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Shakespeare im Comedy-Format

 

[GMG, 28.06.2017] „Schöne gegen Weiber – Coole gegen Tussen“ – so klang der Refrain des Raps, den sich die beiden „feindlichen Lager“ verbal, optisch und auch bildhaft um die Ohren hauten in dem temporeichen und frechen Stück „Zehn Dinge, die ich an dir hasse“ von Claudia Ried, aufgeführt von der Theatergruppe „Die Oscars“ des Gregor-Mendel-Gymnasiums am letzten Mittwoch in deren Mensa.

In Anlehnung an Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ und die amerikanische Aktualisierung „Zehn Dinge, die ich an dir hasse“ drehte sich alles  um die zwei sehr unterschiedlichen Töchter der gestressten Gynäkologin Fr. Liebermann (herrlich authentisch gespielt von Marion Hopfenzitz). Die eine, Katharina (Katharina Filimonov)  will offensichtlich nichts mit Jungs und Zickenkram zu tun haben, was der anderen, Bianca (Ayana Bauer) zum Verhängnis wird, da sie ihrerseits ausgesprochen großes Interesse an Jungs hat, aber erst ein Date haben darf, wenn auch die „widerspenstige“ Kathi an den Mann gebracht worden ist. So hat es Frau Doktor beschlossen, Shakespeare lässt grüßen! Nicht zu vergessen war die dritte im Bunde, die kleine Schwester Elisabeth (Julia Depperschmidt, klein, aber oho!), die durch ihre vorlaute und immer hungrige Art gehörig an den Nerven ihrer Familie sägte.

Gleich zu Beginn kündigt die coole Mel (Alicia Schroers Gómez) die „Schönen“  an und steigt auch unmittelbar in die coole Gang um Katharina und Tine (Lucy Riß, abgefahrenes Styling) und somit in die Handlung ein. Im Verlauf des Stücks wechselt sie immer wieder von der Erzählerin zur Darstellerin, was der rasanten Szenenabfolge sehr gut tut. Zu den Tönen von „Barbie Girl“ stolzieren Bianca (Ayana Bauer – „Barbie Girl“ in Vollendung!), Lisa (Ida Hanft), Vroni (Jessica Urbanovic), Hanna (Laura Tschursin) und Lara (Natalia Matula) ins Bild, sichtlich um ihr aufgeputztes, sehr blondes Äußeres bemüht. Köstlich vermitteln sie durch ihre tiefen Schmachtseufzer ihre große Bewunderung für den „Ober-Macker“ der Schule, KJ (Niko Tadin), der eher materiell als intellektuell bestückt ist und  kurze Zeit später zu den Klängen von „Shaggy – Mr.Boombastic“ einen dementsprechenden  Auftritt hinlegt. Grandios! Zu toppen ist seine Coolness nur noch durch das Auftreten des neuen Schülers Jojo (Paula Schißlbauer), dessen breitbeiniger Macho-Gang selbst einen John Wayne in den Schatten gestellt hätte.

Dann taucht noch das Trio Max (Richard Römmich), Frederike (Violetta Kaiser) und Lukas (Celina Fink) am Ort des Geschehens auf und punktet mit smartem Verstand und „Organisationstalent“. Sie beschließen, gesponsert von KJ, der sich seinerseits Chancen bei Bianca ausrechnet, Jojo als Date für Kathi anzuwerben, um dem verliebten Lukas den Weg zu Bianca frei zu machen. Jojo lässt sich auf den zweifelhaften Deal ein und stellt schnell fest, dass er wirklich Gefallen an Kathi findet. Nicht nur durch sein Gitarrespiel macht er Eindruck bei ihr und sie nimmt zur großen Überraschung aller seine Einladung zu einer Party an, was damit endet, dass sie sich in ihn verliebt.

Bianca allerdings kommen Zweifel an KJ. Entsprechend ernüchtert gestaltet sich die Frühstücksszene am nächsten Morgen, in der nur die genervte Mutter spricht und die Töchter nebst Freundin Vicky (Mabel Kigadye, anrührend) durch überdimensional groß bedruckte Textblätter, an ihren Sitzkisten heftend und von den einzelnen Protagonisten aufgeblättert, für den nonverbalen Dialog sorgen. Selbst in dieser Szene hat übrigens Vicky, die Freundin der kleinen Schwester Elli nichts zu melden, außer leere Blätter, was beim Publikum einmal mehr für Lacher sorgte.

Bald nach der Sause fliegt der vermeintliche Gefühlsschwindel durch die ebenfalls an Jojo interessierte, aber abgeblitzte Sophia (Vivian Gier, herrlich naiv) auf. Liebeskummer macht sich breit, sowohl bei Kathi als auch bei Jojo. Hilfe kommt ausgerechnet von Bianca, als ihr Kathi gesteht, dass sie einmal was mit KJ hatte. So nähern sich die beiden Schwestern wieder an, was letztendlich auch auf ihre „Gangs“ abfärbt, und Bianca wird klar, dass sie sich doch für den aufrichtigen Lukas entscheiden sollte, der nur ihretwegen Französisch gelernt hat.

Szenenwechsel: Es wird ein Gedicht für die nächste Deutschstunde von Frau Rudolf (Julia Groß, überzeugend gespielt) eingefordert. Viele krasse Sprüche sind zu vernehmen und der coole Norbert (Alina Dotzler) reimt mit Mel sogar im Duett. Als letzte tritt Kathi vor die Klasse und verkündet an Jojo gerichtet „zehn Dinge, die ich an dir hasse“ mit dem Schlusssatz  „mein Herz, das kann nicht von dir lassen“. So geht es auch Jojo, und als „Wiedergutmachung“ ersteht er eine Gitarre von dem Geld, das er für die Verabredung mit Kathi von KJ erhalten hat, und kann somit Kathis Herz zurück gewinnen. Auch Lukas verzeiht Bianca ihren „Fehlgriff KJ“ und erwärmt sich erneut für sie.

Während des gesamten Stückes war der Jugendlichen liebstes Spielzeug, das Handy, sehr präsent, welches einmal mehr die Veränderung in unserer heutigen Kommunikation deutlich machte.

