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EG: „SMS-Stories aus Maggies Salon“

Rasantes Stück über Segen und Fluch moderner Technik

[EG, 26.06.2018] „Ich bin bei Maggie, wo denn sonst?“  Diese Aussage von Möchtegern-IT-Girl Susi umreißt bereits präzise, wo man zu sein hat, wenn man nicht OUT sein will sondern IN: Im topschicken Mode- und Friseursalon von Maggie.

Maggie (Leyla Hamaloglu, mit perfekten Locken), die ihren Laden mit herrischer Lässigkeit schmeißt, hat nicht nur die trendigsten Styles auf Lager, sondern auch zu jedem seelischen Tief die passende Frisur.  Und sie besitzt eine Zauberwaffe: Strähnchen.

Weil in diesem Stück (nach dem Bühnenspiel „Handy- Stories“ von Hans Zimmer) alles mindestens doppeldeutig ist, so erkennt der Zuschauer eventuell erst beim zweiten Auftritt: Strähnchen sind bunt, aber „Strähnchen“ ist auch schrill, denn der angestellte Friseur Nick (Maritta Singer) trägt nicht nur einen Drei-Tage-Bart und eine grauenhafte Jacke aus Leopardenfell, sondern auch diesen mindestens genauso grauenhaften Spitznamen.

Die Theatergruppe des Erasmus-Gymnasiums unter der Leitung von Susanna Rosemann präsentierte ineinander verwobene Handlungsstränge und Menschen, die – auf der Bühne wie im Stück selbst – in die Rolle mindestens einer anderen Person schlüpfen. Freche, oft hintersinnige Sprüche, Wortwitz und die immerwährende Präsenz des unentbehrlichen Handys, prägen dieses rasante Stück, das in kurze Einzelszenen aufgeteilt war.  Effektvolle Licht- und Toneffekte setzten die engagierten Schauspieler gekonnt in Szene.

Lisa (Lisa Brandel) erzählt (rechter Bühnenteil) Strähnchen von dem neuen Mädchen in der Klasse: „Total uncool“. Zur Überraschung aller Mitschüler interessiert sich der Star der Klasse (Timo Salfetter) für sie: (linker Bühnenteil) Er geht auf sie zu, er führt sie aus, er sieht ihr Handy, ein „hässliches, uraltes Teil“ und flüchtet schockiert:  „Mit so einer will ich nichts zu tun haben!“ Die Szene links verschwindet, und Lisa gesteht völlig geschlagen: „Dieses Mädchen war ICH!“

Die beiden Freundinnen Tilly (Lina Wu)und Lilly (Alexia Frescher), total vertieft in ihr Gespräch am Handy, realisieren reichlich spät, dass sie im gleichen Laden stehen: „Wow, Du siehst voll wie live und in echt aus- DU BIST ES JA WIRKLICH!!“

Auch reichlich zickenfies geht es zu: Susi (Katharina Schmid), Laura(Sara Böller) und Lilly träumen im höchsten Himmel davon, ein Handy zu sein: „Wenn ICH ein Handy wäre, dann wäre ich ein „Xperia XZ2“….Als sich auch die kleine Tilly in die Schwärmereien einklinkt, fallen die anderen aus allen Wolken: „Duuuuu? Hast Du überhaupt eines??“

Später kommt sie heulend angelaufen und jammert: „Er hat Schluss gemacht“. Da fragen sie nur verwundert: „Hattest Du überhaupt einen?“

Tinka (Katharina Schmid) hat ihr Handy verloren, und wir alle wissen, was das bedeutet: „Ausgestoßen aus der menschlichen Gesellschaft“ zu sein. Schließlich bekommt  sie aber den heißen Tipp, dass Marco aus der neunten Klasse eines gefunden hat. Um ihn zu treffen, gibt es nur drei Orte, die in Frage kommen: Im Bus, auf dem Schulhof oder im Pub. Als sie ihn endlich ausfindig macht, muss sie enttäuscht feststellen, dass es nicht ihr Handy ist. Allerdings er findet sie umwerfend…

Zwischen den Szenen will uns „Handy-Boy“ (Jonathan Rösel) äußerst überzeugend wieder und wieder verklickern, dass ohne Instagram, Snapchat und Twitter gar nichts läuft. Bei der achten Wiederholung seines Spruches wird er zur Erleichterung des Publikums resolut von Maggie aus dem Laden geworfen: „Es reicht, wir ham´s kapiert!“

Auch die selbstbewusste Chefin lässt uns ein wenig in ihr Gemüts- und früheres Leben blicken: Damals, als sie sich noch Melanie nannte, von einer Therapeutin (Lisa Brandel) gefragt, ob sie außer am Handy hängen, chatten und Apps runterladen denn keine Hobbies habe, antwortet sie: „Doch, ich hab mal Hockey gespielt. Bin aber rausgeflogen. War im Tor. Hab gechattet.“ „Im Tor?“ „Ja“. „Und hast Du denn einen Freund?“ „Glaub schon.“ „Du glaubst schon? Heißt das Ja oder nein?“ „Ja…. Das Handy ist doch mein Freund“.

Nina (überzeugend gespielt von Felicitas Groth) flüchtet in den Friseursalon: Sie konnte aus Geldmangel eine hohe Rechnung für Flirt-SMS nicht bezahlen, was ihre Eltern mit einem „Sieh zu, wie Du klar kommst!“ quittierten.

Nun sind ihr zwei ungemütliche Typen eines Inkasso-Unternehmens auf den Fersen: „Wir werden nicht zum Kaffetrinken vorbeikommen. Zahlen- und wir sind alle Freunde!“

Zu allem Überfluss hat sie sich in ihren „total süßen“ Chat-Partner Ricky/ Frankie/ Knut / Viktoria Eckroth verliebt, auf den sie „ganz zufällig“ hier in Maggies Salon trifft- ohne natürlich zu wissen, wer da leibhaftig vor ihr steht. Jener hat sich – „total unprofessionell“ – voll verknallt … in eine Kundin. Als er -Ricky bzw. Frankie bzw. Knut – daraufhin nur noch mit dieser chatten konnte, war es „Aus – vorbei – Rauswurf“.

Nach und nach, durch ein Dickicht von sprachlichen Umwegen hindurch, erkennen sie im jeweils anderen den heiß geliebten Chat-Partner wieder.

Als wären hier nicht schon genug Zutaten für ein gelungenes Schulspielstück eingearbeitet, gab es zwischendrin noch ein musikalisches Zuckerl: Eine glockenreine, starverdächtige Stimme begleitet nur von einer E-Gitarre brachte den passenden Song: „Hey Du da, ich weiß es genau, Du bist es, die Frau, ich erkenn Dich schon am Klingelton…“ (Christine Uhle, Florian Häusler, Ronja Bergler, Norah Csanadi und Franziska Scharf).

Kurzweilig, bunt, witzig, auch mit kleineren Pannen, durchaus nachdenklich stimmend werden allerlei Probleme und Problemchen serviert, mit denen junge wie nicht mehr so junge Leute durch den Segen oder Fluch der modernen Technik konfrontiert sind. Am Ende bedankten sich die Schauspieler bei ihrer Leiterin Susanna Rosemann für die Geduld und ihr Engagement mit einem großen Strauß Rosen, und auch die Entschuldigung kam nicht zu kurz, dass man manches Mal, anstatt zu proben, wie könnte es anders sein, am Handy hing…

Christine Kleinert, Spielleiterin am GMG

 

 

 

 

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