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Märchenprinz landet Volltreffer

FXvS-Realschule, 07.05.2014, 19.30 Uhr

07_FXvS-RS_maerchenprinz-1Zu der Aufführung von „Märchenprinz – voll daneben“ hatte die Theatergruppe „Theaterfieber“ der Franz-Xaver-von-Schönwerth-Realschule in Amberg eingeladen. Was erwartet einen da? Ein märchenhafter Stoff, durch die Mangel der Umgangssprache gedreht? Volltreffer – aber in mehr als einem Sinn, denn was die 22 Spielerinnen und Spieler (6. bis 10. Jahrgangsstufe) unter Anleitung ihrer Lehrkräfte Brigitte Bodensteiner und Jörg Grüssner da auf die Bühne brachten, hatte Schwung und Witz, und man sah allen die Freude am Spielen an, so dass das Publikum sich kein bisschen „daneben“ fühlte.

Die Geschichte verläuft im Großen und Ganzen so: Der gutaussehende Prinz Adolar (gut aussehend: Paul Klever) wird von sämtlichen Prinzessinnen der Gegend angeschmachtet … und vor lauter Auswahl kann er sich gar nicht entscheiden, und außerdem ist er im Stress, muss er doch – wie im Märchen vorgeschrieben – Schneewittchen bei den Sieben Zwergen abholen, nachdem sie von der bösen Königin vergiftet wurde, Dornröschen ist wachzuküssen – nur gut, dass er seinen treuen Knappen (mit coolem Motorrad-Sound auftretend: Konstantin Kreiner) hat, der ihn an seine diversen Pflichten erinnert.

07_FXvS-RS_maerchenprinz-2Und so impft also die böse Königin (Sandra Miller, die alles energisch im Griff hat) den Apfel kräftig mit Gift und bringt ihn zum liebreizenden Schneewittchen (wie im Märchen: Viola Vogl) – dort jedoch gerät sie in der Eile etwas durcheinander und nimmt die vergiftete Hälfte des geteilten Apfels, so dass die böse Königin stirbt; Schneewittchen aber fällt eher aus Schreck in Ohnmacht. Daher wacht sie auch ziemlich schnell wieder auf, als der gutaussehende Prinz erscheint – doch dieser weigert sich, sie wachzuküssen, wo doch das Wachküssen so offensichtlich unnötig ist. Stattdessen eilt er lieber zu Dornröschens Schloss weiter.

Dort sehen die Zuschauer zunächst, wie die böse Fee Mathilde (dynamisch-überzeugend: Angelique Metzke) sich darauf freut, dass Dornröschen sich heute an der Spindel stechen wird – doch ist sie so ungeschickt, dass ihr die Spindel zu Boden fällt, wo die Spitze abbricht. An dieser Spindel kann man sich beim besten Willen nicht in den Finger stechen, das merkt auch Dornröschen (Selina Zander, verspielt und heiter). Doch sie tut einfach so, als ob sie in hundertjährigen Schlaf verfiele – das Märchen muss ja weitergehen. Aber auch hier erkennt der Prinz den Schwindel und weigert sich, die Prinzessin zu küssen. Um vielleicht doch noch ein Happy End zu erreichen, schlägt Knappe Georg schließlich vor, man könne ja eine funktionstüchtige Spindel aus dem Märchen von Frau Holle ausleihen, denn da fallen ja Spindeln in den Brunnen.

07_FXvS-RS_maerchenprinz-3Diese geniale Idee wird in die Tat umgesetzt, man schleicht sich also bei Frau Holle ein … und verliebt sich prompt in Goldmarie (Sophie Heuberger) – da treten aber auf einmal Schneewittchen und Dornröschen auf den Plan, und der Prinz muss sich entscheiden. Entgegen aller Erwartungen will er aber nicht eine der Prinzessinnen heiraten, sondern er wählt die Märchenerzählerin (Ines Tischner), die charmant und souverän die Reise durchs Märchenland moderiert hat!

Die turbulente Handlung war schon witzig, aber noch mehr sorgte die liebevolle Ausgestaltung mit den Mitteln des Schultheaters dafür, dass das Publikum mit Begeisterung dabei war. So wurde beispielsweise in präzisen und schwungvollen Auftritten ein Chor eingesetzt, der mit und ohne Masken eine gute Figur machte. Der Zauberspiegel der bösen Königin war gleich doppelt vorhanden und wurde durch einen sehr gelungenen Spiegeltanz eingeführt. Die Brote, die im Märchen von Frau Holle im Ofen rösteten, waren nicht nur durch individuell gestaltete T-Shirts als „Toastbrot“ oder „Vollkornbrot“ zu identifizieren, sondern durch geschickte Lichtregie mit einem Projektor sah man auch, wie die Flammen sie zu verbrennen drohten.

Nicht zuletzt war es auch das nahtlose und gelungene Zusammenspiel aller Akteurinnen und Akteure, die den Theaterabend der Franz-Xaver-von-Schönwerth-Realschule zu einem Vergnügen machte. Dazu trugen außer den bereits Genannten (zum Teil in mehreren Rollen) bei: Luisa Bock, Emilia Krieg, Ann-Kathrin Lehmeier, Johanna Meiler, Lisa Strahl, Sophie Müller, Loreen Ziehn, Lisa Berner, Emma Prechtl, Laura Mazur, Jessica Bin, Christine Schönfelder, Pauline Lay und Anna Schmidt-Burgk.
Die Theaterlehrkräfte Brigitte Bodensteiner und Jörg Grüssner können stolz sein auf ihre spielfreudige und disziplinierte Truppe.

Peter Ringeisen

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