Abschließend ist die einfallsreiche, minimalistische Bühnenausstattung, bestehend aus einem Podest und mehreren Holzkisten, welche gekonnt Szene für Szene neu ein- und umgesetzt wurden, zu erwähnen.

Insgesamt bewiesen die einzelnen Akteure großes schauspielerisches Talent, auch durch ihr gekonntes Mienenspiel, was in den abwechselnd eingesetzten Pantomime-Szenen hervorragend zur Geltung kam. Musikalisch treffend und mit vielen Mitteln des modernen Theaters gespickt, gelang es der witzig-frechen Truppe um die leidenschaftliche Theatermacherin Claudia Ried, den vielen Besuchern zwei kurzweilige und amüsante Stunden Unterhaltung zu bescheren.

Susanna Rosemann, EG

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„Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“

[GMG, 13.05.2017] Auf der Grundlage von David Leviathans Roman „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ inszenierte die Schulspielleiterin Claudia Ried, die den Text pointiert für eine Theaterproduktion umschrieb, mit ehemaligen Schülern des Gregor-Mendel-Gymnasiums ein ein ebenso kurzweiliges wie witziges Stück in der Mensa der Schule. Das ungewöhnliche Konzept der Handlung zog das begeisterte Publikum gleich von Beginn an in seinen Bann.

Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt: Nicki liebt Daniel. Doch die ersten Begegnungen zwischen den beiden finden nur per E-Mail statt, die die Zuschauer mithilfe zweier Erzählerstimmen aus dem Off (als Daniel David Pickel; als Nicki Dorothea Niller) zu hören bekommen. Das Problem dieser Liebesgeschichte: Nicki wacht jeden Morgen in einem anderen Körper auf. Als sich die Freundschaft mit dem schriftstellerisch talentierten Daniel (auch auf der Bühne David Pickel) vertieft, kommen auch ihre neuen Identitäten aus seiner näheren Umgebung, denn sie erwacht mit Beginn des Stücks in den Körpern seiner Arbeitskollegen. Daniel, Volontär einer Zeitung, weiß davon zunächst nichts und kann sich wie alle anderen nur über das seltsame Verhalten seiner Kollegen wundern.

Je nachdem, in welcher Person Nicki erwacht, ändert sich auch das Tagesmotto, das im ansonsten bewusst einfach gehaltenen Bühnenbild durch einen überdimensionalen Kalender (gestaltet von Michael Kamann) präsentiert wird. Am ersten Montag erwacht Nicki im Körper der mit weiblichen Reizen gut bestückten Narzissa (Anna-Liri Shalsi). Das falsche Zitat dieses ersten Tages: „Heute bin ich nett.“ – Lord Voldemort. Nicki verhält sich im Körper der Chefin Narzissa ganz anders, als der Rest der Redaktion es erwartet, denn sie ist aufmerksam, höflich und umgänglich. Ähnlich setzt sie ihren Weg durch die Körper fort, immer in Daniels Nähe, dessen Aufmerksamkeit sie erlangen möchte.

So flirtet der Sportreporter Andi (Constanze Gierl) auf einmal mit dem Volontär Daniel und macht sich Gedanken um sein eigenes äußeres Erscheinungsbild, sprich Jogginghose, was eben von der schlagfertigen Kim (Antonia Schmidt) mit dem Satz der Überschrift kommentiert wird. Der ansonsten meist angetrunkene Reporter Magnus (Barbara Winkler) interessiert sich für Daniels Arbeit. Hugo, der recht unterwürfige Sekretär (Alexandra Jehlicke), rebelliert gegen die dauernd nörgelnde Chefin. Am Freitag erwacht Nicki in Daniels Körper und gewinnt einen intensiven Einblick in sein liebenswertes Wesen und sein Talent. Da sie durchaus bemerkt hat, dass Daniel Augen für die hübsche, blonde Sophie (Meike Peffer) hat, benimmt sie sich am Folgetag in deren Körper völlig daneben – frei nach dem Tagesmotto: „Heute bin ich von der Rolle“ – Klo Papier.

Es ändert sich alles, als Nicki in Kims Körper Daniel ihre Geschichte erzählt. Denn ab diesem Zeitpunkt verabreden sich beide täglich, aber Nicki eben immer im Körper einer anderen Person. Das führt in der zweiten Hälfte des Stücks zu grotesken, aber auch nachdenklichen Szenen, weil sich damit die Frage stellt, wie viel Anteil das Äußerliche in einer Beziehung einnimmt. Während Daniel mit den weiblichen Körpern der Praktikantin Doro (Martina Mikuta), der Putzfrau Gabi (Lena Härteis) und Bella (Katharina Waal) noch zurechtkommt, ist ihm die Annäherung des spießigen, CSU-begeisterten Politik-Redakteurs Helmut (Jonathan Grothaus) unangenehm.

Als Daniel einen Tag nicht in der Redaktion anwesend ist, muss sich Nicki im Körper des Fotografen Jules (Johanna Mehringer) mit ihrem schlechten Gewissen auseinandersetzen. Auf Initiative von Magnus und Bella hat sie Fotos einer im Koma liegenden Profi-Tennisspielerin gemacht, hat jedoch Skrupel, mit dem Schicksal dieser Frau Geld zu verdienen. Und hier schließt sich der Kreis: Als nämlich am Folgetag Daniel im Büro erscheint, wird klar, dass seine Nicki eben diese Tennisspielerin ist, die wieder aus dem Koma erwacht ist. Der Schluss deutet ein Happy End an, bleibt aber offen.

Schauspielerisch zeigten die ehemaligen Schüler/innen ein hohes Niveau, denn neben der eigentlichen Rolle, musste auch jeder Nicki darstellen können. Der brillante und mit Wortspielereien gespickte Text tat sein Übriges und brachte das Publikum häufig zum Schmunzeln und Lachen. Durch die Thematik der wechselnden Identitäten bekam das Stück gleichzeitig eine Tiefe, die in mancher Szene die Zuschauer zum Grübeln brachte. Das Publikum dankte dem Team den kurzweiligen Abend mit einem lang anhaltenden, tosenden Applaus. Die Gruppe „Obstsalat“ kündigte am Schluss des Stücks an, auch noch weiter machen zu wollen. Damit dürfen die Zuschauer auch im nächsten Jahr wieder auf ein Stück hoffen, das in den Köpfen noch nachwirkt.

