Archiv der Kategorie: Sonderveranstaltung

Theatertage der bayerischen Gymnasien 2020 am GMG

Die Theatertage der bayerischen Gymnasien – in diesem Jahr in Amberg! Eine tolle Sache, dieses lebendige Theaterfestival in der Heimatstadt zu haben. Herzlichen Dank an die Organisatoren, Theaterlehrerin Claudia Ried und ihre P-Seminare am Gregor-Mendel-Gymnasium (GMG)!

Als ausrichtende und gastgebende Schule ist das GMG vom 15. bis 18. Juli 2020 das Zentrum des Geschehens. Theatergruppen aus ganz Bayern werden anreisen, um einerseits Ausschnitte aus ihren aktuellen Produktionen zeigen und andererseits sich die Theaterarbeit der anderen Gruppen anzusehen. Ein weiterer Zweck der Theatertage ist die Fortbildung, die in mehreren Workshops geleistet wird. Einen Teil der Aufführungen und der Workshops lagern die Organisatorinnen ans Stadttheater Amberg und in die Räume der Dr.-Johanna-Decker-Schulen aus.

Einen Bericht über die gemeinsame Ankündigung des Ereignisses durch Schulleitung, Orga-Team und Oberbürgermeister hat Miriam Wittich für die Amberger Zeitung verfasst:

Theatertage der bayerischen Gymnasien 2020 in Amberg

Die Auswahl der teilnehmenden Theatergruppen liegt in den Händen der Jury der Arbeitsgemeinschaft „TAG“ (Theater am Gymnasium in Bayern).

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Sonderveranstaltung

« Au revoir, mon lapin rouge »

Diese Diashow benötigt JavaScript.

[GMG, 10./11.12.2019]  „Jetzt hat der blöde Hitler mein rosa Kaninchen!“ —
Das Bühnenbild reduziert auf rote Hocker, die Schülerinnen und Schüler in Jeans und schwarzem T-Shirt – so gelang es der ehemaligen Theaterklasse des GMG in immer unterschiedliche Rollen zu schlüpfen. Und manchmal sind alle Max und alle Anna.

Schülerinnen und Schüler der 7. Klasse alias „Die Ofenkartoffeln“ präsentierten am Mittwochabend das Stück „Au revoir, mon lapin rouge“, das frei nach Judith Kerrs Jugendbuch „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ von der Theaterlehrkraft Claudia Ried in eine Bühnenfassung umgeschrieben wurde. Eindrucksvoll stellten die Schüler Annas und Max‘ Reise mit ihrer Familie dar, die als Juden vor den Nationalsozialisten fliehen müssen und daher Berlin in Richtung Schweiz verlassen. Das Gefühlschaos der beiden Kinder wurde hierbei durch das Stimmengewirr der Schüler deutlich, die unruhig im Raum auf und ab gehen und sich von ihrem vertrauten Zuhause verabschieden müssen.

Nach einer Schrecksekunde bei der Passkontrolle im Zug kommt die Familie in Zürich an, wo der Vater sie in das beste Hotel am Ort eingebucht hat. Daher überwiegt zunächst noch die Abenteuerlust: „Ich fühl` mich wie im Urlaub!“, so Anna. Doch als sie in der Schweiz vom Reichstagsbrand hören, Anna krank wird und ihre finanzielle Situation immer prekärer wird, zeigt sich, dass eine Rückkehr nach Berlin unmöglich wird. Zudem erfahren sie, dass die Nationalsozialisten ihr Haus in Berlin mit all den darin befindlichen Sachen konfisziert haben, darunter auch Annas rosa Plüschkaninchen, das sie dort zurücklassen musste.

Als manche Schweizer Eltern dann ihren Kinder nicht erlauben, mit Anna und Max zu spielen, weil sie jüdisch sind, wird die Familie gewahr, dass eine vollständige Integration schwerlich möglich ist. Man macht sich auf nach Frankreich.

Dort müssen die Kinder erneut eine fremde Sprache lernen und sich eingliedern. „Wir sollen aussehen und sprechen wie Franzosen“, fasst es Anna zusammen. Leider verdient der Vater, ein kritischer Journalist, auch in Paris zu wenig Geld und die Eltern beschließen, sich nach England einzuschiffen. Nach diesem dritten anstrengenden Neuanfang können sie endlich bleiben. Diese Geschichte ist die Geschichte Judith Kerrs selbst, der Autorin des Jungendbuches.

Im Anschluss an das Stück formulierten die Darsteller auch ihre persönlichen Gefühle zum Thema Flucht und Vertreibung, das heute aktueller denn je ist: „Auf der Flucht zu sein stelle ich mir schlimm vor, weil man nie weiß, ob man seine Verwandten und Freunde jemals wiedersieht und man immer und überall fremd ist.“ In diesem Sinne dient die schulische Theaterarbeit auch immer dazu, dass Schülerinnen und Schüler lernen, sich in die Situation anderer Menschen einzufühlen, was ein wichtiger Beitrag für eine solidarische und empathische Gesellschaft ist.

In vielen eindrucksvollen Bildern, die mit wenig Requisiten auskamen, schufen die Schülerinnen und Schüler eine bewegende Reise durch drei Länder und in die Gefühlswelt von Anna und Max. Schulleiter Peter Welnhofer dankte am Ende allen Beteiligten und brachte seine Vorfreude über die bevorstehenden Theatertage im Juni 2020 zum Ausdruck.

