Archiv der Kategorie: Auftaktveranstaltung

Schultheater wohlauf und quicklebendig

Geglückter Auftakt der 29. Amberger Schultheatertage (2022)

Die 29. „Amberger Schultheatertage“ zeigten, dass trotz aller Probleme, die die Pandemie-Maßnahmen auch für die Theatergruppen mit sich brachten, die Spielfreude immer noch da ist – und die gut gefüllten Zuschauerränge machten deutlich, dass auch das Publikum da ist, das die Aufführungen sehen will. Beste Voraussetzungen also für die Ausschnitte aus den aktuellen Produktionen der Amberger Schultheatergruppen, die bei der Auftaktveranstaltung im Stadttheater traditionell dargeboten werden. Oberbürgermeister Michael Cerny begrüßte das Publikum im vollbesetzten Haus; er dankte den schauspielenden Schülerinnen und Schülern sowie den Theaterlehrkräften für ihr Engagement. Einen guten Verlauf des Abends wünschten in kurzen Grußworten auch Landtagsabgeordneter Dr. Harald Schwartz und der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Amberg-Sulzbach, Thomas Pickel, die als Sponsor der Schultheatertage auftritt.

Die Theatergruppe „Die WILDEN 13“ der Unterstufe des Gregor-Mendel-Gymnasiums (Leitung: Christoph Schulz) bot einen Einblick in ihre Produktion „Horror“ von Barbara Seeliger. Dieses Stück zeigt den Entstehungsprozess eines Filmprojekts – die Jugendlichen wollen einen Horrorfilm drehen. Mit großer Lässigkeit und schön herausgespielten Eigenheiten wird dargestellt, welche Probleme da schon am Anfang auftreten: Es gibt Streit um die Rollenbesetzung, es kommt – natürlich – jemand zu spät, und nur die erfrischend raubeinig eingreifende Regieassistentin kann die auf Harmonie bedachte Regisseurin vor dem Chaos bewahren.

Ein Chaos ganz anderer Art herrscht an der „verfluchten Schule“ (von Stefanie Golkowsky), die die Theatergruppe der Unter- und Mittelstufe des Max-Reger-Gymnasiums auf die Bühne bringt (Leitung: Simone Nimmerrichter). Die Verunsicherung an diesem Haus rührt daher, dass vor hundert Jahren ein Direktor mit schwarzer Magie experimentierte, und nun spuken die unheimlichen Folgen seiner Amateur-Zauberei durchs Gemäuer: ein Einhorn, diverse Gespenster und Zombies! Den Schülerinnen und Schülern des MRG gelingt es, diese besondere, latent bedrohliche Atmosphäre zu zaubern, in der eines der Gespenster sich bitter darüber beklagt, dass es das ewige Spuken leid sei. Ob es der neuen Schülerin Marie gelingen wird, den Fluch zu brechen, wird man später erfahren.

Ihrem besonderen Stil treu, agierte die Theatergruppe der 5.-8. Jahrgangsstufe der Schönwerth-Realschule (Leitung: Brigitte Bodensteiner) mit chorischem Sprechen, bewusster Ausnutzung der Bühnenfläche und mit choreographischen Elementen, die dem Ausschnitt aus ihrer Produktion „Die verwunschene Krähe“ einen poetisches Flair gaben. In diesem Projekt setzen die Schülerinnen und Schüler Elemente aus einem Märchen von Franz Xaver von Schönwerth in eine szenische Erzählung um. Besonders beeindruckend war der Flug der überdimensional großen Krähe, die sich aus den Körpern der Schauspielerinnen und Schauspieler zusammensetzte.

Ein für Jugendliche besonders aktuelles Thema hat sich die Theatergruppe des Erasmus-Gymnasiums vorgenommen (Leitung: Elisa Romfeld). Ihr eigenständig entwickeltes Stück dreht sich um das Smartphone und wie es durch seine Allgegenwärtigkeit das Leben der jungen Leute dominiert. Der Titel „Liken bitte!“ macht deutlich, dass die Zustimmung aus dem Umfeld der sozialen Medien das Ziel aller Userinnen und User ist – und erst recht natürlich all derer, die „Influencer“ sein wollen. Mit perfekter Intonation und Wortwahl karikieren die EG-Influencerinnen existierende YouTube-Kanäle, preisen Kosmetika an, helfen mit erstklassigen Tipps zu deren Verwendung weiter und geben einen Rabattcode an ihre Zuschauerschar, mit dem man einen unglaublichen Preisnachlass von 2 % erhält. Die Hauptperson, die zunächst nur Konsumentin ist, wird dabei von einem charmanten Engelchen und einem umso entschiedeneren Teufelchen beraten – und so wird sie selbst zu einer Influencerin.