Diana Schneider, MRG

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Nur ’ne Handvoll Tausender … aber jede Menge Spaß am Theaterspiel

[GMG, 11.05.2017] Die Theatergruppe der Unterstufe des GMG unter der Leitung von Christine Kleinert präsentierte am vergangenen Donnerstag den Zuschauern in der Mensa der Schule einen lustigen und kurzweiligen Theaterabend mit dem Stück „Nur ne Hand voll Tausender“ von Lothar Krauth.

Der Lärm einer nahen Schießerei scheucht die drei ältlichen Schwestern  Alice, souverän und stimmgewaltig gespielt von Marietta König;  Gisela (alias Marleen Kollbrand, mit lustigen Einfällen)  und die schlaue Brunhilde, verkörpert von Paulina Lösch, aus ihrer häuslichen Ruhe. Zwei maskierte Banditen (schrecklich und komisch zugleich, Jessica Dering und Amina Hajri) stürzen ins Zimmer, flüchten vor herannahenden Polizisten durch die Hintertür und lassen in der Eile ihre Beute, einen Sack voller Banknoten, zurück. Nachdem draußen alles ruhig geworden ist, beschließen die Schwestern, mit viel Esprit und ein wenig Selbstironie inszeniert, das Geld zu behalten.

Aus den bisweilen ungeschickten, aber herzerwärmenden Bemühungen der Damen, das Diebesgut vor der braven Haushälterin Adele (Miriam Freimuth) sowie Toreen Rofi als sachliche Köchin Charlotte zu verbergen, ergeben sich zahlreiche komische Verwicklungen. Diese enden schließlich darin, dass die verängstigte Haushälterin eine Nervenheilanstalt über den fragwürdigen Zustand der alten Damen informiert, die direkt in Person zweier Krankenschwestern (Anna Birgmann und Olga Dzhavarov) auf der Bühne erscheint. Nur durch den Griff in das eigene Portmonee kann letztlich alles wieder zum Guten gewendet werden.

Das liebevoll gestaltete Bühnenbild sowie die detailgetreuen Kostüme der jungen Schauspielerinnen unterstützen deren professionelles und textsicheres Auftreten. Auch Schulleiter Oberstudiendirektor Peter Welnhofer zeigte sich erstaunt und erfreut über das Talent der Schülerinnen, die allesamt das erste Mal am GMG auf der Bühne standen, und er betonte, dass er sich bereits jetzt auf weitere Aufführungen der Fünftklässlerinnen freue.

Nina Kohl, MRG

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Gefangen in menschlichen Abgründen

Das Bild eines einsamen Hauses im Wald empfing die Zuschauer in der Mensa des Gregor-Mendel-Gymnasiums und zog sie von Anfang an wirkungsvoll in die Geschichte hinein. Keiner im Publikum wäre auf die Idee gekommen, dass es sich auf der Bühne um Laiendarsteller handelt.

[GMG, 29.06.2016]   Das Jugendtheaterstück „Das Haus im Wald“ von Andreas Galke, das die 15 Schauspieler der Mittelstufen-Theatergruppe des GMG unter der Leitung von Christine Kleinert präsentierten, war ein kurzweiliges und spannendes Stück, das mit Ausländerfeindlichkeit und Pädophilie gleich zwei aktuelle Probleme unserer Gesellschaft aufgriff. Die Geschichte spielt in einer einsamen Jugendherberge inmitten eines riesigen Waldgebietes, in dem zwei Mädchengruppen gastieren: vier selbstbewusste und nassforsche Sportlerinnen (Judith Bässler, Jennifer Bektimirov, Carina Haag und Valeria Maas), die sich auf einen Wettkampf vorbereiten, und die sieben Mitglieder einer Schultheatergruppe (Lea Braun, Maja Goedecke, Valeria Lagutina, Emily Landel, Selina Möller, Sarah Zeidler und Aurelia Ziegler) die sich in der Einsamkeit einem neuen Projekt widmen wollen. Geleitet werden die Gruppen von der Sportlehrerin Frau Winterberg (Tamara Lindner) und auf der anderen Seite von den strengen Lehrern Frau Hentschel (Carolin Spies) und Herrn Bingel (Cedric Traub).

Das Drama nimmt seinen Lauf als zwei der Sportlerinnen den pädophilen Herbergsvater Frank Busch (Johannes Altmann) dabei überraschen, wie dieser heimlich Fotos der beiden Mädchen in der Umkleide aufnimmt. Sie reagieren abgebrüht, nehmen die Speicherkarte an sich und erkennen sofort die Möglichkeit, den Ertappten damit zu erpressen. Als die beiden Gruppen aufeinandertreffen, bahnt sich ein zweiter Konflikt an: Die Sportlerinnen entdecken zwei ausländische Mädchen in der Theatergruppe. Während sie sich an die selbstsichere Muslimin Ayse (Valeria Lagutina) nicht herantrauen, nutzen sie die Gelegenheit, und leben rassistische Neigungen an der schüchternen Lissi (Sarah Zeidler) aus.

Sie demütigen und beleidigen das Mädchen, bis ihm Schulkameradinnen Mieke (Emily Landel) zur Hilfe eilt. Doch die Sportlerinnen schmieden einen perfiden Plan: der Herbergsvater Busch wird mit der Speicherkarte dazu erpresst, ihnen den Schlüssel zum Büro – wo ihre Handys verwahrt werden – auszuhändigen und die Schauspielerinnen an einen abgeschiedenen Ort zu locken. Dort wollen ihnen die fremdenfeindlichen Gören eine Abreibung verpassen. Der schwache Busch fädelt den Hinterhalt wie geheißen ein. Um ungestört zu sein, bringen die Mädchen außerdem ihre Sportlehrerin durch einen Telefonanruf dazu, die Herberge zu verlassen. Jetzt haben sie freie Bahn. Das Blatt wendet sich durch die Gier der Mädchen. Sie wollen Busch die Speicherkarte nur gegen eine hohe Summe verkaufen. Dieser willigt in seiner Not ein. Die Mädchen möchten auf Nummer sicher gehen und beschließen den Herbergsvater dorthin zu begleiten. Doch dabei tappen sie in eine Falle. Der Pädophile führt sie in den Wald, vergeht sich dort an den schutzlosen Mädchen, nimmt die Speicherkarte wieder an sich und sperrt die Missbrauchten anschließend in einen verlassenen Bunker.

