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Überzeugend und liebenswürdig humorvoll

GMG präsentiert am Bildschirm und auf der Bühne: „Halbgötter in Weiß“

„Halbgötter in Weiß“ bot die Theatergruppe Oberstufe des Gregor-Mendel-Gymnasiums unter der Leitung von Claudia Ried an. Dieser Titel bezeichnete eine „schnulzige Krankenhaus-Soap“ – ein Genre, für das in Deutschland seit der „Schwarzwald-Klinik“ in den 1980er Jahren das Interesse kaum abgeflaut ist und das auch international gängig und populär ist.

Die Struktur des GMG-Stücks ist einfach und effektiv: Auf der rechten Seite der als Wohnzimmer einer WG eingerichteten Bühne steht ein großes Fernsehgerät (auch für das Publikum gut sichtbar durch eine stets funktionierende Beamer-Projektion), auf dem die Mitglieder der Frauen-WG sich regelmäßig die Serie „Halbgötter in Weiß“ ansehen, und zwar alle – bis auf die vernünftige, lässig-lockere Lea, der die durchsichtige Handlung mit ihren Klischees einfach zu doof ist; Constanze Gierl gab dieser Figur eine durchweg überzeugende Bühnenpräsenz. Lea bekommt also nichts von dieser Serie mit – und so merkt sie gar nicht, dass ihr neuer Freund, der Schauspieler Ben (verschmitzt und souverän gespielt von David Pickel), der Darsteller des Serienstars ist, den Leas Freundinnen wöchentlich am Bildschirm anhimmeln: Dr. Colin DeBurgh.

Lea findet heraus, dass ihr neuer Freund der Serienstar von „Halbgötter in Weiß“ ist.

Ganz besonders begeistert von diesem „Halbgott in Weiß“ ist Greta, die ihren Colin nicht nur gegen spöttische Bemerkungen ihrer Mitbewohnerinnen verteidigt, sondern von dessen Existenz sie felsenfest überzeugt ist. Deshalb fällt sie aus allen Wolken, als Lea ihren neuen Freund Ben eines Tages mit in die WG bringt – wie vom Donner gerührt spricht sie ihn ehrfürchtig als „Dr. DeBurgh“ an und ist so sehr in der Scheinwirklichkeit der Krankenhausserie gefangen, dass sie es nicht akzeptieren kann, dass der Schauspieler in seinem Privatleben kein gefeierter Neuro-Chirurg ist; Franziska Neuser spielte die Naivität der Greta mit inbrünstiger Überzeugung. Erst ganz am Schluss gelingt es einer anderen Schauspielerin aus der Serie – die Ben zu einer Party in die WG eingeladen hat –, Greta die Augen zu öffnen. Die Darstellerin der tatkräftigen Oberschwester Michaels (Alex Jelicka) füllte auch hier ihre Rolle als resolute gute Seele der Klinik bestens aus.

 

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Ben teilt seinen Freunden mit, dass er aus der Serie aussteigt.

Alle Einzelheiten des sehr unterhaltsam gestalteten Doppellebens dieser Schultheateraufführung – auf der Bühne und im Fernsehen – lassen sich hier nicht aufzählen, deshalb noch zwei strukturelle Anmerkungen. Zum einen wird die Spielhandlung im WG-Zimmer immer wieder für ein kurzes Solo jeder Darstellerin unterbrochen, in dem sie in einer stummen Pose darstellt, wovon sie träumt. Ein sehr charmanter Einfall, der jeweils zur sonstigen Rolle der Figur passt: Ling-Ling, die sich redlich mit der schwierigen deutschen Sprache abmüht, sieht sich als Lehrerin, die ihren WG-Freundinnen das Koreanische beibringt (Thu Nga Tran mit unbeschwerter, sympathischer Spielweise); die fleißige Elisabeth träumt von einem Studienabschluss mit Bestnote (Sarah Hepp als liebenswerte Streberin); Melanie, die in der WG immer saubermacht, schwebt eine Szene vor, in der alle anderen auf Knien den Boden polieren (Katharina Waal ist die nachsichtige, aber genaue Hygiene-Freundin); die Nachwuchsschauspielerin Lilly (überzeugend glamourös: Berta Depperschmidt) nimmt in ihrem Traum einen Oscar entgegen, und die lässige und coole Vicky (ideal verkörpert von Antonia Schmidt) steht aufgereiht zum Pressefoto als Bundeskanzlerin zwischen Putin und Obama. In weiteren Rollen spielten ebenso glaubwürdig Johanna Mehringer und Martina Mikuta.

Damit zur zweiten Anmerkung zur Struktur: Alle Bewohnerinnen der WG (und Ben) sind zur Zeit (noch) in der Oberstufe des GMG – während alle Schauspielerinnen und Schauspieler der Krankenhausserie ehemalige Mitglieder der Theatergruppe sind, die sich für die Dreharbeiten trotz Terminschwierigkeiten noch einmal zusammengefunden haben (plus David Pickel natürlich, der öfter zwischen den Welten wechseln muss). Die Kamera-Leute Kevin Altmann und Jonathan Grothaus haben dabei ganze Arbeit geleistet und die für das Genre angemessen klischeehafte Darstellung der Krankenhaus-Crew perfekt eingefangen: Jonathan Grothaus selbst spielte den Chefarzt, und die diversen Ärzte, Schwestern und Patienten verkörperten mit bester Spiellaune Lena Härteis, Alex Jehlicka, Meike Pfeiffer, Anna Shalsi und Barbara Winkler.

Immer wieder Heiterkeit zwischendurch und großen Applaus am Ende gab es vom Publikum zu hören. Spielleiterin Claudia Ried kann auf ihre Truppe stolz sein – und auch auf die eigene Leistung, denn das Drehbuch stammt aus ihrer Feder.

Peter Ringeisen (DJDG)

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Eingeordnet unter Schultheatertage 2016