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Such dir eine(n) aus

GMG, 09.04.2014, 19.30 Uhr

Mit der wilden Komödie „Such dir eine(n) aus“ lieferte die Gruppe „Obstsalat“ der Oberstufe des Gregor-Mendel-Gymnasiums unter Leitung von Claudia Ried mit überragenden Schauspielern und simplem, aber durchdachtem Bühnenbild einen gelungenen Beitrag zu den Amberger Schultheatertagen.

Ein wahrhaft herzlicher Empfang: Rote Hocker standen auf einer rotumrandeten herzförmigen Bühne. Rot ist bekanntlich die Farbe der Liebe, und um das Finden der großen Liebe ging es an diesem Abend: „Such dir eine(n) aus“ – eine Speeddatingveranstaltung aus der Feder der Spielleiterin.

Eine breite Palette an männlichen Charakteren betrat die Bühne und dem Zuschauer erschlossen sich durch hervorragende Gestik und Mimik die einzelnen Rollen, noch bevor das erste Wort gesprochen wurde. So gab es den grundehrlichen und direkten oberbayerischen Bauern namens Manfred, mit zünftigen Sprüchen und urbayerischem Dialekt überzeugend gespielt von Barbara Winkler (Q11). Ebenso wurde Frauenschwarm Markus, ein verständnisvoller Kinderarzt (Constanze Gierl, 10d), der missverstandene Basti, der nach eigenen Angaben auf gar keinen Fall schwul sei (Quirin Langer, Q11), das Muttersöhnchen Carsten (Johanna Mehringer, 10d), Hans-Peter, der immer gern über alles informiert ist (Martina Mikuta, 10b) und Bad Boy Mike (Alexandra Jehlicka, Q11) überzeugend und mitreißend gespielt. David Pickel (9a) übernahm sogar eine Doppelrolle: zunächst trat er als verheirateter Bernd auf, der gleich nach 5 Minuten von seiner resoluten Frau Marga (Anna-Liri Shalsi) vehement von der Bühne gezerrt wurde. Kurze Zeit später stellte er den wortgewandten Pokerspieler Norbert dar, der anschließend witzigerweise feststellte, dass auch seine erfahrene Mutter Hedwig (Sarah Hepp, 10d) bei diesem Speeddating anwesend ist. Der letzte Mann im Männerensemble war der Pfarrer Volker (Jonathan Grothaus, Q12). Dieser stach nicht nur durch seinen Beruf heraus, sondern auch durch die Fähigkeit, in jeder noch so absurden Situation mit einem passenden Bibelzitat kontern zu können.

Die charmante Moderatorin (Katharina Reich, Q11), die das Speeddating leitete, führte durch den unterhaltsamen Abend. Die Männer wurden dann etwas widerwillig in die Kaffeepause geschickt, und so war die Bühne frei für die Frauen. Die standen ihren Vorgängern in ihren überzeugenden Darstellungen in nichts nach. Im Ensemble der Frauen konnte man auch die unterschiedlichsten Typen finden: die Nymphomanin Julia (Katharina Knab, Q11), die eine schnelle Nummer für zwischendurch suchte, die Esoterikerin und überzeugte Veganerin Renate (Franziska Neuser, 10d), die russische Wodka-Expertin Awdotja (Hanna-Miriam Patt, Q11), die anfangs schüchterne und mit Komplexen kämpfende Susi (Lena Härteis, Q11), deren ihr beistehende hübsche Freundin Katja (Meike Pfeiffer, Q11), die korrekte und stets durchorganisierte Maria (Katharina Waal, 10b) und nicht zu vergessen die boah-ey-echt-abgefahrene-ey Marylin (Antonia Schmidt, 10d).

Obwohl sich die Frauen und Männer eigentlich nur durch kurze Unterhaltungen kennen lernten, war das Dating aufgrund der Wortwitze und abwechslungsreicher Effekte sehr kurzweilig. Claudia Ried griff dabei tief in die Theatertrickkiste: z. B. chorisches Sprechen, Freeze, Verlagerung des Bühnenzentrums und Einbeziehung von Nebenbühnen. Was bietet sich da besser an als der Ort des Gesprächs schlechthin: die Frauentoilette bzw. das Rauchereck! Sehr gut kam auch die sehr erheiternde schriftliche Unterhaltung mit Hilfe von zwei Flipcharts an, die die sexsüchtige Julia und das Muttersöhnchen Carsten mimisch führten. Highlights waren zudem das Aufeinandertreffen von Mutter und Sohn beim Speeddating und die Offenbarung von Susis Schwangerschaft.

Mit Spannung erwarteten die Zuschauer die Auflösung: Wer macht bei wem sein Kreuzchen? Wer wird und will mit wem …?

Diese Aufgabe wurde einfach und genial gelöst: Mit Hilfe von bereits vorher gedrehten Filmstreifen wurden dem Publikum in heiterem Reigen die anschließenden misslungenen – manchmal auch gelungenen – Dates der Bewerber und Bewerberinnen vorgeführt. Diese mündeten in manches bereits erhoffte und bejubelte Happy-End.

Das Publikum belohnte die Theatergruppe, die sichtlich Spaß auf der Bühne hatte, mit dem wohlverdienten Applaus. Sehr ergreifend war die Abschiedsrede des nach 8 Jahren ausscheidenden Theaterspielers Jonathan Grothauser. Oberstudiendirektor Peter Welnhofer bedankte sich herzlich für die gelungene Aufführung und spielte noch den Rosenkavalier.

Brigitte Bodensteiner

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Eingeordnet unter Schultheatertage 2014