Die Mittel- und Oberstufe des Max-Reger-Gymnasiums (Leitung: Nina Kohl) überzeugte mit einer stark verfremdeten Version von „Alice im Wunderland“. Sehr frei nach Lewis Carroll nennt die Gruppe ihr Stück „Alice im Anderland“ – und dieses andere Land ist eine Nervenheilanstalt, in der die traumatisierte Alice auf Figuren stößt, die an die aus dem Original bekannten Figuren erinnern. So sitzt der „verrückte Hutmacher“ zitternd und mit körperlichen Ticks behaftet auf dem Stuhl des Gruppentherapieraums, direkt neben einer Patientin, die sich als weißes Kaninchen fühlt. Und die ganzen beklagenswerten Gestalten sind in der zweifelhaften Obhut von überforderten und unfähigen Ärzten. Mit dichter Intensität erschufen die Jugendlichen eine bedrückende Stimmung, die nach Einordnung und Aufklärung verlangt. Ob sich dieser Zuschauerwunsch erfüllen wird?

Der atmosphärische Kontrast könnte kaum größer sein zu dem darauf folgenden Ausschnitt. Die jüngere Hälfte der Theatergruppe der Dr.-Johanna-Decker-Schulen (Leitung: Florian Hackl und Peter Ringeisen) gab einen Einblick in die klamaukhafte Darstellung der Biographie von „Cleopatra“ (August von Kotzebue). Hier zeigt sich die ägyptische Herrscherin als selbstbewusste Frau, die zum Zeitvertreib „Werthers Leiden“ liest und ihr blendendes Aussehen dazu nutzt, den römischen Feldherrn zu bezirzen und so davon abzuhalten, ihr Reich zu erobern.

Die Oberstufen-Theatergruppe des Gregor-Mendel-Gymnasiums, „Die Oscars“ (Leitung: Claudia Ried), brachte eine eigene Fassung des „Faust“-Stoffs mit: „Der Fall Margarete Weiß“ stellt die in Goethes berühmtestem Drama gezeigte Handlung aus der Sicht der jungen Frau dar, die von Faust verführt und dann verlassen wird, so dass sie aus Verzweiflung und in aussichtsloser Lage ihr Kind tötet. In der GMG-Fassung wird versucht, die Schuldfrage zu klären. Hier werden Verhöre geführt, Aussagen der Nachbarin neben den Auftritt des Dr. Faust gestellt, bei dessen Vernehmung der Anwalt schon mal gleich gegen den vermeintlich respektlosen Umgang mit seinem Mandanten protestiert. Und man denkt sich: Ja, so könnte diese Angelegenheit heutzutage behandelt werden – mit solchen Tricks und Manipulationsversuchen könnte der Promi-Wissenschaftler Faust sich distanzieren wollen. Auch hier will man wissen, wie dieser moderne Prozess wohl endet.

Den Schluss machte die andere Hälfte der Theatergruppe der Dr.-Johanna-Decker-Schulen (Leitung: Florian Hackl und Peter Ringeisen) mit einem Ausschnitt aus J. B. Priestleys Drama „Ein Inspektor kommt“. Wie bei „Faust“ dreht sich ebenfalls alles um eine junge Frau, die sterben muss, weil die Menschen um sie herum ihr keine Chance geben. Ein Inspektor namens Goole meldet sich im Haus des Industriellen Arthur Birling, der mit seiner Familie gerade die Verlobung seiner Tochter mit einem ebenfalls wohlhabenden jungen Mann feiert. Diese Idylle wird mit jeder Frage des Inspektors brüchiger, als sich herausstellt, dass zwischen Birling und der jungen Frau, die sich an diesem Nachmittag das Leben genommen hat, sehr wohl ein Zusammenhang besteht. Wer sonst noch alles bei den tragischen Entwicklungen eine Rolle gespielt hat, zeigt sich dann bei der Aufführung des ganzen Stücks.

