„Ob’s kommt?“ – Spontantheatertag in neuem Ambiente

Da der Club Habana, traditionell der Veranstaltungsort für die Spontantheatertage, leider inzwischen geschlossen ist, musste der Abend umziehen und fand im Ring-Theater, dem großen, alten Kino, einen geeigneten Ersatz, wenn auch die Atmosphäre dort etwas nüchterner und weniger intim ist. Dennoch fühlten sich die sieben teilnehmenden Gruppen auf der Kino-Bühne sehr wohl, „legten ihre ganze Spielfreude in die kurzen Auftritte und zeigten ihre schauspielerischen Talente“, wie der Kritiker der Amberger Zeitung, Johann Frischholz, in der AZ vom 4. Dezember 2012 konstatierte.

Das am Sonntagvormittag (2. Dez. 2012) telefonisch an die Gruppen durchgegebene Thema lautete diesmal: „Ob’s kommt?“ Bis zum Abend hatten die Gruppen dazu eine Spielszene oder mehrere kurze Szenen zu erstellen, die insgesamt nicht länger als acht Minuten sein durften. In der erfahrenen Jury wirkten mit: ein Mitglied des ausrichtenden Kulturvereins Amberg, Eugen Burger, Kulturfachkraft Marina Auer, ehemalige Leiterin der Stadtbibliothek Vroni Hein, Zeitungsredakteurin Kristina Sandig und Lehrer (mit überregionaler Wettbewerbserfahrung) Egid Spies.

Johann Frischholz würdigt die drei Erstplatzierten so:

Den dritten Platz belegte der Amberger Jugendtheaterclub unter der Leitung von Winni Steinl. Die jungen Schauspieler und Schauspielerinnen der Truppe zeigten ein höchst aktuelles „Endzeit“-Stück, das sich mit den derzeit grassierenden Weltuntergangs-Szenarien befasste. Mit Lust zelebrierten sie einen letzten „Tanz auf dem Vulkan“ und demonstrierten verschiedene Möglichkeiten, per Suizid der apokalyptischen Bedrohung zu entgehen, um dann feststellen zu müssen, dass der 21. Dezember 2012 doch nicht der letzte Tag des menschlichen Daseins ist. Aber es gibt ja noch eine Chance, denn „am 30. Mai ist der Weltuntergang!“ Mit diesem fröhlich-morbiden Abgesang verabschiedete sich die Steinl-Truppe von den Zuschauern.

Die Silbermedaille bekam die Theatergruppe der Dr.-Johanna-Decker-Schulen für ihr „Warten aufs Christkind“-Stück. Allerdings steht statt des himmlischen Sendbotens die Schwiegermutter vor der Tür und zertrümmert mit herrlich gespielter Boshaftigkeit das Familien-Idyll. Hier gefiel besonders die Idee, in zwei Handlungssträngen („Familie an Heiligabend“ und „Schwiegermutter im Taxi“), die nahezu zeitgleich auf der Bühne ihrer Vereinigung zustrebten, die Kontrahenten vorzustellen.

Ob sie kommen würden, stand bis kurz vor Beginn noch nicht fest, denn die Theatergruppe Katharina Stark hatte die längste Anreise, und das bei widrigen Wetterverhältnissen. Aber sie kamen, sahen und siegten, die drei jungen Damen aus Weiden. Sie hatten erkannt, dass das Thema von „SPOTT 9“ auch das „Warten an sich“ beinhaltet.

Und so warteten sie auf die große Liebe, auf den Postboten, auf das Ende der Warteschleife im Telefon. So ganz nebenbei nahmen sie in ihrer Performance auch noch die werbetreibende Industrie aufs Korn und erzielten damit den Volltreffer: Platz eins ging, wie schon im Vorjahr, an die Weidener Gäste.

(Johann Frischholz, „Das ‚Warten an sich‘ bringt den Sieg“, Amberger Zeitung Nr. 280, 4. Dezember 2012, S. 22)

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