3. April 2022 · 20:51
Geglückter Auftakt der 29. Amberger Schultheatertage (2022)
Die 29. „Amberger Schultheatertage“ zeigten, dass trotz aller Probleme, die die Pandemie-Maßnahmen auch für die Theatergruppen mit sich brachten, die Spielfreude immer noch da ist – und die gut gefüllten Zuschauerränge machten deutlich, dass auch das Publikum da ist, das die Aufführungen sehen will. Beste Voraussetzungen also für die Ausschnitte aus den aktuellen Produktionen der Amberger Schultheatergruppen, die bei der Auftaktveranstaltung im Stadttheater traditionell dargeboten werden. Oberbürgermeister Michael Cerny begrüßte das Publikum im vollbesetzten Haus; er dankte den schauspielenden Schülerinnen und Schülern sowie den Theaterlehrkräften für ihr Engagement. Einen guten Verlauf des Abends wünschten in kurzen Grußworten auch Landtagsabgeordneter Dr. Harald Schwartz und der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Amberg-Sulzbach, Thomas Pickel, die als Sponsor der Schultheatertage auftritt.
Die Theatergruppe „Die WILDEN 13“ der Unterstufe des Gregor-Mendel-Gymnasiums (Leitung: Christoph Schulz) bot einen Einblick in ihre Produktion „Horror“ von Barbara Seeliger. Dieses Stück zeigt den Entstehungsprozess eines Filmprojekts – die Jugendlichen wollen einen Horrorfilm drehen. Mit großer Lässigkeit und schön herausgespielten Eigenheiten wird dargestellt, welche Probleme da schon am Anfang auftreten: Es gibt Streit um die Rollenbesetzung, es kommt – natürlich – jemand zu spät, und nur die erfrischend raubeinig eingreifende Regieassistentin kann die auf Harmonie bedachte Regisseurin vor dem Chaos bewahren.
Ein Chaos ganz anderer Art herrscht an der „verfluchten Schule“ (von Stefanie Golkowsky), die die Theatergruppe der Unter- und Mittelstufe des Max-Reger-Gymnasiums auf die Bühne bringt (Leitung: Simone Nimmerrichter). Die Verunsicherung an diesem Haus rührt daher, dass vor hundert Jahren ein Direktor mit schwarzer Magie experimentierte, und nun spuken die unheimlichen Folgen seiner Amateur-Zauberei durchs Gemäuer: ein Einhorn, diverse Gespenster und Zombies! Den Schülerinnen und Schülern des MRG gelingt es, diese besondere, latent bedrohliche Atmosphäre zu zaubern, in der eines der Gespenster sich bitter darüber beklagt, dass es das ewige Spuken leid sei. Ob es der neuen Schülerin Marie gelingen wird, den Fluch zu brechen, wird man später erfahren.
Ihrem besonderen Stil treu, agierte die Theatergruppe der 5.-8. Jahrgangsstufe der Schönwerth-Realschule (Leitung: Brigitte Bodensteiner) mit chorischem Sprechen, bewusster Ausnutzung der Bühnenfläche und mit choreographischen Elementen, die dem Ausschnitt aus ihrer Produktion „Die verwunschene Krähe“ einen poetisches Flair gaben. In diesem Projekt setzen die Schülerinnen und Schüler Elemente aus einem Märchen von Franz Xaver von Schönwerth in eine szenische Erzählung um. Besonders beeindruckend war der Flug der überdimensional großen Krähe, die sich aus den Körpern der Schauspielerinnen und Schauspieler zusammensetzte.
Ein für Jugendliche besonders aktuelles Thema hat sich die Theatergruppe des Erasmus-Gymnasiums vorgenommen (Leitung: Elisa Romfeld). Ihr eigenständig entwickeltes Stück dreht sich um das Smartphone und wie es durch seine Allgegenwärtigkeit das Leben der jungen Leute dominiert. Der Titel „Liken bitte!“ macht deutlich, dass die Zustimmung aus dem Umfeld der sozialen Medien das Ziel aller Userinnen und User ist – und erst recht natürlich all derer, die „Influencer“ sein wollen. Mit perfekter Intonation und Wortwahl karikieren die EG-Influencerinnen existierende YouTube-Kanäle, preisen Kosmetika an, helfen mit erstklassigen Tipps zu deren Verwendung weiter und geben einen Rabattcode an ihre Zuschauerschar, mit dem man einen unglaublichen Preisnachlass von 2 % erhält. Die Hauptperson, die zunächst nur Konsumentin ist, wird dabei von einem charmanten Engelchen und einem umso entschiedeneren Teufelchen beraten – und so wird sie selbst zu einer Influencerin.