Die Spannung löst sich, als ausgerechnet Ayse und Lissi die Eingeschlossenen befreien. Die Sportlerinnen erkennen und bedauern ihren sinnlosen Hass gegenüber Ausländern und schließen die beiden ins Herz. Der Herbergsvater wird überführt, festgehalten und von den Lehrern der Polizei übergeben. Die Theatergruppe begeisterte mit ihrer abwechslungsreichen Produktion, glänzte mit wirkungsvollen Ideen, beeindruckte mit facettenreichem und authentischem Spiel und wurde mit langem Applaus belohnt.

Burkhart Häusler

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Überzeugend und liebenswürdig humorvoll

GMG präsentiert am Bildschirm und auf der Bühne: „Halbgötter in Weiß“

„Halbgötter in Weiß“ bot die Theatergruppe Oberstufe des Gregor-Mendel-Gymnasiums unter der Leitung von Claudia Ried an. Dieser Titel bezeichnete eine „schnulzige Krankenhaus-Soap“ – ein Genre, für das in Deutschland seit der „Schwarzwald-Klinik“ in den 1980er Jahren das Interesse kaum abgeflaut ist und das auch international gängig und populär ist.

Die Struktur des GMG-Stücks ist einfach und effektiv: Auf der rechten Seite der als Wohnzimmer einer WG eingerichteten Bühne steht ein großes Fernsehgerät (auch für das Publikum gut sichtbar durch eine stets funktionierende Beamer-Projektion), auf dem die Mitglieder der Frauen-WG sich regelmäßig die Serie „Halbgötter in Weiß“ ansehen, und zwar alle – bis auf die vernünftige, lässig-lockere Lea, der die durchsichtige Handlung mit ihren Klischees einfach zu doof ist; Constanze Gierl gab dieser Figur eine durchweg überzeugende Bühnenpräsenz. Lea bekommt also nichts von dieser Serie mit – und so merkt sie gar nicht, dass ihr neuer Freund, der Schauspieler Ben (verschmitzt und souverän gespielt von David Pickel), der Darsteller des Serienstars ist, den Leas Freundinnen wöchentlich am Bildschirm anhimmeln: Dr. Colin DeBurgh.

Lea findet heraus, dass ihr neuer Freund der Serienstar von „Halbgötter in Weiß“ ist.

Ganz besonders begeistert von diesem „Halbgott in Weiß“ ist Greta, die ihren Colin nicht nur gegen spöttische Bemerkungen ihrer Mitbewohnerinnen verteidigt, sondern von dessen Existenz sie felsenfest überzeugt ist. Deshalb fällt sie aus allen Wolken, als Lea ihren neuen Freund Ben eines Tages mit in die WG bringt – wie vom Donner gerührt spricht sie ihn ehrfürchtig als „Dr. DeBurgh“ an und ist so sehr in der Scheinwirklichkeit der Krankenhausserie gefangen, dass sie es nicht akzeptieren kann, dass der Schauspieler in seinem Privatleben kein gefeierter Neuro-Chirurg ist; Franziska Neuser spielte die Naivität der Greta mit inbrünstiger Überzeugung. Erst ganz am Schluss gelingt es einer anderen Schauspielerin aus der Serie – die Ben zu einer Party in die WG eingeladen hat –, Greta die Augen zu öffnen. Die Darstellerin der tatkräftigen Oberschwester Michaels (Alex Jelicka) füllte auch hier ihre Rolle als resolute gute Seele der Klinik bestens aus.

 

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Ben teilt seinen Freunden mit, dass er aus der Serie aussteigt.

Alle Einzelheiten des sehr unterhaltsam gestalteten Doppellebens dieser Schultheateraufführung – auf der Bühne und im Fernsehen – lassen sich hier nicht aufzählen, deshalb noch zwei strukturelle Anmerkungen. Zum einen wird die Spielhandlung im WG-Zimmer immer wieder für ein kurzes Solo jeder Darstellerin unterbrochen, in dem sie in einer stummen Pose darstellt, wovon sie träumt. Ein sehr charmanter Einfall, der jeweils zur sonstigen Rolle der Figur passt: Ling-Ling, die sich redlich mit der schwierigen deutschen Sprache abmüht, sieht sich als Lehrerin, die ihren WG-Freundinnen das Koreanische beibringt (Thu Nga Tran mit unbeschwerter, sympathischer Spielweise); die fleißige Elisabeth träumt von einem Studienabschluss mit Bestnote (Sarah Hepp als liebenswerte Streberin); Melanie, die in der WG immer saubermacht, schwebt eine Szene vor, in der alle anderen auf Knien den Boden polieren (Katharina Waal ist die nachsichtige, aber genaue Hygiene-Freundin); die Nachwuchsschauspielerin Lilly (überzeugend glamourös: Berta Depperschmidt) nimmt in ihrem Traum einen Oscar entgegen, und die lässige und coole Vicky (ideal verkörpert von Antonia Schmidt) steht aufgereiht zum Pressefoto als Bundeskanzlerin zwischen Putin und Obama. In weiteren Rollen spielten ebenso glaubwürdig Johanna Mehringer und Martina Mikuta.

Damit zur zweiten Anmerkung zur Struktur: Alle Bewohnerinnen der WG (und Ben) sind zur Zeit (noch) in der Oberstufe des GMG – während alle Schauspielerinnen und Schauspieler der Krankenhausserie ehemalige Mitglieder der Theatergruppe sind, die sich für die Dreharbeiten trotz Terminschwierigkeiten noch einmal zusammengefunden haben (plus David Pickel natürlich, der öfter zwischen den Welten wechseln muss). Die Kamera-Leute Kevin Altmann und Jonathan Grothaus haben dabei ganze Arbeit geleistet und die für das Genre angemessen klischeehafte Darstellung der Krankenhaus-Crew perfekt eingefangen: Jonathan Grothaus selbst spielte den Chefarzt, und die diversen Ärzte, Schwestern und Patienten verkörperten mit bester Spiellaune Lena Härteis, Alex Jehlicka, Meike Pfeiffer, Anna Shalsi und Barbara Winkler.

