einen Deserteur gehalten, der seine Amnesie nur simuliert. Aber wer ist denn nun eigentlich verrückt? Der mit dem angeblichen (?) Gedächtnisverlust? Oder doch Professor (Claudia Haasmann), Stabsarzt (Marie Siegert), Ärzte (Annemarie Iberer, Sabine Schöppl) und Krankenschwester (Annika Traczyk)? Oder wie ist es sonst zu verstehen, dass sie alle nach der Pfeife des Unbekannten tanzen bzw. Straßenbahn fahren – gekonnt pantomimisch übrigens. Luisa (Melanie Heldmann) löst das Rätsel: Sie identifiziert den Fremden als ihren Mann Giovanni Galina, mit dem sie, wie sich herausstellt, gar nicht verheiratet ist, und nimmt ihn mit nach Hause. Nicht nur Angela (Sabine Schöppl) und Bar-Besitzer Luigi (Annika Traczyk) sind verwundert: Die Amnesie hat aus dem Gangster Giovanni einen sanften Typen gemacht, der, konfrontiert mit seiner Vergangenheit, erschüttert bemerkt: „Mein Gott, bin ich unsympathisch.“

Richtig turbulent wird es, als der echte Giovanni (Sarina Wagner) auftaucht und die Situation für seine dunklen Machenschaften nutzt. Mit Blondi (Stefanie Spiegel) kommt ein weiterer Ganove ins Spiel und Polizisten (Annemarie Iberer, Annika Traczyk), Wachtmeister (Lisa Wrosch), Assistent (Deborah Flierl) und Kommissar (Sabine Thiele) mühen sich mit allen Tricks, dem üblen Treiben ein Ende zu bereiten. Der wunderschöne Sologesang Marias (Marie Siegert) lässt nur kurz Zeit zu verschnaufen, bevor die Sache eskaliert und Giovanni (welcher denn nun?) erschossen wird.

Auch als Don Antonio die Identität des Gedächtnislosen aufklärt, nimmt die Geschichte noch kein Ende: Die Ganoven fordern eine Gangstergewerkschaft. Am Schluss tragen alle Masken: Das Verwirrspiel hat (k)ein Ende.

Wer als Zuschauer bei diesem Stück nicht auf logische Handlungsentwicklung eingestellt war, konnte sich entspannt zurücklehnen und einen sehr amüsanten und gelungenen Theaterabend genießen. Wie die Spielerinnen innerhalb kürzester Zeit von Rolle zu Rolle schlüpften, ihre Identität auf der Bühne wechselten und sich mit Engagement und sichtbarer Spielfreude auf die Verwicklungen einließen, verdient große Anerkennung. Congratulazioni!

Uta Löw (EG)

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Eine „hair“-liche Inszenierung


Mehr Fotos von Uwe Walzenbach

Titus stellt fest: Aus Versehen hat er eine blonde Perücke erwischt! (Bild: Uwe Walzenbach)

Die Theatergruppe der 10. bis 13. Klassen des Dr.-Johanna-Decker-Gymnasiums Amberg meistert die „Haarausforderung“ von Nestroys Klassiker „Der Talisman“.

Haarscharf hat der österreichische Satiriker Nestroy in diesem Stück die Gesellschaft unter die Lupe genommen – und lässt kein gutes Haar an ihr.

Titus Feuerfuchs, ein rothaariger Barbiergeselle (textsicher dargestellt von Sabine Thiele), versucht in einer Gesellschaft, die Menschen mit seiner Haarfarbe misstrauisch betrachtet, sein Auskommen zu finden. Die Gänsemagd Salome Pockerl, (zauberhaft gespielt von Verena Weiß), ebenfalls rothaarig, findet Gefallen an Titus.
Der Zufall sorgt dafür, dass Titus die Gelegenheit erhält, dem Friseur Monsieur Marquis (bemerkenswert vornehm: Deborah Flierl) das Leben zu retten. Dieser überlässt ihm als Dankeschön einen Talisman: eine schwarze Perücke, die Titus‘ feuerrotes Haar verdecken hilft.
Kaum trägt dieser den neuen „Kopfschmuck“, interessieren sich drei Witwen auf dem Gut der Frau von Cypressenburg für ihn: Zunächst ist da Flora Baumscheer (sehr treffend interpretiert von Nathalie Seidel), Gärtnerin und verzweifelt auf der Suche nicht nur nach einem neuen Ehemann, sondern auch nach einem Mitarbeiter, da ihr Gehilfe Plutzerkern (herrlich phlegmatisch verkörpert von Melanie Benedikt) zu nix nutze ist. Dann macht sich auch noch die Kammerfrau Constantia (souverän: Teresa Hager) an Titus heran. Schließlich findet die Herrin selbst, nämlich Frau von Cypressenburg (toll besetzt mit Olga Rudolf), Gefallen an ihm. Die Möchtegern-Schriftstellerin und stolze Mutter der etwas bockigen Teenagerin Emma (glaubwürdig von Marie Siegert verkörpert) fachsimpelt gern mit dem aufgeblasenen Herrn von Platt (mit einem Augenzwinkern gespielt von Lisa Wrosch).
Titus scheint am Ziel seiner Wünsche zu sein. Doch ausgerechnet dieselbe Person, die ihm mit dem Geschenk der Perücke den Zugang zur Gesellschaft ermöglicht hat, wird Titus nun zum Verhängnis: Der eifersüchtige Monsieur Marquis entlarvt den Rothaarigen, indem er diesem den Talisman wegnimmt. Auch ein notgedrungener vorübergehender Wechsel auf eine blonde Perücke verschafft Titus nur kurz Luft – er wird von allen Damen wegen seiner abstoßenden Haarfarbe abgelehnt und muss gehen.
Als sein dümmlicher, durch Glück zu Geld gekommener Onkel Spund (witzig von Katharina Bäumler gespielt) Titus zu seinem Universalerben machen will, erscheint den drei „Schwarzen Witwen“ der Ekel vor den roten Haaren plötzlich überwindbar und sie umschmeicheln Titus erneut. Dieser jedoch lehnt das Erbe ab, begnügt sich mit einem von seinem Onkel finanzierten Geschäft und entscheidet sich für die Frau, die von Anfang zu ihm gehalten hat: die Gänsehüterin Salome.
 