Die Mittel- und Oberstufe des Max-Reger-Gymnasiums (Leitung: Nina Kohl) überzeugte mit einer stark verfremdeten Version von „Alice im Wunderland“. Sehr frei nach Lewis Carroll nennt die Gruppe ihr Stück „Alice im Anderland“ – und dieses andere Land ist eine Nervenheilanstalt, in der die traumatisierte Alice auf Figuren stößt, die an die aus dem Original bekannten Figuren erinnern. So sitzt der „verrückte Hutmacher“ zitternd und mit körperlichen Ticks behaftet auf dem Stuhl des Gruppentherapieraums, direkt neben einer Patientin, die sich als weißes Kaninchen fühlt. Und die ganzen beklagenswerten Gestalten sind in der zweifelhaften Obhut von überforderten und unfähigen Ärzten. Mit dichter Intensität erschufen die Jugendlichen eine bedrückende Stimmung, die nach Einordnung und Aufklärung verlangt. Ob sich dieser Zuschauerwunsch erfüllen wird?
Der atmosphärische Kontrast könnte kaum größer sein zu dem darauf folgenden Ausschnitt. Die jüngere Hälfte der Theatergruppe der Dr.-Johanna-Decker-Schulen (Leitung: Florian Hackl und Peter Ringeisen) gab einen Einblick in die klamaukhafte Darstellung der Biographie von „Cleopatra“ (August von Kotzebue). Hier zeigt sich die ägyptische Herrscherin als selbstbewusste Frau, die zum Zeitvertreib „Werthers Leiden“ liest und ihr blendendes Aussehen dazu nutzt, den römischen Feldherrn zu bezirzen und so davon abzuhalten, ihr Reich zu erobern.
Die Oberstufen-Theatergruppe des Gregor-Mendel-Gymnasiums, „Die Oscars“ (Leitung: Claudia Ried), brachte eine eigene Fassung des „Faust“-Stoffs mit: „Der Fall Margarete Weiß“ stellt die in Goethes berühmtestem Drama gezeigte Handlung aus der Sicht der jungen Frau dar, die von Faust verführt und dann verlassen wird, so dass sie aus Verzweiflung und in aussichtsloser Lage ihr Kind tötet. In der GMG-Fassung wird versucht, die Schuldfrage zu klären. Hier werden Verhöre geführt, Aussagen der Nachbarin neben den Auftritt des Dr. Faust gestellt, bei dessen Vernehmung der Anwalt schon mal gleich gegen den vermeintlich respektlosen Umgang mit seinem Mandanten protestiert. Und man denkt sich: Ja, so könnte diese Angelegenheit heutzutage behandelt werden – mit solchen Tricks und Manipulationsversuchen könnte der Promi-Wissenschaftler Faust sich distanzieren wollen. Auch hier will man wissen, wie dieser moderne Prozess wohl endet.
Den Schluss machte die andere Hälfte der Theatergruppe der Dr.-Johanna-Decker-Schulen (Leitung: Florian Hackl und Peter Ringeisen) mit einem Ausschnitt aus J. B. Priestleys Drama „Ein Inspektor kommt“. Wie bei „Faust“ dreht sich ebenfalls alles um eine junge Frau, die sterben muss, weil die Menschen um sie herum ihr keine Chance geben. Ein Inspektor namens Goole meldet sich im Haus des Industriellen Arthur Birling, der mit seiner Familie gerade die Verlobung seiner Tochter mit einem ebenfalls wohlhabenden jungen Mann feiert. Diese Idylle wird mit jeder Frage des Inspektors brüchiger, als sich herausstellt, dass zwischen Birling und der jungen Frau, die sich an diesem Nachmittag das Leben genommen hat, sehr wohl ein Zusammenhang besteht. Wer sonst noch alles bei den tragischen Entwicklungen eine Rolle gespielt hat, zeigt sich dann bei der Aufführung des ganzen Stücks.
Die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler wurden für ihre Darbietungen mit reichlich Applaus belohnt, und bei allen acht Ausschnitten fühlte man als Zuschauer den Wunsch, die komplette Aufführung zu sehen – insofern erfüllte die Auftaktveranstaltung genau ihren Zweck. Die Schultheatergruppen zeigten einander, woran sie arbeiten, und machten deutlich: Es wird sich lohnen, die Theaterabende an den Schulen zu besuchen. Zum Abschluss dankte Kulturreferent Dr. Fabian Kern auch den Schultheaterleiterinnen und -leitern für ihre kreative Arbeit und überreichte als Dank der Stadt Amberg Gutscheine für den Besuch einer Aufführung im Stadttheater mit allen aktiven Mitgliedern der Schultheatergruppen.
Im Namen aller Theaterlehrkräfte dankte Peter Ringeisen dafür und auch für die organisatorische Unterstützung der Schultheatertage durch das Kulturamt der Stadt Amberg.
Den Flyer der Schultheatertage, der eine Übersicht über die angebotenen Aufführungen gibt, kann man über die Internetseite www.hostasxeng.de abrufen.
In Abstimmung mit den beteiligten Gruppen: Peter Ringeisen (DJDS)
Fotos: Peter Ringeisen