Schwarzes Theater und Superhelden

Zwei Aufführungen an einem Abend: Hommage an das schwarze Theater, gefolgt von Superhelden

[FXvS-RS, 28.04.2016]   Schwarzes Theater in gekonnter Manier, ausdrucksstark und mit großem Spieleifer, so präsentierten sich die Klasse 6b und die Schultheatergruppe Theaterfieber der Franz-Xaver-von-Schönwerth-Realschule am vergangenen Donnerstagabend in zwei Darbietungen dem begeisterten Publikum.

Den Auftakt machte die Klasse 6b mit ihrem Stück „Viertelland“  nach einer Geschichte von Gina Ruck-Pauquét mit Elementen aus dem Zirkustheater.

Viertelland ist in vier Teile zerfallen: Gelb, Blau, Rot und Grün. Roboto, die Symbolfigur für das Intolerante, achtet auf die strikte Abgrenzung der Menschen aus den verschiedenen Vierteln. Doch Erbs, einem Kind aus dem grünen Viertel,  kommen Zweifel, ob das denn alles so richtig sei. Er kann einfach nicht grün werden, trotz aller Bemühungen seiner Eltern und Großeltern.

In neun Szenen vermittelten die jungen und hoch motivierten SchülerInnen Eindrücke aus ihren Welten, stellten in wenigen, treffenden Wortwechseln die vermeintlichen Vorzüge „ihrer Welt dar“, in der alles nur gelb, nur blau, nur rot oder nur grün sein durfte. Denn nur so ist es richtig und nur so ist es wahr und gut. Nur zu dumm, dass ja jede Gruppe davon überzeugt war, die einzig wahre und richtige zu sein!

Schon in der ersten Szene konnte der kecke  Clown Babbel, gewinnend dargestellt von Pauline Meiller, die Herzen der Zuschauer für sich einnehmen, als er die Bewohner des Viertellandes zum Leben erweckte. Die schöne Eintracht wurde  aber schnell zerschlagen, als der herrische Roboto (Erika Delchmann) und der schusselige Clown Kecksi (Alina Dieter) auftauchten  und alle Bewohner wieder in ihre Viertel verscheuchten. In den kommenden sieben Szenen gaben die lachenden und gut gelaunten „Gelben“, die lockeren und ironischen „Blauen“, die liebevollen und stolzen „Roten“ und die sowieso besten und coolen „Grünen“  Einblicke in ihre Welt, verdeutlicht mit gekonnten Tanzeinlagen zu modernen Beats. Viele Lacher erntete die Szene 7 „Luftballons aufblasen“, in der auf sehr lustige und symbolhafte Weise dargestellt wurde, dass selbst schwierigste Aufgaben am besten gemeinsam gelöst werden können.

Und so bedurfte es am Ende noch eines Zauberers vom Zirkus und seinen bunten Blumensträußen , die er beeindruckend aus dem Ärmel zauberte, um das ganze Viertelland zusammenzuführen und zu überzeugen, dass bunt viel schöner ist. Genauso, wie es der kleine Erbs, hinreißend dargestellt von Roman Kunz, schon immer fühlte.

Ein Appell an Toleranz, Teamgeist, Akzeptanz und Annäherung an Anderes für ein besseres Zusammenleben der Menschen ist aktueller denn je und mit dem Stück „Viertelland“ in starken Bildern, Tänzen und Versen eindringlich vermittelt worden.

Es folgte die Aufführung von „Superhelden“, einer Szenenfolge in Eigenproduktion der Schultheatergruppe Theaterfieber.

Wieder gelang der eingeschworenen Truppe junger Theaterspieler um ihre rührigen Leiter Brigitte Bodensteiner und Jörg Grüssner ein Festival für Auge und Ohren. Mit Herzblut und vollem Einsatz entführten uns die jungen DarstellerInnen in die Welt der Superhelden.

Ausgehend von einer klassischen Warm-up Szenerie traten die einzelnen Superhelden wie „Superman“ (Thomas Reiser), „Joker“( Alexander Migotz), „Spiderman“ (Leonie Ziebert), „Robin Hood“ (Sandra Miller) oder „Catwoman“ (Lisa Berner), in eindeutigen Posen aus der Gruppe hervor und schließlich zu einem Helden-Casting an. Die Jury des Castings wurde pantomimisch äußerst gekonnt von Julia Eckl, Jessica Ril und Ines Tischner verkörpert.

Doch gerade die, die ganz oben stehen und gefeiert werden, sind auch dem Absturz immer ganz nah. Man ahnte es schon, die Demontage und das Scheitern der Superhelden ließen nicht lange auf sich warten. Selbst der verschlagene Joker (absolut überzeugend dargestellt von Alexander Migotz), dem kein Rätsel zu schwer schien, musste straucheln bei der Frage, wer wohl zuerst da war, das Huhn oder das Ei. Doch ist es nicht auch heldenhaft, zu scheitern? Dann wird eben improvisiert (gekonnt und mitreißend, Lisa Berner, Johanna Meiler und Emilia Krieg) – aber auch dies musste letztendlich an allzu menschlichen Befindlichkeiten scheitern. Gut (bezaubernd, Nadine Zimmermann) und Böse (souverän, Sandra Miller) im ständigen Ringen, einmal siegt die Liebe und einmal wirft die Verbitterung zu Boden. Unverständnis, Neid, Missgunst, Verblendung, Gleichgültigkeit und Wegschauen, Streit und Ohnmacht rufen nach Helden, kleinen und größeren, in unserem Alltag. Und Gott sei Dank tauchen diese auch immer wieder auf. Angefangen von Mahatma Gahndi, über die Geschwister Scholl, die Beatles bis zu allen Mamas und Papas sowie jedem einzelnen von uns, was uns eine Beamerprojektion am Ende des Stückes bildlich vor Augen führte.

Rasante Szenenwechsel, hintersinnige Moderationen, gut gewählte Musikeinspielungen, gelungene Tanzperformances sowie Einbeziehung des Publikums ins Spielgeschehen sorgten für ein abwechslungsreiches  Schauspiel mit vielen ausdrucksstarken Bildern, welches letztendlich die Frage aufwarf, warum wir alle Superhelden suchen, lieben oder sein wollen … weil wir hin und wieder davon träumen, von einem Superhelden gerettet zu werden.

„Wahre Superhelden sind für uns Menschen, die uns in dunklen Zeiten ein Lächeln aufs Gesicht zaubern!“ wurde abschließend  vom „Theaterfieber“ im Chor skandiert und vom Publikum mit stürmischem Applaus bestätigt.

Susanna Rosemann

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