Das Stück bewegt sich zwischen Schein und Sein, zwischen Doppelmoral und Eigennutz, zwischen Fügung und Zufall. So oft Titus seine Haarfarbe wechselt, nämlich von rot über schwarz zu blond und schließlich zu grau, so oft wendet sich sein Schicksal, bis er, nunmehr ohne Perücke, schließlich sein Glück findet.
Erstaunlich ist, wie die Schülerinnen der 10. bis 13. Klassen das sehr anspruchsvolle Stück in so kurzer Zeit so gut einstudieren konnten! Hut ab – oder vielleicht besser: Perücke ab – vor dieser beeindruckenden Leistung!

Sabine Edl (GMG)

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SPOTTsieben: Siebter Amberger Spontantheater-Tag

Das Publikum beim Spontantheater-Tag 2010 im Club Habana (Bild: U. Walzenbach)

Das Publikum beim Spontantheater-Tag 2010/Club Habana (Bild: U. Walzenbach)

FOTOS
Uwe Walzenbach hat zahlreiche Fotos vom Spontantheater-Tag geschossen, die auf seiner Homepage zu sehen sind (dort etwas nach unten scrollen):
walzenbach-photography.com

Ordentlich abgeschafft

Sulzbach-Rosenberger Sieg beim Spontan-Theater

Hätte der Schafkönig seinen Beschluss nicht nur im Schafland, sondern auch in Amberg umgesetzt, hätte der Kulturverein wohl schlechte Karten gehabt: Der Untergang der Kultur wäre in einem Land, in dem jeder, egal wie talentiert, seine Träume von einer Sängerkarriere verwirklichen kann, programmiert.

Die Darstellung eines solchen Szenarios allerdings kann durchaus zum Erfolg führen – und für das Team 2 des HCA Sulzbach-Rosenberg (Herzog-Christian-August-Gymnasium) zum Sieg beim Spontan-Theater-Wettbewerb Spott 7 im Club Habana. Dabei war die Konkurrenz nicht zu unterschätzen und mindestens genauso groß wie die Vielfalt an abgeschafften Dingen, die durch die sieben Gruppen dargestellt wurden.

Wollte das Team 1 der Dr.-Johanna-Decker-Schulen die Männer abschaffen, einfach, weil sie im Zeitalter der Gentechnologie nicht einmal mehr zur Befruchtung beitragen müssten, so war das Team 2 der gleichen Schule dafür, im Zuge des Verbots des Buchstaben „S“ die Sulzbacher Straße abzuschaffen; die Ideen dieser Gruppe wurden mit dem 2. Platz belohnt. Das Ensemble Zentral dagegen wählte eine ganz andere Herangehensweise: Die Jury wurde gefesselt – um kurz darauf wieder befreit zu werden, um eine möglichst gute Bewertung abgeben zu können. Abschaffen also nur für kurze Zeit, dafür gab es – nur knapp hinter dem DJD-Team 2 – den dritten Platz.

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Amberger Zeitung vom 16. Nov. 2010
(leicht bearbeitet, mit richtiggestellter Platzierung)

Info
Das Thema „Schaffen wir’s ab?“ wurde den einzelnen Gruppen telefonisch um zehn Uhr vormittags am Wettbewerbstag mitgeteilt. Bis zum Abend war dazu dann eine Spielszene zu entwerfen, die bei maximal 8 Spielerinnen oder Spielern maximal 8 Minuten lang sein sollte.

Hier sind die punktgenauen Ergebnisse auf einem Screenshot von der Homepage des Kulturvereins Amberg (www.tenano.de):

Screenshot/www.tenano.de vom 20. Nov. 2010

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