Elisa Romfeld
(Schulspielleiterin am Erasmus-Gymnasium)

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Sonderveranstaltung

Studio Rapsodyczne: „Romeo and …“

[außer der Reihe – nicht Teil der Schultheatertage, aber für Schultheatergruppen] Eine sprachlich, inhaltlich und schauspielerisch ungewöhnliche Theateraufführung fand am 07.05.2018 im Gerhardinger-Saal der Dr.-Johanna-Decker-Schulen statt: Englisch aus der Feder von William Shakespeare und Grzegorz Szlanga, polnisch aus der Originalfassung des Stücks, die im polnischen Chojnice entstand, und deutsch – als Brücke zum deutschen Publikum.

_DSC_8103_web_romeoEin faszinierendes Spiel mit dem berühmtesten Shakespeare-Stück und Workshops fürs Schultheater gab es vor kurzem in Amberg zu erleben. Beim Nationalen Theaterwettbewerb Polens und beim Internationalen Festival in Police wurde das Stück „Romeo and…“ mit Preisen ausgezeichnet.

Grzegorz Szlanga, der Leiter der polnischen Theatergruppe Studio Rapsodyczne, schickte der Vorstellung ein kurzes Vorwort voraus, in dem er das Stück theatertheoretisch einordnete. Er stellte fest, dass in Polen die Richtung des Dekonstruktivismus im Theater gerade eine bedeutende Rolle spiele – also die Methode, existierende Werke auseinanderzunehmen, um durch eine Neuinterpretation der Einzelteile und eine Veränderung des Blickwinkels eine neue Sicht auf das Gesamtwerk zu gewinnen.

So war Szlanga auch mit dem Ausgangspunkt dieses Abends verfahren: Shakespeares berühmte Tragödie „Romeo und Julia“ bildete den Hintergrund, auf dem sich die Szenencollage „Romeo and …“ entwickelte. In der kurzen, doch darstellerisch höchst intensiven Aufführung erhielten die Zuschauer einen neuen, tief gehenden Einblick in die Seele Romeos.

Am Anfang stand – wie in Shakespeares Original – ein reichlich unsympathischer _DSC_8118_web_romeo+flipchartRomeo: Eingebildet und oberflächlich, geradezu rücksichtslos im Umgang mit den jungen Frauen, deren Herzen dem gutaussehenden Jüngling aus gutem Hause nur so zufliegen. Diese schroffe, macho-hafte Seite Romeos verkörperte Dominik Gostomski ebenso überzeugend wie die Wandlung seiner Persönlichkeit, als ihn die wahre Liebe trifft.

Assistiert, ermahnt, gescholten und getröstet von seinem Bühnenpartner, dem Regisseur, Mentor, Priester, Vater, gespielt von Grzegorz Szlanga, wendet sich Romeo an einzelne Frauen im Publikum. Er spricht sie an und spielt mit dem Gedanken, sich in sie zu verlieben – skizziert auf einer Art Flipchart ein krudes Porträt, notiert Namen … bis er schließlich auf eine „Julia“ stößt – und sich sichtbar, fühlbar in sie verliebt. Die für das Publikum spürbare Sensibilität, mit der beide Darsteller auf die Situation und auf die bei der Einbeziehung von Zuschauerinnen unausweichlichen Überraschungen reagierten, ging unter die Haut, berührte und öffnete die Augen für die Gefühlswelt dieses Romeo.

_DSC_8132_web_romeo-gets-poisonAuch dieser Romeo verlangt schließlich nach einem Fläschchen Gift – doch nicht, um mittels eines Tricks zu überleben, sondern um seinem Leben aus Verzweiflung ein Ende zu setzen. Die ausdrucksstarke und glaubhafte Verkörperung des Romeo sowie die zwischen Spott, Ironie und Mitgefühl wandernde Haltung des älteren Partners lösten echte Bewunderung beim Publikum aus, und die Beifallsstürme waren offensichtlich ebenso ehrlich gemeint.

Die polnische Gruppe hatte den Weg nach Amberg gefunden, weil eine Lehrer- und Schülerinnengruppe des Decker-Gymnasiums vor sieben Jahren im Rahmen eines Comenius-Projekts in Chojnice gewesen war und dort Szlanga als Theaterworkshopleiter erlebt hatte. Der persönliche Kontakt zu Studiendirektor Peter Ringeisen war seitdem nicht abgerissen, und als Studio Rapsodyczne mit „Romeo and…“ nun zum Internationalen Theaterfestival in Donzdorf eingeladen wurde, lag Amberg gewissermaßen auf dem Weg.

Die Anwesenheit der Schauspiel-Profis wurde von einer Kooperation aus DJDG und GMG genutzt, um auch die Schülerinnen und Schüler der beteiligten Schulen profitieren zu lassen. Am Montag fanden zwei Workshops für Theaterspielerinnen am DJDG statt, am Dienstag zwei Workshops am GMG. Die Zusammenarbeit der jeweiligen Spielleiter, Claudia Ried und Christoph Schulz vom GMG und Peter Ringeisen vom DJDG, ermöglichte diese Theaterbegegnung der besonderen Art. Die Schülerinnen und Schüler beider Schulen waren begeistert von den je 90-minütigen Workshops, in denen es um die Grundlagen des Theaterspiels aus der Sicht der Profis ging: Was ist der Unterschied zwischen „so tun, als würde man etwas spielen“ und „etwas wirklich spielen“? Damit ging es schon mal los – und auf diese Kluft zwischen echt und unecht kam man im Laufe der Übungen immer wieder zu sprechen. Dass das Wesentliche ist, ein Gefühl erst einmal im Inneren zu spüren, bevor man spricht oder handelt, diesen Grundsatz hatten alle bald verinnerlicht – und Theaterschüler und -lehrer hoffen, dass der Kontakt zu Grzegorz Szlanga und seiner Truppe keine einmalige Sache bleibt, sondern in einem oder zwei Jahren fortgesetzt wird.

Peter Ringeisen, Spielleiter am DJDG

_DSC_8047_web_probe_G+D

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Sonderveranstaltung