Immer wieder Heiterkeit zwischendurch und großen Applaus am Ende gab es vom Publikum zu hören. Spielleiterin Claudia Ried kann auf ihre Truppe stolz sein – und auch auf die eigene Leistung, denn das Drehbuch stammt aus ihrer Feder.

Peter Ringeisen (DJDG)

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Irrungen und Wirrungen am GMG

Die Theatergruppe der Mittelstufe präsentierte das Stück „Espaker Ehsá – spielt, was ihr wollt“.

Die einzelnen Szenen wurden mit tonuntermalten Bildern unterlegt, um die Zuschauer auf die verschiedenen Handlungsorte einzustimmen. Die Requisiten und Kulissen konnten dadurch geschickt auf ein Minimum reduziert werden.

Das erste Bild entführte den Betrachter an einen traumhaften Sandstrand, an dem die junge Viola (Aurelia Ziegler, 8b) nach einem Schiffbruch landet. Sie findet dort den Koffer ihres Zwillingsbruders Sebastian (Jennifer Bektimirov, 6b). Viola hält ihn für tot. Sie verkleidet sich als Junge und findet als Cesario Unterschlupf bei Herzog Orsino (Valeria Lagutina, 8d), dem sie fortan als Diener zur Seite steht.

Ihr Zwillingsbruder Sebastian wird von Antonio (Carolin Spies, 8d), dem Feinde Orsinos, gerettet und aufgenommen.

Orsino ist verliebt in die schöne Gräfin Olivia (Emily Landel, 7a), die seine Zuneigung aber nicht erwidert. Zu sehr ist sie damit beschäftigt, ihren mittellosen Onkel Graf Rülps (Valeria Maas, 7a) loszuwerden, der sich bei ihr eingenistet hat und nichts weiter zu tun hat, als mit seinem Freund Ritter Bleichenwang (Clarissa Cizek, 8b) um die Häuser zu ziehen.

Cesario/Viola wird als Orsinos Liebesbote zu Olivia gesandt und prompt verliebt sich Olivia in den vermeintlichen jungen Mann. Viola/Cesario hingegen ist heimlich in Orsino verschossen.

Das muntere Verwirrspiel nimmt seinen weiteren Lauf, als sich Maria, Olivias Dienerin (Judith Bässler, 8b), Graf Rülps und Ritter Bleichenwang zusammentun und sich gegen Malvolio (Tamara Lindner, 6b), Olivias Haushofmeister, verschwören. Maria fälscht Olivias Handschrift und schreibt in deren Namen einen Liebesbrief an Malvolio. Olivia geht auf die Werbung des verliebten Haushofmeisters, der sich schon als Graf wähnt, nicht ein, lässt ihn unter Arrest setzen und vermählt sich insgeheim mit Sebastian, den sie für Cesario/Viola hält.

Am Schluss klären sich, wie sollte es auch anders ein, sämtliche Intrigen und Verwechslungen auf. Viola und ihr Zwillingsbruder finden sich wieder, Orsino und Viola werden ein Paar, Graf Rülps, Maria und Ritter Bleichenwang werden für ihre Hinterlist bestraft.

In weiteren Rollen waren zu sehen: Cedric Traub, 8b, als Narr Feste, Michelle Maier, 6e, als Fabian, Eva Maria Blank, 8b, und Tabea Haag, 8a, als Polizisten.

Unter der Leitung von Christoph Schulz zeigte die spielfreudige und sehr textsichere Theatergruppe eine kurzweilige und spannende Aufführung nach W. Shakespeares Stück „Was ihr wollt“. Trotz der leider nur zur Hälfte gefüllten Mensa wurde die herausragende Leistung der jungen Schauspieler mit tosendem Applaus gewürdigt.

Maria Treml-Paskowski (Luitpold-Mittelschule)

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Das Gespenst von Canterville – ganz verzweifelt

Die Theatergruppe der 5. und 6. Klasse des Gregor-Mendel-Gymnasiums zeigt, wie man ein stolzes und traditionsbewusstes englisches Schlossgespenst das Fürchten lehrt.

In der Mensa des GMG brachte am Mittwoch die Theatergruppe der Unterstufe „Das Gespenst von Canterville“ von Joachim Marschall nach Oscar Wilde auf die Bühne. Unter der Leitung einiger Schülerinnen des Oberstufen-Theaterkurses (Constanze Gierl, Sophia Hebeisen, Lena Härteis, Alexandra Jehlicka, Barbara Winkler) zeigten die Mädchen und Jungen eine lustige und mitreißende Adaption des Klassikers von Wilde.

So konnte trotz der Bemühungen von Sir Simon, dem durchaus überzeugenden Schlossgespenst (Paula Schißlbauer), keine gruselige Stimmung aufkommen. Warum? Amerikaner sind einfach nicht so leicht zu erschrecken und schon gar nicht die drei aufgeweckten Kinder der Familie Otis, die es faustdick hinter den Ohren haben. Als der senile Lord Canterville (Joschka Ried) Mr und Mrs Otis (Alexa Banesi, Julia Groß) das Schloss verkauft, ist er sich ziemlich sicher, dass auch diese neuen Schlossbesitzer bald von dem Schlossgespenst und dem tollpatschigen Butler (Alicia Schroers Gómez) in die Flucht geschlagen werden.

Aber zum Schluss ist es das Gespenst, das trotz aller gespenstischen Geheimtricks, es spukt sogar tagsüber, verzweifelt. Gegen Schmierseife auf der Treppe, Stolperfallen und Kissenschlacht-Attacken der unerschütterlichen Otis-Kinder Nancy (Ida Hanft), Daisy (Fabienne Jeske) und Washington (Joschka Ried) kommt eben auch ein 300 Jahre altes Gespenst nicht an. Nur die älteste Tochter Virginia (Ayana Bauer) erklärt sich bereit, dem bemitleidenswerten Gespenst zu helfen: indem sie für es betet und um es weint, wird das Gespenst endlich vom Dasein auf der Erde erlöst.