Die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler wurden für ihre Darbietungen mit reichlich Applaus belohnt, und bei allen acht Ausschnitten fühlte man als Zuschauer den Wunsch, die komplette Aufführung zu sehen – insofern erfüllte die Auftaktveranstaltung genau ihren Zweck. Die Schultheatergruppen zeigten einander, woran sie arbeiten, und machten deutlich: Es wird sich lohnen, die Theaterabende an den Schulen zu besuchen. Zum Abschluss dankte Kulturreferent Dr. Fabian Kern auch den Schultheaterleiterinnen und -leitern für ihre kreative Arbeit und überreichte als Dank der Stadt Amberg Gutscheine für den Besuch einer Aufführung im Stadttheater mit allen aktiven Mitgliedern der Schultheatergruppen.

Im Namen aller Theaterlehrkräfte dankte Peter Ringeisen dafür und auch für die organisatorische Unterstützung der Schultheatertage durch das Kulturamt der Stadt Amberg.

Den Flyer der Schultheatertage, der eine Übersicht über die angebotenen Aufführungen gibt, kann man über die Internetseite www.hostasxeng.de abrufen.

In Abstimmung mit den beteiligten Gruppen: Peter Ringeisen (DJDS)
Fotos: Peter Ringeisen

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Engagierte Darstellerinnen und Darsteller: Erfolgreicher Auftakt 2020

[Stadttheater, 14.02.2020] Bunte und lebendige Schultheaterszene bietet breites Spektrum

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Zum 28. Mal gibt es heuer ein Programm „Amberger Schultheatertage“ – und bereits zum achten Mal spielten alle teilnehmenden Gruppen Ausschnitte aus ihren aktuellen Produktionen bei einer Auftaktveranstaltung im Schmuckkästchen der Amberger Kultur, dem Stadttheater. Hausherr Oberbürgermeister Michael Cerny begrüßte das Publikum im vollbesetzten Haus; er dankte den schauspielenden Schülerinnen und Schülern sowie den Theaterlehrkräften für ihr Engagement. Die lebendige Schultheaterszene in Amberg unterstreiche: „Schule ist mehr als Rechnen, Schreiben und Lesen“. Das Theaterspiel leiste einen wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsbildung.

Neben dem traditionellen Sponsor der Schultheatertage, der Sparkasse Amberg-Sulzbach, trat in diesem Jahr ein weiterer Sponsor auf: Die Freudenberger Bauernbühne, vertreten durch die Vorstände Norbert Altmann und Benno Schißlbauer, überreichten eine Spende von je 100 Euro an die sieben in der laufenden Saison teilnehmenden Gruppen. Sowohl Oberbürgermeister Cerny als auch Spielleiter Peter Ringeisen (im Namen der Theatergruppen) sprachen den Sponsoren ihren Dank aus.

Die Einleitung zu den Aufführungen des Abends gestalteten die Fünftklässlerinnen der Dr.-Johanna-Decker-Schulen, die in ihrem kurzen und kurzweiligen Beitrag mit den Begriffen Text, Bewegung und Spaß spielten (Leitung: Peter Ringeisen).

Die Theatergruppe der Unterstufe des Erasmus-Gymnasiums (Leitung: Sandra Häusler und Susanna Rosemann) boten einen Einblick in ihre Produktion „Isa“. Die jungen Spielerinnen und Spieler agierten sehr diszipliniert und verkörperten ihre Rollen überzeugend, beispielsweise das von ihren Mitschülerinnen gemobbte Mädchen Isa, das seine Gefühle beim Musizieren auf ihrer Geige bewältigt. Sehr geschickt stellten sieben Spieler eine Maschine dar, die die gestresste Mutter des Kindes bedienen muss; in einer einprägsamen Traumszene überreichten die Mitschüler rote Rosen an Isa, und sie gab sie anmutig als Kompliment zurück. Da darf man hoffen, dass die Video-Aufnahmen, die die flotte Oma des Mädchens von Isas Geigenspiel machte, viele Klicks auf YouTube bekommen.

Die Eigenproduktion „Freitag, der 13.“, die die Theatergruppe der 5.-8. Jahrgangsstufe des Max-Reger-Gymnasiums zeigte (Leitung: Gabi Biehler und Simone Nimmerrichter) hielt dem Publikum den Spiegel vor, indem sie vorführte, wie viele von uns eigene Versäumnisse nicht zugeben wollen und stattdessen das „Pech“ dafür verantwortlich machen, wenn etwas schiefgeht. Witzigerweise ist das Pech bei diesem Stück gleich vierfach anwesend, nämlich als schwarze Kobolde mit roten Haaren, die sich alle Mühe geben, den Glauben an unglücksbringende Symbole, Dinge oder Tiere aufrecht zu erhalten, besonders keck dabei Herr Pech persönlich. Zum Glück ist eine sehr vernünftige Person auch noch da, die alles aufklärt.

