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Unter dem Regenschirm alle gleich: Gelungene MRG-Eigenproduktion

Auftaktveranstaltung im Stadttheater (Bild: Bernd Müller)

Auftaktveranstaltung im Stadttheater
(Bild: Bernd Müller)

Am 25. März begrüßte Schulleiter Wolfgang Wolters das Publikum und versprach bereits einen kurzweiligen Abend mit den Theaterschülern und ihren liebenswerten Macken. Der Titel „Regenesis“ setzt sich zusammen aus dem Wort „Regen“ und dem altgriechischen Wort „Genesis“, das „Entstehung und Schöpfung“ bedeutet. Durch die abwechslungsreiche Eigenproduktion führten zwei überzeugende Sprecherinnen (Milena Täschner, Anni Horst) mit Humor und Charme, die gekonnt das Publikum durch den Abend leiteten. Im Zentrum stand der uns allseits bekannte Regenschirm – doch nicht in der Funktion, wie wir ihn kennen.

Wir schreiben das Jahr 2015 – die Klimaerwärmung sorgt für sintflutartige Regenfälle, die die Erde überfluten und die gesamte Menschheit auslöschen. Im Rahmen einer Wette zwischen den beiden Moderatorinnen beginnt die Schöpfung wieder von neuem nach dem 1. Buch Mose der Bibel. Dabei nehmen sie gekonnt den Direktor aufs Korn, der sich ja wohl mit dem Ruhetag sehr gut auskennen müsste. Die ersten Menschen im Paradies heißen nun nicht mehr Adam und Eva, sondern Albert und Edeltraud. Es stellt sich für die beiden Sprecherinnen die Frage, ob die Menschen toleranter sein werden oder auch nicht. Das Projekt „Regenesis“ soll der Menschheit einen Neuanfang mithilfe eines Reliktes aus der alten Welt ermöglichen: dem Regenschirm.

Auftaktveranstaltung im Stadttheater (Bild: Bernd Müller)

Auftaktveranstaltung im Stadttheater
(Bild: Bernd Müller)

Auf den fünf neuen Kontinenten entdecken die jeweiligen Neandertaler (brilliant und ausdrucksstark gespielt von Franziska Gericke, Nicole Dreher, Luisa von Weikersthal, Katharina Schricker, Selina Klatt, Judith Mitschke, Sophie Nibler und Maximilian Maier) das Überbleibsel aus der vergangenen Zeit für sich neu. Für jeden Zuschauer ersichtlich war die eindeutige symbolhafte Farbgebung durch die präzise Beleuchtung (Manuel Holzschuh, Linda Göbl und Dorothee Mayer) und der Requisiten des jeweiligen Kontinents.

Die Bewohner des roten Kontinents (überzeugend und mitreißend dargestellt u. a. von Kathrin Eckert, Franziska Gericke, Franziska Niller und Elisa Schuth) bezeichnen den Schirm als Spanner und nutzen ihn produktiv und gewinnbringend, z. B. als Tragetasche oder Wäschespinne. Alles zu haben bedeutet für sie Glück.

Auf dem blauen Kontinent wird der Schirm als Schüssel für den Kommunikationsaustausch erschlossen. Die Schüssler Luisa von Weikersthal, Katharina Schricker und Lisa-Marie Brüning faszinierten durch ihre gekonnte Verbalisierung von Textnachrichten das Publikum. Doch der Wille, ständig erreichbar zu sein, entwickelt sich in dieser Netzwelt zum Zwang.

Die Einwohner des gelben Kontinents entdecken den Schirm für sich als Dreher. Raffiniert und einfallsreich setzten die Schauspieler Selina Klatt und Sophie Nibler den Fortschritt um, mit Schirmen als Drehfahrzeuge besser und schneller zu sein. Ihre Devise: Nichts ist unerreichbar. Die Dreher vergessen aber dabei ihre Umwelt.

Im Militärmarsch präsentieren sich die Bewohner des schwarzen Kontinents (einschüchternd und fesselnd gespielt von Alexandra Koller, Franziska Gericke, Nicole Dreher, Katharina Schricker, Lisa-Marie Brüning, Lia Haberland, Maximilian Maier und Niclas von Ciriacy-Wantrup)mit ihrem Requisit, das sie zur Mordwaffe entwickelt haben. Gewalt, Gehorsam und Terror gehören zum Alltag der Stecher.

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Auftaktveranstaltung im Stadttheater
(Bild: Bernd Müller)

Im absoluten Gegensatz dazu beten die Einwohner des weißen Kontinents ihren Schirmus Regus an. Doch die Religion der Regusianer entwickelt sich zum Fanatismus. Ergreifend und beeindruckend zogen u. a. Judith Mitschke und Alexandra Koller als Regusianer das Publikum in ihren Bann.

Es kommt, wie es kommen muss: Ein Streit zwischen den Kontinenten entbrennt, was denn nun der richtige Verwendungszweck des Regenschirms sei. Antworten soll eine Weltkonferenz zum Stecher-Dreher-Spanner-Regus-Schlüssel-Dings, kurz – dem Regenschirm, liefern. Doch es steigert sich zu einem großen Tumult. Die roten Spanner und die schwarzen Stecher formieren sich zu einer Allianz und unterwerfen die komplette restliche Bevölkerung.

Und wieder beginnt es zu regnen. Nur ein kleines Mädchen (souverän und entzückend gespielt von Hanna Schallmeier) weiß in ihrer kindlichen Naivität den Regenschirm richtig zu verwenden. Auffallend: Ihr Schirm ist bunt und vereint farblich alle Nationen.

Die Moderatorin, die von Beginn an daran zweifelte, dass die Menschheit aus ihren Fehlern lernen würde, sieht sich als Siegerin der Wette. Die Moral von der Geschicht: Letztlich sind wir unter dem Regenschirm alle gleich… Und die Entdeckung beginnt wieder von vorne… Werden die Menschen diesmal dazulernen?

Mit dieser äußerst gelungenen Eigenproduktion stellten Regisseurin Diana Schneider und ihre SchauspielerInnen ihre Kreativität, ihren Humor und ihr Können beeindruckend unter Beweis.

Brigitte Bodensteiner und Ellen Bugera (FXvS-RS)

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