Mit viel Wortwitz und Liebe zum Detail wurde den Zuschauern ein kurzweiliges und amüsantes Theaterstück geboten, dem am Ende viel Beifall aus den Zuschauerreihen gebührte. Vor allem die Spielbegeisterung der jungen Darsteller, die sehr überzeugend und durchweg gut verständlich agierten, fiel dabei auf.

Nina Kohl und Bianca Rauchenberger

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„Der Clou“: Glanzpunkt für GMG

Auftaktveranstaltung/Stadttheater (Bild: Bernd Müller)

Auftaktveranstaltung im Stadttheater
(Bild: Bernd Müller)

Frei nach dem gleichnamigen Film von George Roy Hill mit Robert Redford und Paul Newman,  hat die Theatergruppe der 10. – 12. Jahrgangsstufe unter der Leitung von Claudia Ried kürzlich eine witzig spritzige Gaunerkomödie auf die Bühne gebracht. Vom Charme der 30iger Jahre durchzogen und mit einem „Schuss Moulin Rouge“ gewürzt  bot „Der Clou“ vom Anfang bis zum Ende Spannung, gute Laune und beste Unterhaltung.

Das zahlreich erschienene Publikum konnte mühelos dem mit einem weißen Hut bestückten, sympathischen Kleinkriminellen Johnny Hooker durchs Stück folgen, überzeugend dargestellt von David Pickel, 10a. Dieser hatte zu Anfang unwissentlich das Mitglied einer Mafiabande übers Ohr gehauen. Daraufhin lässt der Mafiaboss Lonogan, authentisch vermittelt durch Jonathan Grothaus (Ehemaliger), zunächst Hookers Komplizen Luther ermorden und trachtet nun ihm nach dem Leben. Doch auch kleine Fische haben ihre Strategien um im großen Meer von Betrug, Macht und Geld mitschwimmen zu können. Mit viel Charme versteht es Hooker, sich die geniale Unterstützung des legendären Gaunerpärchens Henry und Sam Gondorff zu organisieren, eindrucksvoll und gekonnt dargestellt von Barbara Winkler, Q12 und Constanze Gierl, Q 11.

Gemeinsam mit ihnen und deren Freunden plant Johnny einen genialen Coup, um seinen Freund zu rächen und Lonogan um Geld und Ehre zu bringen. Bei den Freunden der Gondorff-Brüder handelte es sich  um eine Varietégruppe à la Moulin Rouge, angeführt von Henrys Liebster Belle (Lena Härteis, Q12) und ihrem süßen „Mädchen für Alles“, Louis, den Quirin Langer, Q 12 gekonnt und amüsant in Szene setzte und somit für so manchen Lacher sorgte. Nicht zuletzt damit, als er Billy (Martina Mikuta, Q11),  dem etwas tölpelig wirkenden Kumpel Hookers,  an die Wäsche wollte.

Auftaktveranstaltung im Stadttheater (Bild: Bernd Müller)

Auftaktveranstaltung im Stadttheater
(Bild: Bernd Müller)

Die Showtruppe, die anfangs eine gewagte Tanzeinlage zu dem Lied „Lady Marmalade“ darbot, trug wesentlich zur  durchwegs heiter lockeren Atmosphäre im düsteren Gaunermilieu bei. Für die Choreographie des Tanzes zeichneten die  Schülerinnen Anna-Lena Kraus, Sarah Hepp (beide Q 11) und Meike Pfeiffer (Q 12) verantwortlich. Letztere glänzte auch als launisches, blondes Liebchen Sam Gandorffs und Sarah Hepp verkörperte ebenso gelungen die forsche Bardame Kimberly.

In den Dialogen besonders ausdrucksstark, erfrischend und keck konnten sich Antonia Schmidt, Q11, als Loraine und Hanna-Miriam Patt, Q 12, als Inspektor Snyder, von der Regisseurin sinniger Weise mit einer Frau besetzt, vortrefflich in Szene setzen und mehrmals einen Zwischenapplaus für sich verbuchen.

Ein Hingucker waren auch die drei FBI Agenten (Katharina Waal, Q11, Miriam Schrott, Q12 und Franziska Neuser, Q11), sowie Snyder und Hooker, welche es auf beeindruckende Weise verstanden,  durch vollen Körpereinsatz das Bild einer Autofahrt  auf zwei Holzkästen zu vermitteln.  Johanna Mehringer, Q 11,  schlüpfte gleich in zwei Rollen: Die des Charles Madock und des Mordopfers Luther. Außerdem spielte sie in den Umbauphasen Klavier. Berta Depperschmidt, Q 11, mimte die eiskalte Auftragskillerin Loretta Salino, Katharina Knab, Q12, verkörperte die Bardame Janet.  Und nicht zuletzt ist Alexandra Jehlicka, Q 12, zu erwähnen, die als muskelbepackte und findige rechte Hand Lonogans auftrat.

Auftaktveranstaltung im Stadttheater (Bild: Bernd Müller)

Auftaktveranstaltung im Stadttheater
(Bild: Bernd Müller)

Dank all der spielfreudigen und inspirierten Darsteller konnte das Publikum eine heitere Krimikomödie erleben, bei der das Thema „Rache“ ansprechend verpackt herüberkam, mit überraschenden Wendungen den Zuschauer in die Irre führte, die großen Themen Liebe und Tod nicht ausließ und es somit spannend bis zum Schluß machte.

Ein echter Glanzpunkt für die Oberstufe des GMG und nicht zuletzt der Verantwortlichen Claudia Ried zu verdanken, die mit viel Theatererfahrung und Ideenreichtum bei der Wahl der zahlreichen Stilmittel uns allen einen vergnüglichen Abend bescherte.

Als am Ende der weiße Hut Johnny Hookers ins Publikum flog, dankte dieses allen Mitwirkenden mit einem langanhaltenden Applaus.