Die letztjährige Theaterklasse der Unterstufe des Gregor-Mendel-Gymnasiums (Leitung: Claudia Ried) führte ihre Bearbeitung des Romans „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ von Judith Kerr auf. Die handelnden Personen waren auf jeweils mehrere Spielerinnen und Spieler verteilt. In einprägsamen Bildern erzählten sie die Geschichte der Flucht der jüdischen Familie aus Nazi-Deutschland. Zum Beispiel die Zugfahrt in die Schweiz wurde wunderbar durch passend angeordnete Sitzwürfel und die dem Rattern der Bahn entsprechenden Bewegungen dargestellt, die die Unebenheiten im Gleis spürbar machten.

Nach der Pause begann die Theatergruppe der Oberstufe des Erasmus-Gymnasiums (Leitung: Elisa Romfeld) mit ihrer modernisierten Fassung des Stücks von Frank Wedekind: „Frühlings Erwachen 2020“. Sowohl die Sprache als auch zeitgenössische Themen transportierten das Stück in die Gegenwart und berührten die Zuschauer: Das emotional aufgeladene Gespräch zwischen Mutter und Tochter über angemessene Kleidung, der Wutausbruch des Schülers über sinnlosen Leistungsdruck, die Beinahe-Liebesszene, die echten Sorgen der coolen Mädchen– und besonders die beißenden Bemerkungen der Erwachsenen beim Begräbnis der Schülerin, die sich das Leben nimmt. Die Darstellerinnen und Darsteller der EG-Theatergruppe machten deutlich, dass Wedekinds Stück auch in unserer Zeit funktioniert.

Bei dem Stück „Die Mauer“ (nach Max Frisch), aus dem die Theatergruppe der 7. bis 12. Jahrgangsstufe der Dr.-Johanna-Decker-Schulen (Leitung: Peter Ringeisen) den Anfang spielte, stellten die Schülerinnen mit bunten Kostümen die diversen historischen Figuren dar, die sich in ihren Gesprächen stets um die Themen Wahrheit und Macht drehten. Besonders eindringlich wurde die Brutalität der Tyrannen (und ihr Bezug zur Gegenwart) deutlich beim Auftritt des chinesischen Kaisers Tsin Sche Hwang Ti, der den Heutigen für einen Rebellen hält, und nur das Einschreiten der klugen und schönen Prinzessin Mee Lan verhindert ein blutiges Ende.

Die Theatergruppe der Mittel- und Oberstufe des Gregor-Mendel-Gymnasiums (Leitung: Claudia Ried) griff den Stoff des „Stanford-Gefängnis-Experiments“ von 1971 auf und übersetzte ihn in ihrer Eigenproduktion sehr eindrucksvoll für die Bühne. Schon das Eintreffen der freiwilligen Test-Teilnehmer war spannend, da man die gegenseitigen Reaktionen der Personen aufeinander verfolgen konnte, und nachdem alle durch Los in „Wärter“ und „Gefangene“ sortiert waren, begann die erwartbare Identifikation mit dem Rollenmuster – verstärkt durch Aufseher-Uniformen und Häftlingskleidung, eine beklemmende Verwandlung.

Mit „Die Räuber. Schiller für uns“ von Marlene Skala setzte die Theatergruppe Mittel-/Oberstufe des Max-Reger-Gymnasiums (Leitung: Nina Kohl) den Schlusspunkt. In dieser modernen Version des berühmten Sturm-und-Drang-Dramas sind beide Hauptfiguren weiblich, und der Vater hat für die zu Hause gebliebene Charlotte nie Zeit, weil er in Excel-Tabellen seine Bilanzen machen muss – und die Lieblingstochter Franziska darf zwei Jahre in der Welt herumgondeln, ohne dass Papa sich Sorgen macht – das kann nicht gutgehen. Schließlich ist da noch der Jugendfreund, der beide Schwestern gern hat, und den der Konflikt zu zerreißen droht – man darf gespannt sein, wie diese Fassung ausgeht.

Die Auftaktveranstaltung zeigte lauter gut vorbereitete, engagierte Theatergruppen, bei denen es sich lohnt, die ganze Aufführung anzusehen. Informationen zu Aufführungsterminen erhält man über den Schultheatertage-Flyer, der im Kulturamt, in der Tourist-Info und in der Sparkasse ausliegt, und online unter www.hostasxeng.de, Menüpunkt „Programm“.

Peter Ringeisen, Spielleiter an den DJDS

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