 

Susanna Rosemann (EG)

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Such dir eine(n) aus

GMG, 09.04.2014, 19.30 Uhr

Mit der wilden Komödie „Such dir eine(n) aus“ lieferte die Gruppe „Obstsalat“ der Oberstufe des Gregor-Mendel-Gymnasiums unter Leitung von Claudia Ried mit überragenden Schauspielern und simplem, aber durchdachtem Bühnenbild einen gelungenen Beitrag zu den Amberger Schultheatertagen.

Ein wahrhaft herzlicher Empfang: Rote Hocker standen auf einer rotumrandeten herzförmigen Bühne. Rot ist bekanntlich die Farbe der Liebe, und um das Finden der großen Liebe ging es an diesem Abend: „Such dir eine(n) aus“ – eine Speeddatingveranstaltung aus der Feder der Spielleiterin.

Eine breite Palette an männlichen Charakteren betrat die Bühne und dem Zuschauer erschlossen sich durch hervorragende Gestik und Mimik die einzelnen Rollen, noch bevor das erste Wort gesprochen wurde. So gab es den grundehrlichen und direkten oberbayerischen Bauern namens Manfred, mit zünftigen Sprüchen und urbayerischem Dialekt überzeugend gespielt von Barbara Winkler (Q11). Ebenso wurde Frauenschwarm Markus, ein verständnisvoller Kinderarzt (Constanze Gierl, 10d), der missverstandene Basti, der nach eigenen Angaben auf gar keinen Fall schwul sei (Quirin Langer, Q11), das Muttersöhnchen Carsten (Johanna Mehringer, 10d), Hans-Peter, der immer gern über alles informiert ist (Martina Mikuta, 10b) und Bad Boy Mike (Alexandra Jehlicka, Q11) überzeugend und mitreißend gespielt. David Pickel (9a) übernahm sogar eine Doppelrolle: zunächst trat er als verheirateter Bernd auf, der gleich nach 5 Minuten von seiner resoluten Frau Marga (Anna-Liri Shalsi) vehement von der Bühne gezerrt wurde. Kurze Zeit später stellte er den wortgewandten Pokerspieler Norbert dar, der anschließend witzigerweise feststellte, dass auch seine erfahrene Mutter Hedwig (Sarah Hepp, 10d) bei diesem Speeddating anwesend ist. Der letzte Mann im Männerensemble war der Pfarrer Volker (Jonathan Grothaus, Q12). Dieser stach nicht nur durch seinen Beruf heraus, sondern auch durch die Fähigkeit, in jeder noch so absurden Situation mit einem passenden Bibelzitat kontern zu können.

Die charmante Moderatorin (Katharina Reich, Q11), die das Speeddating leitete, führte durch den unterhaltsamen Abend. Die Männer wurden dann etwas widerwillig in die Kaffeepause geschickt, und so war die Bühne frei für die Frauen. Die standen ihren Vorgängern in ihren überzeugenden Darstellungen in nichts nach. Im Ensemble der Frauen konnte man auch die unterschiedlichsten Typen finden: die Nymphomanin Julia (Katharina Knab, Q11), die eine schnelle Nummer für zwischendurch suchte, die Esoterikerin und überzeugte Veganerin Renate (Franziska Neuser, 10d), die russische Wodka-Expertin Awdotja (Hanna-Miriam Patt, Q11), die anfangs schüchterne und mit Komplexen kämpfende Susi (Lena Härteis, Q11), deren ihr beistehende hübsche Freundin Katja (Meike Pfeiffer, Q11), die korrekte und stets durchorganisierte Maria (Katharina Waal, 10b) und nicht zu vergessen die boah-ey-echt-abgefahrene-ey Marylin (Antonia Schmidt, 10d).

Obwohl sich die Frauen und Männer eigentlich nur durch kurze Unterhaltungen kennen lernten, war das Dating aufgrund der Wortwitze und abwechslungsreicher Effekte sehr kurzweilig. Claudia Ried griff dabei tief in die Theatertrickkiste: z. B. chorisches Sprechen, Freeze, Verlagerung des Bühnenzentrums und Einbeziehung von Nebenbühnen. Was bietet sich da besser an als der Ort des Gesprächs schlechthin: die Frauentoilette bzw. das Rauchereck! Sehr gut kam auch die sehr erheiternde schriftliche Unterhaltung mit Hilfe von zwei Flipcharts an, die die sexsüchtige Julia und das Muttersöhnchen Carsten mimisch führten. Highlights waren zudem das Aufeinandertreffen von Mutter und Sohn beim Speeddating und die Offenbarung von Susis Schwangerschaft.

Mit Spannung erwarteten die Zuschauer die Auflösung: Wer macht bei wem sein Kreuzchen? Wer wird und will mit wem …?

Diese Aufgabe wurde einfach und genial gelöst: Mit Hilfe von bereits vorher gedrehten Filmstreifen wurden dem Publikum in heiterem Reigen die anschließenden misslungenen – manchmal auch gelungenen – Dates der Bewerber und Bewerberinnen vorgeführt. Diese mündeten in manches bereits erhoffte und bejubelte Happy-End.

Das Publikum belohnte die Theatergruppe, die sichtlich Spaß auf der Bühne hatte, mit dem wohlverdienten Applaus. Sehr ergreifend war die Abschiedsrede des nach 8 Jahren ausscheidenden Theaterspielers Jonathan Grothauser. Oberstudiendirektor Peter Welnhofer bedankte sich herzlich für die gelungene Aufführung und spielte noch den Rosenkavalier.

Brigitte Bodensteiner

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Mut der Darsteller belohnt

GMG, 27.3.2014; 19.30 UHR

It’s not working

Bei der Theateraufführung der 5. bis 8. Klassen am GMG konnten sich die Zuschauer überzeugen, dass dieses Zitat aus „The empty safe“ ganz und gar nicht stimmte – es funktionierte! Die Schülerinnen und Schüler, die teilweise erst seit wenigen Monaten Englisch lernen, konnten sowohl in der klamaukigen Verbrecherkomödie „The empty safe“, als auch im wirklich anspruchsvollen Shakespearestück “A midsummer night’s dream“ unter der Leitung von Christoph Schulz überzeugen.

02_GMG_Empty SafeDen Anfang machte „The empty safe“. In diesem zu Beginn harmlos anmuteten Stück sitzen verschiedene Personen in einem Café und lassen sich von den beiden resoluten Bedienungen Bigbelly (Valeria Maas) und Miss Wiggle (Julia Korell) Kaffee und Tee servieren. Nach und nach füllt sich das Cafe, sodass bald die Kommissarin Snoop (Lea Braun), der schlafende Sleepy (Paul Dotzler) und der Gelegenheitsverbrecher Lovebottle (Sonja Hopfenzitz) versammelt sind. Diese hören alle gespannt zu, als der sehr reiche Mr Profit (Johannes Altmann) mit seiner geliebten Sekretärin Miss Sweetsmile (Emily Madl) und dem Geschäftspartner Longtalk (Susanna Jost) nach reichlichem Alkoholgenuss den Code für seinen Safe verrät, in dem nach eigener Auskunft sein gesamten Vermögen liegt. Es kommt wie es kommen muss, aber sowohl Lovebottle als auch Longtalk haben sich die Zahlenkombination nicht richtig gemerkt. Erst eine zunächst unbekannte dritte Person kann den Safe, nachdem sie sich vorher bei der Security (Lucas Willax und Jennifer Bektimirov) erkundet hat, wann diese das Gebäude verlassen, knacken und zwei Millionen Pfund erbeuten. Der ermittelnde Kommissar Snoop kann bald mit seinem Assistent Baton (Carina Haag) und der Hilfe der zuerst einfältig erscheinenden Putzfrau Mrs Broom (Eva-Maria Hirmer) das Verbrechen auflösen! Die eifersüchtige Ehefrau von Mr Profit (Jana Sumin) hat das Geld erbeutet. Allerdings sind auch alle anderen Akteure nicht ganz unschuldig: Longtalk und Lovebottle hatten ihre Schals vorm Safe vergessen und werden wegen versuchten Diebstahl inhaftiert. Sleepy ist deshalb tagsüber so müde, weil er nachts ein Dieb ist – natürlich wird er genauso verhaftet wie die Sängerin Miss Skylark (Celine Hebling), die zwar die Gäste des Cafes mit ihrer wunderschönen Stimme erfreut hat, sich aber als heimliche Ehefrau von Sleepy mitschuldig gemacht hat. Bigbelly und Miss Wiggle haben keine Lizenz und werden ebenso in Haft genommen wie Miss Sweetsmile, die schon diverse Ehemänner mit Arsen umgebracht hat. Und auch der bestohlene Mr Profit ist nicht unschuldig, er hat Steuern hinterzogen und wird ebenfalls inhaftiert. Hier wird also mal wieder deutlich: „Crime never pays!!!!“

02_GMG_MNDNach der Pause zeigten die Schüler die Verwechslungskomödie „A midsummer night’s dream“ von William Shakespeare. Hier fielen gleich zu Beginn die wunderbaren Kostüme und das farbenfrohe Make-up auf, die die Zuschauer sofort in die Phantasiewelt rund um die Feenkönigin Titania (Aurelia Ziegler) und den Feenkönig Oberon (Nicole Ugho) zogen, aber auch mit witzigen Überraschungen punkten konnten. Der Herzog Theseus (Tamara Lindner) und seine Verlobte Hippolyta (Inya Hopfmüller) planen eigentlich gemeinsam mit ihrem Zeremonienmeister Philostrate (Jennifer Bektimirov) ihre Hochzeit. Bis diese allerdings stattfinden kann, kommt es durch den Streit Titanias und Oberons zu einigen Schwierigkeiten und Missverständnissen. Zuerst beschwert sich Egeus (Michelle Maier), dass seine Tochter Hermia (Judith Bässler) nicht den vorgesehenen Demetrius (Emily Landel) heiraten will, sondern den Beachboy Lysander (Clarissa Cizek) – beide im Surfbekleidung und mit Surfbrett. Nachdem diese von den Dienern (Johannes Altmann und Paul Dotzler) herbeigeholt wurden und erfahren müssen, dass ihre Liebe keine Chance hat, beschließen sie in den Wald zu fliehen. Dummerweise plant gerade Oberon seine Rache an Titania, ein Zaubersaft soll bewirken, dass sie sich in das erste Wesen, das sie nach dem Aufwachen sieht, verliebt. Puck (Eva Maria Blank und Carolin Spies), ebenfalls mit diesem Zaubertrank ausgestattet, tropft Lysander davon etwas in die Augen. Dummerweise sieht dieser nach dem Aufwachen nicht Hermia, mit der er fliehen wollte, sondern Helena (Johanna Lucks), die Demetrius im Wald gesucht hat. Diesen liebt sie innigst, leider liebt auch er Hermia. Zu dieser Verwirrung kommt noch die eher einfach gestrickte Handwerkertruppe um Quince (Cedric Traub), der auf der Hochzeit Theseus‘ und Hippolytas unbedingt ein Theaterstück aufführen möchte. Dummerweise ist weder Bottom (Jennifer Seibel), noch Snout (Valeria Maas), Flute (Sonja Hopfenzitz), Snug (Eva Maria Hirmer) oder Starveling (Emily Madl) auch nur im Geringsten talentiert. Dazu kommt, dass Puck Bottom in einen Esel verwandelt, den natürlich ausgerechnet Titania, die Feenkönigin, nach dem Aufwachen als erstes erblickt und sich unsterblich verliebt! Auch Titanias Dienerinnen (Lea Braun und Carina Haag) können ihre Königin nicht davon abbringen. Aber Shakespeares romantisches Stück wäre keine Komödie, würden sich am Ende nicht alle Probleme lösen und es gleich drei Hochzeiten geben – Theseus und Hippoyta, Hermia und Lysander sowie Helena und Demetrius. Doch vor der Hochzeit müssen sich sowohl die Brautpaar, als auch das Publikum die skurril schlechte (von den Darstellern absichtlich so gespielt), aber dadurch äußerst amüsante Komödie der Handwerkertruppe anschauen.

Am Ende des wirklich kurzweiligen Abends waren sich wohl alle einig: Es ist war mutig diese Stücke auf Englisch aufzuführen – aber der Mut hat sich 100prozentig ausgezahlt!

Bianca Rauchenberger

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